der Menschenheerde‘: das ist gesagt worden; und warum ist
das gesagt worden? Der Elephantenlenker, ihr Mönche, lässt
den Reitelephanten eben nach einer Richtung laufen, nach
Osten oder nach Westen, nach Norden oder nach Süden. Der
Rosselenker, ihr Mönche, lässt das Wagenross eben nach einer
Richtung laufen, nach Osten oder nach Westen, nach Norden oder
nach Süden. Der Stiertreiber, ihr Mönche, lässt den Zugstier
eben nach einer Richtung laufen, nach Osten oder nach Westen,
nach Norden oder nach Süden. Der Vollendete, ihr Mönche, der
Heilige, vollkommen Erwachte, lässt das Menschenthier[181]
acht Richtungen durchlaufen. Formhaft ist es und sieht die
Formen: das ist die erste Richtung. Innen ohne Formwahrnehmung
sieht es außen Formen: das ist die zweite Richtung. Schönheit
nur hat es im Sinne[182]: das ist die dritte Richtung. Durch
völlige Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der
Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen
gewinnt es in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich
des unbegränzten Raumes: das ist die vierte Richtung. Nach
völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre gewinnt es
in dem Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich 376
des unbegränzten Bewusstseins: das ist die fünfte Richtung.
Nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre
gewinnt es in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des
Nichtdaseins: das ist die sechste Richtung. Nach völliger
Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre erreicht es die Gränzscheide
möglicher Wahrnehmung: das ist die siebente Richtung. Nach
völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung
erreicht es die Auflösung der Wahrnehmbarkeit: das ist die
achte Richtung. Der Vollendete, ihr Mönche, der Heilige,
vollkommen Erwachte, lässt das Menschenthier diese acht
Richtungen durchlaufen. -- ‚Ein solcher heißt der Fahrkundigen
vorzüglichster, Leiter der Menschenheerde‘: wurde das gesagt,
so war es darum gesagt.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.[183]
138.
Vierzehnter Theil Achte Rede
DES STÄMPELS ABZEICHEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Des Stämpels Abzeichen will ich euch Mönchen weisen: das höret
und achtet wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht üben, dass
ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein nicht
zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig, ohne
anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr Mönche,
das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen nicht 377
zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich ein
Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und Leiden
künftig nicht mehr finden.«
Also sprach der Erhabene. Als der Willkommene das gesagt hatte,
stand er auf und zog sich in das Wohnhaus zurück.
Da gedachten denn die Mönche, bald nachdem der Erhabene
fortgegangen war, unter sich: ›Diesen Stämpel, ihr Brüder, hat
uns der Erhabene im Umrisse dargestellt, ohne die Abzeichen
ausführlich zu erläutern, ist aufgestanden und hat sich in
das Wohnhaus zurückgezogen. Wer könnte nun wohl dieser kurzen
Andeutung Inhalt ausführlich begründen?‹ Da sagten sich nun
jene Mönche: ›Der ehrwürdige Mahākaccāno wird selbst vom
Meister gepriesen, von den verständigen Ordensbrüdern aber
verehrt: wohl wäre der ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den
Inhalt dieser kurzen Andeutung ausführlich zu begründen; wie,
wenn wir uns nun zum ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn
bitten würden, uns den Inhalt darzulegen?‹ Und jene Mönche
begaben sich zum ehrwürdigen Mahākaccāno, wechselten höflichen
Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzten
sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprachen nun jene
Mönche zum ehrwürdigen Mahākaccāno also:
»Diesen Stämpel, Bruder Kaccāno, hat uns der Erhabene im 378
Umrisse dargestellt, ohne die Abzeichen ausführlich zu
erläutern, ist aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus
zurückgezogen: ›Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht
üben, dass ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein
nicht zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig,
ohne anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr
Mönche, das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen
nicht zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich
ein Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und
Leiden künftig nicht mehr finden.‹ Da kam uns, Bruder Kaccāno,
bald nachdem der Erhabene fortgegangen war, der Gedanke:
›Diesen Stämpel, ihr Brüder, hat uns der Erhabene im Umrisse
dargestellt, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern, ist
aufgestanden und hat sich in das Wohnhaus zurückgezogen. Wer
könnte nun wohl dieser kurzen Andeutung Inhalt ausführlich
begründen?‹ Da sagten wir uns, Bruder Kaccāno: ›Der ehrwürdige
Mahākaccāno wird selbst vom Meister gepriesen, von den
verständigen Ordensbrüdern aber verehrt: wohl wäre der
ehrwürdige Mahākaccāno imstande, den Inhalt dieser kurzen
Andeutung ausführlich zu begründen; wie, wenn wir uns nun zum
ehrwürdigen Mahākaccāno begeben und ihn bitten würden, uns den
Inhalt darzulegen?‹ Mög’ es der ehrwürdige Mahākaccāno thun!« 379
»Gleichwie etwa, Brüder, wenn ein Mann, der Kernholz begehrt,
Kernholz sucht, auf Kernholz ausgeht, über Wurzel und Stamm
eines großen kernig dastehenden Baumes hinaufkletterte und im
Laubgezweige Kernholz finden wollte: so ergeht es nun hier euch
Ehrwürdigen, die ihr vor dem Meister gewesen seid, den Herrn
übergangen habt und von mir die Lösung der Frage erwartet.
Doch der Erhabene, ihr Brüder, ist der kennende Kenner und
der sehende Seher, der Auggewordene, Erkenntnissgewordene,
Wahrheitgewordene, Heiligkeitgewordene, der Künder und
Verkünder, der Eröffner des Inhalts, der Spender der
Unsterblichkeit, der Herr der Wahrheit, der Vollendete. Und es
war ja wohl noch an der Zeit gewesen, dass ihr den Erhabenen
selbst befragen und diesen Gegenstand der Erklärung des
Erhabenen gemäß bewahren konntet.«
»Freilich, Bruder Kaccāno, ist der Erhabene der kennende Kenner
und der sehende Seher, der Auggewordene, Erkenntnissgewordene,
Wahrheitgewordene, Heiligkeitgewordene, der Künder und
Verkünder, der Eröffner des Inhalts, der Spender der
Unsterblichkeit, der Herr der Wahrheit, der Vollendete.
Und es war ja wohl noch an der Zeit gewesen, dass wir den
Erhabenen selbst befragen und diesen Gegenstand der Erklärung
des Erhabenen gemäß bewahren konnten. Aber der ehrwürdige
Mahākaccāno wird ja selbst vom Meister gepriesen und von den
verständigen Ordensbrüdern verehrt: wohl wäre der ehrwürdige
Mahākaccāno imstande, den Inhalt jener vom Erhabenen kurz
gegebenen Andeutung ausführlich darzulegen. Mög’ es der
ehrwürdige Mahākaccāno thun und es nicht übel nehmen!«
»Wohlan denn, ihr Brüder, so höret und achtet wohl auf meine
Rede.«
»Gewiss, o Bruder!« antworteten da aufmerksam jene Mönche dem
ehrwürdigen Mahākaccāno. Der ehrwürdige Mahākaccāno sprach also:
»Den Stämpel, ihr Brüder, den uns der Erhabene im Umrisse 380
dargestellt hat, ohne die Abzeichen ausführlich zu erläutern:
›Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht üben, dass
ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein nicht
zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig, ohne
anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr Mönche,
das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen nicht
zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich ein
Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und Leiden
künftig nicht mehr finden‹: diese kurze Andeutung, ihr Brüder,
stelle ich ihrem Inhalt gemäß in folgender Weise ausführlich
dar. -- Wie also wird, ihr Brüder, das Bewusstsein als nach
außen zerstreut und zerfahren bezeichnet? Hat da, ihr Brüder,
ein Mönch mit dem Gesichte eine Form erblickt, so folgt das
Bewusstsein den Spuren der Form nach, wird von den anziehenden
Spuren der Form verlockt, von den anziehenden Spuren der Form
gefangen, von den anziehenden Spuren der Form fesselverstrickt:
nach außen, sagt man, ist das Bewusstsein zerstreut und
zerfahren. Hat er mit dem Gehöre einen Ton gehört, hat er mit
dem Geruche einen Duft gerochen, hat er mit dem Geschmacke
einen Saft geschmeckt, hat er mit dem Getaste eine Tastung
getastet, hat er mit dem Gedenken ein Ding erkannt, so folgt
das Bewusstsein den Spuren des Dinges nach, wird von den
anziehenden Spuren des Dinges verlockt, von den anziehenden
Spuren des Dinges gefangen, von den anziehenden Spuren des
Dinges fesselverstrickt: nach außen, sagt man, ist das
Bewusstsein zerstreut und zerfahren. Also wird, ihr Brüder, das
Bewusstsein als nach außen zerstreut und zerfahren bezeichnet.
»Wie aber wird, ihr Brüder, das Bewusstsein als nach außen
nicht zerstreut, nicht zerfahren bezeichnet? Hat da, ihr
Brüder, ein Mönch mit dem Gesichte eine Form erblickt, so folgt
das Bewusstsein den Spuren der Form nicht nach, wird von den
anziehenden Spuren der Form nicht verlockt, von den anziehenden
Spuren der Form nicht gefangen, von den anziehenden Spuren der
Form nicht fesselverstrickt: nach außen, sagt man, ist das 381
Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren. Hat er mit dem
Gehöre einen Ton gehört, hat er mit dem Geruche einen Duft
gerochen, hat er mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt,
hat er mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat er mit dem
Gedenken ein Ding erkannt, so folgt das Bewusstsein den Spuren
des Dinges nicht nach, wird von den anziehenden Spuren des
Dinges nicht verlockt, von den anziehenden Spuren des Dinges
nicht gefangen, von den anziehenden Spuren des Dinges nicht
fesselverstrickt: nach außen, sagt man, ist das Bewusstsein
nicht zerstreut, nicht zerfahren. Also wird, ihr Brüder, das
Bewusstsein als nach außen nicht zerstreut, nicht zerfahren
bezeichnet.
»Wie aber wird, ihr Brüder, das Herz als innen zuständig
bezeichnet? Da hat, ihr Brüder, ein Mönch, gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender
ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten Schauung
erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt ruhegeborener säliger
Heiterkeit nach, wird von ruhegeborener säliger Heiterkeit
verlockt, von ruhegeborener säliger Heiterkeit gefangen, von
ruhegeborener säliger Heiterkeit fesselverstrickt: innen
zuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder,
hat der Mönch nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens die
innere Meeresstille erwirkt, die Einheit des Gemüthes, die von
sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige
Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung. Dessen Bewusstsein
folgt der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nach,
wird von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit
verlockt, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit
gefangen, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit
fesselverstrickt: innen zuständig, sagt man, ist das Herz.
Weiter sodann, ihr Brüder, verweilt der Mönch in heiterer Ruhe,
gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfindet
er im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten
Schauung. Dessen Bewusstsein folgt dem Gleichmuthe nach,
wird von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes verlockt,
von dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes gefangen, von
dem anziehenden Glücke des Gleichmuthes fesselverstrickt:
innen zuständig, sagt man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr
Brüder, hat der Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden,
nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die 382
Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen,
vollkommenen Reine, die vierte Schauung erwirkt. Dessen
Bewusstsein folgt dem leidlos Freudlosen nach, wird von dem
anziehenden leidlos Freudlosen verlockt, von dem anziehenden
leidlos Freudlosen gefangen, von dem anziehenden leidlos
Freudlosen fesselverstrickt: innen zuständig, sagt man, ist
das Herz. Also wird, ihr Brüder, das Herz als innen zuständig
bezeichnet.
»Wie aber wird, ihr Brüder, das Herz als innen unzuständig
bezeichnet? Da hat, ihr Brüder, ein Mönch, gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender
ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der ersten
Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt ruhegeborener
säliger Heiterkeit nicht nach, wird von ruhegeborener säliger
Heiterkeit nicht verlockt, von ruhegeborener säliger Heiterkeit
nicht gefangen, von ruhegeborener säliger Heiterkeit nicht
fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist das Herz.
Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch nach Vollendung des
Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille erwirkt, die
Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie,
in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der
zweiten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt der in der Einigung
geborenen säligen Heiterkeit nicht nach, wird von der in
der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht verlockt,
von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit nicht
gefangen, von der in der Einigung geborenen säligen Heiterkeit
nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt man, ist
das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, verweilt der Mönch in
heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein
Glück empfindet er im Körper, von dem die Heiligen sagen:
›Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so erwirkt er
die Weihe der dritten Schauung. Dessen Bewusstsein folgt dem
Gleichmuthe nicht nach, wird von dem anziehenden Glücke des
Gleichmuthes nicht verlockt, von dem anziehenden Glücke des
Gleichmuthes nicht gefangen, von dem anziehenden Glücke des
Gleichmuthes nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt
man, ist das Herz. Weiter sodann, ihr Brüder, hat der Mönch
nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des
einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen,
freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine,
die vierte Schauung erwirkt. Dessen Bewusstsein folgt dem
leidlos Freudlosen nicht nach, wird von dem anziehenden
leidlos Freudlosen nicht verlockt, von dem anziehenden leidlos
Freudlosen nicht gefangen, von dem anziehenden leidlos
Freudlosen nicht fesselverstrickt: innen unzuständig, sagt
man, ist das Herz. Also wird, ihr Brüder, das Herz als innen 383
unzuständig bezeichnet.
»Wie aber wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen erschüttert? Da
hat einer, ihr Brüder, nichts erfahren, ist ein gewöhnlicher
Mensch, ohne Sinn für das Heilige, der heiligen Lehre unkundig,
der heiligen Lehre unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der
Lehre der Edlen unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich
und betrachtet die Form als sich selbst, oder sich selbst als
formähnlich, oder in sich selbst die Form, oder in der Form
sich selbst. Nun wandelt sich ihm seine Form um, verändert
sich. Wie sich ihm die Form umwandelt und verändert, dreht
sich ihm das Bewusstsein um den Wandel der Form herum. Aus dem
Herumdrehn um den Wandel der Form gehn Erschütterungen, wie
es die Dinge mit sich bringen, hervor, umspannen ihm rings
das Herz. Weil ihm das Herz rings umspannt ist, kommt ihn
Zittern und Quaal und Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er
erschüttert. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen,
das Bewusstsein betrachtet er als sich selbst, oder sich selbst
als bewusstseinähnlich, oder in sich selbst das Bewusstsein,
oder im Bewusstsein sich selbst. Nun wandelt sich ihm sein
Bewusstsein um, verändert sich. Wie sich ihm das Bewusstsein
umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den
Wandel des Bewusstseins herum. Aus dem Herumdrehn um den Wandel
des Bewusstseins gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit
sich bringen, hervor, umspannen ihm rings das Herz. Weil ihm
das Herz rings umspannt ist, kommt ihn Zittern und Quaal und
Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er erschüttert. Also wird
man, ihr Brüder, ohne anzuhangen erschüttert.
»Wie aber wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen nicht
erschüttert? Da hat einer, ihr Brüder, als erfahrener heiliger
Jünger das Heilige gemerkt, ist der heiligen Lehre kundig, der
heiligen Lehre wohlzugänglich, hat das Edle gemerkt, ist der
Lehre der Edlen kundig, der Lehre der Edlen wohlzugänglich
und betrachtet die Form nicht als sich selbst, noch sich
selbst als formähnlich, noch in sich selbst die Form, noch
in der Form sich selbst. Nun wandelt sich ihm seine Form 384
um, verändert sich. Wie sich ihm die Form umwandelt und
verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den Wandel der
Form nicht herum. Ohne Herumdrehn um den Wandel der Form
gehn Erschütterungen, wie es die Dinge mit sich bringen,
nicht hervor, umspannen ihm nicht das Herz. Weil ihm das Herz
nicht umspannt ist, kommt ihn kein Zittern, keine Quaal, kein
Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert. Das
Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein
betrachtet er nicht als sich selbst, noch sich selbst als
bewusstseinähnlich, noch in sich selbst das Bewusstsein,
noch im Bewusstsein sich selbst. Nun wandelt sich ihm sein
Bewusstsein um, verändert sich. Wie sich ihm das Bewusstsein
umwandelt und verändert, dreht sich ihm das Bewusstsein um den
Wandel des Bewusstseins nicht herum. Ohne Herumdrehn um den
Wandel des Bewusstseins gehn Erschütterungen, wie es die Dinge
mit sich bringen, nicht hervor, umspannen ihm nicht das Herz.
Weil ihm das Herz nicht umspannt ist, kommt ihn kein Zittern,
keine Quaal, kein Verzagen an: und ohne anzuhangen wird er
nicht erschüttert. Also wird man, ihr Brüder, ohne anzuhangen
unerschütterlich.
»Das, ihr Brüder, scheinen mir die ausgeführten Abzeichen jenes
Stämpels zu sein, den uns der Erhabene im Umrisse dargestellt
hat: ›Mehr und mehr, ihr Mönche, mag der Mönch Obacht üben,
dass ihm da wie er Obacht übt nach außen das Bewusstsein nicht
zerstreut, nicht zerfahren werde, innen nicht zuständig, ohne
anzuhangen unerschütterlich sei; ist nach außen, ihr Mönche,
das Bewusstsein nicht zerstreut, nicht zerfahren, innen nicht
zuständig, wird man ohne anzuhangen unerschütterlich ein
Entstehn und Hervorgehn von Geburt und Alter, Tod und Leiden 385
künftig nicht mehr finden.‹ Wenn es euch Ehrwürdigen nun recht
ist, so gehet hin und befragt den Erhabenen selbst hierüber:
wie es uns der Erhabene erklärt wollet es behalten.«
Da waren denn jene Mönche über des ehrwürdigen Mahākaccāno Rede
erfreut, erhoben sich befriedigt von ihren Sitzen und begaben
sich dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßten den Erhabenen
ehrerbietig und setzten sich seitwärts nieder. Seitwärts
sitzend berichteten nun jene Mönche dem Erhabenen Wort um Wort 386
die ganze Begegnung, die sie mit dem ehrwürdigen Mahākaccāno
gehabt hatten. »Da hat uns, o Herr, der ehrwürdige Mahākaccāno
auf solche Weise, in solcher Art, mit solchen Bestimmungen den
Inhalt dargestellt.«
»Weise, ihr Mönche, ist Mahākaccāno, wissensmächtig, ihr
Mönche, ist Mahākaccāno. Wolltet ihr mich, ihr Mönche, um
Aufklärung angehn, ich würde den Gegenstand genau so erläutern,
wie ihn Mahākaccāno erläutert hat: denn eben das ist der
Inhalt, und den sollt ihr derart bewahren.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.[184]
139.
Vierzehnter Theil Neunte Rede
STREITLOSE ABZEICHEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 387
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Streitlose Abzeichen will ich euch Mönchen weisen: das höret
und achtet wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Keinem Begierdenwohle sich hingeben, dem gewöhnlichen,
gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch
keiner Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen,
unheilsamen: eben diese beiden Enden hat der Vollendete
beiseite gelassen und den mittleren Pfad aufgefunden, auf
dessen Fährte man sehend und wissend wird, der zur Ebbung,
Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt. Zurede kennen
und Abrede kennen; weil man Zurede kennt und Abrede kennt,
weder zureden noch abreden: die Satzung eben aufweisen. Wohl
ergründen verstehn; weil man Wohl ergründen versteht, innigem
Wohle sich hingeben. Heimlich keine Rede führen, öffentlich
keine flüsternde Sprache; und ohne sich zu eilen reden und
nicht eilfertig. Was die Leute zu sagen belieben keiner
Beachtung würdigen, den Namen nicht überschätzen. Das ist der
Stämpel der streitlosen Abzeichen.
»‚Keinem Begierdenwohle sich hingeben, dem gewöhnlichen,
gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch
keiner Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen,
unheilsamen‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt
worden? Wann Begierden ergetzen vergnüglich sich hingeben, 388
gewöhnlich, gemein, alltäglich, unheilig, unheilsam, das
ist ein leidiges Ding, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich
an Schmerzen, verkehrtes Vorgehn. Wann Begierden ergetzen
vergnüglicher Hingabe sich nicht ergeben, der gewöhnlichen,
gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist ein
Ding ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz,
rechtes Vorgehn. Der Selbstkasteiung sich hingeben, der
leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist ein leidiges Ding,
ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an Schmerzen, verkehrtes
Vorgehn. Der selbstkasteienden Hingabe sich nicht ergeben, der
leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist ein Ding ohne Leid,
ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, rechtes Vorgehn.
‚Keinem Begierdenwohle sich hingeben, dem gewöhnlichen,
gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, und auch
keiner Selbstkasteiung sich hingeben, der leidigen, unheiligen,
unheilsamen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Eben diese beiden Enden hat der Vollendete beiseite gelassen
und den mittleren Pfad aufgefunden, auf dessen Fährte man
sehend und wissend wird, der zur Ebbung, Durchschauung,
Erwachung, Erlöschung führt‘: das ist gesagt worden; und warum
ist das gesagt worden? Um ebendiesen heiligen achtfältigen
Weg, der da ist rechte Erkenntniss, rechte Gesinnung, rechte
Rede, rechtes Handeln, rechtes Wandeln, rechtes Mühn,
rechte Einsicht, rechte Einigung. ‚Eben diese beiden Enden
hat der Vollendete beiseite gelassen und den mittleren Pfad
aufgefunden, auf dessen Fährte man sehend und wissend wird, der
zur Ebbung, Durchschauung, Erwachung, Erlöschung führt‘: wurde 389
das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Zurede kennen und Abrede kennen; weil man Zurede kennt und
Abrede kennt, weder zureden noch abreden: die Satzung eben
aufweisen‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt
worden? Wie redet man also, ihr Mönche, zu, und wie redet man
ab, und wie weist man die Satzung nicht auf? ‚Wann Begierden
ergetzen vergnüglicher Hingabe sich ergeben, der gewöhnlichen,
gemeinen, alltäglichen, unheiligen, unheilsamen, das ist
für jeden leidig, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich an
Schmerzen, verkehrt vorgegangen‘: also sprechend redet man so
manchen ab. ‚Wann Begierden ergetzen vergnüglicher Hingabe
sich nicht ergeben, der gewöhnlichen, gemeinen, alltäglichen,
unheiligen, unheilsamen, das ist für jeden ohne Leid, ist ohne
Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz, recht vorgegangen‘: also
sprechend redet man so manchen zu. ‚Der selbstkasteienden
Hingabe sich ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen,
das ist für jeden leidig, ist quaalvoll, ist jammervoll, reich
an Schmerzen, verkehrt vorgegangen‘: also sprechend redet
man so manchen ab. ‚Der selbstkasteienden Hingabe sich nicht
ergeben, der leidigen, unheiligen, unheilsamen, das ist für
jeden ohne Leid, ist ohne Quaal, ohne Jammer, ohne Schmerz,
recht vorgegangen‘: also sprechend redet man so manchen zu.
‚Wer es auch sei, der die Fessel des Daseins nicht abgestreift
hat, ein jeder solche hat Leid, hat Quaal, hat Jammer, hat
Schmerz, ist verkehrt vorgegangen‘: also sprechend redet man
so manchen ab. ‚Wer es auch sei, der die Fessel des Daseins
abgestreift hat, ein jeder solche hat kein Leid, keine Quaal,
keinen Jammer, keinen Schmerz, ist recht vorgegangen‘[185]:
also sprechend redet man so manchen zu. Also, ihr Mönche, redet
man zu, und redet man ab, und weist man die Satzung nicht auf. 390