giebt ja wahrlich keine bösen Thaten, es giebt keine Ernte
schlechter Handlungen‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu. Wenn
er aber dann sagt: ›Hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der
also übel gewandelt war, wie er, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen ist, in himmlische
Welt‹, so gesteh’ ich ihm das zu. Wenn er aber dann sagt:
›Wer da wahrlich also übel gewandelt ist, ein jeder solche
gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da
hinauf‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu. Wenn er dann weiter
sagt: ›Die das erkennen, erkennen recht: die anders erkennen,
haben falsche Erkenntniss‹, so gesteh’ ich ihm auch das nicht
zu. Wenn er dann was er eben selbst erkannt, selbst gesehn,
selbst gefunden hat eben einzig dabei beharrlich pflegen,
sich aneignen, behaupten mag: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn
anderes‹, so gesteh’ ich ihm auch das nicht zu; und warum
nicht? Weil die Erkenntniss, Ānando, bei des Vollendeten
mächtiger Kennzeichnung der Werke eine andere ist.
»Hat da nun, Ānando, ein Asket oder ein Priester gesagt: ›Es 364
giebt ja wahrlich günstige Thaten, es giebt eine Ernte guter
Handlungen‹, so gesteh’ ich ihm das zu. Wenn er dann weiter
sagt: ›Hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der also wohl
gewandelt war, wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte gerathen ist, in himmlische Welt‹,
so gesteh’ ich ihm auch das zu. Wenn er aber dann sagt: ›Wer
da also wohl gewandelt ist, ein jeder solche gelangt, bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da hinauf‹, so gesteh’
ich ihm das nicht zu. Wenn er dann weiter sagt: ›Die das
erkennen, erkennen recht: die anders erkennen, haben falsche
Erkenntniss‹, so gesteh’ ich ihm auch das nicht zu. Wenn er
dann was er eben selbst erkannt, selbst gesehn, selbst gefunden
hat eben einzig dabei beharrlich pflegen, sich aneignen,
behaupten mag: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹, so
gesteh’ ich ihm auch das nicht zu; und warum nicht? Weil
die Erkenntniss, Ānando, bei des Vollendeten mächtiger
Kennzeichnung der Werke eine andere ist.
»Hat da nun, Ānando, ein Asket oder ein Priester gesagt: ›Es
giebt ja wahrlich keine günstigen Thaten, es giebt keine Ernte
guter Handlungen‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu. Wenn er
aber dann sagt: ›Hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der
also wohl gewandelt war, wie er, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur
Tiefe hinab, in höllische Welt‹, so gesteh’ ich ihm das zu.
Wenn er aber dann sagt: ›Wer da wahrlich also wohl gewandelt
ist, ein jeder solche gelangt, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, da hinab‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu. Wenn 365
er dann weiter sagt: ›Die das erkennen, erkennen recht: die
anders erkennen, haben falsche Erkenntniss‹, so gesteh’ ich ihm
auch das nicht zu. Wenn er dann was er eben selbst erkannt,
selbst gesehn, selbst gefunden hat eben einzig dabei beharrlich
pflegen, sich aneignen, behaupten mag: ›Dies nur ist Wahrheit,
Unsinn anderes‹, so gesteh’ ich ihm auch das nicht zu; und
warum nicht? Weil die Erkenntniss, Ānando, bei des Vollendeten
mächtiger Kennzeichnung der Werke eine andere ist.
»Ist da nun, Ānando, ein Mensch, der ein Mörder und Dieb,
ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer,
voll Gier und Hass und Eitelkeit war, bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte,
zur Tiefe hinab, in höllische Welt, so hat er seine böse
That, die leidig empfunden wird, eben früher begangen, oder
später begangen, oder hat in seiner Sterbezeit eine falsche
Erkenntniss vollzogen und vollbracht: darum ist er, bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da hinab gerathen.
Wenn er aber hier also übel gewandelt war, hat er sich die
Folge davon schon bei Lebzeiten fühlbar gemacht, oder bei der
Auferstehung, oder bei nachmaliger Wiederkehr.
»Ist da nun, Ānando, ein Mensch, der ein Mörder und Dieb, ein
Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll
Gier und Hass und Eitelkeit war, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt,
so hat er seine günstige That, die freudig empfunden wird,
eben früher begangen, oder später begangen, oder hat in seiner
Sterbezeit eine rechte Erkenntniss vollzogen und vollbracht:
darum ist er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
da hinauf gerathen. Wenn er aber hier also übel gewandelt 366
war, hat er sich die Folge davon schon bei Lebzeiten fühlbar
gemacht, oder bei der Auferstehung, oder bei nachmaliger
Wiederkehr.
»Ist da nun, Ānando, ein Mensch, der kein Mörder und Dieb,
kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer,
nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt war, bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen,
in himmlische Welt, so hat er seine günstige That, die freudig
empfunden wird, eben früher begangen, oder später begangen,
oder hat in seiner Sterbezeit eine rechte Erkenntniss vollzogen
und vollbracht: darum ist er, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, da hinauf gerathen. Wenn er aber hier also
wohl gewandelt war, hat er sich die Folge davon schon bei
Lebzeiten fühlbar gemacht, oder bei der Auferstehung, oder bei
nachmaliger Wiederkehr.
»Ist da nun, Ānando, ein Mensch, der kein Mörder und Dieb,
kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer,
nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt war, bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt, so hat
er seine böse That, die leidig empfunden wird, eben früher
begangen, oder später begangen, oder hat in seiner Sterbezeit
eine falsche Erkenntniss vollzogen und vollbracht: darum ist
er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da hinab
gerathen. Wenn er aber hier also wohl gewandelt war, hat er
sich die Folge davon schon bei Lebzeiten fühlbar gemacht, oder
bei der Auferstehung, oder bei nachmaliger Wiederkehr.
»So giebt es denn, Ānando, ein Wirken, das unmöglich ist und
unmöglich erscheint; giebt ein Wirken, das unmöglich ist und 367
möglich erscheint; giebt ein Wirken, das möglich ist und auch
möglich erscheint; giebt ein Wirken, das möglich ist und
unmöglich erscheint.«[178]
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Ānando über das Wort des Erhabenen.
137.
Vierzehnter Theil Siebente Rede
SECHSFACHEN GEBIETES ABZEICHEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Sechsfachen Gebietes Abzeichen will ich euch Mönchen weisen:
das höret und achtet wohl auf meine Rede.«
»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Sechs innere Gebiete sind zu merken und sechs äußere
Gebiete, sechs bewusstsame Reiche sind zu merken und sechs
berührsame Reiche, achtzehn geistige Angehungen sind zu merken
und sechsunddreißig Fesselpfade; dann habt ihr auf eines
gestützt ein anderes abzustoßen; drei Pfeiler der Einsicht
dann heilig behütet, in heiliger Hut als Meister, und Jünger
aufzuerziehn ist man würdig; ein solcher heißt der Fahrkundigen
vorzüglichster, Leiter der Menschenheerde. Das ist der Stämpel
von den Abzeichen sechsfachen Gebietes.
»‚Sechs innere Gebiete sind zu merken‘: das ist gesagt worden;
und warum ist das gesagt worden? Um das Gebiet des Gesichts,
das Gebiet des Gehörs, das Gebiet des Geruchs, das Gebiet des 368
Geschmacks, das Gebiet des Getastes, das Gebiet des Gedenkens.
‚Sechs innere Gebiete sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war
es darum gesagt.
»‚Sechs äußere Gebiete sind zu merken‘: das ist gesagt worden;
und warum ist das gesagt worden? Um das Gebiet der Formen, das
Gebiet der Töne, das Gebiet der Düfte, das Gebiet der Säfte,
das Gebiet der Tastungen, das Gebiet der Gedanken. ‚Sechs
äußere Gebiete sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es
darum gesagt.
»‚Sechs bewusstsame Reiche sind zu merken‘: das ist
gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Um das
Sehbewusstsein, das Hörbewusstsein, das Riechbewusstsein, das
Schmeckbewusstsein, das Tastbewusstsein, das Denkbewusstsein.
‚Sechs bewusstsame Reiche sind zu merken‘: wurde das gesagt, so
war es darum gesagt.
»‚Sechs berührsame Reiche sind zu merken‘: das ist gesagt
worden; und warum ist das gesagt worden? Um Sehberührung,
Hörberührung, Riechberührung, Schmeckberührung, Tastberührung,
Denkberührung. ‚Sechs berührsame Reiche sind zu merken‘: wurde
das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Achtzehn geistige Angehungen sind zu merken‘: das ist
gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Hat man mit
dem Gesichte eine Form erblickt, so geht man die erfreulich
bestehende Form an, geht die unerfreulich bestehende Form an,
geht die gleichgültig bestehende Form an. Hat man mit dem
Gehöre einen Ton gehört, hat man mit dem Geruche einen Duft
gerochen, hat man mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt,
hat man mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat man mit
dem Gedenken ein Ding erkannt, so geht man das erfreulich
bestehende Ding an, geht das unerfreulich bestehende Ding an,
geht das gleichgültig bestehende Ding an. So giebt es sechs
erfreuliche Angehungen, sechs unerfreuliche Angehungen, sechs
gleichgültige Angehungen. ‚Achtzehn geistige Angehungen sind zu 369
merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Sechsunddreißig Fesselpfade sind zu merken‘: das ist gesagt
worden; und warum ist das gesagt worden? Um sechs mit dem Hause
verbundene Fröhlichkeiten, sechs mit der Entsagung verbundene
Fröhlichkeiten, sechs mit dem Hause verbundene Traurigkeiten,
sechs mit der Entsagung verbundene Traurigkeiten, sechs mit
dem Hause verbundene Gleichheiten, sechs mit der Entsagung
verbundene Gleichheiten.
»Was sind nun die sechs mit dem Hause verbundenen
Fröhlichkeiten? Wer bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein
tretenden Formen, den ersehnten, geliebten, angenehmen,
herzerfreuenden, süchtigem Genusse entsprechenden, die
Erlangung erreicht, oder erhofft, oder an einst Erlangtes,
das vergangen, entschwunden, verändert ist, zurückdenkt, wird
fröhlich bewegt: eine solche Fröhlichkeit, die heißt mit dem
Hause verbundene Fröhlichkeit. Wer bei den durch das Gehör ins
Bewusstsein tretenden Tönen, durch den Geruch ins Bewusstsein
tretenden Düften, durch den Geschmack ins Bewusstsein tretenden
Säften, durch das Getast ins Bewusstsein tretenden Tastungen,
durch das Gedenken ins Bewusstsein tretenden Dingen, den
ersehnten, geliebten, angenehmen, herzerfreuenden, süchtigem
Genusse entsprechenden, die Erlangung erreicht, oder erhofft,
oder an einst Erlangtes, das vergangen, entschwunden,
verändert ist, zurückdenkt, wird fröhlich bewegt: eine solche
Fröhlichkeit, die heißt mit dem Hause verbundene Fröhlichkeit.
Das sind die sechs mit dem Hause verbundenen Fröhlichkeiten.
»Was sind nun die sechs mit der Entsagung verbundenen
Fröhlichkeiten? Wer ebenda bei den Formen Vergänglichkeit
gemerkt hat, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Formen von
einst wie von heute, alle die Formen sind vergänglich,
leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit
vollkommener Weisheit betrachtet, wird fröhlich bewegt: eine
solche Fröhlichkeit, die heißt mit der Entsagung verbundene 370
Fröhlichkeit. Wer ebenda bei den Tönen, den Düften, den
Säften, den Tastungen, den Dingen Vergänglichkeit gemerkt hat,
Veränderung, Unrath, Untergang, ›Dinge von einst wie von heute,
alle die Dinge sind vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies,
der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit betrachtet, wird
fröhlich bewegt: eine solche Fröhlichkeit, die heißt mit der
Entsagung verbundene Fröhlichkeit. Das sind die sechs mit der
Entsagung verbundenen Fröhlichkeiten.
»Was sind nun die sechs mit dem Hause verbundenen
Traurigkeiten? Wer bei den durch das Gesicht ins Bewusstsein
tretenden Formen, den ersehnten, geliebten, angenehmen,
herzerfreuenden, süchtigem Genusse entsprechenden, die
Erlangung nicht erreicht, nicht erhofft, oder an einst nicht
Erlangtes, das vergangen, entschwunden, verändert ist,
zurückdenkt, wird traurig bewegt: eine solche Traurigkeit,
die heißt mit dem Hause verbundene Traurigkeit. Wer bei den
durch das Gehör ins Bewusstsein tretenden Tönen, durch den
Geruch ins Bewusstsein tretenden Düften, durch den Geschmack
ins Bewusstsein tretenden Säften, durch das Getast ins
Bewusstsein tretenden Tastungen, durch das Gedenken ins
Bewusstsein tretenden Dingen, den ersehnten, geliebten,
angenehmen, herzerfreuenden, süchtigem Genusse entsprechenden,
die Erlangung nicht erreicht, nicht erhofft, oder an einst
nicht Erlangtes, das vergangen, entschwunden, verändert ist,
zurückdenkt, wird traurig bewegt: eine solche Traurigkeit, die
heißt mit dem Hause verbundene Traurigkeit. Das sind die sechs
mit dem Hause verbundenen Traurigkeiten.
»Was sind nun die sechs mit der Entsagung verbundenen
Traurigkeiten? Wer ebenda bei den Formen Vergänglichkeit
gemerkt hat, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Formen von einst
wie von heute, alle die Formen sind vergänglich, leidig,
wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener
Weisheit betrachtet und nun der höchsten Erlösungen in
Sehnsucht gedenkt, ›Wann doch nur werde ich das Gebiet 371
erobert haben, das die Heiligen schon besitzen?‹, so der
höchsten Erlösungen sehnsüchtig eingedenk ist, wird aus
Sehnsucht traurig bewegt: eine solche Traurigkeit, die heißt
mit der Entsagung verbundene Traurigkeit.[179] Wer ebenda
bei den Tönen, den Düften, den Säften, den Tastungen, den
Dingen Vergänglichkeit gemerkt hat, Veränderung, Unrath,
Untergang, ›Dinge von einst wie von heute, alle die Dinge sind
vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß,
mit vollkommener Weisheit betrachtet und nun der höchsten
Erlösungen in Sehnsucht gedenkt, ›Wann doch nur werde ich das
Gebiet erobert haben, das die Heiligen schon besitzen?‹, so
der höchsten Erlösungen sehnsüchtig eingedenk ist, wird aus
Sehnsucht traurig bewegt: eine solche Traurigkeit, die heißt
mit der Entsagung verbundene Traurigkeit. Das sind die sechs
mit der Entsagung verbundenen Traurigkeiten.
»Was sind nun die sechs mit dem Hause verbundenen Gleichheiten?
Hat man mit dem Gesichte eine Form erblickt und bleibt
gleichgültig, als Thor unbewusst, ein gewöhnlicher Mensch,
der Einwirkung und Befruchtung nicht entfremdet, ohne das
Elend zu sehn, ein unerfahrener gewöhnlicher Mensch, so kann
ein solcher Gleichmuth eine Form nicht überwinden: darum
wird dieser Gleichmuth mit dem Hause verbunden geheißen. Hat
man mit dem Gehöre einen Ton gehört, hat man mit dem Geruche
einen Duft gerochen, hat man mit dem Geschmacke einen Saft
geschmeckt, hat man mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat
man mit dem Gedenken ein Ding erkannt und bleibt gleichgültig,
als Thor unbewusst, ein gewöhnlicher Mensch, der Einwirkung
und Befruchtung nicht entfremdet, ohne das Elend zu sehn,
ein unerfahrener, gewöhnlicher Mensch, so kann ein solcher
Gleichmuth ein Ding nicht überwinden: darum wird dieser
Gleichmuth mit dem Hause verbunden geheißen. Das sind die sechs
mit dem Hause verbundenen Gleichheiten.
»Was sind nun die sechs mit der Entsagung verbundenen 372
Gleichheiten? Hat man ebenda bei den Formen Vergänglichkeit
gemerkt, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Formen von einst
wie von heute, alle die Formen sind vergänglich, leidig,
wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener
Weisheit betrachtet und bleibt gleichgültig, so kann ein
solcher Gleichmuth eine Form überwinden: darum wird dieser
Gleichmuth mit der Entsagung verbunden geheißen. Hat man
ebenda bei den Tönen, den Düften, den Säften, den Tastungen,
den Dingen Vergänglichkeit gemerkt, Veränderung, Unrath,
Untergang, ›Dinge von einst wie von heute, alle die Dinge sind
vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß,
mit vollkommener Weisheit betrachtet und bleibt gleichgültig,
so kann ein solcher Gleichmuth ein Ding überwinden: darum wird
dieser Gleichmuth mit der Entsagung verbunden geheißen. Das
sind die sechs mit der Entsagung verbundenen Gleichheiten. --
‚Sechsunddreißig Fesselpfade sind zu merken‘: wurde das gesagt,
so war es darum gesagt.
»‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘:
das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden?
Da mögt ihr denn, Mönche, die sechs mit der Entsagung
verbundenen Fröhlichkeiten als Stütze gebrauchen, als
Staffel gebrauchen um die sechs mit dem Hause verbundenen
Fröhlichkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art,
wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese
überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der
Entsagung verbundenen Traurigkeiten als Stütze gebrauchen,
als Staffel gebrauchen um die sechs mit dem Hause verbundenen
Traurigkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art,
wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese
überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der
Entsagung verbundenen Gleichheiten als Stütze gebrauchen, als
Staffel gebrauchen um die sechs mit dem Hause verbundenen
Gleichheiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art,
wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese 373
überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der
Entsagung verbundenen Fröhlichkeiten als Stütze gebrauchen, als
Staffel gebrauchen um die sechs mit der Entsagung verbundenen
Traurigkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art,
wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese
überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der
Entsagung verbundenen Gleichheiten als Stütze gebrauchen, als
Staffel gebrauchen um die sechs mit der Entsagung verbundenen
Fröhlichkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art,
wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese
überschreiten kann.
»Es giebt, ihr Mönche, einen Gleichmuth, der vielfach, mit
Vielheit verbunden ist, es giebt einen Gleichmuth, der einfach,
mit Einheit verbunden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für
ein Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden ist? Es
giebt, ihr Mönche, einen Gleichmuth bei Formen, giebt ihn bei
Tönen, bei Düften, bei Säften, bei Tastungen: das ist, ihr
Mönche, ein Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden
ist. Was aber ist das, ihr Mönche, für ein Gleichmuth, der
einfach, mit Einheit verbunden ist? Es giebt, ihr Mönche, einen
Gleichmuth, der an die unbegränzte Raumsphäre gebunden ist,
der an die unbegränzte Bewusstseinsphäre gebunden ist, der an
die Nichtdaseinsphäre gebunden ist, der an die Gränzscheide
möglicher Wahrnehmung gebunden ist: das ist, ihr Mönche, ein
Gleichmuth, der einfach, mit Einheit verbunden ist. Da mögt
ihr denn, Mönche, den Gleichmuth, der einfach, mit Einheit
verbunden ist, als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen
um den Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden ist,
abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diesen
abstoßen kann, das ist die Art, wie man diesen überschreiten
kann. Unmittelbarkeit mögt ihr, Mönche, als Stütze gebrauchen,
Unmittelbarkeit als Staffel gebrauchen um den Gleichmuth,
der einfach, mit Einheit verbunden ist, abzustoßen,
überzuschreiten: das ist die Art, wie man diesen abstoßen kann,
das ist die Art, wie man diesen überschreiten kann. -- ‚Dann
habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘: wurde das
gesagt, so war es darum gesagt.
»‚Drei Pfeiler der Einsicht dann heilig behütet, in heiliger 374
Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig‘:
das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da
legt, ihr Mönche, ein Meister den Jüngern die Lehre dar,
mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen: ›Das dient euch
zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und die Jünger horchen
nicht auf ihn, leihen ihm kein Gehör, wenden das Herz nicht
dem Verständnisse zu, und übertreten in ihrem Betragen die
Satzung des Meisters. Da wird, ihr Mönche, der Vollendete
nicht unzufrieden, empfindet keine Unzufriedenheit, unbetrübt
verweilt er besonnen, klar bewusst. Das heißt man, ihr Mönche,
ersten Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet, in heiliger
Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig.
»Weiter sodann, ihr Mönche: da legt ein Meister den Jüngern
die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen:
›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und
manche der Jünger horchen nicht auf ihn, leihen ihm kein Gehör,
wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, und übertreten
in ihrem Betragen die Satzung des Meisters; und manche der
Jünger horchen auf ihn, leihen ihm Gehör, wenden das Herz
dem Verständnisse zu, und nicht übertreten sie in ihrem
Betragen die Satzung des Meisters. Da wird, ihr Mönche, der
Vollendete weder zufrieden, empfindet keine Zufriedenheit, noch
unzufrieden, empfindet keine Unzufriedenheit: Zufriedenheit und
Unzufriedenheit, beides hat er von sich gewiesen, gleichmüthig
verweilt er besonnen, klar bewusst. Das heißt man, ihr Mönche,
zweiten Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet, in heiliger
Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig.
»Weiter sodann, ihr Mönche: da legt ein Meister den Jüngern
die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen:
›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und die 375
Jünger horchen auf ihn, leihen ihm Gehör, wenden das Herz dem
Verständnisse zu, und nicht übertreten sie in ihrem Betragen
die Satzung des Meisters. Da wird, ihr Mönche, der Vollendete
nicht zufrieden, empfindet keine Zufriedenheit, ungetrübt
verweilt er besonnen, klar bewusst.[180] Das heißt man, ihr
Mönche, dritten Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet,
in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man
würdig. -- ‚Drei Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet,
in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man
würdig‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.