die Wesen nicht heftig und quaalvoll, geht nicht mit Fäusten,
mit Steinen, mit Stöcken, mit Waffen gegen sie vor. Da lässt
ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte
gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt
und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird,
rüstig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu Rüstigkeit
führt, dass man da die Wesen nicht heftig und quaalvoll
behandelt, nicht mit Fäusten, mit Steinen, mit Stöcken, mit 349
Waffen gegen sie vorgeht.
»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann zornig
gesinnt, macht viel Geschrei; wenn ihm auch wenig gesagt wird
fährt er auf, erregt sich, ärgert sich, widersetzt sich, legt
Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag. Da lässt ihn
solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der
Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn
er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo
er da neugeboren wird, unschön sein. Das ist der Uebergang,
Brāhmane, der zur Unschönheit führt, dass man da zornig
gesinnt ist, viel Geschrei macht, wenn einem auch wenig gesagt
wird auffährt, sich erregt, sich ärgert, sich widersetzt,
Verdrossenheit, Hass und Misstrauen an den Tag legt.
»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann nicht
zornig gesinnt, macht nicht viel Geschrei; wenn ihm auch viel
gesagt wird fährt er nicht auf, erregt sich nicht, ärgert sich
nicht, widersetzt sich nicht, legt nicht Verdrossenheit, Hass
und Misstrauen an den Tag. Da lässt ihn solches Wirken, also
vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt;
oder wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht,
wird er, wo er da neugeboren wird, anmuthig sein. Das ist der
Uebergang, Brāhmane, der zur Anmuth führt, dass man da nicht
zornig gesinnt ist, nicht viel Geschrei macht, wenn einem auch
viel gesagt wird nicht auffährt, sich nicht erregt, sich nicht 350
ärgert, sich nicht widersetzt, nicht Verdrossenheit, Hass und
Misstrauen an den Tag legt.
»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann eifersüchtig:
wenn andere Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt,
geachtet, geehrt, gefeiert werden, ist er neidig, missgünstig,
fröhnt der Eifersucht. Da lässt ihn solches Wirken, also
vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe
hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt
und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird,
wenig vermögen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu wenig
vermögen führt, dass man da eifersüchtig ist, wenn andere
Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet,
geehrt, gefeiert werden, neidig, missgünstig ist, der
Eifersucht fröhnt.
»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann nicht
eifersüchtig: wenn andere Verdienste haben, werthgehalten,
hochgeschätzt, geachtet, geehrt, gefeiert werden, ist er
nicht neidig, nicht missgünstig, fröhnt keiner Eifersucht.
Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also vollbracht,
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte
gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt
und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird,
viel vermögen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu viel
vermögen führt, dass man da nicht eifersüchtig ist, wenn andere
Verdienste haben, werthgehalten, hochgeschätzt, geachtet,
geehrt, gefeiert werden, nicht neidig, nicht missgünstig ist,
keiner Eifersucht fröhnt.
»Da wendet, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann Asketen
oder Priestern keine Gabe zu, Speise und Trank und Kleidung,
Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und
Licht. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also
vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, 351
abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab,
in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt und
Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird, wenig
besitzen. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zu wenig Besitz
führt, dass man da Asketen oder Priestern keine Gabe zuwendet,
Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende
Salben, Lager und Obdach und Licht.
»Da wendet wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann
Asketen oder Priestern Gaben zu, Speise und Trank und Kleidung,
Wagen und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und
Licht. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen, also
vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn er
nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo
er da neugeboren wird, viel besitzen. Das ist der Uebergang,
Brāhmane, der zu viel Besitz führt, dass man da Asketen oder
Priestern Gaben zuwendet, Speise und Trank und Kleidung, Wagen
und Schmuck und duftende Salben, Lager und Obdach und Licht.
»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann trotzig und
hochmüthig, grüßt keinen, der Gruß verdient, erhebt sich vor
keinem, vor dem man sich erheben soll, bietet keinen Sitz
an wem ein Sitz gebührt, weicht auf dem Wege nicht aus wem
auszuweichen ist, hält einen Werthzuhaltenden nicht werth,
schätzt einen Hochzuschätzenden nicht hoch, achtet keinen
Achtbaren, ehrt keinen Ehrwürdigen. Da lässt ihn solches
Wirken, also vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte
Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht 352
dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da
neugeboren wird, niedrig gestellt sein. Das ist der Uebergang,
Brāhmane, der zu niedriger Stellung führt, dass man da trotzig
und hochmüthig ist, keinen grüßt, der Gruß verdient, sich vor
keinem erhebt, vor dem man sich erheben soll, keinen Sitz
anbietet wem ein Sitz gebührt, auf dem Wege nicht ausweicht wem
auszuweichen ist, einen Werthzuhaltenden nicht werthhält, einen
Hochzuschätzenden nicht hochschätzt, keinen Achtbaren achtet,
keinen Ehrwürdigen ehrt.
»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann nicht
trotzig, nicht hochmüthig, grüßt, wenn einer Gruß verdient,
erhebt sich, wenn man sich vor einem erheben soll, bietet
Sitz an wem ein Sitz gebührt, weicht auf dem Wege aus wem
auszuweichen ist, hält einen Werthzuhaltenden werth, schätzt
einen Hochzuschätzenden hoch, achtet einen Achtbaren, ehrt
einen Ehrwürdigen. Da lässt ihn solches Wirken, also vollzogen,
also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach dem
Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder wenn
er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird er,
wo er da neugeboren wird, hoch gestellt sein. Das ist der
Uebergang, Brāhmane, der zu hoher Stellung führt, dass man da
nicht trotzig, nicht hochmüthig ist, grüßt, wenn einer Gruß
verdient, sich erhebt, wenn man sich vor einem erheben soll,
Sitz anbietet wem ein Sitz gebührt, auf dem Wege ausweicht
wem auszuweichen ist, einen Werthzuhaltenden werthhält, einen
Hochzuschätzenden hochschätzt, einen Achtbaren achtet, einen
Ehrwürdigen ehrt.
»Da ist, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann einem Asketen
oder einem Priester begegnet und erkundigt sich nicht: ›Was ist 353
heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was ist
recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben?
Was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden
gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum
Wohle, zum Heile gereichen?‹ Da lässt ihn solches Wirken, also
vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, abwärts gerathen, auf schlechte Fährte, zur Tiefe
hinab, in höllische Welt; oder wenn er nicht dahin gelangt
und Menschenthum erreicht, wird er, wo er da neugeboren wird,
unverständig sein. Das ist der Uebergang, Brāhmane, der zur
Unverständigkeit führt, dass man da einem Asketen oder einem
Priester begegnet und sich nicht erkundigt: ›Was ist heilsam,
o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was ist recht,
was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben; was kann
mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden gereichen,
und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum Wohle, zum
Heile gereichen.‹
»Da ist wieder, Brāhmane, irgend ein Weib oder ein Mann einem
Asketen oder einem Priester begegnet und erkundigt sich: ›Was
ist heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht und was
ist recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu betreiben?
Was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und Leiden
gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue lange zum
Wohle, zum Heile gereichen?‹ Da lässt ihn solches Wirken, also
vollzogen, also vollbracht, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte gerathen, in himmlische Welt; oder
wenn er nicht dahin gelangt und Menschenthum erreicht, wird 354
er, wo er da neugeboren wird, wissensmächtig sein. Das ist der
Uebergang, Brāhmane, der zur Wissensmacht führt, dass man da
einem Asketen oder einem Priester begegnet und sich erkundigt:
›Was ist heilsam, o Herr, was ist unheilsam, was ist unrecht
und was ist recht, was ist zu betreiben und was ist nicht zu
betreiben; was kann mir indem ich es thue lange zum Unheil und
Leiden gereichen, und was kann mir wieder indem ich es thue
lange zum Wohle, zum Heile gereichen.‹
»So lässt denn, Brāhmane, der Uebergang, der zu kurzem Leben
führt, kurzlebig werden; der Uebergang, der zu langem Leben
führt, langlebig werden; der Uebergang, der zu Gebresten
führt, bresthaft werden; der Uebergang, der zu Rüstigkeit
führt, rüstig werden; der Uebergang, der zur Unschönheit
führt, unschön werden; der Uebergang, der zur Anmuth führt,
anmuthig werden; der Uebergang, der zu wenig vermögen führt,
wenig vermögend werden; der Uebergang, der zu viel vermögen
führt, viel vermögend werden; der Uebergang, der zu wenig
Besitz führt, wenig besitzend werden; der Uebergang, der zu
viel Besitz führt, viel besitzend werden; der Uebergang,
der zu niedriger Stellung führt, niedrig gestellt werden;
der Uebergang, der zu hoher Stellung führt, hoch gestellt
werden; der Uebergang, der zur Unverständigkeit führt,
unverständig werden; der Uebergang, der zur Wissensmacht
führt, wissensmächtig werden. Eigner der Werke, Brāhmane, sind
die Wesen, Erben der Werke, Kinder der Werke, Geschöpfe der
Werke, Knechte der Werke: das Werk scheidet die Wesen ab, nach
Verkommenheit und Vorzüglichkeit.«
* * * * *
Nach dieser Rede sprach Subho der junge Brāhmane, der Sohn
Todeyyos, zum Erhabenen also:
»Vortrefflich, o Gotamo, vortrefflich, o Gotamo! Gleichwie 355
etwa, o Gotamo, als ob einer Umgekehrtes aufkehrte, oder
Verborgenes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht
in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge
sehn‹: ebenso auch ist von Herrn Gotamo die Lehre gar manigfach
dargelegt worden. Und so nehm’ ich bei Herrn Gotamo Zuflucht,
bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: als Anhänger möge mich
Herr Gotamo betrachten, von heute an zeitlebens getreu.«[176]
136.
Vierzehnter Theil Sechste Rede
KENNZEICHNUNG DER WERKE
-- II --
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Rājagaham, im Bambusparke, am Hügel der Eichhörnchen. Um diese
Zeit aber lebte der ehrwürdige Samiddhi im Walde, in einer
Hütte.
Da kam denn ein Pilger, der junge Potali, auf einem
Spaziergange sich ergehend, dorthin wo der ehrwürdige
Samiddhi weilte. Dorthin gekommen tauschte er höflichen Gruß
und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und setzte sich
seitwärts nieder. Seitwärts sitzend wandte sich nun Potaliputto
der Pilger also an den ehrwürdigen Samiddhi:
»Von Angesicht hab’ ich es, Bruder Samiddhi, vom Asketen
Gotamo gehört, von Angesicht vernommen: ›Eitel ist That in
Werken, eitel ist That in Worten, That in Gedanken ist einzig
ächt.‹ Giebt es nun eine Einkehr, wohin eingekehrt man nichts
empfindet?«
»Nicht also, Bruder Potaliputto, wolle du reden und nicht den
Erhabenen bezichtigen, nicht gut ist ja eine Bezichtigung des
Erhabenen; nicht kann ja der Erhabene gesagt haben: ›Eitel ist 356
That in Werken, eitel ist That in Worten, That in Gedanken
ist einzig ächt.‹ Aber es giebt, Bruder, eine Einkehr, wohin
eingekehrt man nichts empfindet.«
»Wie lang ist es her, Bruder Samiddhi, dass du Pilger bist?«
»Nicht lange, Bruder, drei Jahre.«[177]
»Was werden wir da erst noch die älteren Mönche angehn, wenn ja
schon so ein junger Mönch den Meister vertheidigen zu müssen
glaubt! -- Wer mit Absicht, Bruder Samiddhi, eine That begangen
hat, in Werken, in Worten, in Gedanken, was empfindet der?«
»Wer mit Absicht, Bruder Potaliputto, eine That begangen hat,
in Werken, in Worten, in Gedanken, der empfindet Schmerz.«
Da mochte Potaliputto der Pilger des ehrwürdigen Samiddhi Worte
weder billigen noch abweisen; ohne zu billigen, ohne abzuweisen
erhob er sich von seinem Sitze und ging fort. Bald aber nachdem
Potaliputto der Pilger gegangen war, begab sich der ehrwürdige
Samiddhi zum ehrwürdigen Ānando hin. Dort angelangt tauschte er
höflichen Gruß und freundliche, denkwürdige Worte mit ihm und
setzte sich zur Seite nieder. Zur Seite sitzend theilte nun der
ehrwürdige Samiddhi das ganze Gespräch, das er mit Potaliputto
dem Pilger geführt hatte, Wort um Wort dem ehrwürdigen älteren
Ānando mit. Auf diesen Bericht wandte sich der ehrwürdige
Ānando also an den ehrwürdigen Samiddhi:
»Es ist, Bruder Samiddhi, dieser Mittheilung halber gerathen,
den Erhabenen aufzusuchen. Wir wollen, Bruder Samiddhi, zum
Erhabenen hingehn und davon berichten: wie es uns der Erhabene
erklären wird, so wollen wir es halten.«
»Gern, Bruder!« sagte da der ehrwürdige Samiddhi, dem 357
ehrwürdigen Ānando zustimmend.
Und der ehrwürdige Samiddhi begab sich nun mit dem ehrwürdigen
Ānando zum Erhabenen hin. Dort angelangt, begrüßten sie den
Erhabenen ehrerbietig und setzten sich zur Seite nieder. Zur
Seite sitzend theilte nun der ehrwürdige Ānando das ganze
Gespräch, das der ehrwürdige Samiddhi mit Potaliputto dem
Pilger geführt hatte, Wort um Wort dem Erhabenen mit. Auf
diesen Bericht wandte sich der Erhabene also an den ehrwürdigen
Ānando:
»Auch nur vom Sehn aus ist mir, Ānando, Potaliputto der Pilger
nicht bekannt, geschweige denn dass ich ihm das gesagt hätte.
Aber auch Samiddhi, Ānando, hat da als ein Unverständiger
Potaliputto dem Pilger die mehrfach zu beantwortende Frage
einseitig beantwortet.«
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Udāyī also an den
Erhabenen:
»Wenn aber, o Herr, der ehrwürdige Samiddhi es in Beziehung
darauf gesagt hat: ‚Was irgend empfunden wird ist schmerzlich‘?«
Also gefragt wandte sich der Erhabene an den ehrwürdigen Ānando
und sagte:
»Sieh’ doch, Ānando, wie da Udāyī als ein Unverständiger irrt:
gewusst hab’ ich es, Ānando, dass da eben jetzt Udāyī als
ein Unverständiger in Irrthum gerathen, unachtsam sich irren
wird. Gleich am Anfang, Ānando, hat Potaliputto der Pilger
drei Arten von Gefühlen gemeint. Hätte da, Ānando, Samiddhi,
der Unverständige, Potaliputto dem Pilger auf seine Frage also
geantwortet: ›Wer mit Absicht, Bruder Potaliputto, eine That
begangen hat, in Werken, in Worten, in Gedanken, die freudig zu
empfinden ist, der empfindet Freude; wer mit Absicht, Bruder
Potaliputto, eine That begangen hat, in Werken, in Worten, in
Gedanken, die leidig zu empfinden ist, der empfindet Schmerz;
wer mit Absicht, Bruder Potaliputto, eine That begangen hat, 358
in Werken, in Worten, in Gedanken, die weder leidig noch
freudig zu empfinden ist, der empfindet weder Schmerz noch
Freude‹: so würde mit dieser Antwort, Ānando, Samiddhi, der
Unverständige, Potaliputto dem Pilger recht geantwortet haben.
Sind nun freilich, Ānando, jene anderen Büßer und Pilger
thöricht und unerfahren, wer soll dann des Vollendeten mächtige
Kennzeichnung der Werke verstehn, es sei denn dass ihr, Ānando,
zuhört, wann der Vollendete mächtige Kennzeichnung der Werke
kennzeichnet.«
»Da ist es, Erhabener, Zeit, da ist es, Willkommener, Zeit,
dass der Erhabene mächtige Kennzeichnung der Werke kennzeichne:
des Erhabenen Wort werden die Mönche bewahren.«
»Wohlan denn, Ānando, so höre und achte wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« sagte da aufmerksam der ehrwürdige Ānando zum
Erhabenen. Der Erhabene sprach also:
»Vier Arten von Menschen, Ānando, finden sich hier in der Welt
vor: welche vier? Da ist, Ānando, einer, der ist ein Mörder
und Dieb, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und
Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit: der gelangt,
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts, auf
schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt; da 359
ist wieder, Ānando, einer, der ist ein Mörder und Dieb, ein
Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll
Gier und Hass und Eitelkeit: der gelangt, bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in himmlische
Welt; da ist, Ānando, einer, der ist kein Mörder und Dieb, kein
Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht
begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: der gelangt, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, in
himmlische Welt; und da ist, Ānando, einer, der ist kein Mörder
und Dieb, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein Zänker und
Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht gesinnt: der
gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts,
auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt.
»Da hat, Ānando, irgend ein Asket oder Priester in heißer Buße,
in stetem Kampfe, in ernster Uebung, in unermüdlichem Eifer,
in tiefer Bedachtsamkeit eine geistige Einigung errungen, wo
er innig im Herzen mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten,
über menschliche Gränzen hinausreichenden, jenen Menschen
erblickt, der da ein Mörder und Dieb gewesen, ein Wüstling,
Lügner, Verleumder, ein Zänker und Schwätzer, voll Gier und
Hass und Eitelkeit, wie er, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte,
zur Tiefe hinab, in höllische Welt. Der sagt sich nun: ›Es
giebt ja wahrlich böse Thaten, es giebt eine Ernte schlechter
Handlungen: hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der da also
übel gewandelt war, wie er, bei der Auflösung des Körpers, 360
nach dem Tode, abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur
Tiefe hinab, in höllische Welt.‹ Der sagt sich nun: ›Wer da
wahrlich also übel gewandelt ist, ein jeder solche gelangt,
bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da hinab. Die das
erkennen, erkennen recht: die anders erkennen, haben falsche
Erkenntniss.‹ So wird er was er eben selbst erkannt, selbst
gesehn, selbst gefunden hat eben einzig dabei beharrlich
pflegen, sich aneignen, behaupten: ›Dies nur ist Wahrheit,
Unsinn anderes.‹
»Da hat wieder, Ānando, irgend ein Asket oder Priester
in heißer Buße, in stetem Kampfe, in ernster Uebung,
in unermüdlichem Eifer, in tiefer Bedachtsamkeit eine
geistige Einigung errungen, wo er innig im Herzen mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, jenen Menschen erblickt, der da ein Mörder
und Dieb gewesen, ein Wüstling, Lügner, Verleumder, ein Zänker
und Schwätzer, voll Gier und Hass und Eitelkeit, wie er, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte
gerathen ist, in himmlische Welt. Der sagt sich nun: ›Es giebt
ja wahrlich keine bösen Thaten, es giebt keine Ernte schlechter
Handlungen: hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der also
übel gewandelt war, wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, auf gute Fährte gerathen ist, in himmlische Welt.‹
Der sagt sich nun: ›Wer da wahrlich also übel gewandelt ist,
ein jeder solche gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, da hinauf. Die das erkennen, erkennen recht: die 361
anders erkennen, haben falsche Erkenntniss.‹ So wird er was er
eben selbst erkannt, selbst gesehn, selbst gefunden hat eben
einzig dabei beharrlich pflegen, sich aneignen, behaupten:
›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹
»Da hat, Ānando, irgend ein Asket oder Priester in heißer Buße,
in stetem Kampfe, in ernster Uebung, in unermüdlichem Eifer, in
tiefer Bedachtsamkeit eine geistige Einigung errungen, wo er
innig im Herzen mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über
menschliche Gränzen hinausreichenden, jenen Menschen erblickt,
der da kein Mörder und Dieb gewesen, kein Wüstling, Lügner,
Verleumder, kein Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht
gehässig, recht gesinnt, wie er, bei der Auflösung des Körpers,
nach dem Tode, auf gute Fährte gerathen ist, in himmlische
Welt. Der sagt sich nun: ›Es giebt ja wahrlich günstige Thaten,
es giebt eine Ernte guter Handlungen: hab’ ich doch jenen
Menschen erblickt, der also wohl gewandelt war, wie er, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte
gerathen ist, in himmlische Welt.‹ Der sagt sich nun: ›Wer da
wahrlich also wohl gewandelt ist, ein jeder solche gelangt, bei
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, da hinauf. Die das
erkennen, erkennen recht: die anders erkennen, haben falsche
Erkenntniss.‹ So wird er was er eben selbst erkannt, selbst
gesehn, selbst gefunden hat eben einzig dabei beharrlich
pflegen, sich aneignen, behaupten: ›Dies nur ist Wahrheit,
Unsinn anderes.‹
»Da hat wieder, Ānando, irgend ein Asket oder Priester 362
in heißer Buße, in stetem Kampfe, in ernster Uebung,
in unermüdlichem Eifer, in tiefer Bedachtsamkeit eine
geistige Einigung errungen, wo er innig im Herzen mit dem
himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen
hinausreichenden, jenen Menschen erblickt, der da kein Mörder
und Dieb gewesen, kein Wüstling, Lügner, Verleumder, kein
Zänker und Schwätzer, nicht begehrlich, nicht gehässig, recht
gesinnt, wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab,
in höllische Welt. Der sagt sich nun: ›Es giebt ja wahrlich
keine günstigen Thaten, es giebt keine Ernte guter Handlungen:
hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der also wohl gewandelt
war, wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,
abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in
höllische Welt.‹ Der sagt sich nun: ›Wer da wahrlich also wohl
gewandelt ist, ein jeder solche gelangt, bei der Auflösung des
Körpers, nach dem Tode, da hinab. Die das erkennen, erkennen
recht: die anders erkennen, haben falsche Erkenntniss.‹ So wird
er was er eben selbst erkannt, selbst gesehn, selbst gefunden
hat eben einzig dabei beharrlich pflegen, sich aneignen,
behaupten: ›Dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes.‹
»Hat da nun, Ānando, ein Asket oder ein Priester gesagt: ›Es
giebt ja wahrlich böse Thaten, es giebt eine Ernte schlechter
Handlungen‹, so gesteh’ ich ihm das zu. Wenn er dann weiter
sagt: ›Hab’ ich doch jenen Menschen erblickt, der da übel
gewandelt war, wie er, bei der Auflösung des Körpers, nach dem
Tode, abwärts gerathen ist, auf schlechte Fährte, zur Tiefe
hinab, in höllische Welt‹, so gesteh’ ich ihm auch das zu. Wenn
er aber dann sagt: ›Wer da wahrlich also übel gewandelt ist, 363
ein jeder solche gelangt, bei der Auflösung des Körpers, nach
dem Tode, da hinab‹, so gesteh’ ich ihm das nicht zu. Wenn
er dann weiter sagt: ›Die das erkennen, erkennen recht: die
anders erkennen, haben falsche Erkenntniss‹, so gesteh’ ich
ihm auch das nicht zu. Wenn er dann was er eben selbst erkannt,
selbst gesehn, selbst gefunden hat eben einzig dabei beharrlich
pflegen, sich aneignen, behaupten mag: ›Dies nur ist Wahrheit,
Unsinn anderes‹, so gesteh’ ich ihm auch das nicht zu; und
warum nicht? Weil die Erkenntniss, Ānando, bei des Vollendeten
mächtiger Kennzeichnung der Werke eine andere ist.