»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also

über den zweiten Götterboten belehrt, wird über den dritten

Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber

Mann, hast du nicht bei den Menschen den dritten Götterboten

erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht

gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten

zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib

oder einen Mann gesehn, unwohl, leidend, schwerkrank, mit

Koth und Harn beschmutzt daliegend, von anderen gehoben, von

anderen bedient?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o

Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm:

›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen warst, hast

du bedacht: ‚Auch ich bin der Krankheit unterworfen, habe

die Krankheit nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich

wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet:

›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt,

ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann,

aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken,

in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben

nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du

dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der

Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester,

hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und

Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine

Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du 314

selber hast die Ernte davon einzutragen.‹

»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also über

den dritten Götterboten belehrt, wird über den vierten

Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber

Mann, hast du nicht bei den Menschen den vierten Götterboten

erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht

gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der

Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen

gesehn wie Könige einen Räuber, einen Verbrecher ergreifen

lassen und mancherlei Strafen verhängen, als wie Peitschen-,

Stock- oder Ruthenhiebe; Handverstümmlung, Fußverstümmlung

oder Verstümmlung der Hände und Füße; Ohrenverstümmlung,

Nasenverstümmlung, Verstümmlung der Ohren und der Nase; den

Breikessel, die Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz,

die Fackelhand; das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen,

den Marterbock; das Angelfleisch, den Münzengriff, die

Laugenätze; den Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende

Oelbeträufelung, das Zerreißen durch Hunde, die lebendige

Pfählung, die Enthauptung?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich

gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten

zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen

warst, hast du bedacht: ‚Wer da wahrlich Uebelthaten verübt,

wird schon bei Lebzeiten mit gar mancher Strafe gestraft: wie

erst mag es dann drüben sein! Wohl denn, günstig will ich 315

wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet:

›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt,

ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann,

aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken, in

Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben nur

also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du dort

Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der

Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester,

hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und

Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat keine

Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan, du

selber hast die Ernte davon einzutragen.‹

»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also

über den vierten Götterboten belehrt, wird über den fünften

Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber

Mann, hast du nicht bei den Menschen den fünften Götterboten

erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht

gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten

zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib

oder einen Mann gesehn, einen Tag oder zwei Tage oder drei

Tage nach dem Verscheiden, aufgedunsen, blauschwarz gefärbt,

in Fäulniss übergegangen?‹ Er aber antwortet: ›Das hab’ ich

gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten

zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden, erwachsen

warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin dem Sterben unterworfen,

habe das Sterben nicht überstanden; wohl denn, günstig will ich

wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹ Er aber antwortet:

›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam, o Herr.‹ Da sagt,

ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann,

aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt in Werken,

in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber Mann, eben

nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber nun, was du

dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan und nicht der

Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht die Schwester, 316

hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein Verwandter und

Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester gethan, hat

keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse That gethan,

du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹ Und hat einen

solchen, ihr Mönche, der Richter der Schatten über den fünften

Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet, so verstummt

er.[165]

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter

Fünffache Schmiede geheißene Strafe durchmachen. Einen

glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die eine Hand, einen

glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in die andere Hand, einen

glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den einen Fuß, einen

glühenden Eisenkeil bohren sie ihm in den anderen Fuß, einen

glühenden Eisenkeil bohren sie ihm mitten in die Brust. So hat

er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, 317

und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk

erschöpft ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter

überfallen und mit Aexten zerspalten; Fuß oben, Kopf unten

anpacken und mit Messern zerschlitzen; lassen ihn an

einen Wagen schirren und treiben ihn über eine feurige,

flammende, flackernde Fläche hinüber, herüber; lassen ihn

einen hohen, glühenden, feurigen, flammenden, flackernden

Felsen emporklimmen, herabklimmen; lassen ihn Fuß oben, Kopf

unten anpacken und in einen siedenden, feurigen, flammenden,

flackernden Schmelzofen werfen, wo er bis zu schaumigem Gischte

aufgekocht wird und also bald emporsteigt und bald herabsinkt

und bald queerdurchtreibt. So hat er da schmerzliche,

brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann

er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter in

die Erzhölle werfen. Die Erzhölle aber, ihr Mönche, hat vier

Winkel und vier Thore, genau nach den Seiten vertheilt, ist

mit eisernem Walle umschlossen, mit Eisen überwölbt. Ihr

Boden, aus Eisen bestanden, von glühender Röthe durchdrungen,

erstreckt sich rings umher dreihundert Meilen weit überall hin.

In dieser Erzhölle aber, ihr Mönche, steigt von der östlichen

Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an die westliche Wand,

steigt von der westlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt

bis an die östliche Wand, steigt von der nördlichen Wand eine

Stichflamme auf und stößt bis an die südliche Wand, steigt

von der südlichen Wand eine Stichflamme auf und stößt bis an

die nördliche Wand, steigt von unten eine Stichflamme auf und

stößt bis oben empor, steigt von oben eine Stichflamme auf und

stößt bis unten herab. So hat er da schmerzliche, brennende,

stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, 318

bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe

langer Zeiten vor, dass sich das östliche Thor der Erzhölle

aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie

er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz

verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und

das Gerippe verzehrt und die Knochen gehn in Qualm auf, und

emporgestiegen ist er wiederum der selbe geworden; und hat

er es nun, ihr Mönche, oftmals erprobt, dann schließt sich

das Thor wieder zu. So hat er da schmerzliche, brennende,

stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben,

bis nicht sein böses Werk erschöpft ist.

»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe

langer Zeiten vor, dass sich das westliche Thor, das nördliche

Thor, das südliche Thor der Erzhölle aufthut. Da sucht er in

eiliger Hast zu entfliehen: und wie er in eiliger Hast zu

entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz verzehrt und die Haut

verzehrt und das Fleisch verzehrt und das Gerippe verzehrt

und die Knochen gehn in Qualm auf, und emporgestiegen ist er

wiederum der selbe geworden; und hat er es nun, ihr Mönche,

oftmals erprobt, dann schließt sich das Thor wieder zu. So hat

er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden,

und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk

erschöpft ist.[166]

»Es kommt wohl, ihr Mönche, dann und wann einmal, im Verlaufe

langer Zeiten vor, dass sich das östliche Thor der Erzhölle

aufthut. Da sucht er in eiliger Hast zu entfliehen: und wie

er in eiliger Hast zu entfliehen sucht, wird ihm das Antlitz

verzehrt und die Haut verzehrt und das Fleisch verzehrt und

das Gerippe verzehrt und die Knochen gehen in Qualm auf, und

emporgestiegen ist er wiederum derselbe geworden, und er

flüchtet sich durch das Thor hinaus. Dieser Erzhölle aber,

ihr Mönche, ist rings herum sogleich die große Dreckhölle

angeschlossen: da stürzt er hinein.[167] In der großen

Dreckhölle nun, ihr Mönche, giebt es nadelmäulige Maden, die

bohren sich in die Haut ein, und haben sie die Haut durchbohrt

so bohren sie sich in das Fett ein, und haben sie das Fett

durchbohrt so bohren sie sich in das Fleisch ein, und haben

sie das Fleisch durchbohrt so bohren sie sich in die Sehnen

ein, und haben sie die Sehnen durchbohrt so bohren sie sich

in die Knochen ein, und haben sie die Knochen durchbohrt

so fressen sie das Knochenmark auf.[168] So hat er da

schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und 319

nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft

ist.

»Dieser Dreckhölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich

die große Hundehölle[169] angeschlossen: da stürzt er hinein.

So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu

empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses

Werk erschöpft ist.

»Dieser Hundehölle aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich

der große Dornenwald angeschlossen, drei Meilen hoch

gewachsen, mit sechzehnzölligen Saamenstacheln besät, feurig,

flammend, flackernd: den muss er da bald emporklettern, bald

herabklettern. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende

Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht

sein böses Werk erschöpft ist.

»Diesem Dornenwalde aber, ihr Mönche, ist rings herum sogleich

der große Wald der Schwerdtblätter angeschlossen: da geräth er

hinein. Da wird ihm von den sturmgeschwungenen Blättern die

Hand abgehauen, der Fuß abgehauen, Hand und Fuß abgehauen, das

Ohr abgehauen, die Nase abgehauen, Ohr und Nase abgehauen.

So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu

empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses

Werk erschöpft ist.

»Diesem Walde der Schwerdtblätter aber, ihr Mönche, ist

rings herum sogleich das Gewässer der großen Laugenätze

angeschlossen: da stürzt er hinein. Da wird er stromabwärts

gerissen, stromaufwärts gerissen, stromabwärts, stromaufwärts

gerissen.[170] So hat er da schmerzliche, brennende, stechende

Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht

sein böses Werk erschöpft ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter mit

einem Angel herausfischen und an das Ufer werfen und reden

also zu ihm: ›Lieber Mann, was willst du?‹ Er aber sagt:

›Mich hungert, o Herr!‹ Da lassen ihm denn, ihr Mönche, die

höllischen Wächter mit eisernem Haken den Mund aufsperren, mit 320

feurigem, flammendem, flackerndem, und eine glühende Eisenkugel

durch den Mund hinabschlingen, eine feurige, flammende,

flackernde.[171] Da werden ihm alsbald die Lippen verzehrt,

der Rachen verzehrt, die Kehle verzehrt, der Magen verzehrt,

und Gedärm und Eingeweide mitreißend kehrt sie aus dem After

hervor. So hat er da schmerzliche, brennende, stechende Gefühle

zu empfinden, und nicht eher kann er sterben, bis nicht sein

böses Werk erschöpft ist.

»Da fragen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter:

›Lieber Mann, was willst du?‹ Er aber sagt: ›Mich dürstet,

o Herr!‹ Da lassen ihm denn, ihr Mönche, die höllischen

Wächter mit eisernem Haken den Mund aufsperren, mit feurigem,

flammendem, flackerndem, und flüssiges Kupfer durch den Mund

hinabgießen, feuriges, flammendes, flackerndes. Da werden ihm

alsbald die Lippen verzehrt, der Rachen verzehrt, die Kehle

verzehrt, der Magen verzehrt, und Gedärm und Eingeweide

mitreißend kehrt es aus dem After hervor. So hat er da

schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und

nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft

ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter

wiederum in die Erzhölle hinabwerfen.

* * * * *

»Vor Zeiten einmal, ihr Mönche, hat der Richter der Schatten

innig erwogen: ›Wer da wahrlich Uebelthaten in der Welt verübt,

wird mit solchen manigfachen Strafen gestraft. O dass ich

doch Menschenthum erreichte, und ein Vollendeter in der Welt

erschiene, ein Heiliger, vollkommen Erwachter, und ich um Ihn,

den Erhabenen, sein könnte: und dass Er, der Erhabene, mir

die Satzung darlegte, und ich seine, des Erhabenen, Satzung

verstände!‹ -- Das aber sag’ ich, ihr Mönche, und hab’ es

nicht etwa von irgend einem Asketen oder Priester reden hören: 321

sondern was ich eben selbst erkannt, selbst gesehn, selbst

gefunden habe, das nur sage ich.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Als der Willkommene das gesagt hatte,

sprach fernerhin also der Meister:

»Wer Götterboten nicht vernimmt,

Als Mensch die Mahnung nicht gewahrt,

in langen Kummer kehrt er ein

Und leibt und lebt in arger Noth.

»Doch wer die Götterboten hier

Beherzigt hat als guter Mensch,

Der Edle, der die Mahnung merkt,

Der ächten Kunde nie vergisst,

»Anhangen hat als arg erkannt,

Geburten schaffend und den Tod:

Anhangen lässt er, ist erlöst,

Geburt erschöpfend und den Tod.

»Gewiss geworden, sälig so,

Im Leben schon verglommen bald,

Entgangen gänzlich banger Furcht,

Entfahren ist er allem Weh.«[172]

VIERZEHNTER THEIL

BUCH DER ABZEICHEN

131.

Vierzehnter Theil Erste Rede

GLÜCKSÄLIGEINSAM

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 322

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Vom Glücksäligeinsamen will ich euch Mönchen Stämpel und

Abzeichen weisen: das höret und achtet wohl auf meine Rede.«

»Ja, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.[173]

»Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.

»Wie aber, ihr Mönche, sehnt man sich nach vergangener

Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man

seine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹:

daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst meine

Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung;

›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man

seine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹:

daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Mönche, sehnt 323

man sich nach vergangener Zeit.

»Wie aber, ihr Mönche, sehnt man sich nicht nach vergangener

Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man

keine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹:

daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst meine

Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung;

›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man

keine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹:

daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Mönche, sehnt

man sich nicht nach vergangener Zeit.

»Wie aber, ihr Mönche, hofft man auf die Zukunft hin? ›Also

will ich einst meine Form haben‹: daran findet man seine

Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran

findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst meine

Wahrnehmung haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also

will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man

seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein

haben‹: daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Mönche,

hofft man auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Mönche, hofft man nicht auf die Zukunft hin?

›Also will ich einst meine Form haben‹: daran findet man keine

Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran

findet man keine Befriedigung; ›Also will ich einst meine

Wahrnehmung haben‹: daran findet man keine Befriedigung; ›Also

will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man

keine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein

haben‹: daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Mönche,

hofft man nicht auf die Zukunft hin.

»Wie aber, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen

aus der Fassung gebracht? Da hat einer, ihr Mönche, nichts

erfahren, ist ein gewöhnlicher Mensch, ohne Sinn für das

Heilige, der heiligen Lehre unkundig, der heiligen Lehre

unzugänglich, ohne Sinn für das Edle, der Lehre der Edlen

unkundig, der Lehre der Edlen unzugänglich und betrachtet die

Form als sich selbst, oder sich selbst als formähnlich, oder 324

in sich selbst die Form, oder in der Form sich selbst; er

betrachtet das Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen,

das Bewusstsein als sich selbst, oder sich selbst als diesen

ähnlich, oder in sich selbst diese, oder in diesen sich selbst.

Also, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen aus der

Fassung gebracht.

»Wie aber, ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen

nicht aus der Fassung gebracht? Da hat einer, ihr Mönche,

als erfahrener heiliger Jünger das Heilige gemerkt, ist der

heiligen Lehre kundig, der heiligen Lehre wohlzugänglich, hat

das Edle gemerkt, ist der Lehre der Edlen kundig, der Lehre der

Edlen wohlzugänglich und betrachtet die Form nicht als sich

selbst, noch sich selbst als formähnlich, noch in sich selbst

die Form, noch in der Form sich selbst; er betrachtet das

Gefühl, die Wahrnehmung, die Unterscheidungen, das Bewusstsein

nicht als sich selbst, noch sich selbst als diesen ähnlich,

noch in sich selbst diese, noch in diesen sich selbst. Also,

ihr Mönche, wird man bei gegenwärtigen Dingen nicht aus der

Fassung gebracht.

»Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.

»Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da, 325

Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Vom Glücksäligeinsamen will ich euch Mönchen Stämpel und

Abzeichen weisen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.

132.

Vierzehnter Theil Zweite Rede

GLÜCKSÄLIGEINSAM

-- ĀNANDO --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.

Um diese Zeit nun war der ehrwürdige Ānando in der Halle des

Vorhauses mit den Mönchen in lehrreichem Gespräche beisammen,

ermunterte und ermuthigte, erregte und erheiterte sie, sprach

von Stämpel und Abzeichen des Glücksäligeinsamen.

Da nun begab sich der Erhabene gegen Abend, nach Aufhebung

der Gedenkensruhe, zur Halle heran des Vorhauses und nahm,

dort angelangt, auf dem angebotenen Sitze Platz. Als nun der

Erhabene da Platz genommen, wandte er sich also an die Mönche:

»Wer hat wohl, ihr Mönche, in der Halle des Vorhauses die

Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt

und erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen

gesprochen?«

»Der ehrwürdige Ānando, o Herr, hat in der Halle des Vorhauses

die Mönche in lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt,

erregt und erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und

Abzeichen gesprochen.«

Und der Erhabene wandte sich an den ehrwürdigen Ānando:

»Auf welche Weise aber hast du, Ānando, die Mönche in

lehrreichem Gespräche ermuntert und ermuthigt, erregt und

erheitert, von des Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen 326

gesprochen?«

»Also hab’ ich, o Herr, die Mönche in lehrreichem Gespräche

ermuntert und ermuthigt, erregt und erheitert, von des

Glücksäligeinsamen Stämpel und Abzeichen gesprochen:

»‚Kein Sehnen nach vergangner Zeit,

Kein Hoffen auf die Zukunft hin;

Ist abgethan was vorher war

Und was noch künftig kommen wird,

»‚Und hat man immer Ding um Ding

Gewärtig in der Gegenwart:

Was keiner rauben, rütteln kann,

Durchbohrend finden mag man das.

»‚Noch heute gilt der heiße Kampf:

Ob morgen todt, wer weiß es wohl?

Es muss die Schlacht geschlagen sein,

Mit seiner Heerschaar Er, der Mord.

»‚Wer also ausharrt unverzagt

Und unermüdlich Tag und Nacht,

Glücksäligeinsam ist er da,

Der stille Denker, wie man sagt.

»‚Wie aber, ihr Brüder, sehnt man sich nach vergangener

Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man

seine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹:

daran findet man seine Befriedigung; ›Also war einst meine

Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man seine Befriedigung;

›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man

seine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹:

daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Brüder, sehnt

man sich nach vergangener Zeit.

»‚Wie aber, ihr Brüder, sehnt man sich nicht nach vergangener

Zeit? ›Also war einst meine Form gewesen‹: daran findet man

keine Befriedigung; ›Also war einst mein Gefühl gewesen‹:

daran findet man keine Befriedigung; ›Also war einst meine

Wahrnehmung gewesen‹: daran findet man keine Befriedigung;

›Also war einst mein Unterscheiden gewesen‹: daran findet man 327

keine Befriedigung; ›Also war einst mein Bewusstsein gewesen‹:

daran findet man keine Befriedigung. Also, ihr Brüder, sehnt

man sich nicht nach vergangener Zeit.

»‚Wie aber, ihr Brüder, hofft man auf die Zukunft hin? ›Also

will ich einst meine Form haben‹: daran findet man seine

Befriedigung; ›Also will ich einst mein Gefühl haben‹: daran

findet man seine Befriedigung; ›Also will ich einst meine

Wahrnehmung haben‹: daran findet man seine Befriedigung; ›Also

will ich einst mein Unterscheiden haben‹: daran findet man

seine Befriedigung; ›Also will ich einst mein Bewusstsein

haben‹: daran findet man seine Befriedigung. Also, ihr Brüder,

hofft man auf die Zukunft hin.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 21 / 40 段