»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter

überfallen und mit Aexten zerspalten; Fuß oben, Kopf

unten anpacken und mit Messern zerschlitzen. So hat er da

schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und

nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft

ist.

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter an

einen Wagen schirren und treiben ihn über eine feurige,

flammende, flackernde Fläche hinüber, herüber. Da lassen

ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter einen hohen,

glühenden, feurigen, flammenden, flackernden Felsen

emporklimmen, herabklimmen. So hat er da schmerzliche,

brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und nicht eher kann

er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft ist. 295

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter Fuß

oben, Kopf unten anpacken und in einen siedenden, feurigen,

flammenden, flackernden Schmelzofen werfen, wo er bis zu

schaumigem Gischte aufgekocht wird und also bald emporsteigt

und bald herabsinkt und bald queerdurchtreibt. So hat er da

schmerzliche, brennende, stechende Gefühle zu empfinden, und

nicht eher kann er sterben, bis nicht sein böses Werk erschöpft

ist.[148]

»Da lassen ihn denn, ihr Mönche, die höllischen Wächter in

die Erzhölle werfen. Die Erzhölle aber, ihr Mönche, hat vier

Winkel und vier Thore, genau nach den Seiten vertheilt, ist mit

eisernem Walle umschlossen, mit Eisen überwölbt. Ihr Boden, aus

Eisen bestanden, von glühender Röthe durchdrungen, erstreckt

sich rings umher dreihundert Meilen weit überall hin. Wollte

ich gleich, ihr Mönche, auf mancherlei Weise höllische Dinge

euch deuten, so könnte man es doch, ihr Mönche, nicht wohl

durch Worte erfassen, wie tief die Leiden höllischer Welten

reichen. --

»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die Gras fressen;

sie befeuchten das Gras mit Speichel und zerkauen es zwischen

den Zähnen. Was sind das aber, ihr Mönche, für thiergewordene

Wesen, die Gras fressen? Rosse, Rinder, Esel, Ziegen,

Antilopen, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen

Wesen giebt, die Gras fressen. Ein solcher Thor nun, ihr

Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten

gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur

Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die als Grasfresser

leben.

»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die Mist

fressen; haben die von weitem schon Mistgeruch gewittert, so

eilen sie herbei: ›Daran wollen wir uns laben, daran wollen

wir uns laben.‹ Gleichwie etwa, ihr Mönche, Priester beim 296

Opfergeruche herbeieilen: ›Daran wollen wir uns laben, daran

wollen wir uns laben‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, giebt es

thiergewordene Wesen, die Mist fressen; haben die von weitem

schon Mistgeruch gewittert, so eilen sie herbei: ›Daran wollen

wir uns laben, daran wollen wir uns laben.‹ Was sind das aber,

ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die Mist fressen? Hühner,

Schweine, Hunde, Schackale, und was es sonst noch irgend an

thiergewordenen Wesen giebt, die Mist fressen. Ein solcher Thor

nun, ihr Mönche, der da früher geschmäckig war, der da böse

Thaten gethan, wird bei der Auflösung des Körpers, nach dem

Tode, zur Gemeinschaft mit jenen Wesen wiederkehren, die als

Mistfresser leben.[149]

»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die im Dunkeln

entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben. Was sind

das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die im Dunkeln

entstehn, im Dunkeln vergehn, im Dunkeln ersterben? Käfer,

Motten, Asseln, und was es sonst noch irgend an thiergewordenen

Wesen giebt, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln vergehn, im

Dunkeln ersterben. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, der da

früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird bei

der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit

jenen Wesen wiederkehren, die im Dunkeln entstehn, im Dunkeln

vergehn, im Dunkeln ersterben.[150]

»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die im Wasser

entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben. Was sind

das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die im Wasser

entstehn, im Wasser vergehn, im Wasser ersterben? Fische,

Schildkröten, Krokodile, und was es sonst noch irgend an

thiergewordenen Wesen giebt, die im Wasser entstehn, im Wasser 297

vergehn, im Wasser ersterben. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche,

der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird

bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft

mit jenen Wesen wiederkehren, die im Wasser entstehn, im Wasser

vergehn, im Wasser ersterben.

»Es giebt, ihr Mönche, thiergewordene Wesen, die in Unrath

entstehn, in Unrath vergehn, in Unrath ersterben. Was sind

das aber, ihr Mönche, für thiergewordene Wesen, die in Unrath

entstehn, in Unrath vergehn, in Unrath ersterben? Es sind,

ihr Mönche, Wesen, die da in faulendem Fische entstehn, in

faulendem Fische vergehn, in faulendem Fische ersterben, oder

in faulendem Fleische, oder in faulender Speise, oder in

Pfuhl oder Pfütze entstehn, in Pfuhl oder Pfütze vergehn, in

Pfuhl oder Pfütze ersterben, und was es sonst noch irgend an

thiergewordenen Wesen giebt, die in Unrath entstehn, in Unrath

vergehn, in Unrath ersterben. Ein solcher Thor nun, ihr Mönche,

der da früher geschmäckig war, der da böse Thaten gethan, wird

bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft

mit jenen Wesen wiederkehren, die in Unrath entstehn, in Unrath

vergehn, in Unrath ersterben.[151] Wollte ich gleich, ihr

Mönche, auf mancherlei Weise Dinge der Thierheit euch deuten,

so könnte man es doch, ihr Mönche, nicht wohl durch Worte

erfassen, wie tief die Leiden der Thierheit reichen.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Mann eine einkehlige

Reuse in den Ozean würfe; die würde da vom östlichen Winde nach

Westen getrieben, vom westlichen Winde nach Osten getrieben,

vom nördlichen Winde nach Süden getrieben, vom südlichen 298

Winde nach Norden getrieben; und es wäre da eine einäugige

Schildkröte, die alle hundert Jahre einmal emportauchte; was

meint ihr nun, Mönche: sollte da etwa die einäugige Schildkröte

mit ihrem Halse in jene einkehlige Reuse hineingerathen?«

»Wohl kaum, o Herr; oder doch nur, o Herr, irgend einmal

vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten.«

»Eher noch mag, ihr Mönche, die einäugige Schildkröte mit

ihrem Halse in jene einkehlige Reuse hineingerathen: aber

schwieriger, sag’ ich, ihr Mönche, ist Menschenthum erreichbar,

sobald der Thor einmal in die Tiefe hinabgesunken. Und warum

das? Weil es dort, ihr Mönche, keinen gerechten Wandel,

geraden Wandel, kein heilsames Wirken, hülfreiches Wirken

giebt: einer den anderen auffressen ist dort, ihr Mönche, der

Brauch, den Schwachen ermorden.[152]

»Ein solcher Thor nun, ihr Mönche, wenn der irgend einmal

vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschenthum erwirbt,

so ist es ein niederer Stand, wie der von Treibern oder

von Jägern, von Korbflechtern oder von Radmachern oder von

Gärtnern: in einem solchen Stande wird er neugeboren, in einem

bedürftigen, an Speise und Trank darbenden, der sich kümmerlich

fortbringt, wo man kümmerlich Kost und Gewand erhält. Und er

ist hässlich, unschön, unansehnlich, mit Gebrechen behaftet,

ist einäugig oder lahm, er hinkt oder ist halb vom Schlage

gerührt, es mangelt ihm an Speise und Trank und Kleidung, an

Wagen und Schmuck und duftenden Salben, an Lager und Obdach und

Licht. Und er wandelt übel in Werken, wandelt übel in Worten,

wandelt übel in Gedanken; und ist er in Werken übel gewandelt,

in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt, so

gelangt er bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,

abwärts, auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, wieder in

höllische Welt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben

auf den ersten Misswurf um sein Kind spielen, um sein Weib

spielen, um sein ganzes Hab und Gut spielen und endlich sich 299

selber in Knechtschaft dahingeben mag; geringfügig ist da,

ihr Mönche, der Misswurf, wann der Würfelspieler eben auf den

ersten Misswurf um sein Kind spielen, um sein Weib spielen,

um sein ganzes Hab und Gut spielen und endlich sich selber

in Knechtschaft dahingehen mag: sondern es ist eben das ein

gewichtigerer Misswurf als jener, wann der Thor in Werken übel

gewandelt, in Worten übel gewandelt, in Gedanken übel gewandelt

ist und bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, abwärts,

auf schlechte Fährte, zur Tiefe hinab, in höllische Welt

wiederkehrt.

»Das ist, ihr Mönche, der vollkommen ausgefüllte Rang des

Thoren.[153]

* * * * *

»Drei giebt es, ihr Mönche, beim Weisen der Kennzeichen des

Weisen, der Merkmale des Weisen, der Offenbarungen des Weisen:

und welche drei? Da mag, ihr Mönche, der Weise Wohlgedachtes

denken und Wohlgesprochenes sprechen und wohlgethane That

begehn. Wär’ es nicht, ihr Mönche, des Weisen Art Wohlgedachtes

zu denken und Wohlgesprochenes zu sprechen und wohlgethane

That zu begehn, welcher Weise könnte ihn wohl erkennen: ›Ein

Weiser ist es, ein guter Mensch‹? Weil nun aber, ihr Mönche,

der Weise Wohlgedachtes denkt und Wohlgesprochenes spricht und

wohlgethane That begeht, darum erkennen ihn Weise: ›Ein Weiser

ist es, ein guter Mensch.‹

»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wird in dreifachem Maaße

schon bei Lebzeiten Freude und Frohsinn erfahren. Wenn sich,

ihr Mönche, der Weise in Gesellschaft befindet oder auf der

Straße befindet oder auf dem Markte befindet, so führen die

Leute von ihm veranlasste, auf ihn bezügliche Gespräche.

Wenn, ihr Mönche, der Weise von Todtschlag absteht, von

Diebstahl sich zurückhält, keine Ausschweifung begeht,

keine Lüge spricht, berauschende und berückende Getränke,

betäubende und bethörende Mittel meidet, so wird ihm da also,

ihr Mönche, zumuthe: ›Haben die Leute davon Anlass, darauf 300

Beziehung im Gespräche genommen, so ist dergleichen bei mir

anzutreffen: auch mich kann das angehn.‹ Das wird, ihr Mönche,

der Weise zuerst schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn

erfahren.[154]

»Weiter sodann, ihr Mönche, sieht der Weise wie Könige einen

Räuber, einen Verbrecher ergreifen lassen und mancherlei

Strafen verhängen, als wie Peitschen-, Stock- oder Ruthenhiebe;

Handverstümmlung, Fußverstümmlung oder Verstümmlung der

Hände und Füße; Ohrenverstümmlung, Nasenverstümmlung,

Verstümmlung der Ohren und der Nase; den Breikessel, die

Muschelrasur, das Drachenmaul; den Pechkranz, die Fackelhand;

das Spießruthenlaufen, das Rindenliegen, den Marterbock;

das Angelfleisch, den Münzengriff, die Laugenätze; den

Schraubstock, das Bastgeflecht; die siedende Oelbeträufelung,

das Zerreißen durch Hunde, die lebendige Pfählung, die

Enthauptung. Da wird, ihr Mönche, dem Weisen also zumuthe:

›Um welcher Uebelthaten willen Könige einen Räuber, einen

Verbrecher ergreifen lassen und so mancherlei Strafen 301

verhängen, dergleichen ist ja bei mir nicht anzutreffen: und

mich kann das nicht angehn.‹ Das aber wird, ihr Mönche, der

Weise zuzweit schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn

erfahren.

»Weiter sodann, ihr Mönche: wenn der Weise auf einem Stuhle

Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat oder

auf der Erde ausruht, so sind es die günstigen Thaten, die

er früher gethan, gute Handlungen in Werken, in Worten,

in Gedanken, die um diese Zeit über ihn kommen, über ihn

niedersinken, über ihn herabziehn. Gleichwie etwa, ihr Mönche,

die Schatten der Gipfel hoher Gebirge um Sonnenuntergang über

die Ebene kommen, über sie niedersinken, über sie herabziehn:

ebenso nun auch, ihr Mönche, sind es, wenn der Weise auf einem

Stuhle Platz genommen oder auf ein Lager sich hingelegt hat

oder auf der Erde ausruht, die günstigen Thaten, die er früher

gethan, gute Handlungen in Werken, in Worten, in Gedanken, die

um diese Zeit über ihn kommen, über ihn niedersinken, über

ihn herabziehn. Da wird, ihr Mönche, dem Weisen also zumuthe:

›Nicht hab’ ich doch Böses gethan, bin nicht grausam gewesen,

habe keinen Frevel verübt: günstig hab’ ich gewirkt, heilsam

hab’ ich gewirkt, habe Scheu gekannt; wo da nicht Böses thun,

nicht grausam sein, keinen Frevel verüben, günstig wirken,

heilsam wirken, Scheu kennen hingelangen lässt, dahin werd’

ich nach dem Tode gelangen.‹ So wird er nicht bekümmert, nicht

beklommen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die

Brust, geräth nicht in Verzweiflung. Das aber wird, ihr Mönche, 302

der Weise zudritt schon bei Lebzeiten als Freude und Frohsinn

erfahren.

»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, der in Werken wohl

gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt

ist, gelangt bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf

gute Fährte, in himmlische Welt. Mag nun einer, ihr Mönche, mit

rechter Rede sagen ›Einzig erwünscht, einzig begehrt, einzig

angenehm‹, mag er es eben von himmlischer Welt mit rechter Rede

sagen: ›Einzig erwünscht, einzig begehrt, einzig angenehm‹; da

man es ja, ihr Mönche, auch im Gleichnisse nicht wohl darthun

kann, wie hoch die Freuden himmlischer Welten reichen.«

Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen

und fragte:

»Kann man aber, o Herr, ein Gleichniss geben?«

»Man kann es, Mönch«, sprach der Erhabene. »Gleichwie etwa,

ihr Mönche, wenn ein König Kaiser geworden ist, mit den sieben

Juwelen begabt und den vier Vermögen: da wird er infolge davon

Freude und Frohsinn erfahren. Das aber sind seine sieben

Juwelen, und zwar[155]: das beste Land, der beste Elephant, das

beste Ross, die beste Perle, das beste Weib, der beste Bürger,

und siebentens der beste Staatsmann. Ein König, ihr Mönche, als

Kaiser ist mit diesen sieben Juwelen begabt. Was aber sind die 307

vier Vermögen? Da ist, ihr Mönche, der König als Kaiser schön,

hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, weit mehr als

andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuerst

mit diesem Vermögen begabt.[156] Weiter sodann, ihr Mönche: ein

König als Kaiser hat lange Lebensdauer, langen Bestand, weit

mehr als andere Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist

zuzweit mit diesem Vermögen begabt. Weiter sodann, ihr Mönche:

ein König als Kaiser ist gesund und munter, seine Kräfte sind

gleichmäßig gemischt, weder zu kühl noch zu heiß, weit besser

als bei anderen Menschen. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser

ist zudritt mit diesem Vermögen begabt.[157] Weiter sodann,

ihr Mönche: ein König als Kaiser ist Priestern und Hausvätern

lieb und werth. Gleichwie etwa, ihr Mönche, ein Vater den

Kindern lieb ist und werth, ebenso nun auch, ihr Mönche, ist

ein König als Kaiser Priestern und Hausvätern lieb und werth.

Und einem Könige, ihr Mönche, als Kaiser sind Priester und

Hausväter lieb und werth. Gleichwie etwa, ihr Mönche, einem

Vater die Kinder lieb sind und werth, ebenso nun auch, ihr 308

Mönche, sind einem Könige als Kaiser Priester und Hausväter

lieb und werth. Vormals, ihr Mönche, geschah es, da ein König

als Kaiser, gefolgt von dem viermächtigen Heerbanne[158], zur

Frühjahrsfeier hinauszog, dass ihm Priester und Hausväter

entgegengingen und also sprachen: ›Verweile, Gebieter, auf

deinem Zuge, auf dass wir länger deinen Anblick erschauen.‹ Und

auch ein König, ihr Mönche, als Kaiser mahnte den Wagenlenker:

›Ohne Eile, Wagenlenker, lasse weiter uns fahren, auf dass ich

länger den Anblick der Priester und Hausväter vor mir habe.‹

Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist zuviert mit diesem

Vermögen begabt. Ein König, ihr Mönche, als Kaiser ist mit

diesen vier Vermögen begabt. Was meint ihr nun, Mönche: könnte

da nicht ein König als Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt

und den vier Vermögen, daran Freude und Frohsinn erfahren?«

»Auch nur, o Herr, mit einem einzigen der Juwelen begabt könnte

ein König als Kaiser daran Freude und Frohsinn erfahren,

geschweige denn mit den sieben Juwelen, mit den vier Vermögen.«

Da hob nun der Erhabene einen mäßigen, handgroßen Stein auf und

wandte sich an die Mönche:

»Was meint ihr wohl, Mönche: was ist größer, dieser mäßige,

handgroße Stein, den ich da habe, oder der Himālayo, der König

der Berge?«

»Geringfügig ist, o Herr, dieser mäßige, handgroße Stein,

den der Erhabene da hat: gegen den Himālayo, den König der

Berge, kann er nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen

werden.«

»Ebenso nun auch, ihr Mönche, kann was ein solcher König als

Kaiser, mit den sieben Juwelen begabt und den vier Vermögen,

dabei an Freude und Frohsinn erfährt gegen himmlische Freude

nicht gezählt, nicht gerechnet, nicht verglichen werden.[159] 309

»Ein solcher Weise nun, ihr Mönche, wenn der irgend einmal

vielleicht, im Verlaufe langer Zeiten, Menschenthum erwirbt,

so ist es ein hoher Stand, wie der von mächtigen Fürsten oder

von mächtigen Priestern oder von mächtigen Bürgern: in einem

solchen Stande wird er neugeboren, in einem wohlhabenden,

mächtig bemittelten, mächtig begüterten, der reichlich mit

Gold und Silber, reichlich mit Besitz und Hausrath, reichlich

mit Geld und Gut versehn ist. Und er ist schön, hold,

liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, entbehrt nicht

Speise und Trank und Kleidung, Wagen und Schmuck und duftende

Salben, Lager und Obdach und Licht. Und er wandelt wohl in

Werken, wandelt wohl in Worten, wandelt wohl in Gedanken; und

ist er in Werken wohl gewandelt, in Worten wohl gewandelt, in

Gedanken wohl gewandelt, so gelangt er bei der Auflösung des

Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte, wieder in himmlische

Welt.

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn ein Würfelspieler eben

auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichthum gewinnen mag;

geringfügig ist da, ihr Mönche, der Hauptwurf, wann der

Würfelspieler eben auf den ersten Hauptwurf mächtigen Reichthum

gewinnen mag: sondern es ist eben das ein gewichtigerer

Hauptwurf als jener, wann der Weise in Werken wohl gewandelt,

in Worten wohl gewandelt, in Gedanken wohl gewandelt ist und

bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, auf gute Fährte,

in himmlische Welt wiederkehrt.

»Das ist, ihr Mönche, der vollkommen ausgefüllte Rang des

Weisen.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.[160]

130.

Dreizehnter Theil Zehnte Rede

DIE GÖTTERBOTEN

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 310

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Gleichwie etwa, ihr Mönche, wenn da zwei Häuser wären, mit

Thüren, und es betrachtete ein scharfsehender Mann, in der

Mitte stehend, die Menschen, wie sie das Haus betreten und

verlassen, kommen und gehn[161]: ebenso nun auch, ihr Mönche,

seh’ ich mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über

menschliche Gränzen hinausreichenden, die Wesen dahinschwinden

und wiedererscheinen, gemeine und edle, schöne und unschöne,

glückliche und unglückliche, erkenne wie die Wesen je nach

den Thaten wiederkehren. ›Diese lieben Wesen sind freilich in

Thaten dem Guten zugethan, in Worten dem Guten zugethan, in

Gedanken dem Guten zugethan, tadeln nicht Heiliges, achten

Rechtes, thun Rechtes; bei der Auflösung des Körpers, nach dem

Tode, kehren sie auf gute Fährte, in himmlische Welt wieder.

Und auch diese lieben Wesen sind in Thaten dem Guten zugethan,

in Worten dem Guten zugethan, in Gedanken dem Guten zugethan,

tadeln nicht Heiliges, achten Rechtes, thun Rechtes; bei der

Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie unter die

Menschen wieder. Jene lieben Wesen sind aber in Thaten dem

Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan, in

Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten

Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, kehren sie in das Gespensterreich wieder. Und 311

auch jene lieben Wesen sind in Thaten dem Schlechten zugethan,

in Worten dem Schlechten zugethan, in Gedanken dem Schlechten

zugethan, tadeln Heiliges, achten Verkehrtes, thun Verkehrtes;

bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, kehren sie in die

Thierheit wieder. Und auch jene lieben Wesen sind in Thaten

dem Schlechten zugethan, in Worten dem Schlechten zugethan,

in Gedanken dem Schlechten zugethan, tadeln Heiliges, achten

Verkehrtes, thun Verkehrtes; bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, kehren sie abwärts, auf schlechte Fährte, zur

Tiefe hinab, in höllische Welt wieder.

»Ein solcher, ihr Mönche, wird von den höllischen Wächtern

unter den Armen ergriffen und vor den Richter der Schatten

gebracht: ›Da ist, o König, ein Mann, der unbarmherzig war,

kein Entsagen kannte, keine Lauterkeit, vor keinem ehrwürdigen

Haupte Achtung hatte[162]; ihm soll der König die Strafe

erkennen.‹ Ein solcher, ihr Mönche, wird vom Richter der

Schatten über den ersten Götterboten befragt, ausgeforscht,

unterrichtet: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen

den ersten Götterboten erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet:

›Ich hab’ ihn nicht gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der

Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei

den Menschen ein kleines Kind, einen unvernünftigen Säugling,

mit Koth und Harn beschmutzt daliegen sehn?‹ Er aber antwortet:

›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter

der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig geworden,

erwachsen warst[163], hast du bedacht: ‚Auch ich bin der Geburt

unterworfen, habe die Geburt nicht überstanden; wohl denn,

günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹

Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam,

o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm:

›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt 312

in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber

Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber

nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan

und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht

die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein

Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester

gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse

That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹[164]

»Ein solcher, ihr Mönche, vom Richter der Schatten also

über den ersten Götterboten belehrt, wird über den zweiten

Götterboten befragt, ausgeforscht, unterrichtet: ›Lieber

Mann, hast du nicht bei den Menschen den zweiten Götterboten

erscheinen sehn?‹ Er aber antwortet: ›Ich hab’ ihn nicht

gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten

zu ihm: ›Lieber Mann, hast du nicht bei den Menschen ein Weib

oder einen Mann gesehn, im achtzigsten oder neunzigsten oder

hundertsten Lebensjahre, gebrochen, giebelförmig geknickt,

abgezehrt, auf Krücken gestützt schlotternd dahinschleichen,

siech, welk, zahnlos, mit gebleichten Strähnen, kahlem,

wackelndem Kopfe, verrunzelt, die Haut voller Flecken?‹ Er aber

antwortet: ›Das hab’ ich gesehn, o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche,

der Richter der Schatten zu ihm: ›Lieber Mann, da du verständig

geworden, erwachsen warst, hast du bedacht: ‚Auch ich bin dem

Alter unterworfen, habe das Alter nicht überstanden; wohl denn,

günstig will ich wirken, in Werken, in Worten, in Gedanken‘?‹

Er aber antwortet: ›Ich konnt’ es nicht, o Herr, war unachtsam,

o Herr.‹ Da sagt, ihr Mönche, der Richter der Schatten zu ihm:

›Lieber Mann, aus Unachtsamkeit hast du nicht günstig gewirkt

in Werken, in Worten, in Gedanken: da wird man dir, lieber

Mann, eben nur also begegnen wie einem Unachtsamen. Das aber

nun, was du dort Böses begangen, hat nicht die Mutter gethan

und nicht der Vater, hat nicht der Bruder gethan und nicht 313

die Schwester, hat kein Freund und Genosse gethan, hat kein

Verwandter und Gevatter gethan, hat kein Asket und Priester

gethan, hat keine Gottheit gethan: du selber hast dort böse

That gethan, du selber hast die Ernte davon einzutragen.‹

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 20 / 40 段