»Wohlan denn, Hausvater, sage nur, was du hierüber denkst: so

wirst du alsbald Gewissheit erlangen.«

»Mir will scheinen, o Herr, als ob die unbeschränkte

Gemütherlösung und wiederum die großartige Gemütherlösung

Begriffe seien, die einander gleich sind, und dass nur die

Bezeichnung eine verschiedene ist.«

»Die unbeschränkte Gemütherlösung, Hausvater, und die

großartige Gemütherlösung: das sind Begriffe, die von einander

verschieden sind und auch verschiedene Bezeichnung haben. Daher

aber muss man es, Hausvater, je nach dem Umstand beurtheilen,

warum eben diese Begriffe verschieden sind und verschiedene

Bezeichnung haben. Was ist also, Hausvater, unbeschränkte 267

Gemütherlösung? Da strahlt, Hausvater, ein Mönch liebevollen

Gemüthes weilend nach einer Richtung, dann nach einer zweiten,

dann nach der dritten, dann nach der vierten, ebenso nach

oben und nach unten: überall in allem sich wiedererkennend

durchstrahlt er die ganze Welt mit liebevollem Gemüthe, mit

weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

Erbarmenden Gemüthes -- freudevollen Gemüthes -- unbewegten

Gemüthes weilend strahlt er nach einer Richtung, dann nach

einer zweiten, dann nach der dritten, dann nach der vierten,

ebenso nach oben und nach unten: überall in allem sich

wiedererkennend durchstrahlt er die ganze Welt mit erbarmendem

Gemüthe, mit freudevollem Gemüthe, mit unbewegtem Gemüthe, mit

weitem, tiefem, unbeschränktem, von Grimm und Groll geklärtem.

Das heißt man, Hausvater, unbeschränkte Gemütherlösung.[134]

»Was ist aber, Hausvater, großartige Gemütherlösung? Da hat

ein Mönch, Hausvater, einen einzelnen mächtigen Baum als

›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt

man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ferner,

Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige Bäume

als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich dabei. Das heißt

man, Hausvater, großartige Gemütherlösung. Da hat ein Mönch,

Hausvater, ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst

und beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige

Gemütherlösung. Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch

zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst und

beruhigt sich dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige

Gemütherlösung. Da hat ein Mönch, Hausvater, ein einzelnes 268

Königreich als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich

dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung.

Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch zwei bis drei

Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt sich

dabei. Das heißt man, Hausvater, großartige Gemütherlösung.

Da hat ferner, Hausvater, ein Mönch etwa noch die vom Ozean

umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst und beruhigt

sich dabei.[135] Das heißt man, Hausvater, großartige

Gemütherlösung. -- Auf solche Weise muss man es, Hausvater,

je nach dem Umstand beurtheilen, wie eben diese Begriffe

verschieden sind und verschiedene Bezeichnung haben.

* * * * *

»Vier Arten giebt es da, Hausvater, wie man zu wesen

wiederkehrt: und welche vier? Da hat einer, Hausvater, einen

bestimmten Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag,

bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft

mit Göttern von einem bestimmten Glanze wiederkehren. Da hat

ferner, Hausvater, einer unermesslichen Glanz aufgefasst und

beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers,

nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von unermesslichem

Glanze wiederkehren. Da hat einer, Hausvater, unlauteren Glanz

aufgefasst und beruhigt sich dabei; der mag, bei der Auflösung

des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern von

unlauterem Glanze wiederkehren. Da hat ferner, Hausvater,

einer vollkommen reinen Glanz aufgefasst und beruhigt sich

dabei; der mag, bei der Auflösung des Körpers, nach dem Tode,

zur Gemeinschaft mit Göttern von vollkommen reinem Glanze

wiederkehren. Das sind, Hausvater, vier Arten, wie man zu wesen

wiederkehrt.

»Es giebt, Hausvater, eine Zeit wo da solche Gottheiten

zusammenkommen; und sind sie zusammengekommen, so zeigt sich 269

wohl bei ihnen verschiedene Farbe, doch kein verschiedener

Glanz. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann gar mancherlei

Oellampen in ein Haus hineintrüge; da würde sich wohl unter

ihnen verschiedene Flamme zeigen, doch kein verschiedener

Glanz: ebenso nun auch, Hausvater, giebt es eine Zeit

wo da solche Gottheiten zusammenkommen; und sind sie

zusammengekommen, so zeigt sich wohl bei ihnen verschiedene

Farbe, doch kein verschiedener Glanz.

»Es giebt, Hausvater, eine Zeit wo da solche Gottheiten dann

auseinandergehn; und sind sie dann auseinandergegangen,

so zeigt sich eben bei ihnen verschiedene Farbe wie auch

verschiedener Glanz. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn ein Mann

jene mancherlei Oellampen aus dem Hause hinwegtrüge; da würde

sich eben unter ihnen verschiedene Flamme zeigen wie auch

verschiedener Glanz: ebenso nun auch, Hausvater, giebt es eine

Zeit wo da solche Gottheiten dann auseinandergehn; und sind

sie dann auseinandergegangen, so zeigt sich eben bei ihnen

verschiedene Farbe wie auch verschiedener Glanz.

»Nicht aber, Hausvater, haben die Gottheiten Gedanken wie: ›So

bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald eben

da die Gottheiten einander genaht sind, sind alsbald eben da

die Gottheiten einander genehm. Gleichwie etwa, Hausvater, wenn

Fliegen in einem Glase oder in einem Korbe zusammenschwärmen

nicht Gedanken haben wie: ›So bleiben wir beständig, beharrend,

ewig‹, sondern sobald eben da die Fliegen einander genaht sind,

sind alsbald eben da die Fliegen einander genehm[136]: ebenso 270

nun auch, Hausvater, haben die Gottheiten nicht Gedanken wie:

›So bleiben wir beständig, beharrend, ewig‹, sondern sobald

eben da die Gottheiten einander genaht sind, sind alsbald eben

da die Gottheiten einander genehm.«

Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige

Abhayakaccāno[137] also an den ehrwürdigen Anuruddho:

»Sehr schön, werther Anuruddho. Ich möchte nun hier noch eine

fernere Frage stellen. Die Gottheiten, o Herr, die da glänzen,

haben die alle einen bestimmten Glanz, oder giebt es wirklich

auch Gottheiten, deren Glanz unermesslich ist?«

»Je nachdem, Bruder Kaccāno. Es giebt wohl manche Gottheiten

von bestimmtem Glanze: es giebt aber auch manche Gottheiten,

deren Glanz unermesslich ist.«

»Was ist nun, werther Anuruddho, der Anlass, was ist der Grund,

dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, manche

einen bestimmten Glanz aufweisen, und wiederum manche einen

Glanz, der unermesslich ist?«

»Da will ich dir denn, Bruder Kaccāno, eben hierüber eine

Frage stellen: wie es dir gutdünkt magst du sie beantworten.

Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch einen

einzelnen mächtigen Baum als ›großartig‹ aufgefasst hat und

dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch zwei bis

drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei

sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen

Uebungen die großartigere?«

»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch zwei bis drei mächtige

Bäume als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich

beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die 271

großartigere.«

»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch etwa

noch zwei bis drei mächtige Bäume als ›großartig‹ aufgefasst

hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch ein

einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei

sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen

Uebungen die großartigere?«

»Wenn da, o Herr, ein Mönch ein einzelnes Wiesenfeld als

›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist

diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«

»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch

ein einzelnes Wiesenfeld als ›großartig‹ aufgefasst hat und

dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch zwei bis

drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei

sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen

Uebungen die großartigere?«

»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch zwei bis drei

Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich

beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die

großartigere.«

»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch etwa

noch zwei bis drei Wiesenfelder als ›großartig‹ aufgefasst

hat und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch ein

einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei

sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen

Uebungen die großartigere?«

»Wenn da, o Herr, ein Mönch ein einzelnes Königreich als

›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist

diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«

»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch ein

einzelnes Königreich als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei

sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch zwei bis drei

Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich

beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden geistigen

Uebungen die großartigere?«

»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch zwei bis drei Königreiche

als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich beruhigt, so ist

diese von den beiden geistigen Uebungen die großartigere.«

»Was meinst du wohl, Bruder Kaccāno: wenn da jener Mönch etwa 272

noch zwei bis drei Königreiche als ›großartig‹ aufgefasst hat

und dabei sich beruhigt; und ein anderer Mönch etwa noch die

vom Ozean umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst hat

und dabei sich beruhigt: so ist nun welche von diesen beiden

geistigen Uebungen die großartigere?«

»Wenn da, o Herr, ein Mönch etwa noch die vom Ozean

umschlossene Erde als ›großartig‹ aufgefasst hat und dabei sich

beruhigt, so ist diese von den beiden geistigen Uebungen die

großartigere.«

»Das ist nun, Bruder Kaccāno, der Anlass, das ist der Grund,

dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, manche

einen bestimmten Glanz aufweisen, und wiederum manche einen

Glanz, der unermesslich ist.«[138]

»Sehr schön, werther Anuruddho. Ich möchte nun hier noch eine

fernere Frage stellen. Die Gottheiten, o Herr, die da glänzen,

haben die alle unlauteren Glanz, oder giebt es wirklich auch

Gottheiten, deren Glanz vollkommen rein ist?«

»Je nachdem, Bruder Kaccāno. Es giebt wohl manche Gottheiten

von unlauterem Glanze: es giebt aber auch manche Gottheiten,

deren Glanz vollkommen rein ist.«

»Was ist nun, werther Anuruddho, der Anlass, was ist der Grund,

dass unter Gottheiten, im selben Götterbereiche geboren, manche 273

unlauteren Glanz aufweisen, und wiederum manche einen Glanz,

der vollkommen rein ist?«

»Da lasse mich denn, Bruder Kaccāno, ein Gleichniss dir geben:

auch durch Gleichnisse wird da manchem verständigen Manne

der Sinn einer Rede klar. -- Gleichwie etwa, Bruder Kaccāno,

wenn bei einer angezündeten Oellampe das Oel nicht vollkommen

rein ist und der Docht nicht vollkommen rein ist, sie wegen

der unvollkommenen Reinheit des Oels und der unvollkommenen

Reinheit des Dochtes gar dunkel und düster schauen wird:

ebenso nun auch, Bruder Kaccāno, hat da ein Mönch unlauteren

Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei. Der hat körperliche

Schwerfälligkeit nicht vollkommen beschwichtigt, hat matte

Müde nicht vollkommen ausgerodet, hat stolzen Unmuth nicht

vollkommen ausgetrieben. Weil er körperliche Schwerfälligkeit

nicht vollkommen beschwichtigt hat, matte Müde nicht vollkommen

ausgerodet hat, stolzen Unmuth nicht vollkommen ausgetrieben

hat, wird er gar dunkel und düster schauen. Der kehrt, bei

der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft

mit Göttern von unlauterem Glanze wieder. Gleichwie aber,

Bruder Kaccāno, wenn bei einer angezündeten Oellampe das

Oel vollkommen rein ist und der Docht vollkommen rein ist,

sie wegen der vollkommenen Reinheit des Oels[139] und der

vollkommenen Reinheit des Dochtes gar nicht dunkel und düster

schauen wird: ebenso nun auch, Bruder Kaccāno, hat da ein Mönch

vollkommen reinen Glanz aufgefasst und beruhigt sich dabei.

Der hat körperliche Schwerfälligkeit vollkommen beschwichtigt,

hat matte Müde vollkommen ausgerodet, hat stolzen Unmuth

vollkommen ausgetrieben. Weil er körperliche Schwerfälligkeit

vollkommen beschwichtigt hat, matte Müde vollkommen ausgerodet

hat, stolzen Unmuth vollkommen ausgetrieben hat, wird er gar

nicht dunkel und düster schauen. Der kehrt, bei der Auflösung 274

des Körpers, nach dem Tode, zur Gemeinschaft mit Göttern

von vollkommen reinem Glanze wieder. -- Das ist nun, Bruder

Kaccāno, der Anlass, das ist der Grund, dass unter Gottheiten,

im selben Götterbereiche geboren, manche unlauteren Glanz

aufweisen, und wiederum manche einen Glanz, der vollkommen rein

ist.«

Derart berichtet wandte sich nun der ehrwürdige Abhayakaccāno

also an den ehrwürdigen Anuruddho:

»Sehr schön, werther Anuruddho. -- Nicht hat, o Herr, der

ehrwürdige Anuruddho gesagt ›Das hab’ ich gehört‹ oder ›So

dürfte es sein‹, sondern es hat eben, o Herr, der ehrwürdige

Anuruddho ›So ist es mit diesen Gottheiten, so ist es mit jenen

Gottheiten‹ schlechthin gesprochen. Da ist mir, o Herr, der

Gedanke gekommen: ›Gewiss hat der ehrwürdige Anuruddho mit

jenen Gottheiten ehemals Verkehr gehabt, ehemals Rede und Rath

mit ihnen gepflogen.‹«

»Gewiss hast du, Bruder Kaccāno, diese Frage versuchend

gestellt, um weiter auszuholen: aber ich will dir Antwort

geben. Lange Zeiten hab’ ich, Bruder Kaccāno, mit jenen

Gottheiten ehemals Verkehr gehabt, ehemals Rede und Rath mit

ihnen gepflogen.«[140]

Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Abhayakaccāno an

Pañcakaṉgo den Baumeister und sagte:

»Gesegnet bist du, Hausvater, hochgesegnet bist du, Hausvater,

dass dir ein Zweifel da gelöst wurde, und wir dann diesen

Gedankengang zu hören bekamen.«

128.

Dreizehnter Theil Achte Rede

VERSCHLACKUNG

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 275

Kosambī, in der Gartenstiftung. Zu jener Zeit nun war unter den

Mönchen von Kosambī Zank und Streit ausgebrochen, sie haderten

mit einander und scharfe Wortgefechte fanden statt.

Da begab sich denn einer der Mönche dorthin wo der Erhabene

weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und stellte sich

seitwärts hin. Seitwärts stehend sprach nun jener Mönch zum

Erhabenen also:

»Es ist da, o Herr, zu Kosambī unter den Mönchen Zank und

Streit ausgebrochen, sie hadern mit einander und scharfe

Wortgefechte finden statt. Gut wär’ es, o Herr, wenn sich

der Erhabene zu jenen Mönchen hinbegeben wollte, von Mitleid

bewogen.«

Schweigend gewährte der Erhabene die Bitte.

Und der Erhabene begab sich zu jenen Mönchen hin und sprach

also zu ihnen:

»Genug, ihr Mönche: gemieden sei Zank und Streit, gemieden

Zwist und Hader.«

Also ermahnt wandte sich ein anderer der Mönche an den

Erhabenen und sagte:

»Möge, o Herr, der Erhabene, der Wahrheit Gebieter, hingehn:

selbstgenugsam möge, o Herr, der Erhabene säliger Gegenwart

genießen; wir werden uns in diesem Zank und Streite, Zwist und

Hader verständigen.«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach der Erhabene 276

also zu jenen Mönchen:

»Genug, ihr Mönche: gemieden sei Zank und Streit, gemieden Zwist und

Hader.«

Und ein zweites Mal, und ein drittes Mal sprach jener andere Mönch also

zum Erhabenen:

»Möge, o Herr, der Erhabene, der Wahrheit Gebieter, hingehn:

selbstgenugsam möge, o Herr, der Erhabene säliger Gegenwart

genießen; wir werden uns in diesem Zank und Streite, Zwist und

Hader verständigen.«

Und der Erhabene, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale

versehn, machte sich auf den Gang nach Kosambī um

Almosenspeise, trat in der Stadt von Haus zu Hause hin, nahm

das Mahl ein, kehrte zurück, räumte sein Lager zurecht, behielt

Mantel und Schaale und ließ nun, schon aufgebrochen, folgende

Weise verlauten:

»Wo jeder lärmend ein sich mengt,

Als Thor Vernunft erlangt man nie;

Den Brüderbund, zerbrecht ihr ihn,

Hört keiner auf den andern mehr.

»Vergessen ward ein weiser Spruch

Des Kenners, der erfahren sprach;

Die Zunge zügeln, das ist noth,

Und lenken sie: man lernt es nicht.

»‚Gescholten hat man mich, verletzt,

Hat mich besiegt, hat mich verlacht:

Wer solchen Sinn im Herzen hegt,

Von Feindschaft lässt er nimmer ab.

»‚Gescholten hat man mich, verletzt,

Hat mich besiegt, hat mich verlacht:

Wer solchen Sinn zu bannen weiß,

Von Feindschaft lässt er eilig ab.

»‚Es wird ja Feindschaft nimmermehr

Durch Feindschaft wieder ausgesöhnt:

Nichtfeindschaft giebt Versöhnung an;

Das ist Gesetz von Ewigkeit.‘

»Die Menschen sehn es selten ein, 277

Dass Dulden uns geduldig macht:

Doch wer es einsieht, wer es weiß

Giebt alles Eifern willig auf.[141]

»Der Henker, Scherge, Mörder, Dieb,

Wer Rinder, Rosse, Schätze rafft,

Landstreichersippe, Räubervolk,

Zusammen halten solche schon:

Warum nur solltet ihr es nicht?

»Hat man den abgeklärten Freund gefunden,

Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,

Entgangen aller dräuenden Bedrängniss

Mit ihm zufrieden wandern mag der weise Mann.

»Muss man den abgeklärten Freund vermissen,

Der mitgeht, muthig mitbestrebt in Tugend,

Als König, der sein Königreich verloren,

Alleinig wandern mag man wie der wilde Ilph.

»Allein ist bessre Wanderschaft,

Mit Thoren schließt man keinen Bund;

Alleinig wandre man und meide böse That,

Geworden selbstgenugsam wie der wilde Ilph.«

Als nun der Erhabene, schon aufgebrochen, diese Weise gesagt

hatte, ging er hinweg, nach dem Dorfe Niedersoolenbrunn.[142]

Damals aber weilte der ehrwürdige Bhagu bei dem Dorfe

Niedersoolenbrunn. Und es sah der ehrwürdige Bhagu den

Erhabenen von ferne herankommen, und als er ihn gesehn machte

er einen Sitz bereit und Wasser für die Füße. Es setzte sich

der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er saß spülte

er sich die Füße ab. Und auch der ehrwürdige Bhagu setzte

sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. An den

ehrwürdigen Bhagu, der zur Seite saß, wandte sich nun der

Erhabene also:

»Geht es dir, Mönch, leidlich, kommst du wohl aus, ohne Mangel

an Nahrung?«

»Leidlich, Erhabener, geht es mir, wohl, Erhabener, komme ich

aus, ich ermangle, o Herr, nicht der Nahrung.«

Und der Erhabene ermunterte und ermuthigte, erregte und 278

erheiterte den ehrwürdigen Bhagu in lehrreichem Gespräche,

erhob sich alsdann von seinem Sitze und begab sich nach dem

östlichen Bambushaine.

Um diese Zeit aber weilte der ehrwürdige Anuruddho, der

ehrwürdige Nandiyo und der ehrwürdige Kimbilo im östlichen

Bambushaine. Da sah ein Waldhüter den Erhabenen von ferne

herankommen, und als er den Erhabenen gesehn sprach er also zu

ihm:

»Gehe nicht in diesen Forst, o Asket: drei edle Jünglinge

weilen hier, die selbstzufrieden scheinen, störe sie nicht!«

Der ehrwürdige Anuruddho hörte aber des Waldhüters Gespräch

mit dem Erhabenen, und als er es gehört sprach er also zum

Waldhüter:

»Wehre nicht, Bruder Waldhüter, dem Erhabenen: unser Meister,

der Erhabene ist gekommen.«

Und der ehrwürdige Anuruddho begab sich nun zum ehrwürdigen

Nandiyo und zum ehrwürdigen Kimbilo und sprach also zu ihnen:

»Kommt herbei, ihr Brüder, kommt herbei, ihr Brüder: unser

Meister, der Erhabene ist da.«

Und der ehrwürdige Anuruddho, der ehrwürdige Nandiyo und der

ehrwürdige Kimbilo gingen nun dem Erhabenen entgegen. Einer

nahm dem Erhabenen Mantel und Schaale ab, einer machte einen

Sitz zurecht, einer brachte Wasser zur Fußwaschung herbei. Es

setzte sich der Erhabene auf den dargebotenen Sitz, und als er

saß spülte er sich die Füße ab. Jene Ehrwürdigen aber setzten

sich, nach des Erhabenen Begrüßung, zur Seite nieder. Und der

Erhabene wandte sich nun an den ehrwürdigen Anuruddho, der zur

Seite saß, und sprach also:

»Geht es euch, Anuruddher, leidlich, kommt ihr wohl aus, ohne

Mangel an Nahrung?«

»Leidlich, Erhabener, geht es uns, wohl, Erhabener, kommen wir 279

aus, wir ermangeln, o Herr, nicht der Nahrung.«

»Vertragt ihr euch aber, Anuruddher, einig, ohne Zwist, mild

geworden, und seht euch sanften Auges an?«

»Freilich, o Herr, vertragen wir uns, einig, ohne Zwist, mild

geworden, und sehn uns sanften Auges an.«

»Inwiefern aber, Anuruddher, vertragt ihr euch, einig, ohne

Zwist, mild geworden, und seht euch sanften Auges an?«

»Da gedenk’ ich, o Herr, also: ›Erreicht habe ich’s, wohl

getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint

lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen

mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem

Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so

offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich:

›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem

Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr,

meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser

Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere

Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.«

Und der ehrwürdige Nandiyo, und der ehrwürdige Kimbilo sprach

zum Erhabenen:

»Auch ich, o Herr, gedenke also: ›Erreicht habe ich’s, wohl

getroffen, fürwahr, der ich mit solchen wahren Asketen vereint

lebe.‹ Und ich Glücklicher, o Herr, diene diesen Ehrwürdigen

mit liebevoller That, so offen als verborgen, mit liebevollem

Wort, so offen als verborgen, mit liebevoller Gesinnung, so

offen als verborgen. Und also verweilend, o Herr, denke ich: 280

›Wenn ich nun meinen eigenen Willen aufgäbe und mich nur dem

Willen dieser Ehrwürdigen unterwürfe?‹ Und ich habe, o Herr,

meinen eigenen Willen aufgegeben und mich dem Willen dieser

Ehrwürdigen unterworfen. Verschieden, o Herr, sind zwar unsere

Körper, aber ich glaube wir haben nur einen Willen.[143]

»Also, o Herr, verweilen wir verträglich, einig, ohne Zwist,

mild geworden, und sehn uns sanften Auges an.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Und verweilt ihr auch ernsten

Sinnes, Anuruddher, eifrig, unermüdlich?«

»Freilich, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes. eifrig,

unermüdlich.«

»Inwiefern aber, Anuruddher, verweilt ihr ernsten Sinnes,

eifrig, unermüdlich?«

»Wer da zuerst von uns, o Herr, vom Almosengang aus dem Dorfe

zurückkehrt, der bereitet die Plätze und setzt Trinkwasser,

Waschwasser und den Spülnapf vor. Wer zuletzt vom Almosengang

aus dem Dorfe zurückkehrt, und es ist noch Speise übrig, und

er verlangt danach, so nimmt er davon; wo nicht, so wirft er

sie fort, auf grasfreien Grund oder in fließendes Wasser.

Dann ordnet er die Sitze, räumt Trinkwasser, Waschwasser und

Spülnapf weg und fegt den Speiseplatz rein. Wer bemerkt, dass

man den Trinknapf oder den Waschkrug oder den Mistkübel nicht

mehr braucht, der stellt ihn gesäubert auf. Wenn er es allein

nicht kann, so winkt er einen Zweiten herbei, und wir kommen

und helfen, ohne dass wir, o Herr, aus solchem Grunde das

Schweigen brächen.[144] Und jeden fünften Tag, o Herr, sitzen 281

wir die ganze Nacht hindurch in Gesprächen über die Lehre

beisammen. Also, o Herr, verweilen wir ernsten Sinnes, eifrig,

unermüdlich.«

»Recht so, recht so, Anuruddher. Habt ihr aber, Anuruddher, die

ihr also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilet, ein

überirdisches, reiches Heilthum errungen, sälige Ruhe?«

»Während wir da, o Herr, ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich

verweilen, nehmen wir einen Abglanz wahr und den Anblick der

Umrisse.[145] Aber dieser Abglanz entschwindet uns alsbald und

der Anblick der Umrisse; und diese Erscheinung ergründen wir

nicht.«

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 18 / 40 段