durch das Gesicht ins Bewusstsein tretenden Formen, die
ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; die durch das Gehör
ins Bewusstsein tretenden Töne, die ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; die durch den Geruch ins Bewusstsein tretenden
Düfte, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen, dem
Begehren entsprechenden, reizenden; die durch den Geschmack
ins Bewusstsein tretenden Säfte, die ersehnten, geliebten,
entzückenden, angenehmen, dem Begehren entsprechenden,
reizenden; die durch das Getast ins Bewusstsein tretenden
Tastungen, die ersehnten, geliebten, entzückenden, angenehmen,
dem Begehren entsprechenden, reizenden. Das sind, Ānando, 225
die fünf Begehrungen, wobei der Mönch oft und oft sein Herz
erforschen muss: ›Kommt es wohl vor, dass mir bei diesen fünf
Begehrungen, auf diesem oder auf jenem Gebiete, geistiges
Zukehren erwächst?‹ Sobald, Ānando, der Mönch bei seiner
Erforschung merkt: ›Es kommt vor, dass mir bei diesen fünf
Begehrungen, auf diesem oder auf jenem Gebiete, geistiges
Zukehren erwächst‹: ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch:
›Was da bei diesen fünf Begehrungen Willensreiz ist, das hab’
ich nicht verloren.‹[106] So aber bleibt er da klar bewusst.
Sobald aber, Ānando, der Mönch bei seiner Erforschung merkt:
›Nicht kommt es vor, dass mir bei diesen fünf Begehrungen, auf
diesem oder auf jenem Gebiete, geistiges Zukehren erwächst‹:
ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Was da bei diesen
fünf Begehrungen Willensreiz ist, das hab’ ich verloren.‹ So
aber bleibt er da klar bewusst.
»Fünf giebt es, Ānando, der Stücke des Anhangens, wobei der
Mönch das Entstehn und Vergehn beobachten muss: ›So ist die
Form, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so ist das
Gefühl, so entsteht es, so löst es sich auf; so ist die
Wahrnehmung, so entsteht sie, so löst sie sich auf; so sind
die Unterscheidungen, so entstehn sie, so lösen sie sich auf;
so ist das Bewusstsein, so entsteht es, so löst es sich auf.‹
Während er bei diesen fünf Stücken des Anhangens das Entstehn
und Vergehn beobachtet, geht ihm dabei was Dünkel der Ichheit
ist verloren. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Was
da bei diesen fünf Stücken des Anhangens Dünkel der Ichheit
war, das hab’ ich verloren.‹ So aber bleibt er da klar bewusst. 226
Das nun, Ānando, sind Dinge, die einzig dem Heile zuführen,
heilige, überweltliche, unüberkommen vom Bösen. --
»Was bedünkt dich, Ānando: aus welchem zureichenden Grunde darf
wohl ein Jünger dem Meister nachfolgen, so lange bis er ihn von
sich weist?«
»Vom Erhabenen stammt unser Wissen, o Herr, vom Erhabenen geht
es aus, auf den Erhabenen geht es zurück. Gut wär’ es, o Herr,
wenn doch der Erhabene den Sinn dieser Rede erläutern wollte:
das Wort des Erhabenen werden die Mönche bewahren.«
»Nicht wohl, Ānando, darf ein Jünger dem Meister nachfolgen,
um nur Reden, Aussprüche, Erklärungen zu hören[107]: und warum
nicht? Lange Zeit habt ihr ja, Ānando, die Dinge gehört,
gehütet, mit der Rede beherrscht, im Gedächtniss bewahrt,
von Grund aus verstanden. Was aber da, Ānando, ein Gespräch
ist, das zur Ledigung, zur geistigen Befreiung taugt, einzig
zur Abkehr, zur Wendung, zur Aufhebung, zur Auflösung, zur
Durchschauung, zur Erwachung, zur Erlöschung hinlenkt, als
da sind Gespräche über Genugsamkeit, über Zufriedenheit,
Gespräche über Einsamkeit, über Abgeschiedenheit, über
Beharrlichkeit, über Tugend, Gespräche über Vertiefung, über
Weisheit, über Erlösung, über Wissensklarheit der Erlösung: um
eines solchen Gespräches willen, Ānando, darf wohl ein Jünger
dem Meister nachfolgen, so lange bis er ihn von sich weist. --
»Daher kommt es, Ānando, dass ein Lehrer Unbill erfährt;
daher kommt es, dass ein Schüler Unbill erfährt; daher kommt
es, dass ein Asket Unbill erfährt. Wie aber, Ānando, erfährt
ein Lehrer Unbill? Da sucht, Ānando, irgend ein Lehrer einen
abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes,
eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die
Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Während 227
er also zurückgezogen weilt, gehn in der Umgegend Priester
und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nach.
Und während in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger
wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird er aus Ohnmacht
begehrlich[108], geräth in Leidenschaft, kehrt sich der
Ueppigkeit zu. Den heißt man, Ānando, einen Lehrer, der
unbillig Unbill des Lehrers erfahren hat: überzogen haben ihn
schlechte, unheilsame Dinge, besudelnde, Wiederdasein säende,
entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und
Sterben erzeugende. Also, Ānando, erfährt ein Lehrer Unbill.
»Wie aber, Ānando, erfährt ein Schüler Unbill? Da ist
eben einer, Ānando, eines solchen Meister Jünger, und der
Einsamkeit des Meisters gemäß übt er sich ein und sucht
einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines
Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof,
die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene.
Während er also zurückgezogen weilt, gehn in der Umgegend
Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften
nach. Und während in der Umgegend Priester und Hausleute,
Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird er aus
Ohnmacht begehrlich, geräth in Leidenschaft, kehrt sich der
Ueppigkeit zu. Den heißt man, Ānando, einen Schüler, der
unbillig Unbill des Schülers erfahren hat: überzogen haben ihn
schlechte, unheilsame Dinge, besudelnde, Wiederdasein säende,
entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und
Sterben erzeugende. Also, Ānando, erfährt ein Schüler Unbill.
»Wie aber, Ānando, erfährt ein Asket Unbill? Da erscheint,
Ānando, der Vollendete in der Welt, der Heilige, vollkommen
Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene,
der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde,
der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der
Erhabene. Er sucht einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain,
den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft,
einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen 228
Ebene. Während er also zurückgezogen weilt, gehn in der
Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren
Geschäften nach. Und während in der Umgegend Priester und
Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird
er nicht aus Ohnmacht begehrlich, geräth in keine Leidenschaft,
kehrt sich der Ueppigkeit nicht zu. Da ist nun einer, Ānando,
eines solchen Meisters Jünger, und der Einsamkeit des Meisters
gemäß übt er sich ein und sucht einen abgelegenen Ruheplatz
auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine
Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in
der offenen Ebene. Während er also zurückgezogen weilt, gehn
in der Umgegend Priester und Hausleute, Bürger wie Bauern,
ihren Geschäften nach. Und während in der Umgegend Priester und
Hausleute, Bürger wie Bauern, ihren Geschäften nachgehn, wird
er aus Ohnmacht begehrlich, geräth in Leidenschaft, kehrt sich
der Ueppigkeit zu. Den heißt man, Ānando, einen Asketen, der
unbillig Unbill des Asketen erfahren hat: überzogen haben ihn
schlechte, unheilsame Dinge, besudelnde, Wiederdasein säende,
entsetzliche, Leiden ausbrütende, wiederum Leben, Altern und
Sterben erzeugende. Also, Ānando, erfährt ein Asket Unbill. Was
da nun, Ānando, eine Unbill des Lehrers und Unbill des Schülers
anlangt, so ist eine Unbill des Asketen reicher an Leiden als
jene, reicher an Bitterkeit, und führt zum Verderben hin. --
»Darum aber, Ānando, mögt ihr mit Liebe mir begegnen und nicht
mit Feindschaft; das wird euch lange zum Wohle, zum Heile
gereichen.
»Wie aber, Ānando, begegnen einem Meister die Jünger mit
Feindschaft und nicht mit Liebe? Da legt, Ānando, ein Meister
den Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid
bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹
Und die Jünger horchen nicht auf ihn, leihen ihm kein Gehör, 229
wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, und übertreten in
ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Also, Ānando, begegnen
einem Meister die Jünger mit Feindschaft und nicht mit Liebe.
»Wie aber, Ānando, begegnen einem Meister die Jünger mit Liebe
und nicht mit Feindschaft? Da legt, Ānando, ein Meister den
Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid
bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹
Und die Jünger horchen auf ihn, leihen ihm Gehör, wenden das
Herz dem Verständnisse zu, und nicht übertreten sie in ihrem
Betragen die Satzung des Meisters. Also, Ānando, begegnen einem
Meister die Jünger mit Liebe und nicht mit Feindschaft.
»Darum aber, Ānando, mögt ihr mit Liebe mir begegnen und nicht
mit Feindschaft; das wird euch lange zum Wohle, zum Heile
gereichen. Nicht brauch’ ich, Ānando, mit euch umzugehn wie der
Töpfer mit den ungebrannten Thongefäßen. Einfüllend einfüllen,
Ānando, kann meine Rede, ausgießend ausgießen: der Gehalt
bleibt der selbe.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige
Ānando über das Wort des Erhabenen.[109]
123.
Dreizehnter Theil Dritte Rede
ERSTAUNLICHE, AUSSERORDENTLICHE EIGENSCHAFTEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 230
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Als nun manche der Mönche, nach dem Mahle, vom Almosengange
zurückgekehrt, in der Halle des Vorhauses sich eingefunden,
versammelt hatten, kam unter ihnen die Rede auf:
»Erstaunlich, ihr Brüder, außerordentlich, ihr Brüder, ist des
Vollendeten hohe Macht, hohe Gewalt, wie ja doch der Vollendete
die dahingegangenen Erwachten, die zur Erlöschung gelangten,
der Sonderheit entrückten, der Wandelheit entrückten, dem
Kreislauf entfahrenen, allem Weh entschwundenen, erkennen kann:
›Also geboren waren jene Erhabenen, so und so, also genannt
waren jene Erhabenen, so und so, also abgestammt waren jene
Erhabenen, so und so, also gelebt hatten jene Erhabenen, so und
so, also gelehrt hatten jene Erhabenen, so und so, also gewusst
hatten jene Erhabenen, so und so, also geweilt hatten jene
Erhabenen, so und so, also erlöst waren jene Erhabenen, so und
so.‹«
Auf diese Worte wandte sich der ehrwürdige Ānando also an die
Mönche:
»Erstaunlich sind eben, ihr Brüder, Vollendete, und mit
erstaunlichen Eigenschaften begabt; außerordentlich sind eben,
ihr Brüder, Vollendete, und mit außerordentlichen Eigenschaften
begabt.«
Bald aber nachdem dieses Gespräch der Mönche unter einander
begonnen, kam der Erhabene heran, gegen Abend, nach Aufhebung
der Gedenkensruhe, zur Halle hin des Vorhauses, und nahm, dort
angelangt, auf dem angebotenen Sitze Platz. Da wandte sich denn
der Erhabene an die Mönche:
»Zu welchem Gespräch, ihr Mönche, seid ihr jetzt hier
zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
»Als wir uns da, o Herr, nach dem Mahle, vom Almosengange 231
zurückgekehrt, in der Halle des Vorhauses eingefunden,
versammelt hatten, war unter uns die Rede aufgekommen:
›Erstaunlich, ihr Brüder, außerordentlich, ihr Brüder, ist des
Vollendeten hohe Macht, hohe Gewalt, wie ja doch der Vollendete
die dahingegangenen Erwachten, die zur Erlöschung gelangten,
der Sonderheit entrückten, der Wandelheit entrückten, dem
Kreislauf entfahrenen, allem Weh entschwundenen, erkennen
kann: ‚Also geboren waren jene Erhabenen, so und so, also
genannt waren jene Erhabenen, so und so, also abgestammt waren
jene Erhabenen, so und so, also gelebt hatten jene Erhabenen,
so und so, also gelehrt hatten jene Erhabenen, so und so,
also gewusst hatten jene Erhabenen, so und so, also geweilt
hatten jene Erhabenen, so und so, also erlöst waren jene
Erhabenen, so und so.‘‹ Auf diese Worte, o Herr, wandte sich
der ehrwürdige Ānando also an uns: ›Erstaunlich sind eben,
ihr Brüder, Vollendete, und mit erstaunlichen Eigenschaften
begabt; außerordentlich sind eben, ihr Brüder, Vollendete, und
mit außerordentlichen Eigenschaften begabt.‹ Das war, o Herr,
das Gespräch unter uns, das wir unterbrachen als der Erhabene
ankam.«
Da wandte sich nun der Erhabene an den ehrwürdigen Ānando:
»Wohlan denn, Ānando, so magst du noch genauer die
erstaunlichen, außerordentlichen Eigenschaften eines
Vollendeten darstellen.«
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Klar bewusst, Ānando, ist der Erwachsame
in Säliger Gestalt erschienen.‹ Dass aber, o Herr, der
Erwachsame klar bewusst in Säliger Gestalt erschienen ist, eben
das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche
Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[110]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Klar bewusst, Ānando, ist der Erwachsame
in Säliger Gestalt geblieben.‹ Dass aber, o Herr, der
Erwachsame klar bewusst in Säliger Gestalt geblieben ist, eben
das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche
Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Ein Leben lang, Ānando, ist der 232
Erwachsame in Säliger Gestalt geblieben.‹ Dass aber, o Herr,
der Erwachsame ein Leben lang in Säliger Gestalt geblieben
ist, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche,
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Klar bewusst, Ānando, schwindet der
Erwachsame aus Säliger Gestalt hinweg und kommt in den Leib der
Mutter herab.‹ Dass aber, o Herr, der Erwachsame klar bewusst
aus Säliger Gestalt hinwegschwindet und in den Leib der Mutter
herabkommt, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche,
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus
Säliger Gestalt hinweggeschwunden und in den Leib der Mutter
herabgekommen ist, dann erhebt sich in der Welt mit ihren
Göttern, mit ihren bösen und heiligen Geistern, mit ihrer
Schaar von Priestern und Büßern, Göttern und Menschen, ein
unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter
göttliche Pracht. Und auch die Zwischenwelten, die traurigen,
trostlosen, finsteren, finster umnachteten[111], wo selbst
dieser Mond und diese Sonne, die so mächtigen, so gewaltigen,
mit ihrem Scheine nicht hindringen, auch dort erhebt sich ein
unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend sogar der Götter
göttliche Pracht. Die aber dort als Wesen weilen, die erschauen
in diesem Glanze sich selber und sagen: ‚Andere sind es ja
noch der Wesen, die hier weilen!‘[112] Diese zehntausendfache
Welt aber wankt und erbebt und erzittert, und es erhebt sich
aus ihr ein unermesslich mächtiger Glanz, überstrahlend
sogar der Götter göttliche Pracht.‹ Dass aber, o Herr, wann
da der Erwachsame aus Säliger Gestalt hinweggeschwunden und
in den Leib der Mutter herabgekommen ist, ein solcher Glanz
erscheint, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, 233
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den
Leib der Mutter herabgekommen ist, dann nahen sich ihm vier
Göttersöhne zum Schutze nach den vier Seiten: ‚Keiner soll ihn,
den Erwachsamen, oder des Erwachsamen Mutter, versehren, weder
Mensch noch Nichtmensch noch irgend wer.‘‹ Dass aber, o Herr,
wann der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist,
vier Göttersöhne zum Schutze nach den vier Seiten ihm dann
sich nahen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche,
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[113]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in den
Leib der Mutter herabgekommen ist, bleibt des Erwachsamen
Mutter ihrer Natur nach tugendhaft[114] und hütet sich
Lebendiges umzubringen, hütet sich Nichtgegebenes zu nehmen,
hütet sich vor Ausschweifung, hütet sich vor Lüge, hütet
sich berauschende und berückende Getränke, betäubende und
bethörende Mittel zu gebrauchen.‹ Dass aber, o Herr, wann da
der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des
Erwachsamen Mutter ihrer Natur nach tugendhaft bleibt, eben
das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche
Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in
den Leib der Mutter herabgekommen ist, mag des Erwachsamen
Mutter nach Männern kein Liebesverlangen mehr anwandeln, und
nicht mehr kann des Erwachsamen Mutter von irgend einem Manne
in Leidenschaft umfangen werden.‹ Dass aber, o Herr, wann da
der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des
Erwachsamen Mutter nach Männern kein Liebesverlangen mehr
anwandeln mag, und des Erwachsamen Mutter nicht mehr von irgend
einem Manne in Leidenschaft umfangen werden kann, eben das hab’
ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft
des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in
den Leib der Mutter herabgekommen ist, ist des Erwachsamen
Mutter mit den fünf Begehrungen begabt und wird in ihrem 234
Gebrauche gehegt und gepflegt.‹ Dass aber, o Herr, wann da
der Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des
Erwachsamen Mutter mit den fünf Begehrungen begabt ist und in
ihrem Gebrauche gehegt und gepflegt wird, eben das hab’ ich
mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des
Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame in
den Leib der Mutter herabgekommen ist, wird des Erwachsamen
Mutter von keinerlei Krankheit befallen, wohl befindet sich des
Erwachsamen Mutter, ohne körperliche Gebrechen, und erblickt
den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen, mit allen Gliedern
begliedert, sinnenfällig. Gleichwie etwa, Ānando, ein Juwel,
ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig, wohlbearbeitet, um
den ein Faden geschlungen wäre, ein blauer oder ein gelber, ein
rother oder ein weißer oder ein grüner, und ein scharfsehender
Mann habe ihn an die Hand gesteckt und betrachtete ihn: ‚Das
ist ein Juwel, ein Edelstein, von reinem Wasser, achteckig,
wohlbearbeitet, und dieser Faden ist herumgeschlungen, der
blaue oder der gelbe, der rothe oder der weiße oder der grüne‘:
ebenso nun auch, Ānando, erblickt des Erwachsamen Mutter
den Erwachsamen in ihrem Leibe liegen, mit allen Gliedern
begliedert, sinnenfällig.‹ Dass aber, o Herr, wann da der
Erwachsame in den Leib der Mutter herabgekommen ist, des
Erwachsamen Mutter von keinerlei Krankheit befallen wird, sich
wohl befindet, ohne körperliche Gebrechen, und den Erwachsamen
in ihrem Leibe liegen sieht, mit allen Gliedern begliedert,
sinnenfällig, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche,
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[115]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Sieben Tage nach der Geburt, Ānando,
des Erwachsamen stirbt des Erwachsamen Mutter und kehrt in
Sälige Gestalt empor.‹ Dass aber, o Herr, sieben Tage nach
der Geburt des Erwachsamen des Erwachsamen Mutter stirbt und
in Sälige Gestalt emporkehrt, eben das hab’ ich mir, o Herr,
als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen
gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von 235
Angesicht vernommen: ›Wenn auch wohl andere Weiber, Ānando,
neun oder zehn Monde die Frucht im Leibe tragen und dann
gebären, doch nicht also den Erwachsamen des Erwachsamen
Mutter: zehn Monde erst nachdem des Erwachsamen Mutter den
Erwachsamen im Leibe getragen gebiert sie.‹ Dass aber, o Herr,
zehn Monde erst nachdem des Erwachsamen Mutter den Erwachsamen
im Leibe getragen gebiert, eben das hab’ ich mir, o Herr,
als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen
gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Wenn auch wohl andere Weiber, Ānando,
sitzend oder liegend gebären, doch nicht also den Erwachsamen
des Erwachsamen Mutter: stehend nur gebiert den Erwachsamen
des Erwachsamen Mutter.‹ Dass aber, o Herr, den Erwachsamen
des Erwachsamen Mutter nur stehend gebiert, eben das hab’ ich
mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des
Erhabenen gemerkt.[116]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame
aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, wird er zuerst von
Göttern entgegengenommen, hernach von Menschen.‹ Dass aber,
o Herr, der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter
hervorkehrt, zuerst von Göttern entgegengenommen wird, hernach
von Menschen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche,
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame
aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, berührt der Erwachsame
nicht den Boden, sondern von vier Göttersöhnen empfangen wird
er der Mutter dargebracht: ‚Besäligt sei, o Königin, ein
hochbegabter Sohn ist dir geboren.‘‹ Dass aber, o Herr, der
Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, nicht
den Boden berührt, sondern von vier Göttersöhnen empfangen
der Mutter dargebracht wird, eben das hab’ ich mir, o Herr,
als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen
gemerkt.[117]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus 236
dem Leibe der Mutter hervorkehrt, kehrt er makellos hervor,
unbefleckt von Nässe, unbefleckt von Schleim, unbefleckt von
Blut, unbefleckt von irgend welcher Unsauberkeit, rein und
abgeklärt. Gleichwie etwa, Ānando, wenn eine kostbare Perle in
ein seidenes Tuch eingehüllt ist, weder die kostbare Perle das
seidene Tuch befleckt noch auch das seidene Tuch die kostbare
Perle: und warum nicht? weil beide rein sind: ebenso nun auch,
Ānando, kehrt der Erwachsame, wann er aus dem Leibe der Mutter
hervorkehrt, makellos hervor, unbefleckt von Nässe, unbefleckt
von Schleim, unbefleckt von Blut, unbefleckt von irgend welcher
Unsauberkeit, rein und abgeklärt.‹ Dass aber, o Herr, der
Erwachsame also aus dem Leibe der Mutter hervorkehrt, eben
das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche, außerordentliche
Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.[118]
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört, von
Angesicht vernommen: ›Wann da, Ānando, der Erwachsame aus dem
Leibe der Mutter hervorkehrt, ergießen sich zwei Regenströme
aus den Wolken herab, einer kühl, einer warm, woraus dem
Erwachsamen der Wasserguss gemischt wird und der Mutter.‹[119]
Dass aber, o Herr, wann da der Erwachsame aus dem Leibe der
Mutter hervorkehrt, zwei Regenströme sich aus den Wolken
herabergießen, eben das hab’ ich mir, o Herr, als erstaunliche,
außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen gemerkt.
»Von Angesicht hab’ ich es, o Herr, vom Erhabenen gehört,
von Angesicht vernommen: ›Alsbald nach der Geburt, Ānando,
fasst der Erwachsame mit beiden Füßen zugleich Boden, wendet
das Antlitz gegen Norden und schreitet mit sieben Schritten
geradeaus, während ein weißer Schirm ober ihm schwebt[120]: und
er blickt nach allen Seiten hin und spricht das gewaltige Wort:
Der Höchste bin ich in der Welt,
Der Hehrste bin ich in der Welt,
Der Erste bin ich in der Welt,
Das letzte Leben leb’ ich,
Und nicht mehr giebt es Wiedersein.‹
Dass aber, o Herr, der Erwachsame alsbald nach der Geburt also 237
das gewaltige Wort spricht, eben das hab’ ich mir, o Herr,
als erstaunliche, außerordentliche Eigenschaft des Erhabenen
gemerkt.