»Weiter sodann, ihr Mönche, hat ein Mönch Vertrauen erworben,

Tugend erworben, Erfahrung erworben, Entsagung erworben,

Weisheit erworben. Der gedenkt bei sich: ›O dass ich

doch den Wahn versiegen und die wahnlose Gemütherlösung,

Weisheiterlösung noch bei Lebzeiten mir offenbar machen,

verwirklichen und erringen könnte!‹ Und er kann den Wahn 211

versiegen und die wahnlose Gemütherlösung, Weisheiterlösung

noch bei Lebzeiten sich offenbar machen, verwirklichen und

erringen. Ein solcher Mönch, ihr Mönche, kehrt nirgend wieder.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.[101]

DREIZEHNTER THEIL

BUCH DER ARMUTH

121.

Dreizehnter Theil Erste Rede

ARMUTH

-- I --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 212

Sāvatthī, im Osthaine, auf Mutter Migāros Terrasse.

Da nun begab sich der ehrwürdige Ānando eines Abends, nach

Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der Erhabene weilte,

begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts

nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Ānando also

zum Erhabenen:

»Es war einmal, o Herr, da weilte der Erhabene im Lande der

Sakyer, bei Nagarakam, einer Burg im Sakyergebiete. Damals

hab’ ich, o Herr, vom Erhabenen selbst es gehört, selbst es

vernommen: ›Armuth erfahren hab’ ich, Ānando, in dieser Zeit am

meisten gemocht.‹ Hab’ ich es wohl, o Herr, recht gehört, recht

vernommen, recht gemerkt, recht behalten?«

»Gewiss hast du es, Ānando, recht gehört, recht vernommen,

recht gemerkt, recht behalten. So damals, Ānando, wie heute

hab’ ich Armuth erfahren am meisten gemocht. -- Gleichwie

etwa, Ānando, diese Terrasse Mutter Migāros ohne Elephanten,

Rinder und Rosse ist, ohne Gold und Silber, ohne Gesellschaft

von Weibern und Männern, und nur einen Reichthum aufweist

an einer Schaar Mönche als einzigen Gegenstand: ebenso nun

auch, Ānando, hat ein Mönch den Gedanken ›Dorf‹ entlassen, den

Gedanken ›Mensch‹ entlassen; den Gedanken ›Wald‹ nimmt er auf

als einzigen Gegenstand. im Gedanken ›Wald‹ erhebt sich ihm

das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich.

Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Dorf‘

entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem

Gedanken ‚Mensch‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur

eine Spaltung ist geblieben, nämlich der Gedanke ‚Wald‘ als 213

einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese

Denkart um den Gedanken ‚Dorf‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist

diese Denkart um den Gedanken ‚Mensch‘; und nur einen Reichthum

weist sie auf am Gedanken ‚Wald‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um

was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er

es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er:

›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese

wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn

herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Mensch‹

entlassen, den Gedanken ›Wald‹ entlassen; den Gedanken ›Erde‹

nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Erde‹

erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich,

beruhigt sich. Gleichwie etwa, Ānando, eine Stierhaut mit dem

Falzeisen wohl abgeschabt, von den Falten geglättet wird:

ebenso nun auch, Ānando, hat der Mönch was es auf dieser Erde

an Erhebungen und Vertiefungen, an Flussläufen, an wüstem und

waldigem Gebiet, an Bergen und Thälern giebt, das alles aus

seinem Geiste entlassen; den Gedanken ›Erde‹ nimmt er auf als

einzigen Gegenstand.[102] im Gedanken ›Erde‹ erhebt sich ihm

das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich.

Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Mensch‘

entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem

Gedanken ‚Wald‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine

Spaltung ist geblieben, nämlich der Gedanke ‚Erde‘ als einziger

Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den

Gedanken ‚Mensch‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart

um den Gedanken ‚Wald‘; und nur einen Reichthum weist sie auf

am Gedanken ‚Erde‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also

weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was 214

da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses,

bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte,

unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Wald‹

entlassen, den Gedanken ›Erde‹ entlassen; den Gedanken

›Unbegränzte Raumsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand.

Im Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz,

erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt

er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Wald‘ entständen, die

giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Erde‘

entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist

übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Unbegränzte Raumsphäre‘

als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese

Denkart um den Gedanken ‚Wald‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist

diese Denkart um den Gedanken ‚Erde‘; und nur einen Reichthum

weist sie auf am Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ als einzigen

Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer

geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist,

davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber,

Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine

Armuth über ihn herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Erde‹

entlassen, den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ entlassen;

den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ nimmt er

auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Unbegränzte

Bewusstseinsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert

sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er:

›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Erde‘ entständen, die giebt

es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte 215

Raumsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine

Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Unbegränzte

Bewusstseinsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer

geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Erde‘‹, weiß:

›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte

Raumsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken

‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um

was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er

es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er:

›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese

wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn

herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken

›Unbegränzte Raumsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Unbegränzte

Bewusstseinsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹

nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken

›Nichtdaseinsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert

sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er:

›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘

entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem

Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ entständen, die giebt

es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich

der Gedanke ‚Nichtdaseinsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹

Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken

‚Unbegränzte Raumsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese

Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘;

und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken

‚Nichtdaseinsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also

weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was 216

da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses,

bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte,

unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Unbegränzte

Bewusstseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹

entlassen; den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹

nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Gränzscheide

möglicher Wahrnehmung‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert

sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt

er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte

Bewusstseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht,

Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘

entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist

übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Gränzscheide möglicher

Wahrnehmung‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer

geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte

Bewusstseinsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart

um den Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘; und nur einen Reichthum

weist sie auf am Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘

als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist,

darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig

geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹

Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche,

durchaus reine Armuth über ihn herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken

›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Gränzscheide

möglicher Wahrnehmung‹ entlassen; geistige Einheit ohne

Vorstellung nimmt er auf als einzigen Gegenstand. In geistiger

Einheit ohne Vorstellung erhebt sich ihm das Herz, erheitert 217

sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er:

›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘

entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem

Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ entständen, die

giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben,

nämlich dieser Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als

Bedingung des Lebens.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese

Denkart um den Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘‹, weiß: ›Aermer

geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Gränzscheide

möglicher Wahrnehmung‘; und nur einen Reichthum weist sie

auf an diesem Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als

Bedingung des Lebens.‹ Um was denn also weniger da ist, darum

ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben

ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber,

Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine

Armuth über ihn herab.

»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken

›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Gränzscheide

möglicher Wahrnehmung‹ entlassen; geistige Einheit ohne

Vorstellung nimmt er auf als einzigen Gegenstand. In geistiger

Einheit ohne Vorstellung erhebt sich ihm das Herz, erheitert

sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Auch

diese geistige Einheit ohne Vorstellung ist zusammengesetzt,

zusammengesonnen: was aber irgend zusammengesetzt,

zusammengesonnen ist, das ist wandelbar, muss untergehn‹: das

erkennt er. In solcher Kunde, solchem Anblicke löst sich ihm

das Herz vom Wunscheswahn ab, und löst sich ihm das Herz vom

Daseinswahn ab, und löst sich ihm das Herz vom Nichtwissenswahn

ab. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf.

›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt

das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. Also 218

erkennt er: ›Spaltungen, die aus Wunscheswahn entständen, die

giebt es da nicht, Spaltungen, die aus Daseinswahn entständen,

die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus Nichtwissenswahn

entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist

übrig geblieben, nämlich dieser Körper da, behaftet mit den

sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Er weiß: ›Aermer

geworden ist diese Denkart um Wunscheswahn‹, weiß: ›Aermer

geworden ist diese Denkart um Daseinswahn‹, weiß: ›Aermer

geworden ist diese Denkart um Nichtwissenswahn; und nur einen

Reichthum weist sie auf an diesem Körper da, behaftet mit den

sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Um was denn also

weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da

noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt

jenes.‹ Also, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche,

durchaus reine, allerhöchste Armuth über ihn herab.

»Wer aber auch immer, Ānando, in vergangener Zeit als ein Asket

oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen

hatte, ein jeder solche hatte eben diese durchaus reine,

allerhöchste Armuth errungen. Wer aber auch immer, Ānando, in

künftiger Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine,

allerhöchste Armuth erringen wird, ein jeder solche wird eben

diese durchaus reine, allerhöchste Armuth erringen. Wer aber

auch immer, Ānando, in dieser Zeit als ein Asket oder Priester

durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen hat, ein jeder

solche hat eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth

errungen.

»Darum aber, Ānando: ›Durchaus reine, allerhöchste Armuth

wollen wir erringen‹: so habt ihr, Ānando, euch wohl zu 219

üben.«[103]

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige

Ānando über das Wort des Erhabenen.

122.

Dreizehnter Theil Zweite Rede

ARMUTH

-- II --

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande

der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume.

Da nun begab sich der Erhabene eines Morgens, zeitig gerüstet,

mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach

Kapilavatthu, trat in der Stadt von Haus zu Haus um Almosen

hin und wandte sich dann, nach dem Mahle, vom Almosengange

zurückgekehrt, der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako zu, bis

gegen Sonnenuntergang da zu verweilen.

Um diese Zeit aber waren in der Einsiedelei des Sakkers

Kāḷakhemako viele Sitze bereit gestellt, und der Erhabene

sah diese vielen Sitze dort und gedachte bei sich: ›Viele

Sitze sind in der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako bereit

gestellt: viele Mönche werden wohl hier sich aufhalten.‹

Damals nun war der ehrwürdige Ānando in der Einsiedelei

des Sakkers Ghaṭāyo in Gemeinschaft vieler Mönche mit dem

Ausbessern der Kleidung beschäftigt.

Als nun der Erhabene gegen Abend die Gedenkensruhe aufgehoben

hatte, begab er sich nach der Einsiedelei des Sakkers Ghaṭāyo.

Dort angelangt nahm der Erhabene auf dem angebotenen Sitze

Platz und wandte sich dann an den ehrwürdigen Ānando:

»Viele Sitze, Ānando, sind in der Einsiedelei des Sakkers

Kāḷakhemako bereit gestellt: viele Mönche werden wohl dort sich 220

aufhalten.«

»Viele Sitze, o Herr, sind in der Einsiedelei des Sakkers

Kāḷakhemako bereit gestellt: viele Mönche halten sich dort auf;

die Kleidung herzurichten kommt uns jetzt, o Herr, zu.«

»Nicht kommt, Ānando, Glanz einem Mönche zu, der an

Gemeinsamkeit froh wird, an Gemeinsamkeit Freude hat, an

Gemeinsamkeit Befriedigung findet, gemeinsam froh, gemeinsam

erfreut, gemeinsam zufrieden ist. Dass aber, Ānando, ein

Mönch, der an Gemeinsamkeit froh wird, an Gemeinsamkeit Freude

hat, an Gemeinsamkeit Befriedigung findet, gemeinsam froh,

gemeinsam erfreut, gemeinsam zufrieden ist, was da Wohl der

Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Auflösung, Wohl

der Erwachung ist, dieses Wohl nach Wunsch gewinnen werde,

in seiner Fülle und Weite: das ist unmöglich. So nun aber,

Ānando, ein Mönch, der allein, von Gemeinsamkeit abgeschieden

verweilt, ein solcher Mönch es erhoffen mag, was da Wohl der

Entsagung, Wohl der Einsamkeit, Wohl der Auflösung, Wohl der

Erwachung ist, dieses Wohl werde er nach Wunsch gewinnen, in

seiner Fülle und Weite: das ist möglich. Dass aber, Ānando,

ein Mönch, der an Gemeinsamkeit froh wird, an Gemeinsamkeit

Freude hat, an Gemeinsamkeit Befriedigung findet, gemeinsam

froh, gemeinsam erfreut, gemeinsam zufrieden ist, eine zeitlich

ersehnte Geisteserlösung erringen werde oder ewige Stille: das

ist unmöglich. So nun aber, Ānando, ein Mönch, der allein,

von Gemeinsamkeit abgeschieden verweilt, ein solcher Mönch es

erhoffen mag, er werde eine zeitlich ersehnte Geisteserlösung

erringen oder ewige Stille: das ist möglich. Nicht weiß ich,

Ānando, auch nur von einer Form, wobei die Freude, wobei die

Befriedigung an der Form, da sie wandelbar, veränderlich ist,

nicht in Schmerz überginge und Jammer, Leiden, Trübsinn,

Verzweiflung.

»Da hat denn, Ānando, der Vollendete hier eine Stätte 221

ausgefunden, und zwar aller Vorstellungen sich begeben und in

inniger Armuth eine Stätte fassen.[104] Wenn da nun, Ānando,

an den Vollendeten, der in solcher Stätte eine Stätte gefasst

hat, Leute herantreten, Mönche und Nonnen, Anhänger und

Anhängerinen, Könige und königliche Fürsten, Büßer und büßende

Pilger, so pflegt, Ānando, der Vollendete, gar einsam geneigt

im Herzen, einsam gebeugt, einsam gesenkt, abgeschieden, in

Entsagung befriedigt, lauter geworden von allen wahnhaften

Dingen, einzig nur ein zur Ermunterung taugliches Gespräch zu

führen.

»Darum aber, Ānando, mag auch ein Mönch es wünschen, ›Innige

Armuth erfassen will ich‹, so hat, Ānando, ein solcher Mönch

das innige Herz eben zu festigen, zu beruhigen, einig zu machen

und stark. Wie aber kann, Ānando, ein Mönch das innige Herz

eben festigen, beruhigen, einig machen und stark? Da weilt,

Ānando, der Mönch gar fern von Begierden, fern von unheilsamen

Dingen in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit,

in der Weihe der ersten Schauung. Nach Vollendung des Sinnens

und Gedenkens erreicht er die innere Meeresstille, die Einheit

des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der

Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten

Schauung. In heiterer Ruhe gleichmüthig, einsichtig, klar

bewusst weilt der Mönch, ein Glück empfindet er im Körper,

von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig Einsichtige

lebt beglückt‹; so erwirkt er die Weihe der dritten Schauung.

Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung

des einstigen Frohsinns und Trübsinns erwirkt der Mönch die

Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen

vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Also kann, Ānando, ein

Mönch das innige Herz eben festigen, beruhigen, einig machen

und stark.

»Er nimmt innige Armuth im Geiste auf. Während er innige Armuth

im Geiste aufnimmt, will sich ihm das Herz in inniger Armuth

nicht erheben, nicht erheitern, nicht beschwichtigen, nicht

beruhigen. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch: ›Während

ich innige Armuth im Geiste aufnehme, will sich mir das Herz

in inniger Armuth nicht erheben, nicht erheitern, nicht

beschwichtigen, nicht beruhigen.‹ So aber bleibt er da klar 222

bewusst.

»Er nimmt von außen Armuth im Geiste auf, er nimmt von innen

und außen Armuth im Geiste auf; er nimmt Unverstörung im Geiste

auf. Während er Unverstörung im Geiste aufnimmt, will sich

ihm das Herz in Unverstörung nicht erheben, nicht erheitern,

nicht beschwichtigen, nicht beruhigen. Ist es also, Ānando,

so gedenkt der Mönch: ›Während ich Unverstörung im Geiste

aufnehme, will sich mir das Herz in Unverstörung nicht erheben,

nicht erheitern, nicht beschwichtigen, nicht beruhigen.‹ So

aber bleibt er da klar bewusst.

»Ein solcher Mönch, Ānando, hat nun in jener ersteren geistigen

Vertiefung das innige Herz eben zu festigen, zu beruhigen,

einig zu machen und stark. Er nimmt innige Armuth im Geiste

auf. Während er innige Armuth im Geiste aufnimmt, erhebt sich

ihm das Herz in inniger Armuth, erheitert sich, beschwichtigt

sich, beruhigt sich. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch:

›Während ich innige Armuth im Geiste aufnehme, erhebt sich mir

das Herz in inniger Armuth, erheitert sich, beschwichtigt sich,

beruhigt sich.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Er nimmt von außen Armuth im Geiste auf, er nimmt von innen

und außen Armuth im Geiste auf; er nimmt Unverstörung im Geiste

auf. Während er Unverstörung im Geiste aufnimmt, erhebt sich

ihm das Herz in Unverstörung, erheitert sich, beschwichtigt

sich, beruhigt sich. Ist es also, Ānando, so gedenkt der Mönch:

›Während ich Unverstörung im Geiste aufnehme, erhebt sich mir

das Herz in Unverstörung, erheitert sich, beschwichtigt sich,

beruhigt sich.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.[105]

»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte

gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt auf- und abzugehn,

so geht er auf und ab: ›Also auf- und abgehend werd’ ich von 223

Begierde und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich

nicht überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte

gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt stehn zu bleiben,

so bleibt er stehn: ›Also stehn bleibend werd’ ich von Begierde

und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich nicht

überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte

gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt niederzusitzen,

so setzt er sich nieder: ›Also niedersitzend werd’ ich von

Begierde und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich

nicht überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte

gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt sich hinzulegen,

so legt er sich hin: ›Also liegend werd’ ich von Begierde

und Missmuth, schlechten, unheilsamen Dingen mich nicht

überwältigen lassen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte

gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt zu reden, so

gedenkt er: ›Ein Gespräch, das gewöhnlich, gemein, alltäglich,

unheilig, ungeeignet ist, nicht zur Abkehr, nicht zur

Wendung, nicht zur Aufhebung, nicht zur Auflösung, nicht zur

Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur Erlöschung

hinlenkt, als da sind Gespräche über Könige, über Räuber,

über Fürsten, über Soldaten, über Krieg und Kampf, Gespräche

über Speise und Trank, über Kleidung und Lager, über Blumen

und Düfte, Gespräche über Verwandte, über Fuhrwerk und Wege,

über Dörfer und Burgen, über Städte und Länder, über Weiber

und Weine, über Straßen und Märkte, über die Altvorderen und

über die Veränderungen, über Ereignisse im Reich, Ereignisse

zur See, über dies und das und dergleichen mehr: ein solches 224

Gespräch werde ich nicht führen.‹ So aber bleibt er da klar

bewusst.

»Wenn es aber, Ānando, ein Gespräch ist, das zur Ledigung,

zur geistigen Befreiung taugt, einzig zur Abkehr, zur

Wendung, zur Aufhebung, zur Auflösung, zur Durchschauung, zur

Erwachung, zur Erlöschung hinlenkt, als da sind Gespräche über

Genugsamkeit, über Zufriedenheit, Gespräche über Einsamkeit,

über Abgeschiedenheit, über Beharrlichkeit, über Tugend,

Gespräche über Vertiefung, über Weisheit, über Erlösung, über

Wissensklarheit der Erlösung: ›ein solches Gespräch‹, gedenkt

er, ›werde ich führen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Wenn nun, Ānando, bei diesem Mönche, der eine solche Stätte

gefunden hat, im Herzen die Neigung vorwiegt zu erwägen,

so gedenkt er: ›Erwägungen, die da gewöhnlich, gemein,

alltäglich, unheilig, ungeeignet sind, nicht zur Abkehr,

nicht zur Wendung, nicht zur Aufhebung, nicht zur Auflösung,

nicht zur Durchschauung, nicht zur Erwachung, nicht zur

Erlöschung hinlenken, als da sind Erwägungen des Begehrens,

der Gehässigkeit, der Wuth: solche Erwägungen will ich nicht

erwägen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

»Wenn es aber, Ānando, Erwägungen sind, die da heilig,

ausreichend ausreichen, dem Grübler zur gänzlichen

Leidensversiegung, als da sind Erwägungen des Entsagens, der

Duldsamkeit, der Milde: ›solche Erwägungen‹, gedenkt er, ›will

ich erwägen.‹ So aber bleibt er da klar bewusst.

* * * * *

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 14 / 40 段