ist, ihr Mönche, diese Versammlung, dass es da, ihr Mönche,
unter diesen Jüngern Mönche giebt, die Heilige, Wahnversieger,
Endiger sind, die das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das
Heil sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch
vollkommene Erkenntniss erlöst haben: eben solche Mönche
giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern. Es giebt, ihr
Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die nach Vernichtung der
fünf niederzerrenden Fesseln emporsteigen um von dort aus zu
erlöschen, nicht mehr zurückzukehren nach jener Welt: auch
solche Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern.
Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die
nach Vernichtung der drei Fesseln, von Gier, Hass und Irre
erleichtert, fast schon geläutert, nur einmal wiederkehren, nur
einmal noch zu dieser Welt gekommen dem Leiden ein Ende machen
werden: auch solche Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen
Jüngern. Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die
nach Vernichtung der drei Fesseln zur Hörerschaft gelangen,
dem Verderben entronnen zielbewusst der vollen Erwachung
entgegeneilen: auch solche Mönche giebt es, ihr Mönche, unter
diesen Jüngern.
»Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als
Eroberer der vier Pfeiler der Einsicht beharrlich ausharren:
auch solche Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern.
Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als
Eroberer der vier gewaltigen Kämpfe beharrlich ausharren: auch 182
solche Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern.
Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als
Eroberer der vier Machtgebiete, der fünf Fähigkeiten, der fünf
Vermögen, der sieben Erweckungen, des heiligen achtfältigen
Weges beharrlich ausharren: auch solche Mönche giebt es, ihr
Mönche, unter diesen Jüngern.
»Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als
Eroberer liebevollen Gemüthes beharrlich ausharren: auch solche
Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern. Es giebt,
ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als Eroberer
erbarmenden Gemüthes, freudevollen Gemüthes, unbewegten
Gemüthes beharrlich ausharren: auch solche Mönche giebt es, ihr
Mönche, unter diesen Jüngern.
»Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als
Eroberer im Schauder beharrlich ausharren[83]: auch solche
Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern. Es giebt,
ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als Eroberer im
Wahrnehmen der Wandelbarkeit beharrlich ausharren: auch solche
Mönche giebt es, ihr Mönche, unter diesen Jüngern.
»Es giebt, ihr Mönche, Mönche unter diesen Jüngern, die als
Eroberer in bedachtsam geübter Ein- und Ausathmung beharrlich
ausharren. Ein- und Ausathmung, ihr Mönche, bedachtsam geübt
und gepflegt, lässt hohen Lohn erlangen, hohe Förderung. Ein-
und Ausathmungen, ihr Mönche, bedachtsam geübt und gepflegt,
lassen[84] die vier Pfeiler der Einsicht zustande kommen; die
vier Pfeiler der Einsicht, bedachtsam geübt und gepflegt,
lassen die sieben Erweckungen zustande kommen; die sieben
Erweckungen, bedachtsam geübt und gepflegt, lassen die wissende
Erlösung zustande kommen.
»Wie aber wird bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausathmung
geübt, wie gepflegt, auf dass sie hohen Lohn verleihe, hohe
Förderung? Da begiebt sich, ihr Mönche, der Mönch ins
Innere des Waldes oder unter einen großen Baum oder in eine
leere Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder,
den Körper gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht.
Bedächtig athmet er ein, bedächtig athmet er aus. Athmet er
tief ein, so weiß er ›Ich athme tief ein‹, athmet er tief
aus, so weiß er ›Ich athme tief aus‹; athmet er kurz ein, so
weiß er ›Ich athme kurz ein‹, athmet er kurz aus, so weiß er
›Ich athme kurz aus‹. ›Den ganzen Körper empfindend will ich 183
einathmen‹, ›Den ganzen Körper empfindend will ich ausathmen‹,
so übt er sich. ›Diese Körperverbindung besänftigend will
ich einathmen‹, ›Diese Körperverbindung besänftigend will
ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Heiter empfindend will ich
einathmen‹, ›Heiter empfindend will ich ausathmen‹, so übt er
sich. ›Sälig empfindend will ich einathmen‹, ›Sälig empfindend
will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedankenverbindung
empfindend will ich einathmen‹, ›Die Gedankenverbindung
empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Diese
Gedankenverbindung besänftigend will ich einathmen‹, ›Diese
Gedankenverbindung besänftigend will ich ausathmen‹, so übt
er sich. ›Die Gedanken empfindend will ich einathmen‹, ›Die
Gedanken empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich.
›Die Gedanken ermunternd will ich einathmen‹, ›Die Gedanken
ermunternd will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedanken
einigend will ich einathmen‹, ›Die Gedanken einigend will ich
ausathmen‹, so übt er sich. ›Die Gedanken lösend will ich
einathmen‹, ›Die Gedanken lösend will ich ausathmen‹, so übt
er sich. ›Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich einathmen‹,
›Die Vergänglichkeit wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt
er sich. ›Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich einathmen‹,
›Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt
er sich. ›Die Ausrodung wahrnehmend will ich einathmen, ›Die
Ausrodung wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Die
Entfremdung wahrnehmend will ich einathmen‹, ›Die Entfremdung
wahrnehmend will ich ausathmen‹, so übt er sich. Also wird
bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausathmung geübt, also 184
gepflegt, auf dass sie hohen Lohn verleihe, hohe Förderung.
»Wie aber werden bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und Ausathmungen
geübt, wie gepflegt, auf dass sie die vier Pfeiler der Einsicht
zustande bringen? Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch,
tief einathmend, weiß ›Ich athme tief ein‹, tief ausathmend,
weiß ›Ich athme tief aus‹; kurz einathmend, weiß ›Ich athme
kurz ein‹, kurz ausathmend, weiß ›Ich athme kurz aus‹; ›Den
ganzen Körper empfindend will ich einathmen‹, ›Den ganzen
Körper empfindend will ich ausathmen‹, so sich übt; ›Diese
Körperverbindung besänftigend will ich einathmen‹, ›Diese
Körperverbindung besänftigend will ich ausathmen‹, so sich
übt: zu einer solchen Zeit wacht, ihr Mönche, der Mönch beim
Körper über den Körper, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig,
nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns. Bei den
Körpern nenne ich es, ihr Mönche, den Körper verändern, nämlich
das Einathmen und das Ausathmen: darum aber, ihr Mönche, wacht
der Mönch zu einer solchen Zeit beim Körper über den Körper,
unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung
weltlichen Begehrens und Bekümmerns. -- Zu einer Zeit, ihr
Mönche, wo der Mönch ›Heiter empfindend will ich einathmen‹,
›Heiter empfindend will ich ausathmen‹, so sich übt; ›Sälig
empfindend will ich einathmen‹, ›Sälig empfindend will ich
ausathmen‹, so sich übt; ›Die Gedankenverbindung empfindend
will ich einathmen‹, ›Die Gedankenverbindung empfindend
will ich ausathmen‹, so sich übt; ›Diese Gedankenverbindung
besänftigend will ich einathmen‹, ›Diese Gedankenverbindung
besänftigend will ich ausathmen‹, so sich übt: zu einer
solchen Zeit wacht, ihr Mönche, der Mönch bei den Gefühlen
über die Gefühle, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig,
nach Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns.
Bei den Gefühlen nenne ich es, ihr Mönche, das Gefühl 185
verändern, nämlich beim Einathmen und Ausathmen wohl darauf
achthaben: darum aber, ihr Mönche, wacht der Mönch zu einer
solchen Zeit bei den Gefühlen über die Gefühle, unermüdlich,
klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens
und Bekümmerns. -- Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch
›Die Gedanken empfindend will ich einathmen‹, ›Die Gedanken
empfindend will ich ausathmen‹, so sich übt; ›Die Gedanken
ermunternd will ich einathmen‹, ›Die Gedanken ermunternd will
ich ausathmen‹, so sich übt; ›Die Gedanken einigend will
ich einathmen‹, ›Die Gedanken einigend will ich ausathmen‹,
so sich übt; ›Die Gedanken lösend will ich einathmen‹, ›Die
Gedanken lösend will ich ausathmen‹, so sich übt: zu einer
solchen Zeit wacht, ihr Mönche, der Mönch beim Gemüthe über
das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach
Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns. Nicht kann,
ihr Mönche, sag’ ich, ein unbesonnener Mensch, der unklar
denkt, bedachtsam Ein- und Ausathmung üben: darum aber, ihr
Mönche, wacht der Mönch zu einer solchen Zeit beim Gemüthe
über das Gemüth, unermüdlich, klaren Sinnes, einsichtig, nach
Verwindung weltlichen Begehrens und Bekümmerns. -- Zu einer
Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch ›Die Vergänglichkeit wahrnehmend
will ich einathmen‹, ›Die Vergänglichkeit wahrnehmend will
ich ausathmen‹, so sich übt; ›Die Reizlosigkeit wahrnehmend
will ich einathmen‹, ›Die Reizlosigkeit wahrnehmend will ich
ausathmen‹, so sich übt; ›Die Ausrodung wahrnehmend will ich
einathmen‹, ›Die Ausrodung wahrnehmend will ich ausathmen‹, so
sich übt; ›Die Entfremdung wahrnehmend will ich einathmen‹,
›Die Entfremdung wahrnehmend will ich ausathmen‹, so sich
übt: zu einer solchen Zeit wacht, ihr Mönche, der Mönch bei 186
den Erscheinungen über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren
Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und
Bekümmerns. Und wie da Begehren und Bekümmern überstanden wird
hat er weise gemerkt, und wohl hat er es ausgeglichen: darum
aber, ihr Mönche, wacht der Mönch zu einer solchen Zeit bei
den Erscheinungen über die Erscheinungen, unermüdlich, klaren
Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens und
Bekümmerns. Also werden bedachtsam, ihr Mönche, Ein- und
Ausathmungen geübt, also gepflegt, und lassen die vier Pfeiler
der Einsicht zustande kommen.
»Wie aber werden, ihr Mönche, die vier Pfeiler der Einsicht
geübt, wie gepflegt, auf dass sie die sieben Erweckungen
zustande bringen? Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch
beim Körper über den Körper wacht, unermüdlich, klaren
Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens
und Bekümmerns, gewärtig hat er zu einer solchen Zeit die
Einsicht, unverrückbar; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der
Mönch die Einsicht gewärtig hat, unverrückbar, der Einsicht
Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, der Einsicht Erweckung
vollbringt er da, der Einsicht Erweckung wird da von ihm zur
Vollendung gebracht. Also besonnen weilend zerlegt er weise
den Sinn, zertheilt ihn, dringt in seine Tiefe ein; zu einer
Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch also besonnen weilend weise
den Sinn zerlegt, ihn zertheilt, in seine Tiefe eindringt,
des Tiefsinns Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, des
Tiefsinns Erweckung vollbringt er da, des Tiefsinns Erweckung 187
wird da von ihm zur Vollendung gebracht. Also den Sinn weise
zerlegend, ihn zertheilend, in seine Tiefe eindringend
erwirkt er Kraft, unbeugsame; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo
der Mönch also den Sinn weise zerlegend, ihn zertheilend, in
seine Tiefe eindringend Kraft erwirkt, unbeugsame, der Kraft
Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, der Kraft Erweckung
vollbringt er da, der Kraft Erweckung wird da von ihm zur
Vollendung gebracht. Hat er Kraft erwirkt, erhebt sich in ihm
eine überweltliche Heiterkeit; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo
der Mönch Kraft erwirkt hat und in ihm eine überweltliche
Heiterkeit aufgeht, der Heiterkeit Erweckung hat er zu dieser
Zeit erwirkt, der Heiterkeit Erweckung vollbringt er da, der
Heiterkeit Erweckung wird da von ihm zur Vollendung gebracht.
Hat er Heiterkeit im Herzen, wird er lind im Leibe, lind im
Gemüthe; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch Heiterkeit
im Herzen hat und lind im Leibe, lind im Gemüthe wird, der
Lindheit Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, der Lindheit
Erweckung vollbringt er da, der Lindheit Erweckung wird da von
ihm zur Vollendung gebracht. Hat er sälig den Leib gelindert,
wird ihm das Gemüth einig; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der
Mönch sälig den Leib gelindert hat und das Gemüth ihm einig
wird, der Innigkeit Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt,
der Innigkeit Erweckung vollbringt er da, der Innigkeit
Erweckung wird da von ihm zur Vollendung gebracht. Also einig 188
geworden im Gemüthe hat er es wohl ausgeglichen; zu einer Zeit,
ihr Mönche, wo der Mönch also einig geworden im Gemüthe es wohl
ausgeglichen hat, des Gleichmuths Erweckung hat er zu dieser
Zeit erwirkt, des Gleichmuths Erweckung vollbringt er da, des
Gleichmuths Erweckung wird da von ihm zur Vollendung gebracht.
»Zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch bei den Gefühlen über
die Gefühle wacht, beim Gemüthe über das Gemüth wacht, bei
den Erscheinungen über die Erscheinungen wacht, unermüdlich,
klaren Sinnes, einsichtig, nach Verwindung weltlichen Begehrens
und Bekümmerns, gewärtig hat er zu einer solchen Zeit die
Einsicht, unverrückbar; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der
Mönch die Einsicht gewärtig hat, unverrückbar, der Einsicht
Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, der Einsicht Erweckung
vollbringt er da, der Einsicht Erweckung wird da von ihm zur
Vollendung gebracht. Also besonnen weilend zerlegt er weise
den Sinn, zertheilt ihn, dringt in seine Tiefe ein; zu einer
Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch also besonnen weilend weise
den Sinn zerlegt, ihn zertheilt, in seine Tiefe eindringt,
des Tiefsinns Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, des
Tiefsinns Erweckung vollbringt er da, des Tiefsinns Erweckung
wird da von ihm zur Vollendung gebracht. Also den Sinn weise
zerlegend, ihn zertheilend, in seine Tiefe eindringend
erwirkt er Kraft, unbeugsame; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo
der Mönch also den Sinn weise zerlegend, ihn zertheilend, in
seine Tiefe eindringend Kraft erwirkt, unbeugsame, der Kraft 189
Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, der Kraft Erweckung
vollbringt er da, der Kraft Erweckung wird da von ihm zur
Vollendung gebracht. Hat er Kraft erwirkt, erhebt sich in ihm
eine überweltliche Heiterkeit; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo
der Mönch Kraft erwirkt hat und in ihm eine überweltliche
Heiterkeit aufgeht, der Heiterkeit Erweckung hat er zu dieser
Zeit erwirkt, der Heiterkeit Erweckung vollbringt er da, der
Heiterkeit Erweckung wird da von ihm zur Vollendung gebracht.
Hat er Heiterkeit im Herzen, wird er lind im Leibe, lind im
Gemüthe; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch Heiterkeit
im Herzen hat und lind im Leibe, lind im Gemüthe wird, der
Lindheit Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt, der Lindheit
Erweckung vollbringt er da, der Lindheit Erweckung wird da von
ihm zur Vollendung gebracht. Hat er sälig den Leib gelindert,
wird ihm das Gemüth einig; zu einer Zeit, ihr Mönche, wo der
Mönch sälig den Leib gelindert hat und das Gemüth ihm einig
wird, der Innigkeit Erweckung hat er zu dieser Zeit erwirkt,
der Innigkeit Erweckung vollbringt er da, der Innigkeit
Erweckung wird da von ihm zur Vollendung gebracht. Also einig
geworden im Gemüthe hat er es wohl ausgeglichen; zu einer
Zeit, ihr Mönche, wo der Mönch also einig geworden im Gemüthe
es wohl ausgeglichen hat, des Gleichmuths Erweckung hat er zu
dieser Zeit erwirkt, des Gleichmuths Erweckung vollbringt er 190
da, des Gleichmuths Erweckung wird da von ihm zur Vollendung
gebracht.
»Also werden, ihr Mönche, die vier Pfeiler der Einsicht geübt,
also gepflegt, und lassen die sieben Erweckungen zustande
kommen.
»Wie aber werden, ihr Mönche, die sieben Erweckungen geübt,
wie gepflegt, auf dass sie die wissende Erlösung zustande
bringen? Da übt, ihr Mönche, der Mönch der Einsicht Erweckung,
die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet
gezeugte, die in Endsal übergeht; übt des Tiefsinns Erweckung,
die abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet
gezeugte, die in Endsal übergeht; übt der Kraft Erweckung, die
abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,
die in Endsal übergeht; übt der Heiterkeit Erweckung, die
abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,
die in Endsal übergeht; übt der Lindheit Erweckung, die
abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,
die in Endsal übergeht; übt der Innigkeit Erweckung, die
abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,
die in Endsal übergeht; übt des Gleichmuths Erweckung, die
abgeschieden gezeugte, abgelöst gezeugte, ausgerodet gezeugte,
die in Endsal übergeht. Also werden, ihr Mönche, die sieben
Erweckungen geübt, also gepflegt, und lassen die wissende
Erlösung zustande kommen.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
119.
Zwölfter Theil Neunte Rede
EINSICHT IN DEN KÖRPER
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 191
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos.
Als nun manche der Mönche nach dem Mahle, vom Almosengange
zurückgekehrt, in der Halle des Vorhauses sich eingefunden,
versammelt hatten, kam unter ihnen die Rede auf: ›Erstaunlich,
ihr Brüder, außerordentlich ist es, ihr Brüder, wie sehr
da von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher, dem
Heiligen, vollkommen Erwachten, Einsicht in den Körper, übt
man und pflegt man sie, als hochlohnend gepriesen wurde,
hochförderlich.‹
Bald aber nachdem dieses Gespräch der Mönche unter einander
begonnen, kam der Erhabene heran, gegen Abend, nach Aufhebung
der Gedenkensruhe, zur Halle hin des Vorhauses, und nahm, dort
angelangt, auf dem angebotenen Sitze Platz. Da wandte sich denn
der Erhabene an die Mönche:
»Zu welchem Gespräche, ihr Mönche, seid ihr jetzt hier
zusammengekommen, und wobei habt ihr euch eben unterbrochen?«
»Als wir uns da, o Herr, nach dem Mahle, vom Almosengange
zurückgekehrt, in der Halle des Vorhauses eingefunden,
versammelt hatten, war unter uns die Rede aufgekommen:
›Erstaunlich, ihr Brüder, außerordentlich ist es, ihr Brüder,
wie sehr da von Ihm, dem Erhabenen, dem Kenner, dem Seher,
dem Heiligen, vollkommen Erwachten, Einsicht in den Körper,
übt man und pflegt man sie, als hochlohnend gepriesen wurde,
hochförderlich‹: das war, o Herr, das Gespräch unter uns, das
wir unterbrachen als der Erhabene ankam.«
»Wie aber übt man, ihr Mönche, Einsicht in den Körper, wie
pflegt man sie, auf dass sie hohen Lohn verleihe, hohe
Förderung? Da begiebt sich, ihr Mönche, der Mönch ins Innere
des Waldes oder unter einen großen Baum oder in eine leere
Klause, setzt sich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper 192
gerade aufgerichtet, und pflegt der Einsicht.[84] Bedächtig
athmet er ein, bedächtig athmet er aus. Athmet er tief ein, so
weiß er ›Ich athme tief ein‹, athmet er tief aus, so weiß er
›Ich athme tief aus‹; athmet er kurz ein, so weiß er ›Ich athme
kurz ein‹, athmet er kurz aus, so weiß er ›Ich athme kurz aus‹.
›Den ganzen Körper empfindend will ich einathmen‹, ›Den ganzen
Körper empfindend will ich ausathmen‹, so übt er sich. ›Diese
Körperverbindung besänftigend will ich einathmen‹, ›Diese
Körperverbindung besänftigend will ich ausathmen‹, so übt er
sich. Während er also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich
verweilt, schwinden ihm die hausgewohnten Erinnerungen dahin;
und weil sie dahingeschwunden, festigt sich eben das innige
Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Eben das ist, ihr
Mönche, Einsicht in den Körper, wie sie der Mönch übt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch weiß wenn er geht ›Ich
gehe‹, weiß wenn er steht ›Ich stehe‹, weiß wenn er sitzt
›Ich sitze‹, weiß wenn er liegt ›Ich liege‹, er weiß wenn er
sich in dieser oder jener Stellung befindet, dass es diese
oder jene Stellung ist. Während er also ernsten Sinnes,
eifrig, unermüdlich verweilt, schwinden ihm die hausgewohnten
Erinnerungen dahin; und weil sie dahingeschwunden, festigt sich
eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Auch
das ist, ihr Mönche, Einsicht in den Körper, wie sie der Mönch
übt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch ist klar bewusst beim
Kommen und Gehn, klar bewusst beim Hinblicken und Wegblicken,
klar bewusst beim Neigen und Erheben, klar bewusst beim Tragen
des Gewandes und der Almosenschaale des Ordens, klar bewusst 193
beim Essen und Trinken, Kauen und Schmecken, klar bewusst beim
Entleeren von Koth und Harn, klar bewusst beim Gehn und Stehn
und Sitzen, beim Einschlafen und Erwachen, beim Sprechen und
Schweigen. Während er also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich
verweilt, schwinden ihm die hausgewohnten Erinnerungen dahin;
und weil sie dahingeschwunden, festigt sich eben das innige
Herz, beruhigt sich, wird einig und stark. Auch das ist, ihr
Mönche, Einsicht in den Körper, wie sie der Mönch übt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch betrachtet sich diesen
Körper da von der Sohle bis zum Scheitel, den hautüberzogenen,
den unterschiedliches Unreine ausfüllt: ›Dieser Körper trägt
einen Schopf, ist behaart, hat Nägel und Zähne, Haut und
Fleisch, Sehnen und Knochen und Knochenmark, Nieren, Herz und
Leber, Zwerchfell, Milz, Lungen, Magen, Eingeweide, Weichtheile
und Koth, hat Galle, Schleim, Eiter, Blut, Schweiß, Lymphe,
Thränen, Serum, Speichel, Rotz, Gelenköl, Harn.‹ Gleichwie
etwa, ihr Mönche, wenn da ein Sack, an beiden Enden zugebunden,
mit verschiedenem Korne gefüllt wäre, als wie etwa mit Reis,
mit Bohnen, mit Sesam, und ein scharfsehender Mann bände ihn
auf und untersuchte den Inhalt: ›Das ist Reis, das sind Bohnen,
das ist Sesam‹: ebenso nun auch, ihr Mönche, betrachtet sich
der Mönch diesen Körper da von der Sohle bis zum Scheitel,
den hautüberzogenen, den unterschiedliches Unreine ausfüllt. 194
Während er also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt,
schwinden ihm die hausgewohnten Erinnerungen dahin; und weil
sie dahingeschwunden, festigt sich eben das innige Herz,
beruhigt sich, wird einig und stark. Auch das ist, ihr Mönche,
Einsicht in den Körper, wie sie der Mönch übt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: der Mönch schaut sich diesen Körper
da wie er geht und steht als Artung an: ›Dieser Körper ist von
Erdenart, von Wasserart, von Feuerart, von Luftart.‹ Gleichwie
etwa, ihr Mönche, ein geschickter Metzger oder Metzgergeselle
eine Kuh schlachtet, auf den Markt bringt, Stück vor Stück
zerlegt und sich dann hinsetzen mag: ebenso nun auch, ihr
Mönche, schaut sich der Mönch diesen Körper da wie er geht
und steht als Artung an. Während er also ernsten Sinnes,
eifrig, unermüdlich verweilt, schwinden ihm die hausgewohnten
Erinnerungen dahin; und weil sie dahingeschwunden, festigt sich
eben das innige Herz, beruhigt sich, wird einig und stark.
Auch das ist, ihr Mönche, Einsicht in den Körper, wie sie der
Mönch übt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: als hätte der Mönch einen Leib auf
der Leichenstätte liegen sehn, einen Tag nach dem Tode oder
zwei oder drei Tage nach dem Tode, aufgedunsen, blauschwarz
gefärbt, in Fäulniss übergegangen, zieht er den Schluss auf
sich selbst: ›Und auch dieser Körper ist so beschaffen, wird 195
das werden, kann dem nicht entgehn.‹[85] Während er also
ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, schwinden
ihm die hausgewohnten Erinnerungen dahin; und weil sie
dahingeschwunden, festigt sich eben das innige Herz, beruhigt
sich, wird einig und stark. Auch das ist, ihr Mönche, Einsicht
in den Körper, wie sie der Mönch übt.
»Weiter sodann, ihr Mönche: als hätte der Mönch einen Leib
auf der Leichenstätte liegen sehn, von Krähen oder Raben oder
Geiern zerfressen, von Hunden oder Schackalen zerfleischt, oder
von vielerlei Würmern zernagt, zieht er den Schluss auf sich
selbst: ›Und auch dieser Körper ist so beschaffen, wird das
werden, kann dem nicht entgehn.‹ Weiter sodann, ihr Mönche:
als hätte der Mönch einen Leib auf der Leichenstätte liegen
sehn, ein Knochengerippe, fleischbehangen, blutbesudelt,
von den Sehnen zusammengehalten; ein Knochengerippe,
fleischentblößt, blutbefleckt, von den Sehnen zusammengehalten;
ein Knochengerippe, ohne Fleisch, ohne Blut, von den Sehnen
zusammengehalten; die Gebeine, ohne die Sehnen, hierher und
dorthin verstreut, da ein Handknochen, dort ein Fußknochen, da
ein Schienbein, dort ein Schenkel, da das Becken, dort Wirbel,
da der Schädel; als hätte er das gesehn, zieht er den Schluss
auf sich selbst: ›Und auch dieser Körper ist so beschaffen,
wird das werden, kann dem nicht entgehn.‹ Weiter sodann, ihr
Mönche: als hätte der Mönch einen Leib auf der Leichenstätte
liegen sehn, Gebeine, blank, muschelfarbig; Gebeine, zuhauf 196
geschichtet, nach Verlauf eines Jahres; Gebeine, verwest, in
Staub zerfallen; als hätte er das gesehn, zieht er den Schluss
auf sich selbst: ›Und auch dieser Körper ist so beschaffen,
wird das werden, kann dem nicht entgehn.‹[86] Während er
also ernsten Sinnes, eifrig, unermüdlich verweilt, schwinden
ihm die hausgewohnten Erinnerungen dahin; und weil sie
dahingeschwunden, festigt sich eben das innige Herz, beruhigt
sich, wird einig und stark. Auch das ist, ihr Mönche, Einsicht
in den Körper, wie sie der Mönch übt.