»Wohlan denn, Ānando, so bewahre diese Darstellung unter dem

Namen Viel der Artungen, oder bewahre sie als die Vierfache

Reihe, oder bewahre sie als den Spiegel der Lehre, oder bewahre

sie als die Trommel der Ewigkeit, oder bewahre sie als den

Unvergleichlichen Siegeskampf.«[76]

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige

Ānando über das Wort des Erhabenen.

116.

Zwölfter Theil Sechste Rede

AM SEHERSCHLUNDE

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 166

Rājagaham, am Seherschlunde, im Gebirge. Dort nun wandte sich

der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!«

antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der

Erhabene sprach also:

»Seht ihr wohl, Mönche, dort den Brockenstein?«

»Ja, o Herr!«

»Aber jener Brockenstein, ihr Mönche, war noch anders genannt,

anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort das Graue

Horn?«

»Ja, o Herr!«

»Aber jenes Graue Horn, ihr Mönche, war noch anders genannt,

anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort das Breite

Joch?«

»Ja, o Herr!«

»Aber jenes Breite Joch, ihr Mönche, war noch anders genannt,

anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, dort den

Geierkulm?«

»Ja, o Herr!«

»Aber jener Geierkulm, ihr Mönche, war noch anders genannt,

anders geheißen worden. Seht ihr wohl, Mönche, diesen Berg, den

Seherschlund?«

»Ja, o Herr!«

»Dieser Berg nun, ihr Mönche, der Seherschlund, ist noch ebenso

genannt, ebenso geheißen.[77]

»Einst hatten, ihr Mönche, fünf der hunderte einzeln

Erwachter[78] an diesem Berge, dem Seherschlunde, lange

Zeiten hindurch sich angesiedelt. Diese hatte man zum Berge

hinschreiten sehn und nicht mehr wiederkehren. Und die

Leute blickten nach ihm und sagten: ›Der Berg hat die Seher

verschlungen‹ -- Seherschlund, Seherschlund wurde er eben da 167

genannt.

»Aufweisen will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter,

kundmachen will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter,

angeben will ich, ihr Mönche, Namen einzeln Erwachter: höret es

und achtet wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Kämpe war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der

auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch

ein Siedler gewesen. Oberkämpe war, ihr Mönche, ein einzeln

Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde,

lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Kronenscheitel war,

ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem

Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler

gewesen. Ruhmeswerth war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter

geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange

Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Gerngesehn war, ihr

Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge,

dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen.

Gnadenreich war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen,

der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch

ein Siedler gewesen. Elfenleicht war, ihr Mönche, ein einzeln

Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde,

lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Bettelarm war, ihr

Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge,

dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen.

Oberheld war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der

auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein

Siedler gewesen. Tieferborn[79] war, ihr Mönche, ein einzeln

Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde,

lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen. Sogewahr war, ihr

Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, der auf diesem Berge,

dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen.

Ohrenzeuge war, ihr Mönche, ein einzeln Erwachter geheißen, 168

der auf diesem Berge, dem Seherschlunde, lange Zeiten hindurch

ein Siedler gewesen. Eigenwart war, ihr Mönche, ein einzeln

Erwachter geheißen, der auf diesem Berge, dem Seherschlunde,

lange Zeiten hindurch ein Siedler gewesen.

* * * * *

»Die wahrhaft weilten, ohne Harm und Hoffen,

Je einzeln einst Erwachung sich gewannen,

Das Ziel des Menschen marterlos ermaaßen,

Die Nahmen solcher sollt ihr nun vernehmen.

»Ein Kämpe, Oberkämpe, Kronenscheitelhaupt,

Ein Ruhmeswerth, ein Gerngesehn, ein Gnadenreich,

Ein Elfenleicht und Bettelarm und Oberheld,

Ein Tieferborn und Sogewahr,

Ein Ohrenzeuge, Eigenwart.

»Das waren, und noch andre, Machtgebieter, 169

Erwacht je einzeln, Daseinsquellversieger,

Urseher, allen Zwanges Ueberwinder:

Den Wahnerloschnen Gruß, den Unbegränzten.«[80]

117.

Zwölfter Theil Siebente Rede

VIERZIGMÄCHTIG

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 170

Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort

nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«

-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Heilige, ihr Mönche, rechte Vertiefung will ich euch weisen,

mit ihrem Gefolge, mit ihrer Begleitung: das höret und achtet

wohl auf meine Rede.«

»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen

aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Was ist also, ihr Mönche, heilige rechte Vertiefung mit ihrem

Gefolge, mit ihrer Begleitung? Es ist da rechte Erkenntniss,

rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln, rechtes

Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht: eine von diesen sieben

Gliedern, ihr Mönche, begleitete Einheit des Herzens, die heißt

man, ihr Mönche, heilige rechte Vertiefung, und zwar mit ihrem

Gefolge, und zwar mit ihrer Begleitung.

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber

geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Erkenntniss

gewahrt man als falsche Erkenntniss, rechte Erkenntniss

gewahrt man als rechte Erkenntniss: das gilt einem als rechte

Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, falsche Erkenntniss?

›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden -- es ist alles eitel;

es giebt keine Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits

und Jenseits sind leere Worte; Vater und Mutter und auch

geistige Geburt sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen

und Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den

Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich 171

vorstellen und erklären können‹: das ist, ihr Mönche, falsche

Erkenntniss. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Erkenntniss?

Rechte Erkenntniss, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art.

Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die wahnhaft,

hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte

Erkenntniss, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem

Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine

rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist?

›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden ist kein Unsinn; es

giebt eine Saat und Ernte guter und böser Werke; das Diesseits

ist vorhanden und das Jenseits ist vorhanden; Eltern giebt

es und geistige Geburt giebt es; die Welt hat Asketen und

Priester, die vollkommen und vollendet sind, die sich den

Sinn dieser und jener Welt begreiflich machen, anschaulich

vorstellen und erklären können‹: das ist, ihr Mönche, eine

rechte Erkenntniss, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist.

Was aber ist es, ihr Mönche, für eine rechte Erkenntniss,

die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden

ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen

Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg

vollendet, Weisheit, fähige Weisheit, vermögende Weisheit

ist, Ergründung der Wahrheit, die zur Erwachung führt, eine

rechte Erkenntniss, die auf dem Wege zu finden ist: das ist,

ihr Mönche, eine rechte Erkenntniss, die heilig, wahnlos,

überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig

bemüht falsche Erkenntniss zu verlieren, rechte Erkenntniss zu

gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man

falsche Erkenntniss hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht

man rechte Erkenntniss: das gilt einem als rechte Einsicht. So

haben sich einem diese drei Dinge um die rechte Erkenntniss

aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte

Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht. 172

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber

geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Gesinnung

gewahrt man als falsche Gesinnung, rechte Gesinnung gewahrt man

als rechte Gesinnung: das gilt einem als rechte Erkenntniss.

Was ist nun, ihr Mönche, falsche Gesinnung? Sinnende Lust,

sinnender Groll, sinnende Wuth: das ist, ihr Mönche, falsche

Gesinnung. Was ist nun, ihr Mönche, rechte Gesinnung? Rechte

Gesinnung, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter Art. Es giebt,

ihr Mönche, eine rechte Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich,

zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine rechte Gesinnung,

die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist.

Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte Gesinnung, die

wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Entsagung sinnen, keinen

Groll hegen, keine Wuth hegen: das ist, ihr Mönche, eine rechte

Gesinnung, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist. Was aber

ist es, ihr Mönche, für eine rechte Gesinnung, die heilig,

wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist? Was da,

ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen, das sich

auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet, Denken

und Bedenken, Nachsinnen, Greifen und Begreifen, geistiges

Ausgestalten und Zwiegespräch ist: das ist, ihr Mönche, eine

rechte Gesinnung, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem

Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche Gesinnung

zu verlieren, rechte Gesinnung zu gewinnen: das gilt einem

als rechtes Mühn. Besonnen läßt man falsche Gesinnung hinter

sich, besonnen gewinnt und erreicht man rechte Gesinnung:

das gilt einem als rechte Einsicht. So haben sich einem 173

diese drei Dinge um die rechte Gesinnung aneinandergereiht,

aneinandergeschlossen, nämlich rechte Erkenntnis, rechtes Mühn,

rechte Einsicht.

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber

geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsche Rede

gewahrt man als falsche Rede, rechte Rede gewahrt man als

rechte Rede: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was ist

nun, ihr Mönche, falsche Rede? Lüge, Verleumdung, barsche

Worte, Geschwätz: das ist, ihr Mönche, falsche Rede. Was ist

nun, ihr Mönche, rechte Rede? Rechte Rede, sag’ ich da, Mönche,

ist doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, eine rechte Rede, die

wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, eine

rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege

zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für eine rechte

Rede, die wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Lüge vermeiden,

Verleumdung vermeiden, barsche Worte vermeiden, Geschwätz

vermeiden: das ist, ihr Mönche, eine rechte Rede, die wahnhaft,

hülfreich, zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für

eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem

Wege zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im

wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen

Weg vollendet, eben den vier Arten übler Rede gegenüber sich

abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr

Mönche, eine rechte Rede, die heilig, wahnlos, überweltlich,

auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsche 174

Rede zu verlieren, rechte Rede zu gewinnen: das gilt einem als

rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsche Rede hinter sich,

besonnen gewinnt und erreicht man rechte Rede: das gilt einem

als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge um

die rechte Rede aneinandergereiht, aneinandergeschlossen,

nämlich rechte Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht.

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber

geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsches Handeln

gewahrt man als falsches Handeln, rechtes Handeln gewahrt man

als rechtes Handeln: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was

ist nun, ihr Mönche, falsches Handeln? Lebendiges umbringen,

Nichtgegebenes nehmen, Ausschweifung begehn: das ist, ihr

Mönche, falsches Handeln. Was ist nun, ihr Mönche, rechtes

Handeln? Rechtes Handeln, sag’ ich da, Mönche, ist doppelter

Art. Es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das wahnhaft,

hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche, ein rechtes

Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu

finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein rechtes

Handeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Man kann,

ihr Mönche, Lebendiges umzubringen vermeiden, Nichtgegebenes

zu nehmen vermeiden, Ausschweifung zu begehn vermeiden: das

ist, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das wahnhaft, hülfreich,

zuträglich ist. Was aber ist es, ihr Mönche, für ein rechtes

Handeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege

zu finden ist? Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im

wahnlosen Herzen, das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen

Weg vollendet, eben den drei Arten üblen Handelns gegenüber

sich abneigen, wegneigen, hinwegneigen, abwenden ist: das

ist, ihr Mönche, ein rechtes Handeln, das heilig, wahnlos,

überweltlich, auf dem Wege zu finden ist. Da ist man eifrig 175

bemüht falsches Handeln zu verlieren, rechtes Handeln zu

gewinnen: das gilt einem als rechtes Mühn. Besonnen lässt man

falsches Handeln hinter sich, besonnen gewinnt und erreicht

man rechtes Handeln: das gilt einem als rechte Einsicht.

So haben sich einem diese drei Dinge um das rechte Handeln

aneinandergereiht, aneinandergeschlossen, nämlich rechte

Erkenntniss, rechtes Mühn, rechte Einsicht.

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie aber

geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Falsches Wandeln

gewahrt man als falsches Wandeln, rechtes Wandeln gewahrt man

als rechtes Wandeln: das gilt einem als rechte Erkenntniss. Was

ist nun, ihr Mönche, falsches Wandeln? Hintergehn, verrathen,

bezichtigen, auskundschaften, Vortheil um Vortheil erwuchern:

das ist, ihr Mönche, falsches Wandeln. Was ist nun, ihr Mönche,

rechtes Wandeln? Rechtes Wandeln, sag’ ich da, Mönche, ist

doppelter Art. Es giebt, ihr Mönche, ein rechtes Wandeln, das

wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist; es giebt, ihr Mönche,

ein rechtes Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf

dem Wege zu finden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein

rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist? Da

hat, ihr Mönche, der heilige Jünger falschen Wandel verlassen

und fristet sein Leben auf rechte Weise: das ist, ihr Mönche,

ein rechtes Wandeln, das wahnhaft, hülfreich, zuträglich ist.

Was aber ist es, ihr Mönche, für ein rechtes Wandeln, das

heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu finden ist?

Was da, ihr Mönche, im heiligen Herzen, im wahnlosen Herzen,

das sich auf heiligem Wege befindet, heiligen Weg vollendet,

eben dem falschen Wandeln gegenüber sich abneigen, wegneigen,

hinwegneigen, abwenden ist: das ist, ihr Mönche, ein rechtes

Wandeln, das heilig, wahnlos, überweltlich, auf dem Wege zu

finden ist. Da ist man eifrig bemüht falsches Wandeln zu

verlieren, rechtes Wandeln zu gewinnen: das gilt einem als

rechtes Mühn. Besonnen lässt man falsches Wandeln hinter sich, 176

besonnen gewinnt und erreicht man rechtes Wandeln: das gilt

einem als rechte Einsicht. So haben sich einem diese drei Dinge

um das rechte Wandeln aneinandergereiht, aneinandergeschlossen,

nämlich rechte Erkenntnis, rechtes Mühn, rechte Einsicht.

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie

aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Dem recht

Erkennenden, ihr Mönche, kommt rechte Gesinnung zu, dem recht

Gesinnten kommt rechte Rede zu, dem recht Redenden kommt

rechtes Handeln zu, dem recht Handelnden kommt rechtes Wandeln

zu, dem recht Wandelnden kommt rechtes Mühn zu, dem recht

Bemühten kommt rechte Einsicht zu, dem recht Besonnenen kommt

rechte Vertiefung zu, dem recht Vertieften kommt rechtes Wissen

zu, dem recht Bewussten kommt rechte Erlösung zu. So wird, ihr

Mönche, der achtfach gerüstete Kämpfer zum zehnfach gerüsteten

Heiligen.

»Da geht denn, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran. Wie

aber geht, ihr Mönche, rechte Erkenntniss voran? Der recht

Erkennende, ihr Mönche, hat falsche Erkenntniss überstanden:

und was da aus falscher Erkenntniss mancherlei Uebles,

Unheilsames hervorgehen kann, auch das hat er überstanden;

und aus rechter Erkenntniss kann da mancherlei Heilsames zu

vollkommener Reife sich entwickeln. Der recht Gesinnte, ihr

Mönche, der recht Redende, recht Handelnde, recht Wandelnde,

recht Bemühte, recht Besonnene, recht Vertiefte, recht

Bewusste, recht Erlöste hat falsche Gesinnung, falsche Rede, 177

falsches Handeln, falsches Wandeln, falsche Mühe, falsche

Einsicht, falsche Vertiefung, falsches Wissen, falsche Erlösung

überstanden: und was da aus falscher Gesinnung, falscher Rede,

falschem Handeln, falschem Wandeln, falschem Mühn, falscher

Einsicht, falscher Vertiefung, falschem Wissen, falscher

Erlösung mancherlei Uebles, Unheilsames hervorgehn kann, auch

das hat er überstanden; und aus rechter Gesinnung, rechter

Rede, rechtem Handeln, rechtem Wandeln, rechtem Mühn, rechter

Einsicht, rechter Vertiefung, rechtem Wissen, rechter Erlösung

kann da mancherlei Heilsames zu vollkommener Reife sich

entwickeln.

»So ist, ihr Mönche, mit zwanzig Theilen heilsam, mit zwanzig

Theilen unheilsam ein vierzigmächtiger Gedankengang dargestellt

worden: und darwiderstellen kann sich kein Asket und kein

Priester, kein Gott, kein böser und kein heiliger Geist, noch

irgend wer in der Welt.

»Denn wer auch, ihr Mönche, von Asketen oder von Priestern

diesen vierzigmächtigen Gedankengang tadeln und missbilligen

zu sollen vermeinte, der würde schon bei Lebzeiten zehn

entsprechende Begriffe seiner Annahme nach als Tadel erfahren.

Tadelt er rechte Erkenntniss, dann sind es falsch erkennende

Asketen und Priester, denen er Achtung, denen er Ehre zollt.

Tadelt er rechte Gesinnung, rechte Rede, rechtes Handeln,

rechtes Wandeln, rechtes Mühn, rechte Einsicht, rechte

Vertiefung, rechtes Wissen, rechte Erlösung, dann sind es

falsch gesinnte, falsch redende, falsch handelnde, falsch

wandelnde, falsch bemühte, falsch besonnene, falsch vertiefte,

falsch bewusste, falsch erlöste Asketen und Priester, denen 178

er Achtung, denen er Ehre zollt. Wer auch, ihr Mönche, von

Asketen oder von Priestern diesen vierzigmächtigen Gedankengang

tadeln und missbilligen zu sollen vermeinte, der würde schon

bei Lebzeiten diese zehn entsprechenden Begriffe seiner Annahme

nach als Tadel erfahren. Sogar jene ungeregelten Pilger, ihr

Mönche, Redner der Regenzeit, Leute, die keinen Grund, die

keine Handlung gelten ließen, die an nichts glaubten, auch

diese haben den vierzigmächtigen Gedankengang nicht tadeln und

nicht missbilligen zu sollen vermeint: und warum das? Um nicht

Unwillen, Befremden und Aergerniss zu erregen.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.[81]

118.

Zwölfter Theil Achte Rede

BEDACHTSAME EIN- UND AUSATHMUNG

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 179

Sāvatthī, im Osthaine, auf Mutter Migāros Terrasse, mit gar

manchen wohlbekannten Oberen, wohlbekannten Jüngern, mit dem

ehrwürdigen Sāriputto und dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno, mit

dem ehrwürdigen Mahākassapo und dem ehrwürdigen Mahākaccāyano,

mit dem ehrwürdigen Mahākoṭṭhito und dem ehrwürdigen

Mahākappino, mit dem ehrwürdigen Mahācundo und dem ehrwürdigen

Anuruddho, mit dem ehrwürdigen Revato und dem ehrwürdigen

Ānando und mit anderen wohlbekannten Oberen, wohlbekannten

Jüngern beisammen.

Um diese Zeit nun unterwiesen und belehrten die oberen der

Mönche die neu aufgenommenen. Einige der oberen Mönche

unterwiesen und belehrten etwa zehn der neuen Mönche, andere

der oberen Mönche unterwiesen und belehrten ihrer etwa zwanzig,

einige wieder der oberen Mönche unterwiesen und belehrten

ihrer etwa dreißig, andere wieder der oberen Mönche unterwiesen

und belehrten ihrer etwa vierzig. Und diese neuen Mönche, von

den oberen der Mönche unterwiesen und belehrt, erfanden ein

großes, allmälig gemerktes Ergebniss.

Damals nun hatte der Erhabene -- es war ein Feiertag, im halben

Monat, zur Offenbarung, in der voll aufgegangenen Mondnacht

-- inmitten der Mönchgemeinde unter freiem Himmel Platz

genommen.[82] Und der Erhabene blickte über die stillgewordene,

lautlose Schaar der Mönche hin und wandte sich also an sie:

»Erstarkt bin ich, ihr Mönche, auf also beschrittenem Pfade,

erstarkt im Herzen bin ich, ihr Mönche, auf also beschrittenem

Pfade: wohlan denn, ihr Mönche, immer noch stärker müsst ihr da

werden um das Unerreichte zu erreichen, um das Unerlangte zu 180

erlangen, um das Unverwirklichte zu verwirklichen. Ich werde

nunmehr Sāvatthī am letzten herbstlichen Vollmonde verlassen.«

* * * * *

Es kam nun den Mönchen im Lande zu Ohren: ›Der Erhabene,

heißt es, wird gar bald von Sāvatthī, am letzten herbstlichen

Vollmonde fortziehn.‹ Da machten sich denn die Mönche im Lande

gen Sāvatthī auf, den Erhabenen zu besuchen.

Die oberen der Mönche aber unterwiesen und belehrten die neu

hinzugekommenen immer genauer noch. Einige der oberen Mönche

unterwiesen und belehrten etwa zehn der neuen Mönche, andere

der oberen Mönche unterwiesen und belehrten ihrer etwa zwanzig,

einige wieder der oberen Mönche unterwiesen und belehrten

ihrer etwa dreißig, andere wieder der oberen Mönche unterwiesen

und belehrten ihrer etwa vierzig. Und diese neuen Mönche, von

den oberen der Mönche unterwiesen und belehrt, erfanden ein

großes, allmälig gemerktes Ergebniss.

Als nun die Zeit angebrochen war, hatte der Erhabene an diesem

Feiertage, im halben Monat, am letzten Herbsteswechsel, in der

voll aufgegangenen Mondnacht, inmitten der Mönchgemeinde unter

freiem Himmel Platz genommen. Und der Erhabene blickte über die

stillgewordene, lautlose Schaar der Mönche hin und wandte sich

also an sie:

»Keine Worte wechselt, ihr Mönche, diese Versammlung, keine

Worte äußert, ihr Mönche, diese Versammlung, ist rein aus

dem Kerne bestanden. Solcherart ist, ihr Mönche, diese

Jüngerschaar, solcherart ist, ihr Mönche, diese Versammlung,

dass sie Opfer und Spende, Gabe und Gruß verdient, heiligste

Stätte der Welt ist. Solcherart ist, ihr Mönche, diese 181

Jüngerschaar, solcherart ist, ihr Mönche, diese Versammlung,

dass bei ihr geringe Gabe als groß gilt und große Gabe als

größer. Solcherart ist, ihr Mönche, diese Jüngerschaar,

solcherart ist, ihr Mönche, diese Versammlung, wie eine

solche schwer zu finden ist in der Welt. Solcherart ist, ihr

Mönche, diese Jüngerschaar, solcherart ist, ihr Mönche, diese

Versammlung, dass man gern etliche Meilen geht um sie zu sehn,

und sei es auch nur von rückwärts.

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 11 / 40 段