jeder Ort recht. Der gedenkt bei sich: ›Mir freilich ist ein
jeder Ort recht, diesen anderen Mönchen aber, denen ist nicht
ein jeder Ort recht.‹ Weil ihm ein jeder Ort recht ist, brüstet
er sich und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche,
die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht
doch weil einem ein jeder Ort recht ist, kann man begehrliche
Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften
verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch
einem nicht ein jeder Ort recht ist, und er wandelt der Lehre
gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgte der Lehre nach, so
ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹ Der macht
eben den Wandel zum Wesen, und weil ihm ein jeder Ort recht
ist, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch
das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, nimmt ein schlechter Mensch nur
einmal Nahrung ein.[54] Der gedenkt bei sich: ›Ich freilich
nehme nur einmal Nahrung ein, diese anderen Mönche aber, die
nehmen nicht nur einmal Nahrung ein.‹ Weil er nur einmal
Nahrung einnimmt, brüstet er sich und verachtet die anderen.
Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Nicht
doch weil man nur einmal Nahrung einnimmt, kann man begehrliche
Eigenschaften verlieren, kann man gehässige Eigenschaften
verlieren, kann man eitle Eigenschaften verlieren. Wenn auch
einer nicht nur einmal Nahrung einnimmt, und er wandelt der
Lehre gemäß, wandelt auf dem geraden Wege, folgt der Lehre
nach, so ist er darum zu ehren, so ist er darum zu preisen.‹
Der macht eben den Wandel zum Wesen, und weil er nur einmal
Nahrung einnimmt, brüstet er sich nicht, noch verachtet er die
anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise guter Menschen.[55]
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch, gar
fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend
gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit die Weihe der
ersten Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die 133
Weihe der ersten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber,
die haben die Weihe der ersten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil
er die Weihe der ersten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich
und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von
der Weihe der ersten Schauung hat der Erhabene als Unbestand
gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe
der ersten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch
verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
guter Menschen.[56]
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch, nach
Vollendung des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille,
die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie,
in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der
zweiten Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die
Weihe der zweiten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber,
die haben die Weihe der zweiten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil
er die Weihe der zweiten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich
und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von
der Weihe der zweiten Schauung hat der Erhabene als Unbestand
gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe
der zweiten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch
verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, empfindet ein schlechter Mensch,
in heiterer Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein
Glück im Körper, von dem die Heiligen sagen: ›Der gleichmüthig
Einsichtige lebt beglückt‹; so gewinnt er die Weihe der dritten
Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die Weihe
der dritten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber, die
haben die Weihe der dritten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil er
die Weihe der dritten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich
und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von
der Weihe der dritten Schauung hat der Erhabene als Unbestand
gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe
der dritten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch
verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch
nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des
einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen,
freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die
vierte Schauung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich die
Weihe der vierten Schauung gewonnen, diese anderen Mönche aber,
die haben die Weihe der vierten Schauung nicht gewonnen.‹ Weil
er die Weihe der vierten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich
und verachtet die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von
der Weihe der vierten Schauung hat der Erhabene als Unbestand
gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die Weihe
der vierten Schauung gewonnen hat, brüstet er sich nicht, noch
verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach 134
völliger Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der
Gegenwahrnehmungen[57], Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen
in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des
unbegränzten Raumes. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich
das Reich des unbegränzten Raumes erworben, diese anderen
Mönche aber, die haben das Reich des unbegränzten Raumes nicht
erworben.‹ Weil er das Reich des unbegränzten Raumes erworben
hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch das ist,
ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von
der Erwerbung der unbegränzten Raumsphäre hat der Erhabene als
Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er das Reich
des unbegränzten Raumes erworben hat, brüstet er sich nicht,
noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die
Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach
völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem
Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des
unbegränzten Bewusstseins. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe
freilich das Reich des unbegränzten Bewusstseins erworben, diese
anderen Mönche aber, die haben das Reich des unbegränzten
Bewusstseins nicht erworben.‹ Weil er das Reich des unbegränzten
Bewusstseins erworben hat, brüstet er sich und verachtet die
anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter
Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch
von der Erwerbung der unbegränzten Bewusstseinsphäre hat der
Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er das Reich
des unbegränzten Bewusstseins erworben hat, brüstet er sich
nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, 135
die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch
nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre
in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins.
Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich das Reich des
Nichtdaseins erworben, diese anderen Mönche aber, die haben
das Reich des Nichtdaseins nicht erworben.‹ Weil er das Reich
des Nichtdaseins erworben hat, brüstet er sich und verachtet
die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter
Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch
von der Erwerbung der Nichtdaseinsphäre hat der Erhabene als
Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er das Reich
des Nichtdaseins erworben hat, brüstet er sich nicht, noch
verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr Mönche, die Weise
guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein schlechter Mensch nach
völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide
möglicher Wahrnehmung. Der gedenkt bei sich: ›Ich habe freilich
die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erworben, diese anderen
Mönche aber, die haben die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung
nicht erworben.‹ Weil er die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung
erworben hat, brüstet er sich und verachtet die anderen. Auch
das ist, ihr Mönche, die Weise schlechter Menschen.
»Ein guter Mensch aber, ihr Mönche, gedenkt bei sich: ›Auch von
der Erwerbung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung hat der
Erhabene als Unbestand gesprochen:
Denn je mehr sie mehr vermeinen,
Immer wandelbarer wird es.‹
Der macht eben den Unbestand zum Wesen, und weil er die 136
Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erworben hat, brüstet er
sich nicht, noch verachtet er die anderen. Auch das ist, ihr
Mönche, die Weise guter Menschen.
»Weiter sodann, ihr Mönche, gewinnt ein guter Mensch nach
völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung
die Auflösung der Wahrnehmbarkeit, und des weise Sehenden Wahn
ist aufgehoben. Das ist, ihr Mönche, ein Mönch, der gar nichts
vermeint, von gar nichts vermeint, um gar nichts vermeint.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.[58]
114.
Zwölfter Theil Vierte Rede
ZU BETREIBEN UND NICHT ZU BETREIBEN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhobene bei 137
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Was zu betreiben und was nicht zu betreiben ist, ihr Mönche,
werde ich euch der Reihe nach anzeigen: das höret und achtet
wohl auf meine Rede.«
»Gewiss, o Herr!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Betragen in Thaten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetztes Betragen in Thaten. Betragen in Worten,
sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben,
als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes
Betragen in Worten. Betragen in Gedanken, sag’ ich da,
Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht
zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in
Gedanken. Herzensentschließung, sag’ ich da, Mönche, ist von
doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und
es ist entgegengesetzte Herzensentschließung. Verständniss
erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu
betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes
Verständniss erlangen. Erkenntniss erlangen, sag’ ich da,
Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu
betreiben: und es ist entgegengesetzte Erkenntniss erlangen.
Eigenschaft erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetzte Eigenschaft erlangen.«
Nach diesen Worten wandte sich der ehrwürdige Sāriputto also an
den Erhabenen:
»Was da, o Herr, der Erhabene in Kürze gesagt, nicht ausführlich
dargestellt hat, scheint mir, ausgeführt, dies zu bedeuten: 138
›Betragen in Thaten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetztes Betragen in Thaten‹: das ist da wohl vom
Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein
Betragen, o Herr, in Thaten, wobei sich einem, indem man es
betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge
sich mindern, ein solches Betragen in Thaten ist nicht zu
betreiben. Ein Betragen aber, o Herr, in Thaten, wobei sich
einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und
die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Betragen in Thaten
ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Betragen in Thaten, wobei
sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge
mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer,
o Herr, ein Mörder, grausam und blutgierig, der Gewalt und
dem Todtschlag ergeben, ohne Erbarmen gegen seine Mitwesen.
Dann nimmt er was man ihm nicht gegeben hat; was ein anderer
in Dorf oder Wald an Hab und Gut besitzt, das macht er sich
ungeschenkt, in diebischer Absicht, zueigen. Und er begeht
Ausschweifung; mit einem Mädchen, das unter der Obhut der
Mutter oder des Vaters, unter der Obhut von Bruder oder von
Schwester, unter der Obhut von Verwandten steht, mit einer
Gattenbefohlenen oder einer Dienstergebenen, bis herab zu der
blumengeschmückten Tänzerin, mit solchen pflegt er Verkehr.[59]
Das ist, o Herr, ein Betragen in Thaten, wobei sich einem,
indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die
heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Betragen in Thaten, wobei
sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge
mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da hat einer, o
Herr, das Morden verworfen, vom Tödten hält er sich fern; Stock 139
und Schwerdt hat er abgelegt, er ist mild und theilnehmend,
voll Liebe und Mitleid zu allem was da lebt und athmet.
Nichtgegebenes zu nehmen hat er verworfen, vom Stehlen hält
er sich fern; was ein anderer in Dorf oder Wald an Hab und
Gut besitzt, das macht er sich ungeschenkt, in diebischer
Absicht, nicht zueigen. Ausschweifung hat er verworfen, von
Ausschweifung hält er sich fern; mit einem Mädchen, das unter
der Obhut der Mutter oder des Vaters, unter der Obhut von
Bruder oder von Schwester, unter der Obhut von Verwandten
steht, mit einer Gattenbefohlenen oder einer Dienstergebenen,
bis herab zu der blumengeschmückten Tänzerin, mit solchen
pflegt er keinen Verkehr. Das ist, o Herr, ein Betragen
in Thaten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die
unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge sich mehren.
-- ›Betragen in Thaten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetztes Betragen in Thaten‹: wurde das vom Erhabenen
gesagt, so war es darum gesagt.
»›Betragen in Worten, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetztes Betragen in Worten‹: das ist da wohl vom
Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein
Betragen, o Herr, in Worten, wobei sich einem, indem man es
betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge
sich mindern, ein solches Betragen in Worten ist nicht zu
betreiben. Ein Betragen aber, o Herr, in Worten, wobei sich
einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und
die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Betragen in Worten
ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Betragen in Worten, wobei
sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge
mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o 140
Herr, ein Lügner. Vor Gericht, oder von den Leuten, oder unter
Verwandten, oder in der Gesellschaft, oder von königlichen
Beamten als Augenzeuge vernommen und befragt: ›Wohl denn,
lieber Mann, was du weißt, das sage‹, antwortet er, wenn er
nichts weiß: ›Ich weiß es‹, und wenn er es weiß: ›Ich weiß
nichts‹, wenn er nichts gesehn hat: ›Ich hab’ es gesehn‹,
und wenn er es gesehn hat: ›Ich habe nichts gesehn.‹[60] So
legt er um seinetwillen oder um eines anderen willen oder von
irgend einer sonstigen Absicht bewogen wissentlich falsches
Zeugniss ab. Dann liebt er das Ausrichten. Was er hier gehört
hat erzählt er dort wieder, um jene zu entzweien; oder was er
dort gehört hat erzählt er hier wieder, um diese zu entzweien.
So stiftet er Zwietracht unter Verbundenen und hetzt die
Entzweiten auf. Hader erfreut ihn, Hader macht ihn froh,
Hader befriedigt ihn, Hader erregende Worte spricht er. Dann
gebraucht er barsche Worte, Reden, die spitzig und stechend
sind, andere beleidigen, andere verletzen, Aeußerungen des
Zornes, die zu keiner Einigung führen: solche Worte spricht er.
Und er treibt müßiges Geplauder, spricht zur Unzeit, ohne Sinn,
ohne Zweck, ohne Wahrheit, ohne Zucht; seine Rede ist nicht
werth, dass man ihrer gedenke, sie ist ungehörig, ungebildet,
unangemessen, unverständlich. Das ist, o Herr, ein Betragen
in Worten, wobei sich einem, indem man es betreibt, die
unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Betragen in Worten, wobei
sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge
mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da hat einer, o
Herr, das Lügen verworfen, vom Lügen hält er sich fern. Vor
Gericht, oder von den Leuten, oder unter Verwandten, oder in
der Gesellschaft, oder von königlichen Beamten als Augenzeuge 141
vernommen und befragt: ›Wohl denn, lieber Mann, was du weißt,
das sage‹, antwortet er, wenn er nichts weiß: ›Ich weiß
nichts‹, und wenn er es weiß: ›Ich weiß es‹, wenn er nichts
gesehn hat: ›Ich habe nichts gesehn‹, und wenn er es gesehn
hat: ›Ich hab’ es gesehn.‹ So legt er um seinetwillen oder um
eines anderen willen oder von irgend einer sonstigen Absicht
bewogen wissentlich kein falsches Zeugniss ab. Das Ausrichten
hat er verworfen, vom Ausrichten hält er sich fern. Was er
hier gehört hat erzählt er dort nicht wieder, um jene zu
entzweien; oder was er dort gehört hat erzählt er hier nicht
wieder, um diese zu entzweien. So einigt er Entzweite, festigt
Verbundene, Eintracht erfreut ihn, Eintracht macht ihn froh,
Eintracht befriedigt ihn, Eintracht fördernde Worte spricht
er.[61] Barsche Worte hat er verworfen, von barschen Worten
hält er sich fern. Worte, die frei von Schimpf sind, dem Ohre
wohlthuend, liebreich, zum Herzen dringend, höflich, viele
erfreuend, viele erhebend, solche Worte spricht er. Plappern
und Plaudern hat er verworfen, von Plappern und Plaudern hält
er sich fern. Zur rechten Zeit spricht er, den Thatsachen
gemäß, gehaltvoll, der Wahrheit getreu, der Zucht getreu;
seine Rede ist werth, dass man ihrer gedenke, gelegentlich mit
Gleichnissen geschmückt, klar und bestimmt, dem Gegenstande
angemessen. Das ist, o Herr, ein Betragen in Worten, wobei sich
einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und
die heilsamen Dinge sich mehren. -- ›Betragen in Worten, sag’
ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu betreiben, als
nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes Betragen in
Worten‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Betragen in Gedanken, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetztes Betragen in Gedanken‹: das ist da wohl vom
Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein 142
Betragen, o Herr, in Gedanken, wobei sich einem, indem man es
betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge
sich mindern, ein solches Betragen in Gedanken ist nicht zu
betreiben. Ein Betragen aber, o Herr, in Gedanken, wobei sich
einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern
und die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Betragen in
Gedanken ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für ein Betragen in Gedanken, wobei
sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren
und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o Herr,
lüstern. Was ein anderer an Hab und Gut besitzt, danach giert
er: ›Ach wenn doch sein Eigen das meine wäre!‹ Dann ist er
gehässig, übelgesinnten Herzens: ›Diese Wesen sollen getödtet
werden, sollen umgebracht werden, sollen zerstört werden,
sollen vertilgt werden, sie sollen so nicht bleiben!‹ Das ist,
o Herr, ein Betragen in Gedanken, wobei sich einem, indem man
es betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen
Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für ein Betragen in Gedanken, wobei
sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge
mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da ist einer, o
Herr, nicht lüstern. Was ein anderer an Hab und Gut besitzt,
danach giert er nicht: ›Ach wenn doch sein Eigen das meine
wäre!‹ Dann ist er frei von Gehässigkeit, frei von Uebelwollen:
›Mögen diese Wesen ohne Hass, ohne Schmerz, ohne Quaal glücklich
ihr Dasein bewahren!‹ Das ist, o Herr, ein Betragen in Gedanken,
wobei sich einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge
mindern und die heilsamen Dinge sich mehren. -- ›Betragen in
Gedanken, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter Art, als zu 143
betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist entgegengesetztes
Betragen in Gedanken‹: wurde das vom Erhabenen gesagt, so war
es darum gesagt.[62]
»›Herzensentschließung, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetzte Herzensentschließung‹: das ist da wohl vom
Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Eine
Herzensentschließung, o Herr, wobei sich einem, indem man
sie betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen
Dinge sich mindern, eine solche Herzensentschließung ist nicht
zu betreiben. Eine Herzensentschließung aber, o Herr, wobei
sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge
mindern und die heilsamen Dinge sich mehren, eine solche
Herzensentschließung ist zu betreiben.
»Was ist das nun, o Herr, für eine Herzensentschließung, wobei
sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge
mehren und die heilsamen Dinge sich mindern? Da ist einer, o
Herr, lüstern und lässt sein Gemüth von Lüsternheit bewogen
sein, ist gehässig und lässt sein Gemüth von Gehässigkeit
bewogen sein, ist rachgierig und lässt sein Gemüth von Rachgier
bewogen sein. Das ist, o Herr, eine Herzensentschließung, wobei
sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge
mehren und die heilsamen Dinge sich mindern.
»Was ist es aber, o Herr, für eine Herzensentschließung, wobei
sich einem, indem man sie betreibt, die unheilsamen Dinge
mindern und die heilsamen Dinge sich mehren? Da ist einer, o
Herr, nicht lüstern und lässt sein Gemüth nicht von Lüsternheit
bewogen sein, ist nicht gehässig und lässt sein Gemüth nicht
von Gehässigkeit bewogen sein, ist nicht rachgierig und lässt
sein Gemüth nicht von Rachgier bewogen sein. Das ist, o Herr,
eine Herzensentschließung, wobei sich einem, indem man sie
betreibt, die unheilsamen Dinge mindern und die heilsamen Dinge
sich mehren. -- ›Herzensentschließung, sag’ ich da, Mönche, ist 144
von doppelter Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben:
und es ist entgegengesetzte Herzensentschließung‹: wurde das
vom Erhabenen gesagt, so war es darum gesagt.
»›Verständniss erlangen, sag’ ich da, Mönche, ist von doppelter
Art, als zu betreiben, als nicht zu betreiben: und es ist
entgegengesetztes Verständniss erlangen‹: das ist da wohl vom
Erhabenen gesagt worden; und warum ist es gesagt worden? Ein
Verständniss erlangen, o Herr, wobei sich einem, indem man es
betreibt, die unheilsamen Dinge mehren und die heilsamen Dinge
sich mindern, ein solches Verständniss erlangen ist nicht zu
betreiben. Ein Verständniss erlangen aber, o Herr, wobei sich
einem, indem man es betreibt, die unheilsamen Dinge mindern
und die heilsamen Dinge sich mehren, ein solches Verständniss
erlangen ist zu betreiben.