schlechten Menschen? Da bringt, ihr Mönche, ein schlechter
Mensch Lebendiges um, er nimmt Nichtgegebenes, er begeht
Ausschweifung. Also, ihr Mönche, verkehrt ein schlechter Mensch
mit schlechten Menschen.
»Wie aber liebt, ihr Mönche, ein schlechter Mensch die Ansichten
schlechter Menschen? Da bekennt sich, ihr Mönche, ein
schlechter Mensch zu dieser Ansicht: ›Almosengeben,
Verzichtleisten, Spenden -- es ist alles eitel; es giebt keine 106
Saat und Ernte guter und böser Werke; Diesseits und Jenseits
sind leere Worte; Vater und Mutter und auch geistige Geburt
sind hohle Namen; die Welt hat keine Asketen und Priester,
die vollkommen und vollendet sind, die sich den Sinn dieser
und jener Welt begreiflich machen, anschaulich vorstellen und
erklären können.‹ Also, ihr Mönche, liebt ein schlechter Mensch
die Ansichten schlechter Menschen.
»Wie aber giebt, ihr Mönche, ein schlechter Mensch die Gabe
schlechter Menschen? Da theilt, ihr Mönche, ein schlechter
Mensch Gaben aus ohne zu würdigen, nicht eigenhändig, unbedacht,
wirft sie weg, er glaubt an kein hülfreiches Wirken. Also,
ihr Mönche, giebt ein schlechter Mensch die Gabe schlechter
Menschen.
»So ein schlechter Mensch nun, ihr Mönche, der also einer
schlechten Weise nachgefolgt, also schlechten Menschen
zugeneigt war, also mit schlechten Menschen gedacht, also mit
schlechten Menschen sich berathen, also mit schlechten Menschen
sich besprochen, also mit schlechten Menschen verkehrt, also
die Ansichten schlechter Menschen geliebt, also die Gabe
schlechter Menschen gegeben hatte, wird bei der Auflösung
des Körpers, nach dem Tode, zur Fährte schlechter Menschen
hingerathen. Was ist aber, ihr Mönche, die Fährte schlechter
Menschen? Hölle oder Thierheit.
* * * * *
»Kann wohl, ihr Mönche, ein guter Mensch einen guten Menschen
erkennen: ›Das ist ein guter Mensch‹?«
»Freilich, o Herr!«
»Recht so, ihr Mönche. Es mag schon sein, ihr Mönche, dass
ein guter Mensch einen guten Menschen erkenne: ›Das ist ein
guter Mensch.‹ Kann aber, ihr Mönche, ein guter Mensch einen 107
schlechten Menschen erkennen: ›Das ist ein schlechter Mensch‹?«
»Freilich, o Herr!«
»Recht so, ihr Mönche. Auch das, ihr Mönche, mag schon sein,
dass ein guter Mensch einen schlechten Menschen erkenne: ›Das
ist ein schlechter Mensch.‹ Ein guter Mensch, ihr Mönche, folgt
einer guten Weise nach, hat zu guten Menschen Neigung, denkt
mit guten Menschen, beräth sich mit guten Menschen, bespricht
sich mit guten Menschen, verkehrt mit guten Menschen, liebt die
Ansichten guter Menschen, giebt die Gabe guter Menschen.
»Wie aber folgt, ihr Mönche, ein guter Mensch einer guten Weise
nach? Da hat, ihr Mönche, ein guter Mensch Zutrauen, er ist
schaamhaft, bescheiden, er weiß viel, tapfer harrt er aus, klar
bewusst, witzig erfahren. Also folgt, ihr Mönche, ein guter
Mensch einer guten Weise nach.
»Wie aber hat, ihr Mönche, ein guter Mensch zu guten Menschen
Neigung? Da hat, ihr Mönche, ein guter Mensch jene Asketen
und Priester, die da Zutrauen hegen, schaamhaft, bescheiden
sind, die viel wissen, tapfer ausharren, klar bewusst, witzig
erfahren, die hat er zu Freunden, hat sie zu Genossen. Also
hat, ihr Mönche, ein guter Mensch zu guten Menschen Neigung.
»Wie aber denkt, ihr Mönche, ein guter Mensch mit guten
Menschen? Da denkt, ihr Mönche, ein guter Mensch weder zu
eigener Beschwer, noch denkt er zu fremder Beschwer, noch denkt
er zu beider Beschwer. Also, ihr Mönche, denkt ein guter Mensch
mit guten Menschen.
»Wie aber beräth sich, ihr Mönche, ein guter Mensch mit guten
Menschen? Da beräth sich, ihr Mönche, ein guter Mensch weder zu
eigener Beschwer, noch beräth er sich zu fremder Beschwer, noch
beräth er sich zu beider Beschwer. Also, ihr Mönche, beräth
sich ein guter Mensch mit guten Menschen.
»Wie aber bespricht sich, ihr Mönche, ein guter Mensch mit
guten Menschen? Da hält sich, ihr Mönche, ein guter Mensch vom 108
Lügen zurück, vom Verleumden zurück, er führt keine barsche
Rede, treibt keine geschwätzige Rede. Also, ihr Mönche,
bespricht sich ein guter Mensch mit guten Menschen.
»Wie aber verkehrt, ihr Mönche, ein guter Mensch mit guten
Menschen? Da hält sich, ihr Mönche, ein guter Mensch von
Todtschlag zurück, von Diebstahl zurück, von Ausschweifung
zurück. Also, ihr Mönche, verkehrt ein guter Mensch mit guten
Menschen.
»Wie aber liebt, ihr Mönche, ein guter Mensch die Ansichten
guter Menschen? Da bekennt sich, ihr Mönche, ein guter Mensch
zu dieser Ansicht: ›Almosengeben, Verzichtleisten, Spenden
ist kein Unsinn; es giebt eine Saat und Ernte guter und böser
Werke; das Diesseits ist vorhanden und das Jenseits ist
vorhanden; Eltern giebt es und geistige Geburt giebt es[42];
die Welt hat Asketen und Priester, die vollkommen und vollendet
sind, die sich den Sinn dieser und jener Welt begreiflich
machen, anschaulich vorstellen und erklären können.‹ Also, ihr
Mönche, liebt ein guter Mensch die Ansichten guter Menschen.
»Wie aber giebt, ihr Mönche, ein guter Mensch die Gabe guter
Menschen? Da theilt, ihr Mönche, ein guter Mensch Gaben aus
indem er würdigt, mit eigener Hand, mit Bedacht, in lauterer
Absicht, er glaubt an hülfreiches Wirken. Also, ihr Mönche,
giebt ein guter Mensch die Gabe guter Menschen.
»So ein guter Mensch nun, ihr Mönche, der also einer guten
Weise nachgefolgt, also guten Menschen zugeneigt war, also
mit guten Menschen gedacht, also mit guten Menschen sich
berathen, also mit guten Menschen sich besprochen, also mit
guten Menschen verkehrt, also die Ansichten guter Menschen
geliebt, also die Gabe guter Menschen gegeben hatte, wird bei 109
der Auflösung des Körpers, nach dem Tode, zur Fährte guter
Menschen hingerathen. Was ist aber, ihr Mönche, die Fährte
guter Menschen? Göttermacht oder Menschenmacht.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.[43]
ZWÖLFTER THEIL
BUCH DER REIHE
111.
Zwölfter Theil Erste Rede
DIE REIHE
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Witzig, ihr Mönche, ist Sāriputto, mächtig in Wissen, ihr
Mönche, ist Sāriputto, gewaltig in Wissen, ihr Mönche, ist
Sāriputto, hell in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, flink
in Wissen, ihr Mönche, ist Sāriputto, scharf in Wissen, ihr
Mönche, ist Sāriputto, schneidig in Wissen, ihr Mönche, ist
Sāriputto; Sāriputto, ihr Mönche, hat einen halben Monat der
Reihe nach die Dinge mit Klarsicht klar gesehn.
»So aber mag, ihr Mönche, Sāriputto der Reihe nach die Dinge
klar sehn: da weilt, ihr Mönche, Sāriputto, gar fern von
Begierden, fern von unheilsamen Dingen, in sinnend gedenkender
ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten
Schauung. Und die Dinge der ersten Schauung, Ueberlegung und 110
Erwägung, Heiterkeit und Säligkeit und Einigung des Herzens,
Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille,
Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese
Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er
wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich
untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge
ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹
Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt,
nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen,
ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn
›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie
entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach Vollendung
des Sinnens und Gedenkens die innere Meeresstille, die Einheit
des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der
Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten
Schauung gewonnen. Und die Dinge der zweiten Schauung, innere
Meeresstille, Heiterkeit und Säligkeit und Einigung des
Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein,
Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit,
diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge
lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten,
wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese
Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie
wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht
abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen
entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu
lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und 111
indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto in heiterer
Ruhe, gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück
im Körper empfunden, von dem die Heiligen sagen: ›Der
gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‹; so hat er die Weihe
der dritten Schauung gewonnen. Und die Dinge der dritten
Schauung, Gleichmuth und Säligkeit, Einsicht und Klarheit und
Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken,
Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth,
Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet,
diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich
standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So
kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen
verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht
zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht
angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das
Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere
Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben
›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach Verwerfung
der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen
Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen,
gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte
Schauung gewonnen. Und die Dinge der vierten Schauung,
Gleichmuth, ohne Leid-, ohne Freudengefühl, Reinheit, ohne
geistigen Genuss, lauter Einsicht und Einigung des Herzens,
Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille,
Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese
Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge lässt er
wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten, wissentlich 112
untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese Dinge
ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹
Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt,
nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen,
ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn
›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie
entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger
Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der
Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen in dem
Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten
Raumes gewonnen. Und die Dinge der unbegränzten Raumsphäre,
Wahrnehmung der unbegränzten Raumsphäre und Einigung des
Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein,
Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit,
diese Dinge hat er der Reihe nach eingeordnet, diese Dinge
lässt er wissentlich aufsteigen, wissentlich standhalten,
wissentlich untergehn. Und er erkennt: ›So kommen denn diese
Dinge ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie
wieder.‹ Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht
abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen
entgangen, ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu
lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und
indem er sie entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach
völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre in dem
Gedanken ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des
unbegrenzten Bewusstseins gewonnen. Und die Dinge der 113
unbegränzten Bewusstseinsphäre, Wahrnehmung der unbegränzten
Bewusstseinsphäre und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl,
Wahrnehmung, Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft,
Einsicht, Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe
nach eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen,
wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt:
›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und
gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen
nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht
angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne das
Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine höhere
Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er eben
›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger
Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre in dem Gedanken
›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins gewonnen. Und die
Dinge der Nichtdaseinsphäre, Wahrnehmung der Nichtdaseinsphäre
und Einigung des Herzens, Berührung, Gefühl, Wahrnehmung,
Denken, Bewusstsein, Wille, Beschluss, Kraft, Einsicht,
Gleichmuth, Achtsamkeit, diese Dinge hat er der Reihe nach
eingeordnet, diese Dinge lässt er wissentlich aufsteigen,
wissentlich standhalten, wissentlich untergehn. Und er erkennt:
›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum Vorschein, und
gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist diesen Dingen
nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht angeschlossen,
nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen entronnen, ohne
das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es giebt noch eine
höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie entwickelt merkt er
eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger 114
Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre die Gränzscheide möglicher
Wahrnehmung gewonnen. Und aus diesem Erfunde kehrt er besonnen
zurück. Und ist er aus diesem Erfunde besonnen zurückgekehrt,
so nimmt er die Dinge, die überstanden, aufgelöst, umgewandelt
sind, wahr: ›So kommen denn diese Dinge ungewesen zum
Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹ Und er ist
diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht
angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen, ihnen
entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn ›Es
giebt noch eine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie
entwickelt merkt er eben ›Das giebt es.‹
»Denn ferner noch, ihr Mönche, hat Sāriputto nach völliger
Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung die
Auflösung der Wahrnehmbarkeit gewonnen, und des weise
Sehenden Wahn ist aufgehoben. Und aus diesem Erfunde kehrt
er besonnen zurück. Und ist er aus diesem Erfunde besonnen
zurückgekehrt, so nimmt er die Dinge, die überstanden,
aufgelöst, umgewandelt sind, wahr: ›So kommen denn diese Dinge
ungewesen zum Vorschein, und gewesen verschwinden sie wieder.‹
Und er ist diesen Dingen nicht zugeneigt und nicht abgeneigt,
nicht angeschlossen, nicht angeheftet, ist ihnen entgangen,
ihnen entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. Denn
›Es giebt keine höhere Freiheit‹ weiß er. Und indem er sie
entwickelt merkt er eben ›Das giebt es nicht.‹
»Wer nun einen solchen, ihr Mönche, beim rechten Namen nennen
mag: ›Waltefürst, Oberfürst in heiliger Sitte, Waltefürst,
Oberfürst in heiliger Vertiefung, Waltefürst, Oberfürst 115
in heiliger Weisheit, Waltefürst, Oberfürst in heiliger
Enthaftung‹, der mag eben einen Sāriputto beim rechten Namen
nennen: ›Waltefürst, Oberfürst in heiliger Sitte, Waltefürst,
Oberfürst in heiliger Vertiefung, Waltefürst, Oberfürst
in heiliger Weisheit, Waltefürst, Oberfürst in heiliger
Enthaftung.‹ Wer nun einen solchen, ihr Mönche, beim rechten
Namen nennen mag: ›Sohn des Erhabenen, von ächter Abstammung,
aus dem Munde geboren, in der Lehre gezeugt, in der Lehre
gebildet, Erbe der Lehre, nicht Erbe der Nothdurft‹, der mag
eben einen Sāriputto beim rechten Namen nennen: ›Sohn des
Erhabenen, von ächter Abstammung, aus dem Munde geboren, in der
Lehre gezeugt, in der Lehre gebildet, Erbe der Lehre, nicht
Erbe der Nothdurft.‹ Sāriputto, ihr Mönche, stellt das höchste
Reich der Wahrheit, nachdem es der Vollendete dargestellt hat,
ganz ebenso dar.«
* * * * *
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche
über das Wort des Erhabenen.
112.
Zwölfter Theil Zweite Rede
SECHS ERLÄUTERN
Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei 116
Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort
nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!«
-- »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen
aufmerksam. Der Erhabene sprach also:
»Da giebt, ihr Mönche, ein Mönch die Gewissheit zu erkennen:
‚›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt
das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteh’ ich da.‘
Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist weder zu
billigen noch abzuweisen; ohne zu billigen, ohne abzuweisen
ist die Frage zu stellen: ›Vier Arten, Bruder, von Betragen
hat Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der Heilige,
vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet: und welche vier? Bei
Gesehnem das Gesehne verlautbaren, bei Gehörtem das Gehörte
verlautbaren, bei Gedachtem das Gedachte verlautbaren, bei
Erkanntem das Erkannte verlautbaren: das sind, Bruder, vier
Arten von Betragen, die Er, der Erhabene, der Kenner, der
Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet
hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen bei
diesen vier Arten von Betragen und hat das Herz ohne Hangen
vom Wahne abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger,
Endiger ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil
sich errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch
vollkommene Erkenntniss erlöst hat, kann folgende Rechenschaft
ablegen: ›Bei Gesehnem bin ich, Brüder, nicht zugeneigt und
nicht abgeneigt, nicht angeschlossen, nicht angeheftet, bin
ihm entgangen, bin ihm entronnen, ohne das Gemüth umschränken
zu lassen; bei Gehörtem -- bei Gedachtem -- bei Erkanntem 117
bin ich, Brüder, nicht zugeneigt und nicht abgeneigt, nicht
angeschlossen, nicht angeheftet, bin ihm entgangen, bin ihm
entronnen, ohne das Gemüth umschränken zu lassen. So ein Wissen
hab’ ich, Brüder, so ein Schauen bei diesen vier Arten von
Betragen und habe das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen
und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so
ist eine fernere Frage zu stellen: ›Fünf sind es, Bruder, der
Stücke des Anhangens, die Er, der Erhabene, der Kenner, der
Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet
hat: und welche fünf? Als da ist ein Stück Anhangen an der
Form, ein Stück Anhangen am Gefühl, ein Stück Anhangen an der
Wahrnehmung, ein Stück Anhangen an der Unterscheidung, ein
Stück Anhangen am Bewusstsein: das sind, Bruder, die fünf
Stücke des Anhangens, die Er, der Erhabene, der Kenner, der
Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet
hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen
bei diesen fünf Stücken des Anhangens und hat das Herz
ohne Hangen vom Wahne abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche,
der Wahnversieger, Endiger ist, der das Werk gewirkt, die
Last abgelegt, das Heil sich errungen, die Daseinsfesseln
vernichtet, sich durch vollkommene Erkenntniss erlöst hat,
kann folgende Rechenschaft ablegen: ›Die Form hab’ ich, Brüder,
als ohnmächtig, unergetzlich, unerquicklich erkannt, und was
bei der Form anhänglich Anhangen ist, geistiges Anlehnen,
Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen,
aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz
abgelöst, versteh’ ich da. Das Gefühl, die Wahrnehmung, die
Unterscheidungen, das Bewusstsein hab’ ich, Brüder, als 118
ohnmächtig, unergetzlich, unerquicklich erkannt, und was beim
Gefühl, bei der Wahrnehmung, bei den Unterscheidungen, beim
Bewusstsein anhänglich Anhangen ist, geistiges Anlehnen,
Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und versagen,
aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein Herz
abgelöst, versteh’ ich da. So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so
ein Schauen bei diesen fünf Stücken des Anhangens und habe das
Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen
und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen,
so ist eine fernere Frage zu stellen: ›Sechs Artungen sind
es, Bruder, die Er, der Erhabene, der Kenner, der Seher, der
Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet hat: und
welche sechs? Art der Erde, Art des Wassers, Art des Feuers,
Art der Luft, Art des Raumes, Art des Bewusstseins: das sind,
Bruder, sechs Artungen, die Er, der Erhabene, der Kenner, der
Seher, der Heilige, vollkommen Erwachte, recht gekennzeichnet
hat; was für Wissen hat nun der Ehrwürdige, was für Schauen bei
diesen sechs Artungen und hat das Herz ohne Hangen vom Wahne
abgelöst?‹ Ein Mönch, ihr Mönche, der Wahnversieger, Endiger
ist, der das Werk gewirkt, die Last abgelegt, das Heil sich
errungen, die Daseinsfesseln vernichtet, sich durch vollkommene
Erkenntniss erlöst hat, kann folgende Rechenschaft ablegen:
›Die Art der Erde hab’ ich, Brüder, als uneigen begriffen und
mich als nicht in der Art der Erde bestanden, und was in der
Art der Erde bestanden ist, anhänglich Anhangen, geistiges
Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das versiegen und
versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe lassen, ist mein
Herz abgelöst, versteh’ ich da. Die Art des Wassers -- die Art
des Feuers -- die Art der Luft -- die Art des Raumes -- die Art
des Bewusstseins hab’ ich, Brüder, als uneigen begriffen und 119
mich als nicht in der Art des Bewusstseins bestanden, und was
in der Art des Bewusstseins bestanden ist, anhänglich Anhangen,
geistiges Anlehnen, Anschmiegen, Angewöhnen: weil ich das
versiegen und versagen, aufhören, zergehn, entschwinden habe
lassen, ist mein Herz abgelöst, versteh’ ich da. So ein Wissen
hab’ ich, Brüder, so ein Schauen bei diesen sechs Artungen und
habe das Herz ohne Hangen vom Wahne abgelöst.‹