»Die Asketen und Priester nun, ihr Mönche, welche die Seele

als weder bewusst noch unbewusst darstellen, genesen nach dem

Tode, diese lieben Asketen und Priester sagen von ihr aus,

dass sie formhaft sei, oder formlos; dass sie formhaft und

formlos sei, oder weder formhaft noch formlos, genesen nach

dem Tode. Den Asketen und Priestern nun, ihr Mönche, welche

die Seele als bewusst darstellen, genesen nach dem Tode, denen

widersprechen diese; und auch den lieben Asketen und Priestern,

welche die Seele als unbewusst darstellen, genesen nach dem

Tode, widersprechen sie: und warum das? ‚Bewusst sein ist 30

siech sein, bewusst sein ist bresthaft sein, bewusst sein ist

schmerzhaft sein; unbewusst sein ist unsinnig sein: das ist

die Ruhe, das ist das Ziel, jenes weder bewusst noch unbewusst

sein.‘ Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete: ›Wenn diese

lieben Asketen und Priester die Seele also als weder bewusst

noch unbewusst darstellen, genesen nach dem Tode, und es sagen

nun, ihr Mönche, dergleichen Asketen und Priester, dass man

da irgend noch durch Unterscheidung des Sichtbaren, Hörbaren,

Denkbaren, Bewusstbaren jenes Ziel erreichen könne, so muss das

eben, ihr Mönche, als eine Vereitelung gelten um jenes Ziel

zu erreichen: denn es erscheint nun, ihr Mönche, jenes Ziel

nicht sowohl durch Eingehn in Unterscheidung erreichbar als

vielmehr durch Eingehn in Ueberunterscheidung. Aber das ist

unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung

der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit,

eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.

»Da finden sich nun, ihr Mönche, Asketen und Priester, die 31

des lebendigen Leibes Auflösung, Zerstörung, Vernichtung

darstellen, und denen, ihr Mönche, widersprechen nun die

Asketen und Priester, die da behaupten, die Seele sei bewusst,

genesen nach dem Tode; und auch manche liebe Asketen und

Priester, die da behaupten, die Seele sei unbewusst, genesen

nach dem Tode, widersprechen ihnen; und auch manche liebe

Asketen und Priester, die da behaupten, die Seele sei weder

bewusst noch unbewusst, genesen nach dem Tode, widersprechen

ihnen: und warum das? Alle diese lieben Asketen und Priester

halten sich an ein Drüben, hängen eben dem Glauben an: ‚So

werden wir nach dem Tode sein, so werden wir nach dem Tode

sein!‘ Gleichwie etwa ein Händler auf Handel ausgeht: ‚Dort

werd’ ich das erlangen, dafür werd’ ich dies bekommen!‘: ebenso

erscheinen mir da diese lieben Asketen und Priester wie die

Händler: ‚So werden wir nach dem Tode sein, so werden wir nach

dem Tode sein!‘[6] Aber es erkennt, ihr Mönche, der Vollendete:

›Wenn jene lieben Asketen und Priester des lebendigen Leibes

Auflösung, Zerstörung, Vernichtung darstellen, so laufen sie

aus Angst vor dem Dasein, aus Abscheu vor dem Dasein eben

um das Dasein herum, drehn sich herum. Gleichwie etwa ein

Kettenhund[7], an einen festen Pfahl oder Pfosten gefesselt,

um eben diesen Pfahl oder Pfosten herumläuft, sich herumdreht,

ebenso nun auch laufen jene lieben Asketen und Priester aus

Angst vor dem Dasein, aus Abscheu vor dem Dasein eben um das

Dasein herum, drehn sich herum. Aber das ist unterschiedlich, 32

schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung der

Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit,

eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.

»Wenn da, ihr Mönche, Asketen oder Priester der Zukunft

anhängen, der Zukunft nachsinnen, über die Zukunft mancherlei

Glaubenslehren aufstellen, so stellen alle solche eben diese

fünf Bereiche dar, oder eines derselben.

»Es giebt, ihr Mönche, manche Asketen und Priester, die der

Vergangenheit anhängen, der Vergangenheit nachsinnen, über

die Vergangenheit mancherlei Glaubenslehren aufstellen, als

wie ›Ewig ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn

anderes‹: das verkünden die einen. ›Zeitlich ist Seele und

Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden

die anderen. ›Ewig und zeitlich ist Seele und Welt; dies

nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen.

›Weder ewig noch zeitlich ist Seele und Welt; dies nur

ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen.

›Endlich ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn

anderes‹: das verkünden die einen. ›Unendlich ist Seele und

Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden

die anderen. ›Endlich und unendlich ist Seele und Welt; dies

nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen.

›Weder endlich noch unendlich ist Seele und Welt; dies nur

ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen.

›Einfach bewusst ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, 33

Unsinn anderes‹: das verkünden die einen. ›Manigfach bewusst

ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹:

das verkünden die anderen. ›Beschränkt bewusst ist Seele und

Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die

einen. ›Unermesslich bewusst ist Seele und Welt; dies nur ist

Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen. ›Einzig

freudvoll ist Seele und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn

anderes‹: das verkünden die einen. ›Einzig leidvoll ist Seele

und Welt; dies nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden

die anderen. ›Freudvoll und leidvoll ist Seele und Welt; dies

nur ist Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die einen.

›Weder freudvoll noch leidvoll ist Seele und Welt; dies nur ist

Wahrheit, Unsinn anderes‹: das verkünden die anderen.

»Dass nun, ihr Mönche, diese Asketen und Priester, die solches

meinen, solches glauben, etwa auch ohne Zutrauen, ohne Hingabe,

ohne Hörensagen, ohne prüfendes Urtheil, ohne geduldig Einsicht

zu nehmen eben selber die Erkenntniss erlangten, die geläuterte,

die geklärte: das ist unmöglich. Ermangeln sie aber selber,

ihr Mönche, der Erkenntniss, der geläuterten, der geklärten,

so kann diesen lieben Asketen und Priestern was sie auch hier

an einiger Erkenntniss etwa irgend erringen mögen doch nur als

Anhangen gelten. ›Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig;

und es giebt doch eine Auflösung der Unterscheidungen, das

giebt es‹: in solcher Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, 34

geht der Vollendete darüber hinaus.

»Da hat, ihr Mönche, irgend ein Asket oder Priester das 35

Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, das Erforschen der

Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens

abgestreift und weilt in der Weihe einsamer Freude: ‚Das

ist die Ruhe, das ist das Ziel, dass ich da in der Weihe

einsamer Freude weile.‘ Und diese einsame Freude vergeht ihm,

und wann ihm die einsame Freude vergeht erhebt sich Trübsinn,

und wann ihm der Trübsinn vergeht erhebt sich einsame Freude.

Gleichwie etwa einen, ihr Mönche, den der Schatten verlässt

die Sonne ankommt, und den die Sonne verlässt der Schatten

ankommt: ebenso nun auch, ihr Mönche, erhebt sich wann die

einsame Freude vergeht Trübsinn, und erhebt sich wann der

Trübsinn vergeht einsame Freude. Aber es erkennt, ihr Mönche,

der Vollendete: ›Dieser liebe Asket oder Priester hat das

Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, hat das Erforschen

der Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens

abgestreift und weilt in der Weihe einsamer Freude: ‚Das ist

die Ruhe, das ist das Ziel, dass ich da in der Weihe einsamer

Freude weile.‘ Und diese einsame Freude vergeht ihm, und wann

ihm die einsame Freude vergeht erhebt sich Trübsinn, und wann

ihm der Trübsinn vergeht erhebt sich einsame Freude. Aber das

ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine

Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher

Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete

darüber hinaus.

»Da hat nun, ihr Mönche, irgend ein Asket oder Priester das

Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, das Erforschen der

Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens

abgestreift, hat die einsame Freude überwunden und weilt in der

Weihe überweltlichen Wohles: ‚Das ist die Ruhe, das ist das 36

Ziel, dass ich da in der Weihe überweltlichen Wohles weile.‘

Und dieses überweltliche Wohl vergeht ihm, und wann ihm das

überweltliche Wohl vergeht erhebt sich einsame Freude, und wann

ihm die einsame Freude vergeht erhebt sich überweltliches Wohl.

Gleichwie etwa einen, ihr Mönche, den der Schatten verlässt die

Sonne ankommt, und den die Sonne verlässt der Schatten ankommt:

ebenso nun auch, ihr Mönche, erhebt sich wann das überweltliche

Wohl vergeht einsame Freude, und erhebt sich wann die einsame

Freude vergeht überweltliches Wohl. Aber es erkennt, ihr

Mönche, der Vollendete: ›Dieser liebe Asket oder Priester hat

das Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, hat das Erforschen

der Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens

abgestreift, hat die einsame Freude überwunden und weilt in der

Weihe überweltlichen Wohles: ‚Das ist die Ruhe, das ist das

Ziel, dass ich da in der Weihe überweltlichen Wohles weile.‘

Und dieses überweltliche Wohl vergeht ihm, und wann ihm das

überweltliche Wohl vergeht erhebt sich einsame Freude, und wann

ihm die einsame Freude vergeht erhebt sich überweltliches Wohl.

Aber das ist unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch

eine Auflösung der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher

Gewissheit, eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete

darüber hinaus.

»Da hat, ihr Mönche, irgend ein Asket oder Priester das

Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, das Erforschen der

Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens

abgestreift, hat die einsame Freude überwunden, hat das

überweltliche Wohl überwunden und weilt in der Weihe leidlosen,

freudlosen Gefühles: ‚Das ist die Ruhe, das ist das Ziel, dass 37

ich da in der Weihe leidlosen, freudlosen Gefühles weile.‘ Und

dieses leidlose, freudlose Gefühl vergeht ihm, und wann ihm das

leidlose, freudlose Gefühl vergeht erhebt sich überweltliches

Wohl, und wann ihm das überweltliche Wohl vergeht erhebt

sich leidloses, freudloses Gefühl. Gleichwie etwa einen, ihr

Mönche, den der Schatten verlässt die Sonne ankommt, und den

die Sonne verlässt der Schatten ankommt: ebenso nun auch, ihr

Mönche, erhebt sich wann das leidlose, freudlose Gefühl vergeht

überweltliches Wohl, und erhebt sich wann das überweltliche

Wohl vergeht leidloses, freudloses Gefühl. Aber es erkennt,

ihr Mönche, der Vollendete: ›Dieser liebe Asket oder Priester

hat das Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, hat das

Erforschen der Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des

Begehrens abgestreift, hat die einsame Freude überwunden,

hat das überweltliche Wohl überwunden und weilt in der Weihe

leidlosen, freudlosen Gefühles: ‚Das ist die Ruhe, das ist das

Ziel, dass ich da in der Weihe leidlosen, freudlosen Gefühles

weile.‘ Und dieses leidlose, freudlose Gefühl vergeht ihm,

und wann ihm das leidlose, freudlose Gefühl vergeht erhebt

sich überweltliches Wohl, und wann ihm das überweltliche Wohl

vergeht erhebt sich leidloses, freudloses Gefühl. Aber das ist

unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung

der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit,

eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.

»Da hat nun, ihr Mönche, irgend ein Asket oder Priester das

Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, das Erforschen der

Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des Begehrens

abgestreift, hat die einsame Freude überwunden, hat das 38

überweltliche Wohl überwunden, hat das leidlose, freudlose

Gefühl überwunden und ‚Verglommen bin ich, erloschen bin ich,

ohne Anhangen in mir‘ merkt er bei sich. Aber es erkennt, ihr

Mönche, der Vollendete: ›Dieser liebe Asket oder Priester

hat das Erforschen der Vergangenheit aufgegeben, hat das

Erforschen der Zukunft aufgegeben, hat gänzlich die Bande des

Begehrens abgestreift, hat die einsame Freude überwunden,

hat das überweltliche Wohl überwunden, hat das leidlose,

freudlose Gefühl überwunden und ‚Verglommen bin ich, erloschen

bin ich, ohne Anhangen in mir‘ merkt er bei sich. Freilich

hat dieser Ehrwürdige von dem Pfade gesprochen, der zur

Erlöschung eben hinleitet.[8] Und da ist denn dieser liebe

Asket oder Priester der Erforschung der Vergangenheit doch

etwa anhänglich angehangen, der Erforschung der Zukunft

doch etwa anhänglich angehangen, den Banden des Begehrens

doch etwa anhänglich angehangen, der einsamen Freude doch

etwa anhänglich angehangen, dem überweltlichen Wohle doch

etwa anhänglich angehangen, dem leidlosen, freudlosen

Gefühle doch etwa anhänglich angehangen: und dass nun dieser

Ehrwürdige ‚Verglommen bin ich, erloschen bin ich, ohne

Anhangen in mir‘ bei sich merkt, das eben kann diesem lieben

Asketen oder Priester als Anhangen gelten. Aber das ist

unterschiedlich, schwerfällig; und es giebt doch eine Auflösung

der Unterscheidungen, das giebt es‹: in solcher Gewissheit,

eingedenk dieser Entrinnung, geht der Vollendete darüber hinaus.

»Da hat nun, ihr Mönche, der Vollendete den unvergleichlichen

höchsten Friedenspfad auferschlossen, das heißt der sechs

Sinnesgebiete Aufgang und Untergang, Labsal und Elend und

Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn und ohne Anhangen

ledig sein.

»So hat denn, ihr Mönche, der Vollendete den unvergleichlichen 39

höchsten Friedenspfad auferschlossen, das heißt der sechs

Sinnesgebiete Aufgang und Untergang, Labsal und Elend und

Ueberwindung der Wahrheit gemäß verstehn und ohne Anhangen

ledig sein.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das

Wort des Erhabenen.[9]

103.

Elfter Theil Dritte Rede

VIELLEICHT

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene zu

Kusinārā, bei Gabenhain, im Waldgehölze. Dort nun wandte sich

der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« -- »Erlauchter!«

antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der

Erhabene sprach also:

»Vielleicht, ihr Mönche, meint ihr von mir: ›Um der Kleidung

willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um der Almosenbissen

willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um des Obdachs

willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um dieser und

anderer Dinge willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar‹?«

»Nicht doch, o Herr, meinen wir vom Erhabenen: ›Um der Kleidung

willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um der Almosenbissen

willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um des Obdachs

willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar, um dieser und

anderer Dinge willen legt der Asket Gotamo die Lehre dar.‹«

»Wenn ihr denn, Mönche, von mir das nicht meint, was also meint 40

ihr wohl, Mönche, von mir?«

»Das meinen wir, o Herr, vom Erhabenen: mitleidig ist der

Erhabene, wohlwollend, von Mitleid bewogen legt er die Lehre

dar.«

»Meint ihr nun, Mönche, das von mir, dann habt ihr da, Mönche,

was ich euch unterweisend oftmals[10] gezeigt habe, und zwar

die vier Pfeiler der Einsicht, die vier gewaltigen Kämpfe, die

vier Machtgebiete, die fünf Fähigkeiten, die fünf Vermögen, die

sieben Erweckungen, den heiligen achtfältigen Weg eben alle in

Eintracht, verträglich, ohne Hader hier eifrig zu üben.

»Und während ihr euch, Mönche, in Eintracht, verträglich,

ohne Hader eifrig übt, seien zwei Mönche über die Lehre

verschiedener Meinung. Wenn ihr da nun merken solltet, ›Diese

Ehrwürdigen denken anders über den Sinn und anders über das

Wort‹, so hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher

bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen

denken anders über den Sinn und anders über das Wort; das

mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es dem Sinne

nach anders ist und dem Worte nach, auf dass ihr Ehrwürdigen

nicht in Hader gerathet.‹ Und auch bei den anderen,

gegenüberstehenden Mönchen hättet ihr einen Mönch, der euch

zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die

Ehrwürdigen denken anders über den Sinn und anders über das

Wort; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es

dem Sinne nach anders ist und dem Worte nach, auf dass ihr

Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ So hat man falsch

Verstandenes als falsch verstanden festzustellen, und hat man

falsch Verstandenes als falsch verstanden festgestellt, was 41

Lehre ist und was Zucht ist vorzutragen.

»Wenn ihr da nun merken solltet, ›Diese Ehrwürdigen denken

wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach sind sie einig‹,

so hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte,

aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen denken wohl

dem Sinne nach anders, dem Worte nach sind sie einig; das

mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es wohl dem

Sinne nach anders, dem Worte nach das selbe ist, auf dass ihr

Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ Und auch bei den anderen,

gegenüberstehenden Mönchen hättet ihr einen Mönch, der euch

zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die

Ehrwürdigen denken wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach

sind sie einig; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen,

wie es wohl dem Sinne nach anders, dem Worte nach das selbe

ist, auf dass ihr Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ So hat

man falsch Verstandenes als falsch verstanden festzustellen,

recht Verstandenes als recht verstanden festzustellen, und hat

man falsch Verstandenes als falsch verstanden festgestellt,

recht Verstandenes als recht verstanden festgestellt, was Lehre

ist und was Zucht ist vorzutragen.

»Wenn ihr da nun merken solltet, ›Diese Ehrwürdigen sind wohl

dem Sinne nach einig, dem Worte nach auseinander‹, so hättet

ihr einen Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen

und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen sind wohl dem Sinne nach

einig, dem Worte nach auseinander; das mögt ihr Ehrwürdigen

eben daran erkennen, wie es wohl dem Sinne nach das selbe, dem

Worte nach anders ist: aber daran ist wenig gelegen, an dem

Worte, auf dass ihr Ehrwürdigen nicht um Kleinlichkeiten in 42

Hader gerathet.‹ Und auch bei den anderen, gegenüberstehenden

Mönchen hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher

bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die Ehrwürdigen

sind wohl dem Sinne nach einig, dem Worte nach auseinander;

das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es wohl dem

Sinne nach das selbe, dem Worte nach anders ist: aber daran

ist wenig gelegen, an dem Worte, auf dass ihr Ehrwürdigen

nicht um Kleinlichkeiten in Hader gerathet.‹ So hat man recht

Verstandenes als recht verstanden festzustellen, falsch

Verstandenes als falsch verstanden festzustellen, und hat man

recht Verstandenes als recht verstanden festgestellt, falsch

Verstandenes als falsch verstanden festgestellt, was Lehre ist

und was Zucht ist vorzutragen.

»Wenn ihr da nun merken solltet, ›Diese Ehrwürdigen sind dem

Sinne nach einig und dem Worte nach einig‹, so hättet ihr einen

Mönch, der euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu

sagen: ›Die Ehrwürdigen sind dem Sinne nach einig und dem Worte

nach einig; das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie

es dem Sinne nach das selbe ist und dem Worte nach, auf dass

ihr Ehrwürdigen nicht in Hader gerathet.‹ Und auch bei den

anderen, gegenüberstehenden Mönchen hättet ihr einen Mönch, der

euch zutraulicher bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Die

Ehrwürdigen sind dem Sinne nach einig und dem Worte nach einig;

das mögt ihr Ehrwürdigen eben daran erkennen, wie es dem Sinne

nach das selbe ist und dem Worte nach, auf dass ihr Ehrwürdigen

nicht in Hader gerathet.‹ So hat man recht Verstandenes als

recht verstanden festzustellen, und hat man recht Verstandenes 43

als recht verstanden festgestellt, was Lehre ist und was Zucht

ist vorzutragen.

»Und während ihr euch, Mönche, in Eintracht, verträglich,

ohne Hader eifrig übt, habe da ein Mönch gefehlt, habe sich

vergangen. Da soll man, ihr Mönche, mit der Ermahnung nicht

zaudern, soll auf den Mann sein Augenmerk richten: ›Das wird

mir keine Plage bereiten und dem Nächsten keinen Anstoß: denn

dieser Mann ist nicht zornig, nicht feindsälig, nicht schwach

von Begriffen, lässt sich leicht zurechtweisen, und ich kann

ihn vom Unrechten abbringen und im Rechten bestärken‹: verhält

es sich also, ihr Mönche, dann ist Ansprache schicklich.

»Verhält es sich ferner, ihr Mönche, also: ›Das wird zwar mir

keine Plage, aber dem Nächsten Anstoß bereiten: denn dieser

Mann ist zornig, feindsälig, schwach von Begriffen, doch lässt

er sich leicht zurechtweisen, und ich kann ihn vom Unrechten

abbringen und im Rechten bestärken; und so ist wenig daran

gelegen, am Anstoß des Nächsten, sondern vielmehr eben daran,

dass ich ihn vom Unrechten abbringen und im Rechten bestärken

kann‹: verhält es sich also, ihr Mönche, dann ist Ansprache

schicklich.

»Verhält es sich ferner, ihr Mönche, also: ›Das wird mir zwar

Plage bereiten, aber keinen Anstoß dem Nächsten: denn dieser

Mann ist nicht zornig, nicht feindsälig, nicht schwach von

Begriffen, doch lässt er sich schwer zurechtweisen, aber ich

kann ihn vom Unrechten abbringen und im Rechten bestärken; und

so ist wenig daran gelegen, an meiner Plage, sondern vielmehr

eben daran, dass ich ihn vom Unrechten abbringen und im Rechten

bestärken kann‹: verhält es sich also, ihr Mönche, dann ist 44

Ansprache schicklich.

»Verhält es sich ferner, ihr Mönche, also: ›Das wird mir

Plage bereiten und Anstoß dem Nächsten: denn dieser Mann ist

zornig, feindsälig, schwach von Begriffen, lässt sich schwer

zurechtweisen, doch kann ich ihn vom Unrechten abbringen und im

Rechten bestärken; und so ist wenig daran gelegen, an meiner

Plage und am Anstoß des Nächsten, sondern vielmehr eben daran,

dass ich ihn vom Unrechten abbringen und im Rechten bestärken

kann‹: verhält es sich also, ihr Mönche, dann ist Ansprache

schicklich.

»Verhält es sich ferner, ihr Mönche, also: ›Das wird mir

Plage bereiten und Anstoß dem Nächsten: denn dieser Mann ist

zornig, feindsälig, schwach von Begriffen, lässt sich schwer

zurechtweisen, und ich kann ihn vom Unrechten nicht abbringen

und im Rechten bestärken‹: bei einem solchen Manne, ihr Mönche,

darf man den Gleichmuth nicht außeracht lassen.

»Und während ihr euch, Mönche, in Eintracht, verträglich, ohne

Hader eifrig übt, habe sich unter euch unterschiedliche Rede

erhoben, eigensinniges Behaupten[11], geistiges Erstarren,

Misstrauen, Verdrossenheit. Da hättet ihr bei den einen

gegenüberstehenden Mönchen einen Mönch, der euch zutraulicher

bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Während wir, Bruder,

in Eintracht, verträglich, ohne Hader eifrig uns übten, hat

sich unter uns unterschiedliche Rede erhoben, eigensinniges

Behaupten, geistiges Erstarren, Misstrauen, Verdrossenheit:

das prüfe der Asket, um es abzuweisen.‹ Rechten Bescheid, ihr

Mönche, würde der Mönch also geben: ›Wenn wir, Brüder, in 45

Eintracht, verträglich, ohne Hader eifrig uns übten, und es hat

sich unter uns unterschiedliche Rede erhoben, eigensinniges

Behaupten, geistiges Erstarren, Misstrauen, Verdrossenheit,

so prüfe das der Asket, um es abzuweisen.‹ -- ›Doch kann man,

Bruder, ohne davon zu lassen, die Erlöschung verwirklichen?‹

Rechten Bescheid, ihr Mönche, würde der Mönch also geben:

›Man kann, Brüder, ohne davon zu lassen, nicht die Erlöschung

verwirklichen.‹ Und auch bei den anderen gegenüberstehenden

Mönchen hättet ihr einen Mönch, der euch zutraulicher

bedäuchte, aufzusuchen und ihm zu sagen: ›Während wir, Bruder,

in Eintracht, verträglich, ohne Hader eifrig uns übten, hat

sich unter uns unterschiedliche Rede erhoben, eigensinniges

Behaupten, geistiges Erstarren, Misstrauen, Verdrossenheit:

das prüfe der Asket, um es abzuweisen.‹ Rechten Bescheid, ihr

Mönche, würde der Mönch also geben: ›Wenn wir, Brüder, in

Eintracht, verträglich, ohne Hader eifrig uns übten, und es hat

sich unter uns unterschiedliche Rede erhoben, eigensinniges

Behaupten, geistiges Erstarren, Misstrauen, Verdrossenheit, so

prüfe das der Asket, um es abzuweisen.‹ -- ›Doch kann man,

Bruder, ohne davon zu lassen, die Erlöschung verwirklichen?‹

Rechten Bescheid, ihr Mönche, würde der Mönch also geben:

›Man kann, Brüder, ohne davon zu lassen, nicht die Erlöschung

verwirklichen.‹

»Wenn nun, ihr Mönche, die anderen diesen Mönch fragten: ›Hat

wohl der Ehrwürdige jene Mönche vom Unrechten abgebracht und

im Rechten bestärkt?‹, so würde, ihr Mönche, der Mönch rechten

Bescheid also geben: ›Ich war da, Brüder, zum Erhabenen 46

gegangen, und der Erhabene hat mir die Lehre dargelegt; und

da ich nun die Lehre vernommen, hab’ ich sie jenen Mönchen

vorgetragen: auf diese Lehre haben die Mönche gehorcht und

sind vom Unrechten abgekommen, im Rechten erstarkt.‹ Also

bescheidend, ihr Mönche, hebt ein Mönch weder sich selber

hervor, noch setzt er den Nächsten herab, und er redet der

Lehre gemäß, so dass sich kein entsprechender Folgesatz als

ungehörig erweisen kann.«

* * * * *

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche

über das Wort des Erhabenen.[12]

104.

Elfter Theil Vierte Rede

VOR SĀMAGĀMO

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande

der Sakker, bei Sāmagāmo.[13]

Die Reden Gotamo Buddhos. Mittlere Sammlung, dritter Band · 第 2 / 40 段