Sarah stand inmitten der Hervorragendsten. Hinter ihr waren die in
Empiretracht. Neben ihr stand ein großer, schlanker ‚Theodor Körner‘. Er
hielt den Lilienstrauß. Er wandte sich zu Nana und sagte: „Diese kleine
Josefine ist reizend.“ – Nana drehte ihm den Rücken. „Es ist die Dr.
med. von Saldern,“ sagte sie wegwerfend.
Sarah schien sich zu verabschieden. – „Ich werde sehr Freude haben, wenn
Sie kommen zu mir,“ sagte sie mit einem allerliebsten Lächeln.
Sie spricht doch sonst viel besser Deutsch, dachte Renée. ‚Theodor
Körner‘ reichte die Lilien in den Wagen. „Ihr Wagen hat nicht einmal ein
goldenes Dacherl,“ rief er hinterdrein. –
Im Wagen lachte Sarah, zehn Minuten lang ununterbrochen. „Es ist das
Komischste, was es gibt, o, es ist so komisch“ – ganz außer sich war
Sarah.
„Was ist denn nur?“ – Sarah lachte – lachte. Der Paradiesvogel auf ihrem
Kopf lachte.
„Sie waren so furchtbar alt und häßlich,“ sagte Sarah, „sie machten mir
so entsetzliche Komplimente; o, sie waren alle ganz verliebt in mich. –
Ich habe sie sämtlich eingeladen.“ – –
Die Damen mit dem ‚Schrei nach dem Kinde‘ kamen. Sie sprachen sehr viel
von dem ‚versagten Glück der Mutterschaft‘, das allen Frauen zugänglich
gemacht werden müsse. Sie sagten: „Es ist das Recht des Weibes, Mutter
zu sein.“ Dr. med. von Saldern schwieg und lächelte. Dann sagte sie: „Es
ist das Recht der Frau, reizend zu sein.“ Die mit dem ‚Schrei nach dem
Kind‘ rückten von ihr ab.
„Es ist durchaus unwichtig, ob dieser rein physiologische Zustand
vorhanden gewesen ist oder nicht,“ sagte die Dr. med. Die Bedeutende mit
der Blechstimme trat ihr entgegen. „Die Mutterschaft reift die Frau zu
ihren höchsten Möglichkeiten!“ sagte sie.
Renée ging zwischen ihnen herum und reichte die Teetassen. Und als sie
zum fünften Mal hörte, daß es das heiligste Recht sei, Mutter zu sein
und daß niemandem dieses Recht verkürzt werden dürfe, da bekam sie eine
Riesenlust, in all das banale und aufgeblasene Zeug hineinzufahren, das
sich so maßlos wichtig gebärdete.
„Wenn man nun gar nicht Lust hat auf dies ‚heilige Recht‘?“ sagte sie.
Die Damen betrachteten sie indigniert. „Nicht Lust,“ sagten fünf
herausfordernde Stimmen. Renée mußte lachen. Es schien, sie hatten alle
sehr Lust. – „Ich habe gar keine Lust zum Beispiel,“ sagte sie
freundlich.