Renée wurde böse: „Es steht dir jederzeit frei, dir eine lustigere
Gesellschafterin zu nehmen.“ Diesmal lief Renée hinaus. Diesmal warf
Renée die Türen. –
Renée und Nana waren im Grunewald. Sie saßen da an einem Waldgraben mit
dem Rücken gegen den Weg. „Ich möchte ein wunderschönes Buch geschrieben
haben,“ sagte Nana plötzlich, „möchte Dr. h. c. werden, möchte ein
wahnsinniges Geld verdienen.“
„Ich denke, du wolltest den Krebserreger entdecken.“ – „Ja ja, das wäre
gar nicht uneben. Aber das Geld, das ich dann hätt. Ach Unsinn.“
„Na, also dann irgend eine andere Medicinae Großtat.“
Nana schüttelte die Locken auf ihrem runden Kinderkopf: „Studieren werd
ich schon, aber entdecken werd ich nix, das kannst du glauben.“
„Wie bist du denn eigentlich darauf verfallen?“
Nana legte sich lang in den Graben hinein und kugelte sich behaglich hin
und her.
„Man verdient am meisten. Ich habe nämlich ein Vorerbe von Großmama. Das
reicht gerade so zur Ausbildung und Anschaffung der Instrumente. –
Nachher muß ich verdienen. Ich habe keine Lust, arm zu leben und zu
sterben.“
Nana machte eine Pause, sie zupfte Gräser ab, die sie in den Mund
steckte. „Überhaupt ist es sehr ungut, arm zu sein. Man dreht jeden
Groschen in der Hand herum. Man wird geizig und kleinlich gegen sich und
andere. Es verdirbt den Charakter, ebenso wie ungute Liebe.“
„Eine eigenartige Zusammenstellung,“ sagte Renée.
Nana lächelte: „Nein, das ist auch Armut, so eine ärmliche Liebe. Weißt
du, Renée, ich finde, die Männer haben es maßlos gut.“
„Ach – findest du.“
„Ja“ – ganz eifrig wurde Nana – „denke nur: Frau und Kinder können sie
haben und ernähren und kleiden. Alles kommt vom Mann. Jeden Groschen hat
_er_ verdient, und nun kann er der Frau und den Kindern alles geben,
jedes einzelne ist seine Arbeit, was er ihnen gibt, und ein Stück von
ihm. Und dadurch nimmt er sie alle ganz zu eigen, und sie hängen ganz
von ihm ab.“
„Das sagst du ja ganz verklärt, Nana.“
Nana richtete sich halb auf: „Es ist das Schönste,“ sagte sie, „wenn der
Mensch, den man liebt, ganz von einem abhängt in allen Dingen.“
„So ein Vampir bist du!“