„Doch, Herr von Schoenburg. Sie hält mich von nichts zurück. Sie würde
mir geben, was ich verlangte.“
Schoenburg lächelte: „Sie wissen gar nicht, was Sie verlangen. Und –
Sarah kann es Ihnen keineswegs geben. Außerdem, daß sie sich gar nicht
die Mühe nimmt.“
Er sagte: „Sie werden zugrunde gehn an Sarahs unbeweglicher
Liebenswürdigkeit, eben wie er.“
„Nein. Denn er liebte sie, während ich – nun ich mag sie gern.“
„Sie wissen das nicht,“ sagte Schoenburg.
Aber Renée lachte – lachte.
Schoenburg sah sie vorwurfsvoll an. „Mir scheint, ich reize Ihre
Lachmuskeln ungeheuer. Ich bin ein wenig gekränkt, Fräulein von Catte.“
Renée beruhigte ihn. Gar nicht sollte er gekränkt sein. Im Gegenteil.
Und sie wisse ihm allen Dank.
„Nur eigentlich was ist das Positive an Ihren Worten?“ frug Renée.
„Sehen Sie,“ antwortete er, „so ist es gut. Ich sage: gehen Sie fort,
ein wenig in die Welt, suchen Sie sich einen Beruf, eine Arbeit, eine
Nützlichkeit.“
Eigentlich traute Renée ihren Ohren nicht recht.
„Das sagen Sie, ein Gardekürassier-Oberleutnant, ich glaube gar, nun
dringt die Zersetzung schon in die obersten Schichten.“
„Ja ja, ich sage es. Und sage es, weil ich merke, daß Sie sich bei der
gewöhnlichen Art des tatenlosen Herumsitzens, wie es die jungen Mädchen
bei uns tun, nicht wohl fühlen und weil Sie sehr bald daran unglücklich
sein werden – – und weil ich dann auch sehr unglücklich wäre.“
Renée hob ein wenig die Augen und sah in sein helles, gutes Gesicht.
Sie gab ihm die Hand. Sie sagte: „Es ist recht und klug und sehr
freundschaftlich von Ihnen, Herr von Schoenburg. Ich will alles
überdenken.“
Schoenburg zog ein Druckheft aus seinem Ärmelaufschlag. Er sagte: „Wenn
ich Ihnen dies einmal hinterlassen darf. Es ist der Jahresbericht des
Frauen-Gymnasiums.“ Er schlug das Heft auf und tippte mit dem Finger auf
einen Namen: „Hier – Johanna von Ramin, genannt Nana, ist meine Cousine.
Sie ist ein sehr, sehr tüchtiger kleiner Kerl.“
„Kann ich sie nicht kennen lernen?“
Schoenburg strahlte. Ganz blinkend wurden seine Augen. „Also morgen
komme ich mit ihr zum Tee. Paßt es?“
„Das ist hübsch, ich –“
„Also begleitest du deine Cousine nun hübsch anständig ins Esplanade?“
rief Gräfin Saurma von nebenan.
Schoenburg verabschiedete sich. Er küßte Renée die Hand und sagte: „Auf
Wiedersehn morgen zum ^five o’clock^.“ –
Sarah war unzufrieden. Sarah sagte: „Diese Saurma schwätzt so viel. Was
geht es mich an, was der Kronprinz zu ihr gesagt hat. Mir ist es ganz
egal. In Amerika gibt man nicht so viel auf die Äußerungen junger
Leute.“
„Huh, sei doch nicht so grimmig, Sarah. Es ist doch ein solch schicker
und eleganter ‚junger Mann‘, der Kronprinz.“
„^Nonsense^,“ sagte Sarah. „Übrigens, Renée –“
„Ja was denn?“ – Sarah kam und legte die Hände auf Renées Schulter. „Ich
möchte auch ins Esplanade!“
„Wart doch noch ein bißchen, Sarah.“
Sarah machte Fäuste. Ganz fest kniff sie die Finger zusammen. – „O, ich
möchte vergehn,“ sagte sie.