Der Kongress tanzt wohl, aber geht nicht".--

* * * * *

H. v. ~Treitschke~ ("Hist. u. polit. Aufs.", 4. Aufl., Lpz. 1871, I,

171) sagt in "Hans von Gagern" (München 1861): "Man kennt *Blücher*s

Toast nach Waterloo (18. 6. 1815):

*Mögen die Federn der Diplomaten nicht wieder verderben, was das

Volk mit so grossen Anstrengungen errungen!"--*

* * * * *

Über den Ausdruck:

*den Schwerpunkt nach Ofen verlegen*

sagt der namenlose Verfasser (Kertbeny, ~Benkert~) der "Spiegelbilder

der Erinnerung" (1869. III, S. 189, in der "Geschichte eines

Stiefgrossvaters"):

"Österreichs Schwerpunkt liegt in Budapest. Dies 'geflügelte Wort'

sprach zuerst dessen Erfinder *Friedrich von Gentz* 1820 im Kabinete

~Metternichs~ aus; im ungarischen Reichstage erklang dies Schlagwort

zuerst aus dem Munde des grossen Grafen ~Széchenyi~; 1840 rief

~Massimo d'Azeglio~ dies Wort Österreich zu, um es zu bewegen,

seine fixe Idee des Besitzes von Oberitalien aufzugeben; dies Wort

sprach Graf Camillo ~Cavour~ 1857 in Compiègne aus, und diesen

guten Rat erlaubte sich Graf ~Bismarck-Schönhausen~ 1863 in einer

Zirkulardepesche Österreich schriftlich (?), 1866 praktisch auf dem

Schlachtfelde zu erteilen."

Graf ~Beust~ äusserte in der Sitzung der österreichischen Delegationen

vom 19. Aug. 1869, die Redensart entstamme einer Unterredung Bismarcks

mit dem österreichischen Gesandten ~Karolyi~.--

* * * * *

Karl von ~Holtei~ erzählt ("Vierzig Jahre" IV, 61; vrgl. VI, 137;

2. Aufl. 1859), Zacharias *Werner* (1768-1823) pflegte "in Zeiten

seiner Wiener Heiligkeit", (also von 1814 an bis zu seinem Tode, 1823)

~Goethe~ nur mit

*d*(_ies_)*er grosse Heide*

zu bezeichnen ["ein Ausdruck, den der liebenswürdige Grillparzer--wenn

er Werners ostpreussischen Dialekt nachahmt, unwiderstehlich!--gar

nicht vergessen kann"]. Dies mag ~Heine~ zu Ohren gekommen sein, von

dem ~Goethe~ ("Norderney 1826. "Ges. W." her. v. Strodtmann 1, 138

u.a.a.O.) auch öfters "der grosse Heide" genannt wird, bis er dann in

seinem Buche "Über Deutschland", 1834 ("Ges. W." 5, 228) meint, "man"

lege diesen Namen ~Goethe~ bei, doch sei er "nicht ganz passend" wegen

des unverkennbaren Einflusses des Christentums auf diesen Dichter.

~Goethes~ "Heidentum" betonte übrigens schon vor ~Werner~ im Jahre 1811

(aus Dresden am 24. Mai an J. Bertram; vrgl. "Sulp. Boisserée" Stuttg.

1862, 1, 129) Sulpice ~Boisserée~, ohne jedoch vom "grossen Heiden" zu

reden.--

* * * * *

Es wird behauptet, dass die letzten Worte, die *Goethe* am 22. März

1832 vor seinem Tode sprach:

*Mehr Licht!*

gewesen seien; er soll jedoch eigentlich gesagt haben: "Macht doch den

zweiten Fensterladen auch auf, damit mehr Licht hereinkomme".--

* * * * *

Gustav ~Freytag~ erzählt in "~Karl Mathy~. Geschichte seines Lebens"

(Lpzg. 1872, S. 49), dass dieser 1831 als junger Kameralpraktikant eine

kleine Schrift "Vorschläge über die Einführung einer Vermögenssteuer in

Baden", Karlsruhe 1831, bei der badischen zweiten Kammer einreichte,

und dass seine Arbeit nach einem rühmenden Bericht Karl *Rotteck*s

(1775-1840) mit grosser Anerkennung unter der damals neuen Bezeichnung:

*Schätzbares Material*

der Kammerbibliothek einverleibt wurde. Dieses Wort fand Anklang. So

hielt am 15. Mai 1851 Fürst ~Schwarzenberg~ beim Schluss der Dresdener

Ministerkonferenzen eine Ansprache, in der es unter anderm hiess:

"Endlich liegen uns ~schätzbare Materialien~ vor, welche von den

aus unserer Mitte gewählten Kommissionen mit tiefer Sachkenntnis,

mit gründlichem Fleiss und dankenswerter Ausdauer zu tage gefördert

worden sind, und welche, wenn sie gehörig benutzt werden, zur

zweckmässigen Ausbildung und Verbesserung der Bundesverfassung, somit

zur Erstarkung und zur Wohlfahrt des Bundes wesentlich beitragen

können".

("Berliner Konstitutionelle Zeitung", 17. Juni 1851, Morgenausg.; 26.

Juni 1851, Abendausg.)--

* * * * *

Bei dem Festschmause in Halle im Jahre 1834 aus Anlass der Vollendung

des neuen Universitätsgebäudes erhielt der Oberleiter des Baues,

Oberbaurat *Matthias* seinen Toast. Kurz darauf erhebt er sich und

beginnt: "Meine Herren:

*Unvorbereitet wie ich bin-- --*

hm! hm!-- --Unvorbereitet wie ich bin-- --hm! hm!"--Weiter geht es

nicht, und er zieht harmlos aus seiner Brusttasche ein fertiges

Manuskript hervor, welches er in aller Gemütsruhe herunterliest.

Das erregte viel Heiterkeit, und das Wort ist in Halle zuerst zum

geflügelten geworden.[79] Die Wendung wird scherzhaft umgestaltet zu:

*Unvorbereitet wie ich mich habe.--*[80]

[Fußnote 79: ~Gutzkow~: "Rückblicke auf mein Leben", Berlin 1875, S.

242, führt die Redensart auf Fr. L. ~Schmidt~, Direktor des Hamburger

Stadttheaters, zurück, der bei seinem 25jährigen Direktionsjubiläum

1840 ganz wie Oberbaurat ~Matthias~ 1834 verfahren sein soll; doch nennt

Hermann ~Uhde~, der Herausgeber der "Denkwürdigkeiten von Fr. L.

Schmidt", Jena 1875 ("das Stadttheater in Hamburg", 1879, S. 132 u.

133) diese Gutzkowsche Anekdote einen bedauerlichen Irrtum.]

[Fußnote 80: In Linz bezeichnet man den verstorbenen Direktor des

dortigen Gymnasiums, Dr. ~Columbus~, als den Urheber dieses lapsus

linguae.]

* * * * *

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 403 / 438 题