*Alles Bösen Eckstein,
Alles Guten Grundstein,
Aller Deutschen Edelstein*
(in der Fassung "Des Guten Grundstein" etc., Inschrift an dem am 9.
Juli 1872 auf der Burg Nassau enthüllten Steindenkmale) rührt nach
einer "Biographie Steins" des Freiherrn A. v. ~Seld~ (s. H. ~Pröhles~
"Germania", S. 289) von dem Geheimen Ober-Regierungsrat *Süvern*
(1775-1829) in Berlin her. Der Spruch wurde nach Streckfuss ("500 Jahre
Berliner Geschichte" X. Abt., 5. Kap., 3. Aufl., 1880) im Jahre 1808
bekannt. (Wodurch?) In ~Schmidts~ "Neuem Nekrolog der Deutschen", 9.
Jahrgang (1831), stehen unter einem Stahlstiche des Freiherrn vom Stein
die Worte:
*Des Rechtes Grund-Stein,
Dem Unrecht ein Eck-Stein,
Der Deutschen Edel-Stein.*
S. 572 stehen dieselben Worte als Motto von Steins Biographie. In den
"Erinnerungen an Minister vom Stein" (Altenburg 1832) befindet sich
sein Titelbild mit derselben Unterschrift, und in "Steins Lebensabend"
von Dr. ~Wiesman~ (Münster 1831, S. 35) heisst es: "Noch von einer
späten Nachwelt wird mit hoher Achtung genannt werden der edle Name
dieses grossen Mannes, unter dessen Bild die dankbaren Zeitgenossen die
bedeutungsvollen und treffenden Worte setzten:
Freiherr von Stein,
Des Rechtes Grund-Stein,
Dem Unrecht ein Eck-Stein,
Der Deutschen Edel-Stein".
Sicherlich dachte der Verfasser des Steinspruchs dabei an Jesaias 28,
16: "... ich lege in Zion einen Grundstein, einen bewährten Stein,
einen köstlichen Eckstein ..." (s. Kap. I).--
* * * * *
*Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!*
(Erweiterung des Ausdrucks in Psalm 73, 19: "ein Ende mit Schrecken
nehmen") rief Ferdinand *von Schill* (1776-1809) am 12. Mai 1809 auf
dem Marktplatze von Arneburg an der Elbe der begeisterten Schar zu, die
ihm von Berlin aus nachgezogen war. (~Haken~ in "Ferdinand von Schill",
Lpz. 1824, Bd. 2, S. 88, setzt hinzu: "Dieser Ausdruck war seiner
Vorstellung so geläufig, dass er sich desselben zum öftern bediente".)
Es berührt komisch, dass schon ~Aesops~ Hasen (Halm 237 c) ähnlich
sagen: "βέλτιον ... θανεῖν ἅπαξ ἢ διὰ βίον τρέμειν",
"Besser auf einmal sterben, als sein Leben lang in Schrecken sein".
Dies scheint aus ~Homer~ zu stammen, bei dem wir Il. 15, 511 lesen:
βέλτερον, ἢ ἀπολέσθαι ἕνα χρόνον ἠὲ βιῶναι,
ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ἐν αἰνῇ δηιοτῆτι.
Besser, die Wahl des Todes beschleunigen oder des Lebens, Als so lang'
hinschmachten in schreckensvoller Entscheidung. und Odyss. 12, 350:
Βούλομ' ἅπαξ πρὸς κῦμα χανὼν ἀπὸ θυμὸν ὀλέσσαι,
ἢ δηθὰ στρεύγεσθαι ...
Lieber will ich auf einmal den Geist in den Fluten verhauchen,
Als noch lang' hinschmachten...--
* * * * *
1811 verteidigte Finanzminister Graf *Wallis* in Wien eine Verfügung,
durch die er die Reduzierung der Bankozettel auf ein Fünftel ihres
Nennwerts anordnete, ~Metternich~ im Ministerrate gegenüber unter
andern mit den Worten:
*Was gemacht werden kann, wird gemacht.--*
* * * * *
Den Namen "Schar der Rache" gab Major Freiherr Ludwig Adolf Wilhelm
*von Lützow* (1782-1834) im Freiheitskriege der von ihm gesammelten
Freischar. Gewöhnlich wird citiert:
*Korps der Rache.--*
* * * * *
In der Beilage III, Abs. 5 zu *Friedrich Wilhelm III.* (reg. 1797-1840)
Verordnung vom 17. März 1813 über die Organisation der Landwehr (gedr.
in d. Hartungschen Holbuchdruckerei) heisst es: "Jeder Landwehrmann
wird als solcher durch ein Kreuz von weissem Blech mit der Inschrift
*Mit Gott für König und Vaterland*
bezeichnet, welches vorn an der Mütze angeheftet wird". "Pro deo,
rege et patria" (Für Gott, König und Vaterland) war nach der Berliner
Zeitschrift "Der Bär" (1879, No. 16) schon 1701 der Wahlspruch einer
Landmiliz zu Bernau bei Berlin.--
*So fluscht et bäter,* _oder_: *Dat fluscht bäter*
(So geht es besser von statten)
rief in der Schlacht bei Grossbeeren am 23. Aug. 1813 die pommersche
Landwehr, die im Regen unbrauchbaren Flinten umkehrend und mit
Kolbenschlägen auf die Schädel der Feinde einhauend.
In Gustav ~Partheys~ "Jugenderinnerungen" (1871; I, 397) heisst es
über einen Hauptmann von Rode: "Keinen grösseren Gefallen konnte
er seinen Leuten thun, als wenn er ihnen erlaubte, die Gewehre
umzukehren und mit dem Kolben zu arbeiten. 'Det fluscht besser'!
pflegten sie in ihrem Plattdeutsch zu sagen, und diese Redensart
ist lange in manchen Berliner Kreisen einheimisch gewesen, ja man
erzählte sich, dass auch dem Kronprinzen von Schweden dieses seltsame
Wort zu Ohren gekommen, und er sich nach der Bedeutung erkundigt.
Als man ihm dieselbe deutlich gemacht, habe er zu den Pommern und
Uckermärkern gesagt: Eh bien, flouchez toujours!"--
* * * * *
Nach v. ~Treitschke~ ("Deutsche Gesch. im 10. Jahrh.", Lpz. 1879, 1.
B., S. 504) wurde ~Blücher~ am 19. Okt. 1813, während er die Russen
gegen das Gerberthor in Leipzig führte, zum ersten Male von den Kosaken
mit dem Ehrennamen begrüsst:
*Marschall Vorwärts!--*
* * * * *
Am 23. Nov. 1814 schrieb Jacob ~Grimm~ an seinen Bruder Wilhelm
(Briefwechs. d. Brüd. Grimm. Weimar 1881) vom Wiener Kongress her,
der im September begonnen hatte: "Wie dieser Tage der prince de Ligne
sagte: "le congrès danse beaucoup, mais il ne marche pas". Gewöhnlich
wird dies Spottwort des österreichischen Feldmarschalls ~Karl Josef
Fürst~ von *Ligne* († Dez. 1814) in der Form citiert:
*Le congres ne marche pas, il danse.*
~Varnhagen von Ense~ ("Galerie v. Bildnissen aus Rahels Umg. u.
Briefwchs." Lpz. 1836. I, 92) schreibt: "Der Fürst von Ligne erlebte
noch den grossen Kongress von Wien, wo die Feste leichter als die
Geschäfte in Gang kamen, und sein berühmtes Wort veranlasst wurde: