als Spitznamen geführt haben. ~Adolf Schmidt~ ("Pariser Zustände
während der Revolutionszeit von 1789-1800", Jena 1874, T. I, No. 12:
"Die Mythe von der Jeunesse dorée") weist aber nach, dass der Ausdruck
nur einmal von dem Romanschreiber ~Pagès~ im zweiten, anfangs 1797
erschienenen Teile seiner "Geheimen Geschichte der französischen
Revolution" in der Form: "die Pariser Jugend, welche man auch la
jeunesse dorée nannte" gebraucht wurde, ohne je weiter vorzukommen,
bis im Jahre 1824, gleichsam mit einem Schlage, die Taufe der Pariser
Jugend der Revolutionszeit als "Jeunesse dorée" durch ~Mignet~,
~Thiers~, ~Thibaudeau~ und ~Prudhomme~ vollzogen ward. Wir bezeichnen
heute damit die üppige Jugend der Hauptstädte.--
* * * * *
*Ils n'ont rien appris ni rien oublié*
*Sie haben nichts gelernt und nichts vergessen*
schrieb 1796 *de Panat* an ~Mallet du Pan~ ("Mém. et Corresp. de Mall.
du Pan." rec. p. Sayous. II, 197).--
* * * * *
*La grande nation*
*Die grosse Nation*
nannte General *Bonaparte* die Franzosen in der Proklamation, die er
1797 beim Verlassen Italiens an die Italiener richtete (s. Lanfrey:
"Nap. I." 1, 10 Anf.). Er wiederholte es oft[72] und hat noch am
31. Okt. 1816 auf St. Helena vor Las Cases (s. dess. "Mémorial de
Sainte Hélène") behauptet, er sei der Erfinder des Wortes. Ob er
es wirklich war, lässt sich bezweifeln; denn (nach ~Glaser~: "Graf
Joseph Maistre" Berl. 1865. S. 17) schrieb J. ~Maistre~ schon 1794 an
Vignet des Etoles: "Was ihren Hochmut betrifft, so bedenken Sie nur,
dass es unmöglich ist, Glied einer ~grossen Nation~ zu sein, ohne es
zu fühlen" ... und auch ~Goethe~ brauchte den Ausdruck "~die grosse
Nation~" von den Franzosen bereits in den 1793 und 1795 geschriebenen
"Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten". ~Napoléon III.~ aber hob die
Autorschaft seines Oheims ausdrücklich in dem Schreiben hervor, das
er u. d. 12. Apr. 1869 zur Verherrlichung von dessen 100. Geburtstage
durch eine Pensionserhöhung der Veteranen an den Minister Rouher
richtete.--
[Fußnote 72: Vrgl. ~Laurent~: "Gesch. d. Kais. Nap." K. 6; ~Lanfrey~
III, 4: ~Häusser~: "Deutsch. Gesch." 3. Aufl. II, 575-6: "Une année de
la vie de l'Emp. Napol." p. A. D. B. M. ..., lieut. de grenad. 3. Ausg.
Berl. 1816. S. 142, 3; ~Hinrichs~: "Polit. Vorles." Halle 1843. I, 224.]
* * * * *
*C'est plus qu'un crime, c'est une faute,*
Das ist mehr als ein Verbrechen, das ist ein Fehler,
soll Polizeiminister *Fouché* (1763-1820), andere nennen ~Talleyrand~,
über die Hinrichtung (20. 3. 1803) des Herzogs ~d'Enghien~ durch Konsul
~Bonaparte~ gesagt haben.--
* * * * *
~Barère~ ("Mémoires", Par. 1842, T. 4, p. 447) erzählt, dass
*Talleyrand* (1754-1838) 1807 in einer Unterredung mit dem spanischen
Gesandten ~Jzquierdo~, der ihn an seine zu Gunsten Karls IV. von
Spanien gemachten Versprechungen erinnerte, gesagt habe:
*La parole a été donnée à l'homme pour déguiser sa pensée.*
*Die Sprache ist dem Menschen gegeben, um seine Gedanken zu
verbergen,*
was als eine witzige Umdrehung des Satzes von ~Molière~ ("Le mariage
forcé" Sc. 6. Pancrace) erscheint:
"La parole a été donnée à l'homme pour expliquer sa pensée."
Heinrich ~Heine~ hingegen schreibt ("Ideen. Das Buch Le Grand" 1826.
Kap. XV; Ges. W. I, 296) ersteres Wort ~Fouché~ in der Form zu:
*Les paroles sont faites pour cacher nos pensées.*
Vor ~Talleyrand~ und ~Fouché~ jedoch liess ~Voltaire~ (Dialog 14 "Der
Kapaun und das Masthuhn") den Kapaun sagen: "Die Menschen bedienen
sich des Gedankens nur, um ihre Ungerechtigkeiten zu begründen, und
sie wenden die Worte nur an, um ihre Gedanken zu verbergen"; und vor
Voltaire sagte ~Young~ († 1765) in der Satire "Universal passion, the
love of fame", II, v. 207:
Where nature's end of language is declined,
And men talk only to conceal the mind.
Wo man den Zweck der Sprachnatur verneint
Und man nur spricht, zu hehlen, was man meint.
Der Gedanke ist den Alten entlehnt; denn schon in der Spruchsammlung
des sogenannten ~Dionysius Cato~ lautet das 26. Distichon des 4. Buches:
Perspicito tecum tacitus quid quisque loquatur;
Sermo hominum mores et celat et indicat idem;
Ganz im Stillen bedenk' es mit dir, was Einer gesprochen;
Menschliche Rede verhüllt die Gesinnung so, wie sie sie anzeigt;
nachdem längst zuvor ~Plutarch~ ("de recta ratione audiendi" c. 7,
p. 41 D.) bemerkte: αἱ δὲ τῶν πολλῶν διαλέξεις καὶ μελέται
σοφιστῶν ... τοῖς ὀνόμασι παραπετάσμασι χρῶνται τῶν διανοημάτων ...
(Die meisten Sophisten brauchen in ihren Streitübungen und Kunstreden
die Worte als dichten Schleier für die Gedanken.)--
* * * * *
*Der Kaffee muss heiss wie die Hölle, schwarz wie der Teufel, rein
wie ein Engel, süss wie die Liebe sein*
und:
*Surtout pas de zêle!*
Vor allen Dingen keinen Eifer!
oder:
*Pas trop de zêle!*
Nur nicht zu viel Eifer!
oder:
*Trop de zêle!*
Zu viel Eifer!
sind Worte, die auch auf ~Talleyrand~ zurückgeführt zu werden pflegen;
und für dessen Abneigung gegen grosse Dienstbeflissenheit giebt Mdme
de Rémusat (Mémoires, 1880, Bd. 3, S. 174) allerdings die Quelle mit
Talleyrands Worten an seinen Nachfolger Champagny, als er ihm die
Ministerialbeamten vorstellte: "Vous les trouverez fidèles, habiles,
exacts, ~mais, gràce à mes soins, nullement zélés~". Sie fügt hinzu,
dass Talleyrand dies dann dem Kaiser erzählte, der darüber lachte.--
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*Légitimité, Legitimität*
für: "Recht der angestammten Fürsten" ist nach ~Thiers~ ("Consulat
et Empire", t. XVIII, p. 445) eine von ~Talleyrand~ erfundene
Bezeichnung.--
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Als am 7. Sept. 1812 an der Moskwa die Sonne aufging, rief *Napoléon
I.* seinen Offizieren mit den Worten
*Voilà le soleil d'Austerlitz!*
*Das ist die Sonne von Austerlitz!*
die siegreiche Schlacht vom 2. Dez. 1805 ins Gedächtnis zurück, (vrgl.
~Ségur~ "Hist. de Napol. et de la grande armée pend. l'année 1812",
VII, 9.)--
*Du sublime au ridicule il n'y a qu'un pas*
*Vom Erhabnen zum Lächerlichen ist nur ein Schritt*
sagte ~Napoléon I.~ auf seiner Flucht aus Russland mehrmals zu seinem
Gesandten ~de Pradt~ in Warschau (Dez. 1812).[73] Er gab damit nur
einem oft dagewesenen Gedanken seine bleibende Form. ~Marmontel~ (†
1799) sagte bereits: "En général, le ridicule touche au sublime"
(Oeuvr., t. V, p. 188). ~Wieland~ ("Die Abderiten", Bd. 3, Kap. 8;
1774): "Die ~Dummheit~ hat ihr ~Sublimes~ so gut als der Verstand, und
wer darin bis zum ~Absurden~ gehen kann, hat das Erhabne in dieser Art
erreicht, was für gescheute Leute immer eine Quelle von Vergnügen ist,
und ~Thomas Paine~ ("The age of reason", 1794, T. II. g. E. Anm.):
"Wenn Schriftsteller und Kritiker vom Erhabnen sprechen, so sehen sie
nicht, wie nahe es an das Lächerliche grenzt".--
[Fußnote 73: S. ~de Pradts~ "Hist. de l'ambassade dans le Grandduché
de Varsovie en 1812", Berl. 1816.--Schon in den "Mémoires de Madame de
Rémusat 1802-8", publiés par son petit-fils Paul de ~Rémusat~, Paris
1880, T. III, p. 55 u. 56 heisst es: "Bonaparte hat oft gesagt, dass
nur ein Schritt vom Erhabenen zum Lächerlichen wäre".]
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