Das ~Napoléon I.~ zugeschriebene Wort

*Tout soldat français porte dans sa giberne le bâton de maréchal

de France*

Jeder französische Soldat trägt den Marschallstab in seiner

Patronentasche

steht in "La vie militaire sous l'Empire" par E. ~Blaze~, (Par. 1837)

1, S. 5 und wird S. 394 in der Form wiederholt: "Nous avons tous un

brevet de maréchal de France dans notre giberne". Nach den "Mémoires

de Madame de Rémusat 1802-1808" (T. III., Paris 1880, p. 86 u. 87)

wurden die Nachrichten aus Deutschland 1806 nach der Schlacht bei

Jena aus einer Stadt Braunschweigs vom Briefe eines vermeintlichen

Soldaten begleitet, in dem es heisst: "Nichtsdestoweniger ist es wahr,

sagte man, dass ein Soldat, welcher zu sich sagen kann: Es ist nicht

unmöglich, dass ich Marschall, Fürst oder Herzog wie jeder Andre werde,

durch diesen Gedanken ermutigt werden muss".--

* * * * *

*Die soziale Frage*

ist, wie von ~Treitschke~ in einer Vorlesung "Über den Sozialismus"

am 5. März 1879 lehrte eine von ~Napoléon I.~ erfundene und später

auch von ~Napoléon III.~ angewendete Phrase, die zum Klappern der

demokratischen Tyrannei gehörte.--

* * * * *

Man liess den *Grafen von Artois*, später *Karl X.*, in der

"Restauration" im Moniteur mit einem Programme debütieren, das

gewöhnlich umgestaltet wird zu:

*Il n'y a rien de changé en France, il n'y a qu'un Français de

plus,*

Es ist Nichts in Frankreich geändert, es ist nur ein Franzose mehr

vorhanden.

Es ist dies aber dem Grafen ~von Artois~ untergeschoben nach der

"Revue contemporaine" vom 15. Febr. 1854 (S. 53), wo *Beugnot*, der

zeitweilige, mit der Leitung der Regierungspresse beauftragte Minister

des Innern, folgende Entstehungsgeschichte des Wortes giebt. Er hatte

den Grafen ~von Artois~ am Tage seines Einzuges, 12. April 1814, gegen

11 Uhr abends verlassen, um sich zu Herrn ~von Talleyrand~ zu begeben.

"Ich fand ihn", erzählt er, "mit den Herren Pasquier, Dupont de

Nemours und Angles im Gespräch über den Verlauf des Tages, den man

einstimmig als vortrefflich anerkannte. Talleyrand erinnerte daran,

dass nun auch ein Artikel im Moniteur notwendig wäre, und Dupont

bot sich an, ihn zu verfassen. 'Nein', erwiderte Talleyrand, 'er

würde zu poetisch ausfallen. Ich kenne Sie. Beugnot ist der Mann

dazu. Er kann gleich ins Bibliothekzimmer gehen und schnell einen

Artikel schreiben, den wir dann an Sauvo schicken'.--Ich mache mich

an die Arbeit, die erst nicht schwierig war. Als ich aber an die

Antwort des Prinzen auf Talleyrands Anrede komme, stocke ich. Einige

einem tiefen Gefühle entsprungene Worte machen durch den Ton, in

dem sie gesagt werden, durch die Gegenwart der Dinge, durch die sie

veranlasst worden sind, Eindruck; handelt es sich aber darum, sie

ohne diese Umgebung aufs Papier zu bringen, so sind sie kalt, zum

Unglück vielleicht lächerlich. Ich gehe also zu Talleyrand zurück und

teile ihm meine Verlegenheit mit. 'Nun', antwortete er, 'was hat denn

der Prinz gesagt?'--'Nichts Erhebliches; er schien mir sehr bewegt

und vor allen Dingen bestrebt, seinen Zug fortzusetzen'.--'Nun,

wenn Ihnen das, was er gesagt, nicht passt, so machen Sie ihm eine

Antwort'.--'Eine Rede, die er nicht gehalten hat?'--'Da ist doch

keine Schwierigkeit. Machen Sie eine gute, zu der Person und zu dem

Augenblick passende Rede, und ich bürge dafür, der Prinz heisst

sie gut und wird nach zwei Tagen glauben, er hat sie gehalten. Er

wird sie gehalten haben, und von Ihnen wird nicht weiter die Rede

sein'.--Gut.--Ich gehe, versuche eine zweite Fassung und bringe

sie zur Censur zurück.--'Das geht nicht', sagt Talleyrand, 'der

Prinz macht keine Antithesen und erlaubt sich nicht die geringste

Redefloskel. Seien Sie kurz, einfach und sagen Sie etwas, was für

die Redenden und Zuhörenden mehr passt, weiter nichts'.--'Mir

scheint', fiel Pasquier ein, 'dass viele Gemüter von der Furcht vor

den Veränderungen bewegt sind, welche die Rückkehr der bourbonischen

Prinzen veranlassen muss; vielleicht müsste man diesen Punkt zart

berühren'.--'Sehr gut', sagte Talleyrand, 'das empfehle ich Ihnen

auch'. Ich versuche eine andere Redaktion und werde zum zweiten

Male abgewiesen, weil ich mich nicht kurz gefasst habe und der Stil

gekünstelt sei.--Endlich gelingt mir folgende, ~die im Moniteur

abgedruckt ist, und wo ich den Prinzen sagen lasse~: 'Kein Zwist

mehr, Friede und Frankreich. Endlich sehe ich es wieder! und nichts

ist darin geändert, ausser dass ~ein~ Franzose mehr vorhanden ist'

(et rien n'y est changé, si ce n'est qu'il s'y trouve un Français de

plus). 'Dies Mal ergebe ich mich', sagte endlich der grosse Tadler.

'Dies ist die Rede des Prinzen. Ich sage gut dafür, dass er sie

gehalten hat. Sie können jetzt ruhig sein'."

In der "Revue rétrospective", 2. série, t. IX., p. 459 heisst es: "Der

Graf von Artois, der am folgenden Tage die Erzählung seines Einzuges

las, rief aus: 'Das habe ich ja nicht gesagt'. Man machte ihn darauf

aufmerksam, dass er es notwendigerweise gesagt haben müsse, und die

Redensart blieb historisch".--

* * * * *

Das Wort, welches General ~Cambronne~ in der Schlacht bei Waterloo (18.

Juni 1815) gesagt haben soll:

*La garde meurt et ne se rend pas,*

*Die (alte) Garde stirbt und ergiebt sich nicht,*

hat er selbst, der sich bei Waterloo ergab und nicht blieb, stets auf

das Entschiedenste in Abrede gestellt. Trotzdem hat man die Statue,

welche ihm in seiner Geburtsstadt Nantes errichtet wurde, mit dem

Ausspruche geziert. Nach ~Fournier~ ("l'Esprit dans l'histoire", 2.

Ausg., Paris 1860, S. 361) ist der Journalist *Rougemont* der Erfinder

dieses Wortes, das er am 19. Juni 1815 im "L'Indépendant" abdrucken

liess.[74] Übrigens erhoben die Söhne des Generals ~Michel~ gegen die

Inschrift an Cambronnes Statue Protest und beanspruchten die Worte für

ihren Vater.--

[Fußnote 74: S. ~Larousse~ "Fleurs historiques", p. 440 bis 447; des

Obersten ~Dehnel~ "Erinnerungen deutscher Offiziere in britischen

Diensten aus den Kriegsjahren von 1805-1816"; "Das Leben des Freiherrn

Hugh von Halkett, königlich hannoverschen Generals der Infanterie.

Nach dessen hinterlassenen Papieren und Quellen entworfen von E. ~von

dem Knesebeck~, königlich hannoverschen Generalmajor", Stuttgart 1865;

General ~von Fransecky~ "Militair-Wochenblatt", 25. April 1876. Nach

Roger ~Alexandre~ "Le Musée de la conversation" (1892, p. 158) hätte

die Phrase zuerst am 24. Juni 1815 im "Journal genéral de la France"

gestanden.]

* * * * *

Man nennt das Zwischenreich von 1815:

*Les Centjours,*

*Die Hunderttage,*

obgleich es über diese Zeit hinausging. Die Schuld trägt der

~Seinepräfekt~, der *Ludwig XVIII.*, (reg. 1814-24), der am 19. März

aus Paris entschwunden war, bei seinem Wiedereinzuge am 8. Juli als

schlechter Rechner in seiner Anrede "hundert Tage" aus Paris abwesend

sein liess.--

Derselbe Monarch nannte bald nach dem Einzuge dankbar die gefügige

zweite Kammer

*Chambre introuvable*

eine Kammer, wie sie sich so leicht nicht wiederfindet.

Später jedoch, als sich die Gefügigkeit bis zu unbequemem Fanatismus

steigerte, eignete sich der Hohn den Ausdruck für jede Kammer an, die

monarchischer sein will als der Monarch.--

*L'exactitude est la politesse des rois*

*Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige*

ist auch ein Wort ~Ludwigs XVIII.~ (vrgl. Oelsners Brief aus Paris v.

8. Juli 1817 im "Briefw. zw. Varnhagen v. Ense und Oelsner" I, 119 und

"Souvenirs de J. Laffite" Par. 1844. I, 150).--

* * * * *

~Las Cases~ teilt im "Mémorial de Sainte Hélène" (Paris 1823-24) unter

dem 8. April 1816 folgendes Wort mit, das ~Napoléon I.~ ihm gegenüber

aussprach:

_Bei dem gegenwärtigen Zustande der Dinge kann ganz_ *Europa binnen

zehn Jahren kosakisch* _sein_ *oder* _ganz_ *republikanisch* (_toute

en républiques).--

* * * * *

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 388 / 438 题