Ebenda (§ 12) führt ~Plinius~

*Nulla dies sine linea!*

Kein Tag sei ohne einen Strich!

auch auf ~Apelles~ zurück, der sich täglich wenigstens etwas in

seiner Kunst üben wollte. (Die Stelle bei ~Plinius~ lautet: "Apelli

fuit alioqui perpetua consuetudo nunquam tam occupatum diem agendi,

ut non lineam ducendo exerceret artem, quod ab eo in proverbium

venit", "Apelles machte es sich zur stehenden Gewohnheit, keinen Tag

vorübergehen zu lassen, ohne sich wenigstens durch einen Strich in

seiner Kunst geübt zu haben, was durch ihn sprichwörtlich wurde).--

Endlich bietet uns ~Plinius~ dort des ~Apelles~ Zornruf:

*Schuster, bleib' bei deinem Leisten!*

wie wir das lateinische

*Ne sutor supra* (_nicht: ultra_) *crepidam!*

frei übersetzen. Apelles nämlich pflegte die von ihm vollendeten

Gemälde für die Vorübergehenden so auszustellen, dass er dahinter

versteckt ihre Urteile zu hören vermochte. Ein Schuhmacher tadelte

nun einmal, dass die Schuhe auf dem Bilde eine Öse zu wenig hätten,

und Apelles brachte die fehlende an. Als dann aber der Tadler, stolz

auf diesen Erfolg, auch den Schenkel zu bemängeln sich unterfing,

rief der unwillige Maler hinter dem Bilde hervor: "Was über den Schuh

hinausgeht, muss der Schuster nicht beurteilen", (vrgl. ~Valerius

Maximus~ 8, 12, externa 3 u. Athenaeus "Deipnosophisten" 8.)--

* * * * *

*Εὕρηκα!*

Ich hab's gefunden!

rief (nach ~Vitruvius~ IX, im Anfang) *Archimedes* aus, als er bei der

Untersuchung des Goldgehaltes einer für König Hiero II. von Syrakus

(reg. 269-215) angefertigten Krone das Gesetz des specifischen Gewichts

entdeckte. Zwei andere Aussprüche des ~Archimedes~ sind:

δός μοι ποῦ στῶ καὶ κινῶ τὴν γῆν

(nach Pappos, ed. Hultsch, L. VIII, p. 1060), oder (nach Simplicius in

Phys. ed. Brandis, S. 424 a):

δός μοι πᾶ βῶ καὶ κινῶ τὰν γᾶν

gieb mir einen Punkt, wo ich hintreten kann, und ich bewege die

Erde!

oder (nach Tzetzes, hrsg. v. J. Bekker):

δόμμυ πᾶ βῶ καὶ χαριστίωνι τὰν γᾶν κινάσω πᾶσαν

gieb mir einen Punkt, wo ich hintreten kann, so will ich mit

meinem Werkzeug die ganze Erde bewegen,

und:

*Noli turbare circulos meos,*

*Störe meine Kreise nicht,*

womit er den auf ihn eindringenden Feind zurückwies, der ihn in

mathematischen Betrachtungen störte.

Im Valerius Maximus (8, 7, ext. 7) lautet die ~alte~ Lesart: "noli,

obsecro, istum circulum disturbare". In ~neueren~ Ausgaben ist nach

den besseren Handschriften das Wort "circulum" weggelassen. Nach

den Prolegomena eines ungenannten alten Autors zu dem Neuplatoniker

~Porphyrios~ (abgedr. in "Scholia in Aristotelem" von ~Brandis~,

Berl. 1836, S. 8) waren die Worte des Archimedes: "τὰν κεφαλὰν

καὶ μὴ τὰν γραμμάν". "Nimm meinen Kopf, aber lass unberührt, was

ich gezeichnet habe".--

* * * * *

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 368 / 438 题