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*Das Wasser trüben*
beruht auf *Phaedrus* (bl. etwa 30 nach Chr.), B. 1, Fab. 1, wo der am
oberen Laufe des Baches stehende Wolf komischerweise dem weiter unten
stehenden Lamme frech zuruft:
Cur (inquit), turbulentam fecisti mihi
Aquam bibenti?
Warum hast du mir, der ich trinke, das Wasser trübe gemacht?
Von "Schafen", die "schöne Borne" durch "darein treten" "trübe
gemacht" haben, ist übrigens auch die Rede ~Hesekiel~ 34, 18-19
(vrgl. 32, 2 und 13).--
Die Verse des ~Phaedrus~ (I, 10):
Quicumque turpi fraude semel innotuit,
Etiamsi verum dicit, amittit fidem ...
gab ~von Nicolay~ (1737-1820) in seinem Gedichte "Der Lügner" also
wieder:
Man glaubet ihm selbst dann noch nicht,
Wenn er einmal die Wahrheit spricht.
Danach hat sich die landläufig gewordene genauere Übertragung gebildet:
*Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht;
Selbst dann, wenn er die Wahrheit spricht.*
Dieser Gedanke wird schon dem ~Demetrius Phalereus~ (4. Jahrh. v.
Chr.) zugeschrieben von Stobaeus ("Florileg." 12, 18).--
Behandelt ein äusserst Minderwertiger eine gefallene Grösse schlecht,
so reden wir vom
*Eselstritt;*
denn, als der Esel sah, wie ~Phaedrus~ (1, 21) erzählt, dass Eber und
Stier den sterbenden Löwen ungestraft misshandelten, da schlug er ihm
mit den Hufen ein Loch in die Stirn.--
In der Fabel des ~Phaedrus~ (1, 24) "Der geplatzte Frosch und der
Ochse" (Rana rupta et bos) heisst es vom Frosch, dass er, "vom Neid
über solche Grösse erregt (tacta invidia tantae magnitudinis), sich so
lange aufgebläht habe (inflavit pellem), um ihr gleichzukommen, bis er
"mit geplatztem Leibe dalag" (rapto iacuit corpore). Daher sagen wir
von einem Dünkelhaften, er sei wie ein
*aufgeblasener Frosch,*
oder kurzweg, er sei
*aufgeblasen,*
oder:
*ein aufgeblasener Mensch;*
und daher stammt auch ~Martials~ in sechs Distichen (9, 98) zwölfmal
vorkommendes, gegen einen Neider seines Ruhmes gerichtetes "Rumpitur
invidia" und unser:
*Vor Neid bersten* _oder_ *platzen.*
Die Fabel war nicht des ~Phaedrus~ Erfindung. Schon ~Horaz~ kannte sie
(vrgl. "Sat." 2, 3, 314) und ~Vergil~ ("Ecl." 7, 26) lässt Thyrsis
singen:
"Pastores, hedera nascentem ornate poetam,
Arcades, invidia rumpantur ut ilia Codro."
"Schmücket, arkadische Hirten, den werdenden Dichter mit Epheu,
Dass dem Kodrus vor Neid die Eingeweide zerbersten".--
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*Valerius Maximus* (bl. um 30 n. Chr.) spricht im "Prologus" von sich
als
*mea parvitas,*
und ~Aulus Gellius~ (bl. um 150 n. Chr.) XII, 1, 24 sagt danach von
sich:
*mea tenuitas,*
*Meine Wenigkeit,*
was zuerst ~Opitz~ ("Prosodia Germanica oder Buch von der Teutschen
Poeterey", Kap. 5, Brieg 1624) gebraucht.--
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In des älteren *Plinius* (23-79 n. Chr.) "Natur. hist." 23, 8 heisst es
in einem Gegengiftrecept: "addito salis grano" (unter Hinzufügung eines
Salzkörnchens), was citiert wird umgestaltet in:
*cum grano salis*
(mit einem Salzkörnchen, d.h. mit einem Bischen Witz).
Ebenda (29, 19) meldet ~Plinius~ vom Basilisken, dass er den Menschen
tödten solle, wenn er ihn nur ansehe ("hominem si aspiciat tantum
dicitur interimere"). Daher unser:
*Basiliskenblick.*
(vrgl. unter Jesaias "Basiliskenei").--
Ein Wort, das ~Plinius~ häufig im Munde führte:
*Nullus est liber tam malus, ut non aliqua parte prosit,*
Kein Buch ist so schlecht, dass es nicht in irgend einer
Beziehung nütze,
wird vom ~jüngeren Plinius~ in B. 3, Ep. 5 mitgeteilt.
(vrgl. ~Varros~ (fr. 241, Bücheler): "neque in bona segete nullum
est spicum nequam, neque in mala non aliquod bonum"--"weder giebt's
gute Saat ohne eine schlechte Ähre, noch schlechte ohne irgend eine
gute").--
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*Persius* (34-62 n. Chr.) bietet in "Satire" 1, 1:
*O quantum est in rebus inane;*
O wie viel Leeres ist in der Welt;
in 1, 28:
*At pulchrum est digito monstrari et dicier: hic est!*
Schön ist's doch, wenn man auf dich zeigt und der Ruf tönt: Der
ist's!
(vrgl. ~Horaz~, Od. 4, 3, 22: "monstror digito praetereuntium");
und in "Satire" 1, 46, wie ~Juvenal~ 6, 164:
*Rara avis*
(Ein seltener Vogel)
in dem uns geläufig gewordenen Sinn für "ein seltenes Wesen" überhaupt;
während Horaz ("Sat." II, 2, 26) die Worte zwar auch schon anwendet,
aber in nicht übertragener Bedeutung.--
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*Quintilian* (um 35-95) fragt ("de institutione oratoria" 1, 6):
"Dürfen wir einräumen, dass einige Worte von ihren Gegenständen
abstammen, wie z.B. lucus, Wald, weil er, durch Schatten verdunkelt,
nicht sehr licht ist (luceat)?" Daher rührt:
*Lucus a non lucendo.*