(non lucet),
was nach dem Scholiasten Lactantius Placidus (zu Statius "Achilleis" 3,
197) auf einen unbekannten Grammatiker ~Lykomedes~ zurückgeht. Aus 10,
7 ist:
*Pectus est* (_enim_) *quod disertos facit* (_et vis mentis_).
Sinn und Verstand ist's, was den Redner macht.
So übersetzte M. ~Haupt~, sehr gegen die Übersetzung eifernd: Das Herz
macht beredt.--
In ~Quintilians~ "Declamationes" (350, Burmanns und Dussault) heisst
es: "caedes videtur significare sanguinem et ferrum"--"Mord" (d.h. in
juridischem Sinne) "scheint
*Blut und Eisen*
zu bedeuten" (d.h. eine Tödtung durch eine Eisenwaffe, die Blut
fliessen lässt). ~Arndt~ mochte dies dunkel vorschweben als er sang
(1800, in dem Gedichte "Lehre an den Menschen" Str. 5; s. "Gedichte"
Grfsw. 1811. S. 39-41 und das Inhaltsverzeichnis):
"Zwar der Tapfre nennt sich Herr der Länder
Durch sein Eisen, durch sein Blut".
Nach ihm ruft Max ~von Schenkendorf~ aus ("Das eiserne Kreuz"):
"Denn nur Eisen kann uns retten,
Und erlösen kann nur Blut
Von der Sünde schweren Ketten,
Von der Bösen Übermut".
Und in einem Aufsatz ~Schneckenburgers~ "Über Deutschland und
die europäische Kriegsfrage" (geschr. Ende Okt. 1840, auszüglich
abgedruckt im "Schwäb. Merkur" v. 30. Aug. 1870) lesen wir: "Der bei
den Franzosen obwaltende Mangel an gediegener Volksbildung und echter
Religiosität, das reizbare, oberflächliche, aller Gründlichkeit bare,
leidenschaftsloser Belehrung unzugängliche, schnell absprechende
Wesen ihres Nationalcharakters, die grobe Entsittlichung beinahe
aller Klassen begründen meine Zweifel und scheinen für die absolute
Notwendigkeit einer Eisen- und Blutkur zu sprechen". Otto ~von
Bismarck~ aber verlieh dem Wort erst Flügel, als er am 30. Sept.
1862 in der Abendsitzung der Budgetkommission des preussischen
Abgeordnetenhauses sprach: "Nicht durch Reden und Majoritätsbeschlüsse
werden die grossen Fragen der Zeit entschieden--das ist der Fehler von
1848 und 1849 gewesen--sondern
*durch Eisen und Blut".--*
*Lucanus* (39-65 n. Chr.), "Pharsalia" 1, 128 bietet:
*Victrix causa diis placuit, sed victa Catoni,*
Die siegreiche Sache gefiel den Göttern, aber die unterliegende
dem Cato,
und 1, 135:
*Stat magni nominis umbra,*
Er steht da, der Schatten eines grossen Namens,
eigentlich vom Pompejus gesagt, verkürzt in:
*Stat nominis umbra,*
Eines Namens Schatten steht da,
das Motto der "Juniusbriefe" (ersch. im "Public. Advertiser" vom 21.
Jan. 1769-12. Mai 1772. London). In der "Pharsalia" 1, 256 steht:
*Furor teutonicus,*
Deutsches Ungestüm,
(vrgl. "Furia Francese").--
* * * * *
*Petronius Arbiter* (1. Jhrh. n. Chr.) bringt die Sentenz: "qualis
dominus, talis et servus", die wir also im Munde führen:
*Wie der Herr, so der Knecht.--*
* * * * *
*Martial* (um 40-102 n. Chr.) lässt 6, 19 den Advokaten Posthumus,
der in seiner Rede von Cannae, von Mithridates, von den Puniern, von
Marius, Sulla u.s.w. spricht, auffordern, zu den drei gestohlenen
Ziegen zurückzukommen, um die sich der Streit dreht. Diese
Martialstelle bildet die Grundlage der Redensart:
*Um auf besagten Hammel zurückzukommen,*
die in der französischen Farce des 14. oder 15. Jahrhundert "l'Advocat
Patelin"[65] vorkommt.
[Fußnote 65: ~Littré~ "Histoire de la langue française", 5. éd., Paris
1869, Bd. 2, p. 30 u. 45 erklärt die Farce für anonym: der Verfasser
müsse in den letzten Jahren des 14. und den ersten des 15. Jahrhunderts
gelebt haben (pag. 50). Schon 1470 (p. 46) kommt "pateliner" vor.
Pierre ~Blanchet~, dem man "Patelin" zuschrieb, starb 1519 als
Sechzigjähriger, wäre also 1470 erst ein zehnjähriger Knabe gewesen.]
"Patelin, ein verhungerter Advokat, braucht für seine Frau und
sich Tuch. Er tritt in den Laden eines Tuchhändlers, den er durch
Lobpreisungen seines verstorbenen Vaters und seiner verstorbenen
Tante rührt. Als er diese zum Geprelltwerden geeignete Stimmung
im Verkäufer erweckt hat, giebt er sich den Anschein, als sei er
von der Güte eines Stückes Tuch, das er in dem Laden erblickt, wie
geblendet. Er sei nicht gekommen, um Einkäufe zu machen, aber der
Güte solcher Waren könne er nicht widerstehen, und wohl sehe er, dass
die ersparten Goldstücke, die er zu Hause liegen habe, heran müssten.
Der Händler, den die Aussicht auf ein vorteilhaftes Geschäft noch
mehr für Herrn Patelin einnimmt, ist sofort bereit, ihm sechs Ellen
Tuch mitzugeben, und Herr Patelin ladet ihn ein, sich gleich seine
Bezahlung zu holen und bei ihm zu speisen. Der Tuchhändler kommt,
vernimmt aber von der Frau des Advokaten zu seinem Erstaunen, dass
der Mann schon seit elf Wochen gefährlich krank, gerade jetzt im
Sterben liegt und also unmöglich heute Tuch gekauft haben kann. Da
er nun gar den Kranken selbst in verschiedenen Sprachen phantasieren
hört, so zieht er sich endlich, halb überzeugt, halb zweifelnd
zurück. Bald darauf wird derselbe Tuchhändler von seinem Schäfer um
Hammel betrogen und klagt. Der Schäfer wendet sich an den Advokaten
Patelin, der ihm den Rat erteilt, auf alle Fragen des Richters nichts
zu antworten als "Bäh". Im Termin erscheinen nun der Tuchhändler als
Kläger und der Schäfer als Verklagter in Begleitung seines Anwalts.
Der Kläger ist über das unerwartete Erscheinen Patelins so bestürzt,
dass er seines Prozesses vergisst und den Anwalt beschuldigt, ihn um
sechs Ellen Tuch betrogen zu haben. Der Richter ruft ihm daher zu:
_Sus_, *revenons à ces moutons!*[66]
Wohlan, lasst uns auf die besagten Hammel zurückkommen!
[Fußnote 66: So heisst es in der letzten Ausgabe des "l'Advocat
Patelin" vom ~Bibliophile Jacob (Paul Lacroix)~. In früheren heisst es:
*à nos moutons!*
und so wird es gewöhnlich in Frankreich citiert.--]
Da der Kläger trotzdem fortfährt, in der Auseinandersetzung des
Thatbestandes das gestohlene Tuch und die gestohlenen Hammel zu
verwechseln, so wird er mit seiner Klage abgewiesen.
{~Rabelais~ citiert das Wort bereits 1532, statt "revenir" stets
"retourner" anwendend, in "Gargantua und Pantagruel", 1, 1; 1,
11; 3, 34, ~Grimmelshausen~ "Der abenteuerliche Simplicissimus",
Mompelgart 1669 (herausg. von ~Keller~, Stuttgart 1854, I. S. 34),
sagt: "Aber indessen wieder zu meiner Heerd zu kommen". ~Kotzebue~
lässt im Lustspiele "Die deutschen Kleinstädter" (Leipz. 1803) den
Bürgermeister Staar zu Krähwinkel die Worte sagen: "Wiederum auf
besagten Hammel zu kommen". Auch im Englischen findet sich jetzt das
Wort. Es heisst in "German Home Life", Lond. 1876, p. 17: "But to
return to our sheep"}.--
~Martial~ bietet ferner 8, 56:
*Sint Maecenates, non deerunt, Flacce, Marones.*
Wenn's Mäcene nur giebt, mein Flaccus, dann giebt's auch
Vergile!--