"Odyssee" 17, 218 steht:
(κακὸς κακὸν ἡγηλάζει),
ὡς αἰεὶ τὸν ὁμοῖον ἄγει θεὸς ὡς τὸν ὁμοῖον.
(Ein Taugenichts führet den andern),
Wie doch stets den Gleichen ein Gott gesellet zum Gleichen!
Hieraus mag den Griechen das von ~Plato~ (Symp. 195b.) überlieferte
Sprichwort "ὡς ὅμοιον ὁμοίῳ αἰεὶ πελάζει", entsprungen
sein, was von ~Cicero~ (Cato M. 3, 7) mit "pares cum paribus facillime
congregantur" wiedergegeben wird und von uns mit:
*Gleich und gleich gesellt sich gern.--*
Das Trostwort "Odyssee" 20, 18 lautet:
(Τέτλαθι δὴ κραδίη.) *καὶ κύντερον ἄλλο ποτ' ἔτλης.*
Dulde nur still, mein Herz! Schon Schnöderes hast du erduldet!
Horaz "Od." 1, 7, 30: "O fortes peioraque passi Mecum saepe viri,
Nunc vino pellite curas"; "Sat." 2, 5, 21: "Et quondam maiora tuli";
u. Ovid. "Trist." 5, 11, 7: "Perfer et obdura".--
*Sardonisches Lachen*
stammt aus "Odyssee" 20, 301-2:
"μείδησε δὲ θυμῷ Σαρδάνιον μάλα τοῖον",
"er lächelte so recht sardonisch in sich hinein".
~Pausanias~ (X, 17, 7) meint, auf der Insel Sardo wachse ein Kraut,
nach dessen Genuss man vor Lachen sterbe.--
* * * * *
*Hesiod* (9. Jahrh. v. Chr.) gebraucht:
Πλέον ἥμισυ παντός
*Die Hälfte ist mehr als das Ganze,*
(Vers 40, Ausg. ~Goettling~, des an seinen Bruder Perses gerichteten
Gedichtes "Werke und Tage".) Hesiod und Perses hatten das väterliche
Erbe unter sich geteilt; die ungerechten Richter, die den armen Poeten
nötigten, die Hälfte seines Eigentums dem Perses zu überlassen, nennt
er in jenem Verse: "Thoren! Sie wissen nicht, um wieviel die Hälfte
mehr ist als das Ganze!" Denn Hesiod verwaltete den Rest seiner Habe
so weise, dass er nichts eingebüsst zu haben schien, während sich des
Bruders Vermögen durch Trägheit mehr und mehr verringerte.--
Ebenda, 289, bietet ~Hesiod~:
*Τῆς δ' ἀρετῆς ἱδρῶτα θεοὶ προπάροιθεν ἔθηκαν*
(Ἀθάνατοι· μακρὸς δὲ καὶ ὄρθιος οἶμος ἐπ' αὐτὴν).
Schweiss verlangen die Götter, bevor wir die Tugend erreichen;
Lang und steil ist der Pfad, der uns zu dem Gipfel hinanführt.--
Ebenda, 309, sagt Hesiod:
Ἔργον δ' οὐδὲν ὄνειδος.
*Arbeit schändet nicht.--*
* * * * *
Nach alter Rhapsodensitte (s. Demodokos bei Homer "Odyss." 8, 499)
singt *Alkman* (bl. um 610 v. Chr.; frg. 31): "ἐγὼ δ' ἀείσομαι, ἐκ
Διὸς ἀρχόμενος" (ich werde singen, von Zeus beginnend).
Darnach lautet der Anfang der "Phainomena", eines Lehrgedichtes des
~Aratus~, so wie der Anfang des 17. Idylls seines Freundes ~Theokrit~
(bl. um 250 v. Chr.) "Ἐκ Διὸς ἀρχώμεσθα" (von Zeus lasst
uns beginnen). ~Vergil~ "Eclogen", 3, 60 überträgt es mit:
*Ab Jove principium,*
was ~Statius~ (1. Jahrh. n. Chr.) im prosaischen Prooemium zum 1. Buch
seiner "Silvae" und ~Calpurnius~ (1. Jahrh. n. Chr.) in Ecloge 4, 82
wiederholten.--
* * * * *
(Ἐξ ὄνυχος τὸν λέοντα γράφειν)
*Ex ungue leonem* (_pingere_),
(_Der Klaue nach den Löwen malen, d.h. aus einem Glied auf die
ganze Gestalt schliessen_)
wird von ~Plutarch~ ("De defectu oraculorum", 3) auf *Alcäus* (bl. um
610 v. Chr.), von ~Lucian~ ("Hermotimus", 54) auf ~Phidias~ (geb. um
500 v. Chr.) zurückgeführt. Es findet sich sprichwörtlich schon bei dem
Mimendichter ~Sophron~ aus Syrakus (5. Jahrh. v. Chr.).--
~Alcäus~ bezeichnet es zwar als Sprichwort, ist aber für uns die Quelle
von
*Im Weine* (_liegt_) *die Wahrheit,*
was noch öfter in der lateinischen (nicht antiken) Form citiert wird:
*In vino veritas,*
denn er zuerst singt (frgm. 16, Bergk): "οἶνος ... ἀνθρώποις
δίοπτρον"--"der Wein ist ein Spiegel für die Menschen" und (frgm. 57):
"οἶνος, ὦ φίλε παῖ, καὶ ἀλάθεα ..." "Wein, liebes Kind,
(wird) auch Wahrheit (genannt)".
Vrgl. Theognis (500): "ἀνδρὸς ... οἶνος ἔδειξε νόον"--"Wein
offenbart des Menschen Sinn"; Äschylus (fragm. 13): "κάτοπτρον
εἴδους χαλκός ἐστ', οἶνος δὲ νοῦ"--"des Wuchses Spiegel
ist das Erz, der Wein des Sinns"; Ion (bei Athen. X, p. 477):
"τῶν ἀγαθῶν βασιλεὺς οἶνος ἔδειξε φύσιν"--"Wein, der die
Edlen beherrscht, deckte das Innerste auf"; Plato ("Symp." 33) nennt
als Sprichwort: "οἶνος ... ἦν ἀληθής"--"der Wein ist wahr"
(d.h. macht, dass man die Wahrheit sagt); Theokrit (29, 1) ebenfalls
mit Anlehnung an Alcäus:
"Οἶνος, ὦ φίλε παῖ, λέγεται καὶ ἀλάθεα·
Κἄμμε χρὴ μεθύοντας ἀλαθέας ἔμμεναι."
"Wahrheit nennet man auch, o geliebtester Knab', den Wein:
Und so müssen wir nun, wie Betrunkene, wahr nur sein".
Auch Plinius ("N. H." XIV, 28): "vulgoque veritas iam attributa vino
est"--"gewöhnlich wird dem Wein die Wahrheit zuerteilt"; ferner
Plutarch ("Artaxerx." 15), Athenäus II, 6 p. 37 u.a.m.--
Ein Freudengesang des ~Alcäus~ (12, Schneidewin 20. B.) auf den Tod des
Tyrannen von Lesbos, Myrsilos, beginnt:
Νῦν χρὴ μεθύσθην,
was wir nach ~Horaz~ (Od. I, 37, 1) lateinisch citieren:
*Nunc est bibendum,*