Zurück! du rettest den Freund nicht mehr;*

(_Der fühlt_) *ein menschliches Rühren;*

(_Und_) *die Treue, sie ist doch kein leerer Wahn.*

Endlich wird aus der "Bürgschaft" citiert:

*Ich sei, gewährt mir die Bitte,

In eurem Bunde der dritte,*

was kein ursprünglicher Einfall Schillers war, sondern vielmehr einer

der Fundstellen dieser Ballade entlehnt ist. (S. Register: Dionys der

Jüngere.)--

Aus "Des Mädchens Klage" (ebenda, S. 208) und dann, um zwei Strophen

verkürzt, als Theklas Lied ("Piccolomini" 3, 7) wird citiert:

*Ich habe genossen das irdische Glück;

Ich habe gelebt und geliebet.--*

Die Schlussverse der letzten Strophe des Gedichts vom Jahre 1799: "An

Goethe, als er den 'Mahomed' von Voltaire auf die Bühne brachte":

*Der Schein soll nie die Wirklichkeit erreichen,

Und siegt Natur, so muss die Kunst entweichen*

erfuhren nach ~Schillers~ Tode eine bizarre Umgestaltung.

Es giebt nämlich eine alte, gewöhnlich in die Zeit Karls V. von

Frankreich verlegte, aber bereits in einem viel älteren französischen

Roman enthaltene Sage, nach welcher ein französischer Ritter,

Aubry, von einem seiner Waffengefährten, Robert Macaire, dessen

Name in Frankreich eine typische Bezeichnung für einen Hallunken

geworden ist, meuchlings erschlagen, und die Ermordung Aubrys durch

das feindselige Betragen des Hundes des Getöteten gegen den Mörder

ans Tageslicht gebracht wird. Diese Sage wurde zu einem Melodrama

verarbeitet, in welchem ein dressierter Pudel die Hauptrolle spielte,

der den Pariser Janhagel in Begeisterung versetzte. 1816 gab sich

die königliche Bühne in Berlin dazu her, den Pudel auftreten zu

lassen, was, wie ~Zelter~ (Brief 246) an ~Goethe~ schreibt, die

Berliner zu dem Witze veranlasste, dass "den Hund aufs Theater

bringen" eigentlich "das Theater auf den Hund bringen" sei. Auch

der Grossherzog von Weimar, ein grosser Hundeliebhaber, wünschte

den vierbeinigen Schauspieler auf seiner Bühne zu sehen, stiess

aber auf Widerstand bei ~Goethe~, dem Intendanten. Der Pudel wurde

jedoch heimlich verschrieben, Goethe ging am Abend der Theaterprobe,

am 20. März 1817, mit eigenmächtiger Urlaubserteilung nach Jena,

reichte nach der am 12. April stattgehabten Aufführung den Abschied

ein und erhielt darauf von Karl August folgende Zeilen: "Aus den mir

zugegangenen Äusserungen habe ich die Überzeugung gewonnen, dass der

Geheimrat von Goethe wünscht, seiner Funktion als Intendant enthoben

zu sein, welches ich hiermit genehmige". Die Tagesblätter veränderten

die obigen Verse Schillers demzufolge also:

Dem Hundestall soll nie die Bühne gleichen

Und kommt der Pudel, muss der Dichter weichen,

und nannten den Pudel den "Schicksalspudel". Goethe selbst erwähnt

in den "Annalen" unter dem Jahre 1817 von diesen Vorkommnissen

nichts.--[46]

[Fußnote 46: ~Carl Eberwein~ "Weimarer Sonntagsblatt", 1857, S. 312. In

Gotthardis "Weimarischen Theaterbildern" II, 168 soll diese Travestie

mit einer kleinen Variante stehen.]

* * * * *

Schwindet ein Wesen oder ein Werk ohne Ruhm dahin, so hört man sagen,

dass es

*Klanglos zum Orkus hinab*

ging, ein Wort, welches den Schluss von ~Schillers~ "Nenie" bildet

(ged. 1. Okt. 1799).--

* * * * *

Aus "Hektors Abschied" (zuerst in den "Gedichten von Friedrich

~Schiller~", 1. T., Leipz. 1800) wird citiert:

*Will sich Hektor ewig von mir wenden?*

und

*Theures Weib, gebiete deinen Thränen!*

(In Goedekes "Historisch-kritischer Ausg.", T. 11, wird das Gedicht

mit der Jahresbezeichnung 1780-93 versehen, was wohl heissen soll,

dass die ältere Form, wie sie in den "Räubern", 4, 4 vorliegt, aus

dem Jahre 1780, die neuere aus dem Jahre 1793 stammt.)--

* * * * *

Im "Musen-Almanach für das Jahr 1800" S. 243, erschien ~Schillers~

"Lied von der Glocke"; daraus werden als Citate verwendet die Worte:

*Von der Stirne heiss

Rinnen muss der Schweiss ...;

Zum Werke, das wir ernst bereiten,

Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;

Wenn gute Reden sie begleiten,

Dann fliesst die Arbeit munter fort;

Nehmet Holz vom Fichtenstamme;

Die schwarzen und die heitern Lose;

Errötend folgt er ihren Spuren;

O zarte Sehnsucht, süsses Hoffen.

Der ersten Liebe goldne Zeit!

Das Auge sieht den Himmel offen,[47]

Es schwelgt das Herz in Seligkeit;

O dass sie ewig grünen bliebe,

Die schöne Zeit der jungen Liebe;

Denn wo das Strenge mit dem Zarten,

Wo Starkes sich und Mildes paarten,

Da giebt es einen guten Klang;

Drum prüfe, wer sich ewig bindet,

Ob sich das Herz zum Herzen findet;

Der Wahn ist kurz, die Reu' ist lang;

Doch mit des Geschickes Mächten

Ist kein ew'ger Bund zu flechten,

Und das Unglück schreitet schnell;

Wohlthätig ist des Feuers Macht,

Wenn sie der Mensch bezähmt, bewacht;

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 164 / 438 题