Im 4. Akte schliesst in der 5. Scene Moors Gesang von Brutus und Cäsar

*Geh' du linkwärts, lass mich rechtwärts geh'n,*

was an 1. Mos. 13, 9 erinnert: "Willst du zur Linken, so will ich zur

Rechten, oder willst du zur Rechten, so will ich zur Linken". Weiterhin

ruft der alte Moor:

*Bist du's, Hermann, mein Rabe?*

der Raben gedenkend, die nach 1. Könige 17, 4 und 6 dem Elias Nahrung

zuführten.

5, 1 enthält Franz Moors Worte:

*Hab' mich nie mit Kleinigkeiten abgegeben!*

und die letzten Worte des Schauspiels:

*Dem Mann kann geholfen werden,*

sind eine ganz triviale Redensart geworden.--

*Konfiszierter Kerl*

ist wahrscheinlich auch auf Schiller zurückzuführen. Karl Hoffmeister

("Schillers Leben für den weiteren Kreis seiner Leser", T. 1, Kap. 4)

erzählt über diese Redensart folgendes:

"Als Schiller einst den Freunden die Worte vortrug, die Franz Moor im

Anfange des fünften Aktes zu Moser spricht: 'Ha! was, du kennst keine

drüber (über den Vatermord)? Besinne dich nochmals--Tod, Himmel,

Ewigkeit, Verdammnis schwebt auf dem Laute deines Mundes! keine

einzige drüber?' da Öffnete sich die Thür, und der hereintretende

Aufseher sah Schillern halb in Verzweiflung die Stube auf- und

abrennen. 'Ei, so schäme man sich doch', sagte er, 'wer wird denn

so entrüstet sein und fluchen!' Als er den Rücken gekehrt, rief

ihm Schiller, zu den lachenden Gesellen gewandt, das Wort aus den

"Räubern" nach: '~Ein konfiszierter Kerl~!'" Jedoch dieser Ausdruck

findet sich nirgends in den "Räubern", sondern in "Kabale und Liebe",

1, 2, wo Musikus Miller von Sekretär Wurm sagt: "~Ein konfiszierter~

widriger ~Kerl~, als hätte ihn irgend ein Schleichhändler in die

Welt meines Herrgotts hineingeschachert". Im Personenverzeichnis

zu "Fiesco" wird Muley Hassan, Mohr von Tunis, als "konfiszierter

Mohrenkopf" bezeichnet.

*Und darum Räuber und Mörder*

steht nicht in der ersten Ausgabe der "Räuber" (Frankfurt u. Leipz.

1781), sondern in der noch heute allen Bühnen-Aufführungen zu Grunde

liegenden Umarbeitung, welche ~Schiller~ mit seinem Stücke für das

Mannheimer Theater auf Andrängen des Intendanten Dalberg vornahm, im 4.

Akt, Sc. 17 (Neue für die Mannheimer Bühne verbesserte Aufl. Mannheim

1782).--

* * * * *

Aus ~Schillers~ Gedichte "Kastraten und Männer" (in der "Anthologie auf

das Jahr 1782. Gedruckt in der Buchdruckerei zu Tobolsko", S. 125) in

seiner späteren Umbildung "Männerwürde" genannt, stammt:

*Zum Teufel ist der Spiritus,

Das Phlegma ist geblieben.*

Das Bild ist vom Destillationsprozesse hergenommen, bei dem nach

Herstellung des Spiritus eine wässerige, fade schmeckende Flüssigkeit

zurückbleibt, welche früher "Phlegma" hiess. In derselben "Anthologie"

bietet in dem Gedichte: "In einer Bataille. Von einem Offizier", S. 49

(später "Die Schlacht" genannt):

*Das wilde eiserne Würfelspiel*

eine viel citierte Umschreibung für Kampf und Krieg.--

* * * * *

Aus ~Schillers~ ebenda abgedrucktem Gedichte "An Minna", S. 190, wird

citiert:

*Meine Minna geht vorüber?

Meine Minna kennt mich nicht?--*

* * * * *

~Schillers~ "Verschwörung des Fiesco" (1783) bietet 1, 5 Gianettino

Dorias Fluch:

*Donner und Doria!,*

und aus 3, 4 pflegt man zu citieren:

*Der Mohr hat seine Schuldigkeit gethan; der Mohr kann gehen,*

während es an Ort und Stelle "Arbeit", nicht "Schuldigkeit" heisst.

3, 5 steht Fiescos Drohung:

(Fahre wohl, Doria, schöner Stern.)

*Auch Patroklus ist gestorben,

Und war mehr als du;*

ein Citat aus ~Homers~ "Iliade" 21, 106 und 107, wo Achill dem um sein

Leben flehenden Lykaon zuruft:

*Ἀλλά, φίλος, θάνε καὶ σύ. τίη ὀλοφύρεαι οὕτως;

Κάτθανε καὶ Πάτροκλος, ὅπερ σέο πολλὸν ἀμείνων.*

Stirb denn auch du, lieber Freund! Warum wehklagest Du also?

Starb ja doch auch Patroklos, der sehr viel besser als du war.--

*Verderben, gehe deinen Gang!*

heisst es im "Fiesco" am Ende von 5, 1.

Man erinnert sich dabei an Shakespeares "Julius Caesar" 3, 2:

"Mischief, thou art afoot,

Take thou what course thou wilt!"

"Unheil, du bist im Zuge,

Nimm, welchen Lauf du willst!"

Im "Fiesco" 5, 4 steht:

*Deutsche Hiebe;*

5, 16 spricht Fiesco: "Was zerrst du mich so am Mantel?--er fällt!"

Verrina (mit fürchterlichem Hohne): "Nun, wenn der Purpur fällt, muss

auch der Herzog nach!" (Er stürzt ihn ins Meer.) Dies wird also citiert:

*Wenn der Mantel fällt, muss der Herzog nach.--*

* * * * *

Aus "Kabale und Liebe" (1784) 2, 2 ist:

*Legt's zu dem Übrigen,*

was ~Schiller~ später auch in "Maria Stuart" 1, 1 gebraucht. Ferner

finden wir in "Kabale und Liebe":

5, 3:

*Unglückseliges Flötenspiel!*

5, 7:

*Die Limonade ist matt, wie deine Seele.--*

* * * * *

~Schillers~ Gedicht "An die Freude" ("Thalia", I. Bd. 1787, 2. Heft, S.

1-5) enthält:

*Freude, schöner Götterfunken;

Seid umschlungen, Millionen!*

und:

*Wem der grosse Wurf gelungen.*

Das Wort dieses Gedichtes:

*Wer ein holdes Weib errungen,

Mische seinen Jubel ein!*

hat am Schlusse von Beethovens Oper "Fidelio" und im Finale seiner

neunten Symphonie die musikalische Weihe gefunden; jedoch lautet es da:

Wer ein solches Weib errungen,

Stimm' in unsern Jubel ein!

(nach der auf ~Beethovens~ Wunsch durch F. ~Treitschke~ umgearbeiteten

~Sonnleitner~schen Übersetzung des Operettentextes ~Bouillys~:

"Léonore ou l'amour conjugal").--

Weitere Citate aus dem Gedicht "An die Freude" sind:

*Unser Schuldbuch sei vernichtet!*

und

*Männerstolz vor Königsthronen!

Dem Verdienste seine Kronen.--*

* * * * *

Der Anfang des Schillerschen Gedichtes "Resignation" ("Thalia", I. Bd.

2. Heft) lautet:

*Auch ich war in Arkadien geboren.*

(Siehe "Et ego in Arcadia".) Aus demselben Gedichte gebrauchen wir die

beiden Strophenanfänge:

*Des Lebens Mai blüht einmal und nicht wieder*

und:

*Mit gleicher Liebe lieb' ich meine Kinder,*

sowie die beiden Strophenschlüsse:

*Die Weltgeschichte ist das Weltgericht*

und:

*Was man von der Minute ausgeschlagen,

Giebt keine Ewigkeit zurück.--*

* * * * *

In ~Schillers~ "Don Carlos" (1787) 1, 1 stehen die Worte, mit denen Don

Carlos in der "Rheinischen Thalia" von 1785 jedoch nicht begann:

*Die schönen Tage in Aranjuez

Sind nun zu Ende.*

Aus derselben Scene citieren wir:

*Brechen Sie

Dies rätselhafte Schweigen;[30]

O wer weiss,

Was in der Zeiten Hintergrunde schlummert;*[31]

und:

*Wo alles liebt, kann Karl allein nicht hassen.*

[Fußnote 30: In der "Rheinischen Thalia" von 1785: "Nur brechen Sie

dies grauenvolle Schweigen".]

[Fußnote 31: Ebenda in 2, 3.]

Sc. 2:

*Wer kommt?--Was seh' ich?--O, ihr guten Geister!

Mein Roderich![32]

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 158 / 438 题