Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind;--

O der Einfall

War kindisch, aber göttlich schön;[33]

Sprich mir von allen Schrecken des Gewissens,

Von meinem Vater sprich mir nicht.*

[Fußnote 32: Ebenda. "Was seh' ich?--O, ihr guten Geister! Mein

Rodrigo".]

[Fußnote 33: Ebenda.]

Beim Citieren wird statt "meinem Vater" je nach Umständen der

Gegenstand des Entsetzens eingeschaltet.

Sc. 4 enthält:

*Grosse Seelen dulden still;*

Sc. 5:

*Ein Augenblick, gelebt im Paradiese,

Wird nicht zu teuer mit dem Tod gebüsst;*[34]

[Fußnote 34: Ebenda.]

Sc. 6:

(_Deswegen

Vergönn' ich Ihnen zehen Jahre Zeit_)

*Fern von Madrid* (_darüber nachzudenken_),[35]

und was ~Schiller~ bereits vorfand:

*Die Sonne geht in meinem Staat nicht unter.*[36]

[Fußnote 35: Ebenda.]

[Fußnote 36: Ebenda. "Die Sonne geht in meinem Reich nicht unter".]

Der Gedanke findet sich schon im Keime bei ~Herodot~ (7, 8), wo

~Xerxes~ († 465 v. Chr.) zu seinem Kriegsrate von dem Feldzugsplane

gegen die Athener spricht: "Wenn wir uns Die und deren Nachbarn aus

dem Reiche des Phrygiers Pelops unterwerfen, so thun wir dar, dass

Persien dann an den Aether des Zeus grenzt. Denn ~dann~ "χώρην

γε οὐδεμίαν κατόψεται ἥλιος ὁμουρέουσαν τῇ ἡμετέρῃ" ~wird

die Sonne auf kein Land mehr herabblicken, das an das unsrige

grenzt~; vielmehr werde ich, ganz Europa mit euch durchstreifend,

alle Länder zu einem Lande vereinigen". Die erste Aldiner Ausgabe des

Herodot wurde 1502 in Venedig gedruckt. 1585 wurde zu Turin bei der

Vermählung des Herzogs von Savoyen mit Katharina von Österreich ein

Schäferdrama "Il pastor fido" von ~Guarini~ aufgeführt, in dessen

Prolog es heisst:

Altera figlia

Di qel Monarca, a cui

Nè anco, quando annotta, il Sol tramonta.

Hehre Tochter jenes Monarchen, dem die Sonne auch dann

nicht untergeht, wenn es nachtet.

Balthasar ~Schupp~ sagt in der "Abgenötigten Ehrenrettung" (1660),

S. 665: "Der König in Spanien ist ein grosser Potentat; er hat einen

Fuss stehen im Orient, den anderen im Occident, und die Sonne gehet

nimmer unter, dass sie nicht in etlichen seiner Länder scheine".

Nach ~Edmund Dorer~ "An Calderon zum 25. Mai 1881" ("Die Gegenwart",

4. Juni 1881, S. 361) hat es ein König von Spanien zuerst gesagt.

Welcher? wann? wo?--

In ~Schillers~ "Don Carlos" 1, 6 findet man ferner die Worte:

*Hier ist die Stelle, wo ich sterblich bin;*[37]

und:

*Wenn ich einmal zu fürchten angefangen,

Hab' ich zu fürchten aufgehört.*[38]

(Ob Schiller hier an ~Shakespeares~ "Othello", 3, 3 gedacht hat:

to be once in doubt

Is once to be resolved,

Einmal zweifeln macht mit Eins entschlossen?)--

Die Worte derselben Scene:

*Der Knabe

Don Karl fängt an, mir fürchterlich zu werden*[39]

soll ~Ludwig Devrient~ einst in der Weinstube von Lutter und Wegener in

Berlin, Charlottenstrasse No. 49, dem Kellner Karl zugerufen haben, als

dieser ihm die stark aufgelaufene Rechnung reichte.--

[Fußnote 37: In der "Rheinischen Thalia" von 1785.]

[Fußnote 38: Ebenda.]

[Fußnote 39: Ebenda "Dieser Knabe Don Karl u.s.w."]

Im "Don Carlos" 1, 9 steht:

*In des Worts verwegenster Bedeutung,*

und:

*Arm in Arm mit dir,

So fordr' ich mein Jahrhundert in die Schranken.*

2, 1 bietet:

*In seines Nichts durchbohrendem Gefühle,*[40]

was Alba in Sc. 5 in der Form: "In meines Nichts durchbohrendem

Gefühle" wiederholt.

[Fußnote 40: In der "Rheinischen Thalia" von 1785.]

Ebenda 2, 2 steht:

*Wer ist das?

Durch welchen Missverstand hat dieser Fremdling

Zu Menschen sich verirrt?*[41]

*Dreiundzwanzig Jahre!

Und nichts für die Unsterblichkeit gethan;*[42]

[Fußnote 41: Ebenda.]

[Fußnote 42: Ebenda heisst es: "Dreiundzwanzig Jahre und König Philipps

Sohn, und nichts gebaut und nichts zertrümmert unter diesem Monde".]

2, 8:

(_Poesie!--Nichts weiter._--) *Mein Gehirn

Treibt* (_öfters_) *wunderbare Blasen auf,*

(_Die schnell, wie sie entstanden sind, zerspringen._)

*Die Liebe ist der Liebe Preis,*[43]

*Beim wunderbaren Gott--das Weib ist schön;*

[Fußnote 43: Ebenda.]

2, 15:

*Unrecht leiden schmeichelt grossen Seelen.*[44]

[Fußnote 44: Ebenda.]

3, 10:

*Stolz will ich

Den Spanier;*

(_Ich mag es gerne leiden,_) *wenn auch der Becher überschäumt,

Wenn solche Köpfe feiern,* (_welch ein Verlust für meinen Staat_):

*Ich kann nicht Fürstendiener sein,*

*Die Ruhe eines Kirchhofs.*

*Geben Sie

Gedankenfreiheit!*

was gern erweitert wird zu:

*Sire, geben Sie Gedankenfreiheit!*

*Sonderbarer Schwärmer,*

*Anders,

Begreif' ich wohl, als sonst in Menschenköpfen

Malt sich in diesem Kopf die Welt.*

4, 21:

(_Königin!_)

*O Gott, das Leben ist doch schön!*

was auch also angeführt wird:

*O Königin, das Leben ist doch schön!*

und in der letzten Scene des letzten Aktes:

*So sehen wir uns wieder,*

was auch in der "Braut von Messina" vorkommt, als Isabella ihre Tochter

wiedersieht. Die vom König gesprochenen Schlussworte des "Don Carlos"

lauten:

*Kardinal, ich habe

Das Meinige gethan. Thun Sie das Ihre.--*

* * * * *

Aus der in ~Schillers~ Monatsschrift "Die Horen" (Tübingen, Cotta,

1795; IV. Bd., 10. Heft, S. 72) enthaltenen "Elegie", welche später den

Titel "Der Spaziergang" erhielt, wird der Anfang citiert:

*Sei mir gegrüsst, mein Berg, mit dem rötlich strahlenden Gipfel!*

und aus dem 134. Verse:

*Der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht;*

sowie der Schlussvers:

*Und die Sonne Homers, siehe! sie lächelt auch uns.--*

* * * * *

Aus ~Schillers~ (ebenda, IV. Bd., 11. Heft, S. 17 anonym erschienenen)

"Teilung der Erde" stammt:

*Was thun? spricht Zeus,*

und:

*Willst du in meinem Himmel mit mir leben,

So oft du kommst, er soll dir offen sein.--*

* * * * *

In dem Gedichte "Die Ideale" (S. 135 des Schillerschen Musen-Almanachs

für das Jahr 1796, Neustrelitz) redet der Dichter die fliehende Zeit

also an:

*So willst du treulos von mir scheiden?--*

* * * * *

Aus dem Gedichte "Würde der Frauen", ebenda S. 186, ist:

*Ehret die Frauen! sie flechten und weben

Himmlische Rosen ins irdische Leben.*

was oft geschmacklos travestiert wird.--

* * * * *

Aus ~Schillers~ "Xenien" (Musen-Almanach für das Jahr 1797) gehören

folgende Citate hierher:

das Distichon "Wissenschaft":

*Einem ist sie die hohe, die himmlische Göttin, dem Andern

Eine tüchtige Kuh, die ihn mit Butter versorgt,*

aus dem Distichon "Kant und seine Ausleger":

*Wenn die Könige bau'n, haben die Kärrner zu thun.*

"Sonntagskinder" (aus Vereinigung zweier Distichen entstanden,

deren erstes "Geschwindschreiber" betitelt war), die heute schon

lehren wollen, was sie gestern gelernt, werden in dem gleichnamigen

Doppeldistichon mit:

*Ach, was haben die Herrn doch für ein kurzes Gedärm!*

abgefunden.--

*Das grosse gigantische Schicksal,

Welches den Menschen erhebt, wenn es den Menschen zermalmt,*

steht im 35. und 36. Verse der ~Schiller~schen Parodie "Shakespeares

Schatten". -- Aus den auf die "Xenien" ebenda folgenden "Tabulae

votivae" (Votivtafeln) ~Schillers~ wird citiert:

Pflicht für jeden.

*Immer strebe zum Ganzen! und, kannst du selber kein Ganzes

Werden, als dienendes Glied schliess' an ein Ganzes dich an!*

Der Schlüssel.

*Willst du dich selber erkennen, so sieh', wie die Andern es

treiben;

Willst du die Andern versteh'n, blick' in dein eigenes Herz,*

und aus dem Distichon

Wahl.

(_Kannst du nicht Allen gefallen durch deine That und dein

Kunstwerk,

Mach' es Wenigen recht;_) *Vielen gefallen ist schlimm.--*

Geflügelte Worte: Der Citatenschatz des deutschen Volkes · 第 159 / 438 题