* * * * *
Für "Legende" braucht ~Luther~ "~Lugenda~" in seiner "Predigt am
25. Sonntag nach der heiligen Dreifaltigkeit, Anno 1537, in tempio
parochine", B. 6, S. 244: "Sonderlich hat die Lugenda von den
Wunderzeichen Franzisci ein Sack voll erlesener, grosser, schändlicher
Lügen". ~Lugende~ steht in Grimmelshausens "wunderbarlichem Vogelnest",
(1672) II, 13. Später wurde aus Lugenda "Lügende" und "Lüg-Ente". In
"~Schelmuffskys~ Curiöser und sehr gefährlicher Reisebeschreibung zu
Wasser und Lande, von E. S.[16] Gedruckt zu Schelmerode in diesem Jahr"
(1696) heisst es zu Anfang: "so wusste ich allmalen so eine artige
~Lüg-Ente~ vorzubringen". Daraus ist
*Ente*
für Zeitungslüge geworden. Grimm jedoch sagt im "Wörterbuch": Man
nennt eine in Zeitungen verbreitete, gleichsam fortschwimmende,
wieder auftauchende Fabel oder Lüge heute gewöhnlich Ente; früher
hiess es blaue Ente; blau ist nebelhaft, nichtig; einem etwas Blaues
vormachen, blauen Dunst machen bedeutet vorlügen". Es folgen dann
mehrere Belegstellen, wobei zu bemerken ist, dass auch im Französischen
"canard" und im Spanischen "ánade" für Zeitungslüge gebraucht wird.--
[Fußnote 16: Der Verfasser war der einunddreissigjährige Christian
~Reuter~, dessen Leben und Werke Friedrich Zarncke beschrieb. Vrgl. Bd.
IX d. "Abhandl. d. philol.-hist. Classe der Kgl. sächs. Gesellsch. d.
Wissensch." No. 5. Lpz. S. Hirzel. 1884.]
* * * * *
Allgemein wurde, doch ohne jegliche Gewähr, auf ~Luther~ der Spruch
zurückgeführt:
*Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,*
*Der bleibt ein Narr sein Lebelang;*
auch die Lutherstube auf der Wartburg ist jetzt damit geschmückt.
~Xanthippus~ ("Spreu" IV, München 1883) hat wohl mit Recht als die
Quelle den italienischen Reim bezeichnet:
"Chi non ama il vino, la donna e il canto
Un pazzo egli sara e mai un santo."
"Wer nicht liebt Gesang und Weib und Wein,
Der wird ein Narr und nie ein Heiliger sein."
Zum ersten Male, scheint es, tritt die Luther-Legende im "Wandsbecker
Bothen" von 1775, No. 75 in folgender "Devise an einen Poeten" auf:
Dir wünsch' ich Wein und Mädchenkuss,
Und deinem Klepper Pegasus
Die Krippe stets voll Futter!
Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Lebenlang.
Sagt Doktor Martin Luther.
Nach ~Redlich~ ("Die poetischen Beiträge zum Wandsbecker Bothen",
Hamburg 1871, S. 57) machte wahrscheinlich ~Joh. Heinrich Voss~ diese
Verse, also nicht ~Claudius~, wie W. ~Roeseler~ ("Mathias Claudius
und sein Humor", Berlin 1873, S. 41) annimmt. Dann teilt ~Voss~ den
oben citierten Vers 1777 im "Musenalmanach" (Hamburg, S. 107) mit
der Überschrift "Gesundheit" und der Unterschrift "Dr. M. Luther"
mit. Auch sein 1777 gedichtetes Lied: "An Luther" (~Voss~: "Sämmtl.
Gedichte" Königsb. 1802. B. 4, S. 60) endet mit jenen Worten, und
aus seiner Anmerkung S. 294, ersehen wir, dass Hamburger Pastoren
in dem Abdrucke des Spruches im Musenalmanach eine Verunglimpfung
Luthers erblickten und deshalb Vossens Wahl zum Lehrer am Johanneum
vereitelten. Über den Ursprung gab Voss keine Auskunft. ~Herder~
("Volkslieder", 1. T. Leipz. 1778, S. 12) schliesst die Zeugnisse
über Volkslieder mit:
Wer nicht liebt, Weib, Wein und G'sang,
Der bleibt ein Narr sein Leben lang.
Luther.
~Karl Müchler~ giebt in dem zuerst in F. W. A. Schmidts "Neuem
Berliner Musenalmanach für 1797", S. 48 gedruckten Trinkliede "Der
Wein erfreut des Menschen Herz" ("Lieder geselliger Freude",
herausg. von J. F. Reichardt, 1797, 2. Abtlg. S. 15) jeder Strophe
die Kehrreime:
-- -- Was Martin Luther spricht:
Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Lebelang;
Und Narren sind wir nicht.
Auch in ~Methfessels~ "Allgemeinem Commers- und Liederbuch",
Rudolstadt 1818, schliesst das ~von Lichtensteinsche~ Lied "Wo der
geistige Freudenbringer":
Drum singt, wie Doktor Luther sang:
Wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang,
Der bleibt ein Narr sein Leben lang.
Wenn in den "Epistolis obscurorum virorum" (Lips. 1864, p. 371)
gesagt wird: "Quamvis Salomon dicat: musica, mulier et vinum
laetificant cor hominis, primo Proverbiorum XII". "Obgleich Salomon
sagt: Musik, Weib und Wein erfreuen des Menschen Herz, erstes Buch
der Sprüche 12", so ist das ein erdichtetes Citat, da es kein erstes
Buch der Sprüche Salomos giebt.--
* * * * *
*Dunkelmänner,*
die wörtliche Übersetzung von "obscuri viri", hat folgenden Ursprung:
der für die Reformation kämpfende Humanist ~Reuchlin~ gab, um sein
Ansehen im Streite gegen die kölner Papisten, Pfefferkorn, Hochstraten,
Arnold von Tongern, Ortuinus Gratius u.s.w. zu stärken, 1514 seinen
Briefwechsel mit berühmten Leuten: "Epistolae clarorum virorum" heraus.
Von ihm befreundeter Seite, es werden Crotus Rubianus, Ulrich Hutten,
Jacob Fuchs, Eobanus Hesse, Petreius Eberbach genannt, erschien 1515
der erste, 1517 der zweite Band "Epistolae obscurorum virorum" (Briefe
unberühmter Leute), die so abgefasst sind, als kämen sie von seinen
Feinden, und die auch an Ortuinus Gratius gerichtet sind. Zuerst
frohlockten diese; als sie aber merkten, dass sie gemeint seien,
erschien 1518 die Gegenschrift: "Lamentationes obscurorum virorum,
non prohibitae per sedem Apostolicam". So bekam "obscuri viri",
eigentlich "unberühmt" im Gegensatz zu "clari viri", den Nebensinn
von Obscuranten, Finsterlingen, "Dunkelmännern". Letzterer Ausdruck
scheint erst im 19. Jahrhundert gebildet worden zu sein. In der von
~Bentzel-Sternau~ herausgegebenen Zeitschrift "Jason", Jahrgang 1809,
III. Band, S. 271 wird gesagt: "Bekannt ist es, welche heilsame
Wirkung die Briefe der Dunkelmänner auf den Lesenden (den kranken
Erasmus) hervorbrachten." ~Hoffmann von Fallersleben~ brachte in den
"Unpolitischen Liedern" (1. T. 1840) ein Gedicht "Dunkelmannstracht"
und H. ~Heine~: "Wintermärchen" (1844), Kap. 4, sagt von Köln:
Ja, hier hat einst die Klerisei
Ihr frommes Werk getrieben,
Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
Die Ulrich von Hutten beschrieben.--
* * * * *
~Ulrich~ *von Hutten* (1488-1523) ist wegen seines Wahlspruches:
*Ich hab's gewagt,*
zu erwähnen, welcher sich zuerst auf dem Titelblatt seiner
Übersetzungen der "Conquestiones" (wahrscheinlich--nach Böcking--1520
erschienen) sowie als Unterschrift in der, nach Böcking gleichfalls
1520 erschienenen "Klag über den Lutherischen Brandt zu Mentz (Mainz)"
findet. Ebenso beschliesst Hutten mit diesem Spruch das Vorwort zu
seinem "Gesprächbüchlein" (1521) und in demselben seinen Dialog in
Prosa: "Die Anschauenden", und er hängt ihn fast stets seinen deutschen
Versen als Schluss, ohne Zusammenhang mit dem Vorhergehenden, an. Im
Zusammenhang steht es am Schluss seiner "Klag und Vormahnung gegen den
übermässigen unchristlichen Gewalt des Bapsts zu Rom", wo es heisst:
Wohlauf, wir haben Gottes Gunst,
Wer wollt in solchem bleiben d'heim?
Ich hab's gewagt, das ist mein Reim.
Auch beginnt ein 1521 gedrucktes Lied von ihm:
Ich hab's gewagt mit Sinnen,
dessen sechste Strophe schliesst:
Bin unverzagt,
Ich hab's gewagt,
Und will des Ends erwarten.
Er sah in diesem deutschen Wahlspruch eine Übersetzung seines
lateinischen, bereits 1517 als Motto seinem "Phalarismus" vorgesetzten
und auch später noch, z.B. in der Vorrede "an alle freien Männer
Deutschlands" (ad liberos in Germania omnes) von ihm angewendeten
Wahlspruches:
*Jacta est alea.*
Gefallen ist der Würfel.
(vrgl. Menander unt. "Gefl. Worte aus Griech. Schriftst.").--
* * * * *
Nach dem Buchdrucker ~Johann~ *Ballhorn* (eigentlich Balhorn), der
seit 1531 in Lübeck (nach Balthasar ~Schuppius~ zu Soest in Westfalen)
thätig war, heisst
*ballhornisieren* _oder_ *verballhornen*
so viel wie "verschlimmbessern", "lächerliche Veränderungen in
einem Schriftstück anbringen". Der erste, welcher Johann Ballhorn
erwähnt, ist ~Schuppius~ in dem "Kalender" (1659) S. 588 und 601. An
der ersten Stelle heisst es: "wie Johann Ballhorn, der Buchdrucker
zu Soest in Westfalen, welcher das ABCbuch vermehrt und verbessert
herausgehen liess"; und an der zweiten: "als ich dasselbe erbrochen,
lag darin dieses Pasquill, auctior et correctior, wie Johann Ballhorn
zu schreiben pflag". Andere leiten "verballhornen" von dem jedoch
durch Johann Ballhorn nur gedruckten Buche "Lübeckische Statuta"
u.s.w., (1586) ab, weil die darin vorgenommenen und dem allein auf dem
Titelblatt genannten Ballhorn fälschlich zugeschriebenen Verbesserungen
allseitigen Tadel gefunden hätten. Noch Andere schieben ihm zu, dass
er dem auf der letzten Seite der Fibeln üblichen Hahn ein paar Eier
untergelegt habe. Eine Fibel mit dem Bilde des Hahnes, im Jahre 1583
gedruckt zu Hamburg, befindet sich in der dortigen Stadtbibliothek. In
"Deutscher Recht- nicht Schlechtschreibung" (S. 5, Berlin 1877) wird
"Johann Ballhorn von Buxtehude" genannt; einen solchen giebt es nicht.--
* * * * *
Aus dem "Esopus", (4, 62; 1548) des ~Burchard~ *Waldis* (1490-1556)
stammt:
*Das ist für die Katze,*
oder, wie man im Königreich Sachsen zu sagen pflegt:
*Das ist der Katze,*
d.h. das lohnt nicht, das bringt nichts ein. Der Ausdruck ist ein Rest
der dort befindlichen Erzählung "Vom Schmied und seiner Katze". Ein
Schmied nahm sich vor, von seinen Kunden nichts für seine Arbeit zu
verlangen, sondern die Bezahlung ihrem eigenen Willen anheimzustellen;
sie begnügten sich aber mit dem blossen Danke. Nun band er seine fette
Katze in der Werkstatt an, und wenn ihn die Kunden mit leeren Worten
des Dankes verliessen, sagte er: "Katz, das geb ich dir!" Die Katze
verhungert, und der Schmied beschliesst, es zu machen wie die anderen
Handwerker.[17] ~Seume~ glaubte, die Schnurre rühre von ~Taubmann~
her; denn er schreibt in seinem Buche "Mein Leben", ziemlich gegen
Ende: "so dass ich -- -- -- weiter nichts erntete, als ein freundliches
'Wir bleiben Euch in Gnaden gewogen', wovon doch am Ende selbst
Taubmanns Katze ihr Bischen Geist aufgab".
[Fußnote 17: S. ~Balthasar Schuppius~ "Freund in der Not" (1657) S.
229, "der Kurtzweilige Zeitvertreiber" von 1666, S. 41 und ~Abraham~ a
St. ~Clara~ "Huy und Pfuy der Welt".]
In den "Deutschen Rechtssprichwörtern" von Graf und Dietherr, 2.
Ausg., Nördlingen 1869, S. 267 steht "vom Danke kann man keine Katze
füttern" und in der Anmerkung a: "von'n danke kan man keine katten
futtern". Es ist also ebenso möglich, dass ~Waldis~ seine Erzählung
daraus herspann, wie, dass diese Worte aus ihr entsprangen.--
* * * * *
*Lehrstand, Nährstand, Wehrstand*
wird bei Erasmus *Alberus* (1500-53) zum ersten Male angedeutet. In
seiner "Predigt vom Ehestand" aus dem Jahre 1546 (auf der Königl.
Bibliothek in Berlin) heisst es Bogen 6: "Der Priester muss lehren, die
Oberkeit wehren, die Bauerschaft nähren" und in seinem "Buch von der
Tugend und Weisheit, nämlich 49 Fabeln" (Frankfurt a. M. 1550, Fabel
47, Morale):
"Fein ordentlich hat Gott die Welt
Mit dreien Ständen wohl bestellt.
Wenn die sich nur wüssten zu halten,
So liess Gott immerdar hin walten.
Ein Stand muss ~lehrn~, der andre ~nährn~,
Der dritt' muss bösen Buben ~wehrn~".
In Luthers "Tischreden", 1560, (B. 59, S. 207) heisst es:
"Amt eines treuen Seelsorgers".
"~Nähren~ und ~wehren~ muss in einem frommen, treuen Hirten und
Pfarrherrn beisammen sein ... sonst wenn das ~Wehren~ nicht da ist,
so frisst der Wolf die Schafe desto lieber, da sie wohl gefüttert und
feist sind. ... Ein Prediger muss ein Kriegsmann und ein Hirte sein.
~Nähren ist lehren~, und das ist die schwerste Kunst; darnach soll
er auch Zähne im Maule haben und ~wehren~ oder streiten können". In
den "Tischreden" (ed. Förstemann, Abt. 3, S. 415) steht Kap. XXXVII,
§ 118: "Einem Lehrer gebührt, dass er gewiss lehre, nähre und wehre"
und bei Bindseil "Colloquia latina", V. p. 280: "Id eo ad Doctorem
pertinet nehren und wehren docere et confutare". "Nähramt, Wehramt"
kommt bei Luther am Schluss der Schrift "Ob Kriegsleute u.s.w." vor,
und "Vom Nähr- und Lehrstande" u.s.w. ist die Überschrift zu Sirach
39. Im ~Wencel Scherffer~ ("Geist- und Weltliche Gedichte", Brieg
1652, S. 74) werden die drei Beine einer von den Herzögen zu Liegnitz
und Brieg erlegten dreibeinigen Bache auf die drei Stände: "den
Regier-, Lehr- und Nährstand" gedeutet und "Wehr-Lehr-Nähr-Her-Stand"
betitelt Friedrich von ~Logau~ einen seiner Verse (Salomons von
Golau Deutscher Sinn-Getichte drey Tausend. Breslau. In Verlegung
Caspar Klossmanns. 1654 ersch. jedoch ohne Jahresangabe. 2. Tausend
8. Hundert No. 21). Die drei Substantiva "Wehrstand, Lehrstand,
Nährstand" findet man in der Überschrift, welche ~Weidner~ dem 3.,
4. und 5. Teile von ~Zincgrefs~ "Apophthegmata" (1653-55) giebt.
~Zeller~ erläutert ("Geschichte der Philosophie", II, 1, 764) die
drei Stände in Platos "Staat" durch diese deutschen Bezeichnungen.--
In der Schrift des ~Erasmus Alberus~ "Ein Dialogus oder Gespräch
etlicher Personen vom Interim" (1548; Blatt Diiij) heisst es:
(_Gehe hin, und_) *thu, das du nicht lassen kannst.*
~Lessing~ wiederholt es in "Emilia Galotti" (1772), 2, 3; v. ~Hippel~
in den "Lebensläufen nach aufsteigender Linie", I, 5 (1778) sagt:
"Er thue, was er nicht lassen kann"; in ~Wielands~ "Pervonte" (1778)
heisst es von Vastola, als diese den Pervonte küssen muss (2. Teil);
sie "that was sie nicht lassen konnte"; ~Schiller~ in "Wilhelm
Tell", I, 1 lässt Tell sagen: "ich hab' gethan, was ich nicht lassen
konnte".--
* * * * *
*Atlas*
für "Landkartensammlung" führte Gerhard *Mercator* (Kremer; 1512-94)
durch sein Werk ein "Atlas sive geographicae meditationes de fabrica
mundi et fabricati figura", (Atlas oder geographische Betrachtungen
über die Erschaffung der Welt und über die Gestalt der erschaffenen
Welt) Duisburg 1595.--
* * * * *
Der Pastor in Frankfurt a. O. Andreas *Musculus* (Mensel; 1514-81)
gab 1556 die Schrift heraus "Vom zuluderten zucht und ehrerwegnen
pluderichten Hosen Teuffel vermanung und warnung", auf deren neuer
Auflage v. J. 1629[18] der Hosenteufel bezeichnet wird als "Dess
jetzigen Weltbeschreyten verachten und verlachten Al-modo Kleyder
Teuffels Alt-Vatter". Dies sehen wir als die Quelle des üblichen
Wortes
*Modeteufel*
an (mit Julius ~Lessing~: "Der Modeteufel" S. 5; Berl. 1884.
"Volkswirtschaftl. Zeitfr." Heft 45).--
* * * * *
In Johann *Fischart*s (1547-89) "Gargantua" (S. 160) lesen wir: "Duck
dich Seel, es kommt ein Platzregen," was vielleicht die Quelle des
bekannten Wortes ist:
"*Freue dich, liebe Seele, jetzt kommt ein Platzregen*",
wie unter einer in den vierziger Jahren des 19. Jahrh. zu Berlin
erschienenen kolorierten Zeichnung steht, die einen dicken
schweisstriefenden Herrn darstellt, der, an einem Tisch sitzend, die
Hand nach einem vollen Glase Berliner Weissbier ausstreckt.--
~Fischart~ verdanken wir auch den tief ins Volk gedrungenen Witz
*Jesu-wider*
(für "Jesuit", "Jesuiter"); denn er reimt in seinem "Jesuitenhütlein"
(1580, Kap. 4):
"Aber weil der Nam Wider Christ
Noch etlichen zuwider ist,
Welche doch noch zu gewinnen weren:
So that den Namen ich verkehren
Und setzt das förderst rechts darhinder,
Auff dass mans finden könt dest minder,
Macht Christ Wider und Jesu Wider
Für Wider Christ, den sonst kennt jeder".--
[Fußnote 18: Dieser nach des ~Musculus~ Tode erschienene Nachdruck
fehlt in der Kgl. Bibliothek zu Berlin, ist aber vorhanden in der
reichhaltigen Costume-Bibliothek des Freiherrn von Lipperheide in
Berlin.]
* * * * *
Johannes Olorinus *Variscus* (Johann Sommer; 1559-1622) erzählt
in "Ethographia Mundi", (1609, 1. T., 17. Regel) unter andern
Lügengeschichten, dass jemand, ans Ende der Welt gekommen, dort
*Die Welt mit Brettern vernagelt*
oder, wie er sagt, "verschlagen" gefunden habe.--
* * * * *
*Gas*
ist ein von *van Helmont* (1577-1644) in Brüssel erfundenes Wort. In
seinen "Opera omnia", (ed. M. B. Valentini, 1707) heisst es S. 102, Sp.
12 § 14 nach Erwähnung des von ihm entdeckten Gases: "Hunc spiritum,
incognitum hactenus, novo nomine ~gas~ voco" (Diese bislang unbekannte
Art Luft benenne ich mit dem neuen Namen "Gas").--
* * * * *
Friedrich *von Logau* (1604-55) sang in seinen Sinngedichten (Salomons
von Golau deutscher Sinn-Getichte drey Tausend. Breslau. In Verlegung
Caspar Klossmanns ersch. 1654 jedoch ohne Jahresangabe. 1. Tausend, 8.
Hundert, No. 2) nach vollendetem dreissigjährigen Kriege:
"Gewaffneter Friede".
"Krieg hat den Harnisch weg gelegt, der Friede zeucht ihn an,
Wir wissen was der Krieg verübt, wer weiss was Friede kann?"
und (3. Tausend, 5. Hundert, No. 78):
"Der geharnischte Friede".
"Der Friede geht im Harnisch her, wie ist es so bestellt?
Es steht dahin; er ist vielleicht die Pallas unsrer Welt".
Danach sagen wir:
*ein bewaffneter Friede.--*
Eben daher citieren wir (2. Tausend, 4. Hundert, No. 34):
"Der Mai".
"*Dieser Monat ist ein Kuss, den der Himmel giebt der Erde,
Dass sie jetzund seine Braut, künftig eine Mutter werde*".--
~Logaus~ Sinngedichte ("Die Liebe". 2. Tausend, 4. Hundert, No. 14):
"Nenne mir den weiten Mantel, drunter alles sich verstecket;
Liebe thuts, die alle Mängel gerne hüllt und fleissig decket",
und (2. Taus., 9. Hundert) "Christliche Liebe":
"Liebe kaufte neulich Tuch, ihren Mantel zu erstrecken,
Weil sie, was durch dreissig Jahre Krieg verübt, soll alles
decken",
sind wohl unsere Quellen, wenn wir sagen, dass wir etwas
*Mit dem Mantel der Liebe zudecken.*
* * * * *
In Friedrich Wilhelm ~Gotters~ "Gedichten" (I, S. 91; Gotha 1787)
heisst es in der Romanze "Die Trauer" (1774):
"Elise, die gern Thränen stillt,
Verirrte gerne leitet,
Und über kleine Schwächen mild
Der Liebe Mantel breitet".
Es sei hierbei erinnert an "Sprüche Salomonis" 10, 12: "Liebe decket
zu alle Übertretungen", an 1. Petri 4, 8: "Die Liebe decket auch der
Sünden Menge" und an das (nach dem "Corpus iuris canonici", Dist. 96,
c. 8) dem Kaiser Konstantin zugeschriebene Wort: "er würde, wenn er
mit eigenen Augen einen Priester oder Einen im Mönchsgewande sündigen
sähe, seinen Mantel ausziehen und ihn so damit bedecken, dass Niemand
ihn gewahre" ("chlamydem meam expoliarem et cooperirem eum, ne ab
aliquo videretur").--
* * * * *
Aus ~Paul~ *Gerhardt*s (1606-76) Kirchenliede "Nun ruhen alle Wälder"
(Geistliche Lieder und Psalmen", Berlin 1653) stammt die Frage:
*Wo bist du, Sonne* (_ge_)*blieben?--*
Auch citiert man die erste Zeile seines 1649 gedichteten Liedes vom
Folgenden abgelöst, also:
*Wach auf, mein Herz, und singe!--*
* * * * *
Ein Weihnachtslied von *Johann Rist* (1607-67) beginnt:
*Ermunt're dich, mein schwacher Geist.--*
* * * * *
*Nürnberger Trichter*
beruht auf dem Titel eines Buches von *Harsdörffer* (1607-58):
"Poetischer ~Trichter~, die Teutsche Dicht- und Reimkunst, ohne Behuf
der lateinischen Sprache, in VI Stunden einzugiessen", das 1648 ohne
Namen in ~Nürnberg~ erschien.
Das Bild vom Trichter ist nicht seine Erfindung, da er sich in der
Vorrede auf "H. ~Schickards~ Hebreischen Trichter" (Tüb. 1627) bezieht,
und ein solcher Trichter schon in der lateinischen Komödie "Almansor,
sive ludus literarius" des Mart. ~Hayneccius~ (Lpz. 1578) 5, 5, genannt
wird. Vrgl. ~Zincgref-Weidner~ ("Apophthegmata", T. 3, Amst. 1653, S.
227): "Der Drechter Almansoris, mit welchem man den Leuten ingegossen,
ist lang verlohren". "Mit einem Trichter eingiessen" steht bereits bei
Sebast. ~Franck~ ("Sprichw." 1541, II, 107 b). "Eintrichtern" sagen wir
jetzt. Franz ~Trautmann~ gab 1849-50 in Nürnberg ein humoristisches
Blatt "der Nürnberger Trichter" heraus.--
* * * * *