An Eingeborenen erschienen drei Häuptlinge, ein älterer und zwei jüngere

Männer, sowie einige Träger, welche drei Ringe Muschelgeld zu je 80

Faden, das ganze bewegliche Besitzthum des Districts, trugen; auch einige

Neugierige folgten nach, welchen der Eintritt ebenfalls gestattet wurde.

Die zitternden Häuptlinge legten ihren Schatz vor mir nieder und schienen,

ängstlich um sich blickend und die vielen bewaffneten Männer musternd,

noch weitere Unannehmlichkeiten zu erwarten. Wenn diese 240 Faden Diwarra

nach dem augenblicklichen Stand des Geldes auch nur den halben Werth

der 300 Sack Copra hatten, so bedeuteten sie nach der früher gegebenen

Erklärung in ihrer Form doch mehr und waren nach den Angaben des deutschen

Agenten thatsächlich der ganze bewegliche Schatz des Districts Ruluana.

Ich konnte das Pfand daher um so mehr annehmen, als alle Eingeweihten

mir versicherten, daß die Leute schon denselben Tag mit dem Einsammeln

der Copra beginnen würden, weil sie mit dem Verlust ihres Schatzes jeden

Einfluß an der ganzen Küste verloren hätten und dieser Einfluß auf Matupi

übergehen würde, wo das Geld in der dortigen Hernsheim’schen Niederlassung

vorläufig aufbewahrt werden sollte. Denn Matupi brauche das Geld gar

nicht zu besitzen, vielmehr genüge die einfache Thatsache der Lagerung

daselbst, um für die Dauer derselben der Insel ein besonderes Ansehen zu

verleihen. Unter solchen Umständen war die möglichst schnelle Ablieferung

der Copra ja gesichert, da es im Interesse sämmtlicher Bewohner von

Ruluana lag, ihren Schatz in kürzester Zeit zurückzuerhalten. Das Pfand

wurde also mit der Gegenversicherung angenommen, daß die Rückgabe bei

der Ablieferung des letzten Sackes Copra erfolgen würde, wobei natürlich

auch ernste Mahnworte, in Zukunft deutsches Eigenthum stets als Tabu zu

betrachten, gesprochen wurden. Nach Erledigung dieser Sache und nachdem

noch einer der Häuptlinge mir ein besonders schönes Exemplar einer

Keule mit Beil angeboten hatte, wofür er ein anderes Beil und noch ein

entsprechendes Geschenk erhielt, waren wir fertig und ich gab, froh

über den durchschlagenden Erfolg, den Befehl zum Abmarsch. Als nun das

Signalhorn sein „Sammeln“ in den Wald schmetterte, um die Vorposten und

Patrouillen zurückzurufen, wurden die Menschenfresser schon ganz scheu,

als aber auf das Commando „An die Gewehre“ die Mannschaften aufsprangen

und zu ihren Waffen eilten, gab es kein Halten mehr, mit Blitzesschnelle

war der ganze Platz von Eingeborenen gesäubert; einzelne verschwanden,

große Löcher in den Zaun brechend, wie ein Schattenbild durch denselben,

als ob er nur aus Papier bestände; andere braune Gestalten gewahrte man

einen Augenblick oben auf dem 4 m hohen Zaun, um sie gleichzeitig nach der

andern Seite hin verschwinden zu sehen, nur der alte Häuptling, welchen

ich am Arm schnell festhielt, mußte zurückbleiben und brach zitternd und

laut keuchend in die Knie und konnte sich während unsers noch kurzen

Aufenthalts trotz allen guten Zuspruchs von seinem Todesschreck nicht

erholen. Daß diese nackten Menschen in ihrer Todesangst nur mit dem

Gewicht ihres Körpers durch den dicht zusammengefügten, starken und für

einbruchsicher gehaltenen Zaun durchgebrochen sind und namentlich, daß

sie an dem glatten Bambusholz, wo sie keine Handhabe für Hände und Füße

fanden, hinauf und über den Zaun gekommen sind, erscheint mir nur darum

glaublich, weil ich es selbst gesehen habe. So konnte ich diesen Strand

mit dem Bewußtsein verlassen, für die Folge deutschem Leben und Eigenthum

einen sichern Schutz hier zurückgelassen zu haben.

Um 2 Uhr nachmittags waren wir wieder an Bord, wenige Minuten später die

Boote eingesetzt und weiter ging es nach Matupi, wo wir um 3 Uhr ankerten.

Den hiesigen Verhältnissen Rechnung tragend, ging ich nicht gleich ans

Land, sondern es wurde erst dem hiesigen Hernsheim’schen Agenten von der

in Aussicht stehenden Ueberführung der drei Muschelgeld-Ringe Kenntniß

gegeben, um dies einigen Eingeborenen mitzutheilen in der Voraussicht,

daß sich diese wichtige Nachricht wie ein Lauffeuer über die ganze Insel

verbreiten würde, und so war es auch. Als wir um 4 Uhr mit dem Schatz

an Land kamen, fanden wir die ganze Bevölkerung zu unserm, oder wol

richtiger zum Empfang des Geldes am Landungsplatze auf den Beinen. Ueber

uns stand Leib an Leib, als wir die steile Treppe, welche auf den Rücken

der kleinen Insel führt, hinanstiegen; eine schmale Gasse öffnete sich

vor uns, aber nur wenige Blicke fielen auf die Fremdlinge, dagegen alle

auf den Schatz. Wir hatten der ganzen Insel einen Festtag bereitet, was

dadurch noch deutlicher hervortrat, daß wir nach einer halben Stunde zu

einem freien Platz gebeten wurden, wo über 30 Frauen zum Tanz angetreten

standen. Anzug und der Tanz selbst waren wie in Urakukua, daher nicht

weiter erwähnenswerth, doch spielten sich abseits für mein Auge zwei

kleine Scenen ab, welche ich erwähnen möchte.

Nicht weit von mir, an einer Stelle, wo der um uns gebildete Kreis der

Eingeborenen etwas gelichtet war, stand ein kleiner, vollentwickelter,

reizender Backfisch mit den Händen auf dem Rücken und schaute so

unverwandt nach mir hin, daß ich zu ihm trat, um ihm ein kleines Geschenk

zu geben. Bei meiner Annäherung blieb das nackte Mädchen ruhig stehen, bis

ich dicht vor ihm war, dann aber drehte es sich schnell um und nahm die

Arme so geschwind nach vorn, als ob es Angst hätte, mit denselben etwas zu

verdecken, lief rasch einige Schritte, blieb dann wieder stehen, um sich

zurückzuwenden und ihre Hände schnell wieder auf dem Rücken zu verbergen.

Lag bei ihr das Schamgefühl in den Händen? Ich mußte lachen und kehrte

auf meinen Platz zurück.

Den Mittelpunkt des andern Bildes gaben zwei junge Burschen ab, Jünglinge

in gleichem Alter, welche Arm in Arm untergefaßt und in der freien Hand

den Speer tragend auf einem seitlich von uns freigebliebenen Raume mit

ernsten Mienen in eifrigem Gespräch auf- und abgingen, ohne uns aus den

Augen zu lassen. Ich glaube in ihren Gesichtern lesen zu können und zu

errathen, was ihre Seele bewegt. Sie bauen, wie wir es in gleichem Alter

gethan haben, Luftschlösser, in welchem sie die Helden sind und sich

zu Herren meines Schiffes machen, wenn zwei Voraussetzungen zutreffen,

nämlich wenn sie einen engen Hohlweg mit einer großen Fallgrube am Ende

finden und es ihnen gelingt, uns Fremdlinge hineinzulocken. Sie stehen

gedeckt am Ende des Weges und warten auf unser Kommen, um jeden aus dem

Wege Heraustretenden mit sicherm Stoß so ins Herz zu treffen, daß er

lautlos und von den Nachfolgenden ungesehen in die Grube stürzt. Ihr Arm

erlahmt nie, einer nach dem andern von uns fällt, und nur die zwei letzten

werden als lebende Trophäen und ihre nunmehrigen Sklaven von ihnen zum

Heimatsdorfe gebracht. Mit dem jetzt ihnen gehörenden Schiffe machen sie

sich dann zu Königen von Neu-Britannien und von noch viel anderm Land,

welches sie erreichen können.

Nach dem Tanz machten wir noch einen Spaziergang durch den Ort, in

welchem es laut herging, da meine beurlaubten Mannschaften alle Straßen

belebten und in dem Wunsche, auch ein Andenken an ihren Besuch bei den

Menschenfressern mit nach Hause zu bringen, die Ursache eines regen

Tauschhandels geworden waren. Durch die Freigebigkeit des Herrn Weber,

welcher mir für meine Mannschaft einen großen Ballen Taback geschenkt

hatte, war es mir möglich geworden, die Leute auch mit gangbarer Münze

(einige Stangen Taback) zu versehen und ihnen so die Möglichkeit zur

Erwerbung eines Andenkens zu geben.

Ganz Matupi ist eigentlich nur ein großes Dorf mit vielen Straßen.

Jeder selbständige Eingeborene hat sein Haus nebst daran gelegenem Land

mit einem Zaun umgeben, und da das Land gut bebaut und bepflanzt ist,

so macht das Ganze den Eindruck vieler ordentlich gehaltener Gehöfte

mit dazwischenliegenden Straßen. Vor einem Hause sahen wir Frauen in

Trauerkleidung, die darin besteht, daß das Gesicht mit einem aus Ruß

und Oel hergestellten schwarzen Anstrich bedeckt ist, welcher über den

Augenbrauen beginnt, beinahe bis zu den Ohren reicht und unter dem Munde

abschneidet. Bei Männern habe ich ein solches oder ähnliches äußeres

Zeichen der Trauer nicht gesehen. Vor einem andern Hause fanden wir

zwischen mehrern Frauen eine, welche laut schrie, aber verstummte, als

wir vor ihr stehen blieben, und ihr Geheul wieder anstimmte, sobald

wir zurücktraten. Ich bat einen Herrn, sich zu erkundigen, was dies

bedeute, und wir erhielten die Antwort, daß die Frau von ihrem Manne

Prügel bekommen habe. Da sie keine Thränen vergoß und die Execution wol

auch schon vor einiger Zeit stattgefunden hatte, so bleiben nur zwei

Möglichkeiten für diese Schmerzäußerung bestehen. Entweder gehört es

mit zur Strafe, daß sie der ganzen Nachbarschaft durch ihr Geheul die

Thatsache persönlich mittheilen muß, oder aber sie will Aufsehen erregen

und sich zum Gegenstand der Neugierde und Bemitleidung machen.

Am nächsten Morgen fuhr ich in aller Frühe in meinem Boote noch nach

der in der Nähe liegenden kleinen Insel, welche ihren Ursprung dem am

9. Februar 1878 stattgehabten vulkanischen Ausbruch der einen Tochter

verdankt. Sie bildet einen schmalen, fast kreisrunden Sandring von 10 m

Höhe und einem ganzen Durchmesser von etwa 90 m; hat innen eine Lagune

mit noch heißem, sehr schwefelhaltigem Wasser, welche durch einen kleinen

Durchbruch mit dem Meere in Verbindung steht. Die Insel hat also genau die

Gestalt der mit Atoll bezeichneten Koralleninseln und würde eine solche

geworden sein, wenn der obere Rand des Ringes unter der Wasseroberfläche

geblieben und später noch einmal der ganze Meeresboden ebenso gehoben

worden wäre, wie es bei dem jetzigen Kraterausbruch der Fall war. Die

im Innern aufsteigenden Schwefeldämpfe vernichten die sich hierher

verirrenden Korallenthierchen, wenn der Boden innerhalb der Lagune ihnen

sonst den Anbau gestatten sollte, und ich komme hiernach immer mehr zu

der Ueberzeugung, daß die von mir gegebene Erklärung der Entstehung der

Koralleninseln den größten Anspruch auf Wahrscheinlichkeit hat.

Um 8½ Uhr vormittags verließ ich Matupi wieder, ging um die

Gazelle-Halbinsel und steuerte an der Nordküste Neu-Britanniens entlang,

wo ich für kurze Zeit auch an einer deutschen Station stoppte, um einen

zum Schiffe gekommenen Häuptling zu empfangen, welcher frische Kokosnüsse

als Geschenk brachte und mir persönlich auch noch seinen schönen, mit

einem Strauß aus schwarzen Federn gezierten Speer schenkte. Um 2½ Uhr

nachmittags ankerten wir in Port-Weber, wo der Consul sein Pathenkind,

den nach ihm benannten Hafen, zum ersten mal sehen sollte. Der deutsche

Agent kam an Bord und erzählte, daß kurz vor unserer Ankunft dicht bei

seinem Hause ein größerer Kampf zwischen Eingeborenen stattgefunden habe

und etwa 100 Schritte entfernt im Busch noch zwei Leichen lägen, welche

die Eingeborenen jedenfalls aus Furcht vor dem ankommenden großen Schiffe

zurückgelassen hätten. Unser Zweck war hier, wie schon erwähnt, denjenigen

Häuptling, welcher den Agenten bedroht hatte, zur Vernunft zu bringen;

es wurde deshalb ein in Diensten des Agenten stehender Eingeborener

abgeschickt, ihn zum Schiffe zu bestellen. Der Mann war infolge der

Aufregung des kürzlich erst beendeten Kampfes nicht geneigt, den Auftrag

auszuführen, seine Bedenken schwanden aber, als der Agent seine eigene

Büchse ihm zum Schutze mitgab. Nun war er bereit, nahm das ungeladene

Gewehr mit dem Kolben nach oben über die Schulter und zog stolzen

Schrittes ab. Auf meine Frage, was das Gewehr ihm nützen solle, wurde mir

die Antwort, daß das Gewehr an sich ihm ausreichenden Schutz gebe, mithin

die Attrape also genügend war. Ich rechnete übrigens nicht darauf, daß der

Mann kommen würde, und wollte mich daher mit der Thatsache, hier gewesen

zu sein, begnügen.

Ich bekam hier einen Einblick in das Leben dieser Agenten und verstehe

danach kaum, wie sich zu solchem Leben überhaupt noch Männer finden.

Diese Station ist vorläufig die am weitest vorgeschobene, ist auf dem

Seewege 40 Seemeilen sowol von Matupi wie von Makada entfernt, und nur auf

diesen Weg ist zu rechnen, da der Landweg den Europäern vorläufig noch

verschlossen ist. Allerdings hat die Handels- und Plantagengesellschaft

ein größeres Segelschiff zum Schutze ihrer Agenten an der Küste dauernd

stationirt. Hier lebt nun der Mann fern von Menschen, umgeben von dichtem

Urwald in einem kleinen Blockhaus mit einem Eingeborenen als Diener,

auf dessen Zuverlässigkeit er auch keineswegs bauen kann, ganz allein,

fortwährend von den in der Nähe wohnenden Stämmen bedroht. Von hier aus

macht er in steter Lebensgefahr seine kleinen Geschäftsreisen in das

Innere, hier empfängt er die Eingeborenen, welche gegen Copra, Schildpatt

u. dgl. europäische Waaren eintauschen wollen, und hier im eigenen Hause

muß er noch vorsichtiger sein als außerhalb desselben, weil der Anblick

der begehrten Artikel so leicht zum Mord reizen kann. Allein muß er sein

Haus und Leben bewachen und vertheidigen; seine Nahrung besteht nur in

Conserven, wenn ihm sein Diener nicht ab und zu Fische fängt oder Früchte

bringt. Diese Wohnstätte machte auf mich einen so trübseligen Eindruck,

wie ich nur je einen gehabt habe, und dies um so mehr, als der Mann auch

noch häufig am Fieber leiden soll und dann keinerlei Pflege hat.

Da es inzwischen Abend geworden war und wir die nächste Umgebung und den

Kampfplatz nicht mehr besichtigen konnten, kehrten wir an Bord zurück,

um hier bei einem Glase guten Weins das Abendconcert unserer Kapelle

zu genießen und dabei zu finden, daß ein Kriegsschiff doch nicht der

schlechteste Aufenthaltsort ist, wenn man auch schon seit Wochen keinen

frischen Proviant mehr gesehen, sondern nur von Conserven gelebt hat.

In Matupi war es mir allerdings gelungen, dem dortigen Hernsheim’schen

Agenten zwei sorgsam gehütete magere Enten, welche er Gott weiß woher

erlangt hatte, abzujagen, da man hier sagen kann: „Noth bricht Eisen“,

aber diese reichen eben nur für meinen Gast und mich, und die armen

Offiziere gehen auch hier leer aus, während die Mannschaft ja kürzlich

durch die geschenkten zwei Schweine einmal wieder frisches Fleisch zu

essen bekommen hatte.

Der Morgen des 18. fand uns wieder reisefertig, doch entschloß ich mich

auf die Mittheilung des Agenten hin, daß der hierherbefohlene Häuptling

kommen wolle, noch bis 9 Uhr zu warten. Als sich zu dieser Stunde noch

nichts sehen ließ, gab ich den Befehl zum Ankerlichten und gerade, als

der Anker eben aus dem Grund gebrochen werden sollte, stieß ein Kanu vom

Lande ab. Ich ließ daher halten und sah bald zu meiner Befriedigung den

gesuchten Mann bei mir an Bord. Es war viel, daß er gekommen war, und

dies zeigte sowol, daß er Vertrauen zu uns hatte, wie auch, daß seine

Drohungen nicht ernst gemeint oder falsch verstanden waren. Wir schieden

als gute Freunde und nun wurde unter Segel und Dampf die Rückfahrt nach

Makada angetreten, wo wir um 4 Uhr nachmittags eintrafen und gleich

mit dem Uebernehmen des inzwischen geschlagenen Holzes begannen. Von

Herrn Hernsheim, welcher direct von Matupi in einem offenen Boot hierher

zurückgekehrt war, erfuhr ich mancherlei Angenehmes. Zunächst, daß die

Leute in Ruluana fleißig beim Copraeinsammeln seien und der heute von

dort hierher zurückgekehrte Agent versichert habe, wie ihm seit seinem

Hiersein noch nie von den Eingeborenen eine so zuvorkommende Behandlung

zutheil geworden sei, als in Ruluana nach unserer Landung daselbst.

Ferner bat er, von einer weitern Verfolgung der Häuserbauangelegenheit

abzusehen, weil alle Leute der betreffenden Häuptlinge für mich hätten

Holz schlagen müssen. Mit dem Bau sei aber begonnen und derselbe nur noch

nicht fertiggestellt. Ich erklärte mich damit einverstanden und konnte von

dem beabsichtigten nächtlichen Streifzug, bei welchem ich die Häuptlinge

im Falle der Nichterfüllung ihres Versprechens aufheben wollte, absehen.

Weiter, und dies war die Hauptsache, theilte er mir mit, daß am nächsten

Morgen die neun Häuptlinge, welchen der Hafen von Makada gehörte, zu mir

kommen wollten, um mir ihren Hafen zu verkaufen, und schließlich hörte ich

noch zu meiner Freude, daß King Dick uns zu Ehren doch noch einen Dug-Dug

für den nächsten Nachmittag angeordnet habe und er mir dies am nächsten

Morgen selbst mittheilen wolle.

Am 19. morgens 9 Uhr war meine Kajüte zum Empfang der Häuptlinge bereit.

Unparteiische, Zeugen und Dolmetscher waren anwesend, die in Englisch und

Deutsch ausgefertigten Kaufbriefe lagen auf dem Tische. Wir brauchten

nicht lange zu warten, denn bald erschienen neun Eingeborene, an ihrer

Spitze King Dick mit einer schwarz-weiß-roth angestrichenen Blechkrone

auf dem Kopfe, welche, wie ich nachher erfuhr, die Offiziere hatten

anfertigen lassen und ihm beim Betreten des Schiffes aufgesetzt hatten.

Mit Ausnahme von King Dick und Torragud, welcher wieder seine blaue Jacke

trug, waren alle in ihrer Nationaltracht, nackt mit dem Speer in der

Hand. Nach kurzer Begrüßung nahmen die Häuptlinge in der landesüblichen

Weise auf meinem Teppich in einem Halbkreise um uns Platz, d. h. halb

hockten sie und halb saßen sie. Die Füße bleiben dabei dicht am Körper,

die Knie stehen hoch und sind soweit geöffnet, daß der Kopf zwischen

ihnen liegt. Das Geschäftliche war bald erledigt. Nach nochmaliger Frage

erklärten die Häuptlinge genau zu wissen, um was es sich handele und daß

sie bereit seien, gegen den verabredeten Kaufpreis ihren Hafen an mich zu

verkaufen, baten aber, daß es ihnen doch erlaubt werden möge, in dem Hafen

fernerhin zu fischen, solange ich nicht fischen wolle. Dieser Punkt war

von uns übrigens vorher schon erwogen und in den Kaufbrief aufgenommen

worden, weil der Besitzer des Hafens nach hiesigen Rechtsbegriffen auch

nur allein das Recht zum Fischen hat und es mir fern lag, die Leute in

dieser Beziehung beschränken zu wollen. Als ihnen daher der Kaufbrief

vorgelesen und übersetzt worden war, nach welchem sie nur das Wasser

und den Strand verkaufen, das Fischereirecht dagegen behalten und ferner

auch den Schiffen anderer Nationen das Anlaufen des Hafens freigestellt

bleibt, sprangen sie sofort auf, um den Brief durch ihr Handzeichen zu

vollziehen und demnächst ihr Theil an dem Kaufgeld, welches vornehmlich

in Kleidungsstücken, Beilen, und Messern bestand, zu empfangen. Topulu

brachte danach noch seine Dug-Dug-Einladung an und dann trennten wir

uns bis zum Nachmittag, bis zu welcher Zeit auch das Holz übernommen und

verstaut sein mußte, sodaß ich meiner Besatzung dieses seltene Schauspiel

auch zugängig machen konnte. Unten im Schiff waren schon alle disponiblen

Räume mit Holz ausgefüllt und das Oberdeck war vorn bis auf einen

offengehaltenen schmalen Weg auch schon bis zur Reling vollgepackt.

Nach dem Mittagessen der Mannschaft wurden die großen Boote ausgesetzt und

das aus 130 Mann bestehende Landungscorps machte sich zur Ausschiffung

bereit. Noch ehe wir vom Schiffe absetzen, wird es auf dem Hafen schon

lebendig, von allen Seiten strömen Kanus nach dem Nordende von Amakada,

weil der Dug-Dug bei dem Hause des Herrn Brown stattfinden soll. Auch

zeigen sich schon einzelne Dug-Dug-Tänzer, welche immer einer mitten in

einem von mehrern Männern geruderten Kanu stehen und unter dem Singen der

Ruderer und Schlagen der Trommel fortwährend in Bewegung sind, weil sie

nie stehen, im Boot aber auch nicht sitzen dürfen. Unter fortwährendem

Hopsen wiegen die Masken auf und nieder, nach vorn und hinten. Wir sind

auch bald an unserer Haltestelle angelangt, einer kleinen, von reicher

Vegetation eingerahmten Bucht, wo alle Boote gleichzeitig anlegen können

und wo auf dem Strande eben Platz genug ist, daß die Mannschaften antreten

und sich ordnen können. Der dort einmündende Pfad ist aber so schmal,

daß wir auf ihm zu zwei und zwei hintereinander marschiren müssen. Diesen

Marsch auf dem weichen, mit saftigem Gras bewachsenen Pfad werde ich nie

vergessen. Ueber uns das dichte Laub der mächtigen Baumriesen, welche nur

hier und da den Sonnenstrahlen ein zeitweises Durchflimmern gestatten,

zur Rechten und Linken den Blick in den herrlichen, majestätischen Ur-

und Hochwald, welcher nur unten mit 1 m hohem Gestrüpp bestanden ist, und

dabei rund um uns, vorn, hinten, rechts und links ein unsichtbares Leben

von gar eigenartiger Wirkung, welches uns unwillkürlich verstummen macht.

Der ganze Wald scheint mit Waldgeistern bevölkert, welche laute Jauchzer,

dumpfe Trommelschläge und merkwürdig metallische, durch Blasen auf grünen

Blättern erzeugte Töne zu uns herübersenden, ohne daß wir deren Urheber

sehen. Es sind alle die, welche zum Dug-Dug eilen, um ihn zum Festplatz

zu geleiten.

Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee · 第 42 / 56 段