einem versteckten Platz, wo in einer langen schmalen Hütte acht sehr schön
geschnitzte Dug-Dug-Masken mit den zugehörigen Laubkleidern aufbewahrt und
Tag und Nacht von einem Mann bewacht werden, dessen Hauptaufgabe es ist,
die Weiber von dem Platze fern zu halten, weil diese von dem Vorhandensein
der Masken nichts wissen dürfen, sondern in dem Glauben erhalten werden,
daß die Dug-Dugs Geister seien, welche sich nur an bestimmten Tagen den
Augen der Menschen zeigen. Daß die Weiber heutzutage noch daran glauben,
bezweifle ich, doch wird wenigstens der Schein gewahrt.
Hiernach mußten wir dem eifrigen, auf seinen großen Besitz stolzen Topulu
auch noch zu seinen Fischereianlagen folgen, welche etwa zehn Minuten
weiter am Ufer auf einem freien Platz mit Sandstrand liegen. Eine große
offene Hütte mit Fußboden, welcher auch mit dem schwarzen Sande bestreut
ist, schien mir eine Art Festhalle und Berathungshaus zu sein; in einer
andern gleichfalls offenen noch größern Hütte hing ein außerordentlich
sauber gearbeitetes, sehr großes, kunstgerecht geknüpftes und auch nach
unsern Begriffen werthvolles Fischernetz; ferner waren da Fischreuse und
Angelleinen mit aus Perlmutter oder Schildkrot gefertigten Angelhaken.
Die ganze Anlage machte einen höchst saubern und netten Eindruck. Die
Fischereigeräthe stehen durchaus auf der Höhe der Zeit, da wir Europäer
auch nichts Besseres liefern können.
Es war für mich inzwischen Zeit geworden, an Bord zurückzukehren, da der
englische Missionar Mr. Brown mir seinen Besuch zu 5 Uhr hatte ansagen
lassen und ich den Herrn doch gern persönlich empfangen wollte. Unsere
erste Unterhaltung ist in der Hauptsache am Anfange dieses Berichts
wiedergegeben und drehte sich vorzugsweise um die Person meines Gastes,
welchem ich leider auch nur ernste Nachrichten überbringen konnte.
Ich hielt es für meine Pflicht, ihm zu sagen, daß der Oberrichter der
Fidjigruppe, zu welcher alle in diesen herrenlosen Ländern lebenden
englischen Unterthanen gehören, mir mitgetheilt habe, daß er persönlich
Anfang Januar mit einem englischen Kriegsschiff hier eintreffen würde,
um ihn (Mr. Brown) vorläufig in Haft zu nehmen und zur Aburtheilung nach
Levuka zu bringen, und wie die dortige öffentliche Meinung dahin ginge,
daß das Urtheil auf mindestens fünf Jahre Gefängniß wegen Todtschlags
lauten würde. Des weitern bot ich dem bedrängten Manne meine Hülfe nach
jeder Richtung hin an und machte ihn mit Maßregeln bekannt, welche ich in
Anerkennung seiner um die deutschen Unterthanen erworbenen Verdienste zu
seiner Entlastung bereits getroffen hatte. Diese scheinen ihm zu seiner
Sicherung so ausreichend zu sein, daß er mir unter Verzichtleistung auf
jede fernere Unterstützung tief bewegt und um vieles erleichtert dankte.
Auf die Klagesache des Herrn Hernsheim wegen der niedergebrannten Station
übergehend, trat er der von diesem Herrn ausgesprochenen Ansicht dahin
bei, daß bei dem geringen Geldwerth des in Frage stehenden Objects und
bei dem augenblicklich bestehenden guten Einvernehmen zwischen Weißen
und Eingeborenen es politisch sei, auf eine ernste Sühne dieser vor
Jahresfrist stattgehabten Brandstiftung zu verzichten. Ich schloß mich
dieser Auffassung nach Erörterung aller einschlagenden Punkte auch an,
mußte aber immerhin auf dem äußern Zeichen einer Strafe bestehen und bat
daher Herrn Brown, am nächsten Vormittag 9 Uhr ebenfalls wieder an Bord
zu kommen, um bei der zu dieser Stunde anberaumten Verhandlung mit den
Brandstiftern als Dolmetscher einzutreten.
Der 12. December sah zu der vorgenannten Zeit die Betheiligten bei mir
versammelt. Die mit Herrn Brown gekommenen beiden angeklagten Häuptlinge,
welche nicht gewagt hatten allein zu kommen, betraten zitternd und
kaum der Sprache mächtig meine Kajüte, um hier wenigstens den Versuch
zu machen, die Urheberschaft von sich abzuwälzen, was ihnen jedoch
nicht gelang. Das für die Missethäter sehr glimpfliche und sie sichtbar
befriedigende Resultat der langwierigen Verhandlung war, daß jedem von
ihnen aufgegeben wurde, auf dem Platze des Herrn Hernsheim ein Haus in
Form und Größe der niedergebrannten aufzubauen, mit der Bedingung, daß
beide Häuser bis zum 19. d. M. fertig sein müßten, damit ich sie noch
vor meiner Abreise sehen könne. Die Häuser oder besser Hütten haben an
sich keinen Werth und werden vielleicht bald, ohne benutzt worden zu
sein, wieder eingerissen; der zwangsweise Bau im Angesicht der ganzen
Bevölkerung wird aber einen großen moralischen Eindruck machen und sich
somit als nutzbringend erweisen.
Nach Erledigung dieser Sache fuhr ich mit Herrn Brown über den Hafen, um
ihm und seiner Gattin meinen Besuch in seinem Hause zu machen. Der Hafen
hat heute ein anderes Gesicht als gestern. Die sonntägige Ruhe hat einer
herzerquickenden Rührigkeit Platz gemacht, überall in unserer nächsten
Umgebung sind die Menschen in voller Arbeit.
Bei der deutschen Factorei liegen meine Boote mit etwa 60 Matrosen, um
die an Land lagernden für uns bestimmten großen Massen von Proviant zu
holen, dicht daneben sind 50 Eingeborene damit beschäftigt, Kohlen in
große Prähme zu bringen, und von allen Seiten hallt die Luft wider von
den dröhnenden Axtschlägen der Eingeborenen, welche in der Zahl von mehr
denn hundert für mich Holz schlagen. Unsere Dampfpinasse fährt fortgesetzt
zwischen Schiff und Land hin und her, um Boote oder Kohlenprähme zu
schleppen, Offiziere und Aufsichtspersonal zum Lande zu bringen oder
von dort abzuholen. Auch auf dem Schiffe selbst ist die ganze Besatzung
in voller Thätigkeit, um die ankommenden Sachen in Empfang zu nehmen,
die Takelage auszubessern und für die fernere Seereise wieder bereit
zu machen, die einzelnen Maschinentheile nachzusehen und hier und da
im ganzen Schiffe kleine Schäden zu beseitigen. Kanus mit Eingeborenen,
aber immer nur mit Männern, kreuzen den Hafen nach allen Richtungen, um
sich aus größerer Entfernung oder mehr aus der Nähe das mächtige Schiff
anzusehen, welches dieses ungewohnte Leben verursacht und es fertig
gebracht hat, so viele ihrer Stammesgenossen für sich arbeiten zu lassen;
einzelne Kanus wagen sich auch bis zum Schiffe, einzelne Männer sogar bis
auf dasselbe.
Großes Wohlbehagen durchzieht mich während der Bootfahrt in dieser
herrlichen Natur unter dem eigenartig melodischen Geräusch eifriger
Thätigkeit bei dem Gedanken, daß dieser schöne Hafen wahrscheinlich in
wenig Tagen in meinem Besitz, oder wenn das Deutsche Reich ihn haben
will, in den Händen Deutschlands sein wird. Denn da es keinem Zweifel
mehr unterliegt, daß bei den Rechtsbegriffen der hiesigen Eingeborenen
nur die Uebertragung durch Kauf verstanden und als rechtsgültig angenommen
wird, so habe ich mich zum Kauf entschlossen und werde den Hafen, soweit
sich bisjetzt übersehen läßt, wol auch erhalten. Wie das kaum Erhoffte so
schnell und leicht gekommen ist, möchte der Leser vielleicht gern wissen,
doch gehört das nicht hierher.
Nach Zurücklegung von 2½ Seemeilen landeten wir an der Westseite der
nördlichen Halbinsel von Amakada, gingen etwa 20 Minuten auf schmalem
Fußpfade durch herrlichen Urwald bis zum jenseitigen Ufer, wo in einer
größern Ansiedelung die sogenannten Missionslehrer mit ihren Familien in
saubern Häusern leben, und stiegen dann auf ziemlich steilem breitern
Wege bis zu dem nahezu 30 m hochliegenden Rücken einer zum östlichen
Ufer steil abfallenden Klippe, wo das geräumige und bequem eingerichtete
Holzhaus der Mission mit einer großartigen Fernsicht auf das Meer und
die gegenüberliegende bergige Insel Neu-Irland liegt. Frau Brown, eine
mittelgroße, etwas hagere Dame von vielleicht 40 Jahren, welche schon
viele Jahre der Entbehrung und mancherlei Gefahren mit ihrem Gatten tapfer
getheilt und bisher glücklich überstanden hat, empfängt uns. In ihrer
Gesellschaft finden wir meinen Schiffskameraden, den nimmer rastenden
Herrn Weber, welcher auch hier mancherlei zum Nutz und Frommen seiner
Landsleute zu thun hat, sowie noch einen jüngern Geistlichen mit seiner
ihm vor wenigen Monaten angetrauten jungen Frau, einer 20 Jahre alten
Engländerin. Dieses junge Ehepaar ist erst seit wenigen Wochen hier, um
demnächst nach Neu-Britannien überzusiedeln und die dortige Mission unter
der Oberleitung von Herrn Brown zu übernehmen. Zwei kleine Browns, Kinder
zwischen 6 und 10 Jahren, und ein noch ganz kleiner Brown vervollständigen
das Familienbild. Die größern vier Kinder befinden sich bei Verwandten in
Auckland zu ihrer Ausbildung und um sie den hiesigen urwüchsigen Zuständen
zu entrücken. Frau Brown macht einen sehr gedrückten Eindruck, weil sie
voll Sorgen der Zukunft entgegensieht und die Hoffnungsfreudigkeit ihres
Mannes nicht theilen kann. Gebe Gott, daß diese schwergeprüfte Frau bald
von dem Alp, welcher auf ihrer Familie lastet, befreit sein möge![E]
[E] Gegen Mr. Brown ist, wie ich später erfahren habe, die
Anklage nicht erhoben worden, vielmehr hat er, wenn auch spät,
von competenter Stelle eine Anerkennung für sein braves und
richtiges Auftreten erhalten.
Auf dem Rückwege nahm ich noch Gelegenheit, mit Herrn Hernsheim in den am
Wege liegenden Häusern der beiden Häuptlinge, mit welchen wir am Morgen
bei mir an Bord zu thun hatten, vorzusprechen, um diesen Leuten zu zeigen,
daß ich ihren Schlupfwinkel kenne. Sie versicherten gleich, daß schon alle
Anordnungen für den Häuserbau getroffen seien, und sie mit der Arbeit
sofort vorgehen würden, sobald ihre Leute, welche jetzt für mich Holz
schlügen, frei geworden wären. Weiter unten dicht am Strande besichtigte
ich dann noch das in einem verschlossenen Hause aufbewahrte Staatskanu
von Topulu, welches merkwürdigerweise nicht im Wasser, sondern nur auf
dem Lande Verwendung findet. Dieses Fahrzeug ist ein wahres Meisterstück
der Holzschnitzerei und um so mehr des Anstaunens werth, als die ganze
Schnitzarbeit mit den unvollkommensten Werkzeugen, mit Muschelscherben
und geschärften Steinen, hergestellt ist. Ich nenne es ein Meisterwerk,
denn wenn die rund um das Fahrzeug auf dem Dollbord dicht aneinander
stehenden und aus einem Stück Holz herausgeschnittenen 60 cm hohen
Figuren, welche Menschen und Thiere darstellen, auch keinen Anspruch auf
richtiges Ebenmaß der einzelnen Körpertheile machen können, sondern nur
als Caricaturen zu betrachten sind, so ist die Arbeit doch eine so saubere
und in ihrer Art vollendet künstlerische, daß ich nur die vorstehende
Bezeichnung gebrauchen kann. Dieses zerbrechliche, buntbemalte, wie aus
Filigran hergestellte, an 5 m lange Boot wird nur zu dem einmal jährlich
stattfindenden großen Dug-Dug-Fest hervorgeholt und dient dann, von
mehrern Männern getragen, dem in ihm sitzenden Topulu gewissermaßen als
Thron.
Zur deutschen Niederlassung zurückgekehrt, um mich dort von dem Stand
der Arbeiten zu unterrichten, fand ich auf der Veranda des Hauses ein
wahres Prachtexemplar von einem Eingeborenen, eine athletische Gestalt
von solchem Ebenmaß der Glieder, daß ich mit wahrem Entzücken dieses
Wunderwerk der Natur betrachten mußte und zum ersten mal in meinem Leben
von der Wahrheit der classischen Darstellung des Hercules durch das
griechische Alterthum wirklich überzeugt wurde. Leider trug der Mann eine
wollene, eng anschließende himmelblaue Unterjacke ohne Aermel, welche,
vom Hals bis zu den Hüften reichend, im Verein mit den dunkelbraunen
unbedeckten Körpertheilen ein so merkwürdiges Bild abgab, daß man zum
Lachen gereizt worden wäre, hätte der Kerl nicht so ideal schöne Formen
gehabt. Er ist nach Topulu der angesehenste und reichste Häuptling
der Duke of York-Inseln, heißt Torragud und war bis vor kurzem der
gefürchtetste Menschenjäger und Menschenfresser. Das letztere hat er,
beeinflußt von der Mission und den hier lebenden Europäern aufgegeben, das
erstere aber konnte ihm bisher nicht abgewöhnt werden, und allem Anschein
nach wird er dieser Forderung auch fernerhin energischen Widerstand
leisten. Er macht auf die im Innern von Amakada lebenden Eingeborenen,
welche von den Küstenbewohnern durchgängig als jagdbares Wild angesehen
werden, regelmäßige Treibjagden und verkauft die erlegten Menschen
nach Neu-Irland, wo der Kannibalismus am ausgebreitetsten sein soll. Am
liebsten tauscht er für die seltene Waare Weiber oder Kinder beiderlei
Geschlechts ein -- weshalb? werde ich weiterhin auseinandersetzen.
Torragud ist, wie er kraftstrotzend mit dem Speer in der kernigen Hand
so vor uns steht, mit dem mächtigen Kopfe und dem großen Mund, mit den
zwischen den wulstigen Lippen vorleuchtenden, vom Betelkauen schwarz
gefärbten gesunden Zähnen der wahre Typus eines Menschenfressers, wie man
ihn sich in Europa vorstellt. Der angenehm freundliche Zug, welcher sein
häßliches Gesicht bei unserer Begrüßung verschönt, kann diesen Eindruck
ebenso wenig verwischen, wie sein eigenartiges herrisches Lachen, denn
in dem ganzen Gesicht zeigt sich doch ein Ausdruck von solch überlegener
Hoheit, daß er immer der über Leben und Tod gebietende Herr bleibt.
Es würde ermüden, wollte ich meine weitern hiesigen Erlebnisse den
Tagen und Stunden folgend niederschreiben, ich werde sie daher in sich
zusammengefaßt wiedergeben.
Die Männer, welche ich gesehen habe, sind durchweg sehnige, kräftige
Gestalten von ebenmäßigen Formen, ohne viel Fleisch, eher etwas schmächtig
und über Mittelgröße, durchschnittlich 1,65-1,70 m groß. Die Frauen sind
ebenfalls von gutem Körperbau, voller in den Formen als die Männer und
vorwiegend klein, etwa 1,45 m groß, doch findet man hin und wieder auch
einzelne hohe, schlanke Gestalten, welche aber, soweit mir aufgefallen
ist, feinere Nasen, kleinern Mund und hellere Hautfarbe haben. Die Farbe
der Männer habe ich ziemlich gleichmäßig chocoladenbraun gefunden, während
die der Frauen von hellem Braun bis zu tiefem Schwarz wechselt. Dies mag
daher kommen, daß die Frauen als lebende Waare vielfach von andern Inseln
eingehandelt werden. So wurde mir auch von glaubwürdiger Seite versichert,
daß in Neu-Irland die Mädchen, um sie im Preise steigen zu lassen,
künstlich gemästet und gebleicht werden. Dazu werden sie in einen kleinen
dunkeln, nur für eine Person bestimmten und als Käfig zu bezeichnenden
Raum gebracht, welcher nur eben so groß ist, daß die Person stehen und
liegen kann. Täglich mehrere mal wird sie dann, um das Bauer nicht zu
verunreinigen, von zwei Männern herausgetragen und, ohne ihr irgendwelche
körperliche Bewegung zu gestatten, gleich wieder zurückgebracht; im
übrigen bekommt sie gute Nahrung und wird sorgfältig gepflegt, um, sobald
sie genügend fett geworden und gebleicht ist, zum Verkauf gestellt zu
werden. Zur Verwendung als Nahrungsmittel werden sie aber nicht gemästet,
weil in diesem ganzen Archipel Frauen als viel zu nützliche Geschöpfe
überhaupt nie gegessen werden sollen, wie denn auch getödtete Männer nur
dann Käufer finden sollen, wenn der Verkäufer an dem Körper eine frische
Speerwunde vorweisen, also die weidgerechte Erlegung nachweisen kann.
Ich muß hier einflechten, daß meine Quellen für all das, was ich nicht
selbst gesehen habe, die Herren Brown, Hernsheim und Kapitän Levison
sind, ernste Männer, denen ich rückhaltslos vertraue. Aber auch weniger
glaubwürdige Männer würden in Anbetracht des durchweg ernsten Verkehrs
zwischen uns, wie in Rücksicht auf die Stellung, welche ich gerade in
dieser gewitterschwülen Zeit hier einnahm, sich jeder launigen Aufbinderei
enthalten haben, wenn sie vielleicht auch sonst dazu Neigung gehabt
hätten. Auch lag es ja, da die Herren meine weitern Dispositionen nicht
kannten und auch aus verschiedenen Gründen nicht zu erfahren brauchten,
daß der in Aussicht stehende Vertragsschluß mit den Samoa-Inseln mich
dahin zurückdrängte, ganz in meiner Hand, mich durch einen kleinen
Abstecher von der Richtigkeit der mir gewordenen Mittheilungen zu
überzeugen. Nach Neu-Irland war sogar eine kleine Reise zur Besichtigung
der dortigen Eigenthümlichkeiten geplant und der Tag der Abreise dahin
festgesetzt worden.
Die besondern Merkmale des Gesichts sind: dicht zusammenstehende Augen,
breite fleischige, platte Nase, sehr großer Mund mit vom Betelkauen
schwarz gefärbten Zähnen und wulstige, vom Betel ziegelroth gefärbte
Lippen. Das wollige Haar wird von den Frauen kurz geschnitten und von
den Männern in ungefähr 10 cm langen den Pudelhaaren ähnelnden Zotteln
getragen. Der Bart der Männer rahmt das Gesicht als schmale, ebenfalls
zottige Krause ein, der übrige Bart ist gewöhnlich wegrasirt.
Verzierungen in oder auf der Haut, wie man es nun nennen mag, haben nur
die Frauen, doch sind dieselben nicht durch Tätowirung eingeäzt, sondern
bestehen in dicken, bis zu 1 cm breiten und ½ cm hohen Narben, welche
künstlich in Gestalt verschiedenartiger Figuren durch Einschnitte in
die Haut vermittelst geschliffener Lavaschlacke oder Muschelscherben
hergestellt werden. Schmuck wird im alltäglichen Leben von beiden
Geschlechtern übereinstimmend getragen und besteht zunächst im Färben
der Kopf- und Körperhaare. Die gewöhnliche Farbe hierfür ist die rothe,
doch sieht man zuweilen auch weiße Köpfe; ob dies nun eine höhere Zierde
darstellt oder nur, wie auch in Samoa und Tonga, dazu dient, den Kopf von
Ungeziefer zu reinigen, mag dahingestellt bleiben, da ich es nicht weiß.
Dann haben beide Geschlechter am untern Rande der beiden Nasenflügel je
ein oder zwei kleine Löcher von nahezu 2 mm Durchmesser und die Männer
vielfach auch noch ein Loch durch die Nasenscheidewand. Diese Löcher,
welche zur Aufnahme von mancherlei Zierath bei festlichen Gelegenheiten
dienen, sind mit kleinen Holzstückchen ausgefüllt, damit sie in der
Zwischenzeit nicht zuwachsen oder sich verengern. Mit einem Halsband
schließt dann der Schmuck und die Bekleidung des Körpers ab, da das von
den Männern getragene Armband, wie ich weiter unten auseinandersetzen
werde, wol nicht als Schmuck bezeichnet werden kann.
Auf das Halsband, in welchem sich so ziemlich der ganze Kunst- und
Schönheitssinn dieser Menschen wiedergibt, wird so viel Mühe und
Sorgfalt verwendet, daß dasselbe eine nähere Beschreibung verdient.
Bei den Männern besteht es vorzugsweise aus dicht aneinander gereihten
Schweins- oder Walfischzähnen, doch tragen Häuptlinge auch gern einen
tellerartigen Halsschmuck, welcher in Größe, Form und auch Farbe wohl am
besten mit einem Pichel, wie er bei uns den Säuglingen vorgebunden wird,
zu vergleichen ist und aus einem steifen Bastgewebe besteht, auf welches
dicht aneinander Diwarra aufgenäht ist, wodurch das Stück auch einen
reellen Werth erhält.
Das Halsband der Frauen ist in der Hauptsache aus kleinen böhmischen
Glasperlen und Opossumzähnen zusammengesetzt und hat an herunterhängenden
kurzen Schnüren vielerlei kleine Zierstücke. Je nach dem Reichthum
des Mannes wachsen auch diese Frauenhalsbänder von einer einfachen
Perlenschnur bis zu 6 cm breiten Bändern mit einem Mittelstück aus
Opossumzähnen, welch letzteres hauptsächlich dem Schmuck Werth verleiht
und zwar deshalb, weil jedes Opossum nur zwei der hierzu verwendbaren
Zähne besitzt, mithin zur Herstellung eines solchen Stücks oft 50
dieser Thiere erforderlich sind. Ein besonders schönes Band, welches
die mit so reichen Narbenmustern gezierte Lieblingsfrau King Dick’s
trug und die es von ihrem Hals lösend mir schenkte, besteht aus einem
gewissermaßen das Schloß bildenden 6 cm hohen und 4 cm breiten Mittelstück
von über 100 Opossumzähnen. An dieses schließen sich nach beiden
Seiten je 12 Perlenschnüre an, welche durch je zwei senkrecht stehende
feine Schildkrotstäbchen geführt sind, wodurch sie in der Bandform
erhalten werden. Vorn an dem Schloß hängen 12, und hinten an den beiden
Bindeschnüren vier und acht 6-10 cm lange einfache Perlenschnüre, an
welchen je eine kleine Muschel, ein Stück geschnittenes Perlmutter (die
Halbmondform ist sehr beliebt), ein alter Knopf, eine ausgehöhlte halbe
Bohne mit daraus hervorstehendem Schweinezahn, ein Stückchen spiralförmig
gedrehter Rinde, eine große bunte Perle u. a. m. befestigt ist. Einzelne
Schnüre sind mit solchem Zierath noch nicht versehen und ich vermuthe,
daß diese noch auf die Geschenke warten, welche der Gatte gelegentlich zu
geben hat. Bei einem zweiten, mir von einer andern Frau Dick’s geschenkten
Halsband, schließt sich an das Mittelstück statt der 12 Schnüre ein aus
Perlen gewebtes breites Band mit zierlichen Mustern an, auch sind die
nach unten hängenden einzelnen Schnüre nicht direct am Schloß befestigt,
sondern es hängt an diesem zunächst ein 10 cm langes und 3 cm breites
Perlenband, dessen Verlängerung die einzelnen Schnüre erst bilden. Die
Halsbänder mit ihren weißen, blauen und rothen Farben, stehen, fest um
den Hals gelegt, den braunen Gestalten entschieden gut. Hier mag angeführt
werden, daß diese Eingeborenen eigentlich nur drei Farben kennen: das aus
einer Erdart gewonnene Roth, das aus Ruß und Palmöl hergestellte Schwarz
und das aus gebrannten Korallen hervorgehende Weiß. Blau kommt allerdings
auch vor, doch ist dies jedenfalls von den Europäern eingeführtes
Indigo. Andere Farben habe ich auf Duke of York und in Neu-Britannien
nicht angewendet gesehen. In Neu-Irland muß nach der Bemalung der dort
gefertigten Masken auch Gelb bekannt sein. Die weiße Farbe scheint die
beliebteste und geschätzteste zu sein, weil beim Tauschhandel die weißen
Glasperlen am höchsten im Preise stehen.
Auf den Schmuck, welcher bei Festen getragen wird, werde ich bei der
Beschreibung der Tänze zurückkommen.
Das von den Männern auf dem linken Oberarm getragene Armband ist
ursprünglich kein Schmuckstück und kann auch jetzt wol noch nicht als
solches gelten, weil es nur sehr vereinzelt in einer andern als der
ursprünglichen Form vorkommt und dann doch auch immer seinem eigentlichen
Zwecke dient. Das gewöhnlichste Armband ist ein einfaches Stück Bast,
welches so fest um die Mitte des Oberarms gebunden ist, daß es in
das Fleisch einschneidet und so in ähnlicher Weise als Tasche dient,
wie die Ohrlappen der Ellice-Insulaner, denn in Blätter gewickelte
Betelnuß, ein Stück Taback, die Pfeife und andere kleine Gegenstände
sind, zwischen Band und Fleisch geschoben, sicher untergebracht. An
Stelle des einfachen Baststreifens findet man auch, aber wie gesagt nur
vereinzelt, breitere aus ganz feinen Bast- und Rohrstreifen sauber und
theilweise mit eingefügten Figuren geflochtene Bänder, welche an den
Rändern wol auch mit Diwarra eingefaßt sind; dieselben bilden aber nie
einen Ring, sondern sind stets zum Binden eingerichtet. Ein in meinem
Besitz befindliches derartiges Band ist 5 cm breit. In Uebereinstimmung
mit Vorstehendem sind auch die aus Muscheln hergestellten Armbänder zum
Binden eingerichtet und bestehen daher aus drei bis vier charnierartig
mit Bindfaden zusammengefügten schmalen Stücken. Die auf andern und
namentlich den Salomons-Inseln vorkommende Sitte, aus einem einzigen
Muschelstück geschnittene geschlossene Armbänder in größerer Zahl über den
Arm gestreift als Schmuck zu tragen, besteht daher hier nicht, wenngleich
solche Armbänder bei den Weißen hier zu haben sind. Danach, ob dieselben
durch die weißen Händler von andern Inseln hierher gebracht werden, oder
ob die Eingeborenen sie als Tauschobject selbst anfertigen, habe ich mich
nicht erkundigt. Gegen die Verwendung der hiesigen Armbänder als Schmuck
spricht übrigens auch noch der Umstand, daß sie nur auf dem linken Arm
getragen werden, weil der Arm infolge des starken Drucks auf den obern
Muskel an der Entfaltung seiner vollen Kraft gehindert wird und diese
Wilden für ihre Waffen (Speer, Schleuder und Keule) der ganzen Kraft des
rechten Armes bedürfen, sie also hier nur ein lose sitzendes Schmuckstück
verwenden könnten.