Das Fischereigeräth besteht aus Angelhaken, Speeren und Netzen. Die

Haken, soweit hierfür nicht auch schon europäische Waare verwendet wird,

sind aus Perlmutter und Bast gefertigt und setzen sich aus drei Theilen

zusammen, einem in Fischform geschnittenen Stück Perlschale und einem

fischschwanzförmigen Bastbündel, beide Theile von gewöhnlich je 5 cm Länge

und etwa 3 cm Breite, sowie dem ebenfalls aus der Perlschale geschnittenen

Widerhaken von etwa 3 cm Länge. Die drei Theile sind an einem Punkte

und zwar am untern Ende des den Fisch darstellenden Muschelstücks durch

Bindfaden miteinander verbunden. Diese Haken, auf welche die Fische

ganz vorzüglich beißen, werden zum Fangen größerer Fische wol immer in

Verwendung bleiben und nie durch andere verdrängt werden. Die Netze werden

gewöhnlich in drei Arten hergestellt, den großen hauptsächlich von den

Männern bedienten Zugnetzen und zweierlei Handnetzen, die vorzugsweise

von den Frauen zum Fischfang in seichtem Wasser benutzt werden. Das eine

der Handnetze entspricht der Form unserer Schmetterlingsnetze, das andere

wird aus vier Stöcken gebildet, von denen zwei etwas über 1 m lang und

durch zwei rechtwinkelig zu ihnen stehende etwa 60 cm lange Querstöcke so

verbunden sind, daß sich ein viereckiger Rahmen von 80 cm Höhe und 60 cm

Breite bildet, welcher durch ein nur wenig sackartiges Netz ausgefüllt

wird.

Der Fliegenwedel ist ein Büschel Fasern aus der Rinde der Kokospalmen

von 30-40 cm Länge und 10 cm Durchmesser, welcher in Form eines

Pferdeschwanzes an einem kurzen Stöckchen befestigt ist. Vereinzelt werden

an Stelle der Fasern auch Roßhaare verwendet.

Die Kämme sind nur Zierstücke und werden von beiden Geschlechtern am

Hinterkopfe getragen.

Die Körbchen und Taschen, welche wol nur als Luxusgegenstände zu

betrachten sind, werden aus Bast oder Stroh geflochten.

Die Holzwaffen, Speere und Keulen, geben den Samoanern Gelegenheit,

ihre Kunstfertigkeit in Schnitzarbeit darzuthun, und finden praktische

Verwendung bei ihren festlichen Schaustellungen und Tänzen. Zu den Speeren

wird gewöhnlich Kokospalmenholz und zu den Keulen Eisenholz verwendet;

beide sind reich mit Schnitzarbeit versehen. Die Keulen, welche selten

länger als 60 cm sind, werden in den verschiedensten Formen hergestellt;

so besitze ich verschiedene, von denen eine dem Schwert des Schwertfisches

nachgebildet ist, eine zweite an die Form des mittelalterlichen

Morgensterns erinnert und eine dritte auf dünnem Stiel eine Kugel von

12 cm Durchmesser trägt.

Trotz des wunderbar milden Klimas und der vorzüglichen gesundheitlichen

Verhältnisse auf den Samoa-Inseln, welche dem menschlichen Organismus so

sehr zusagen, wie man auch an verschiedenen Europäern, die fast schon ein

ganzes Menschenalter dort zugebracht haben, sehen kann, kommt hier, wenn

auch nicht in so ausgedehntem Maße wie auf den Marquesas-Inseln, doch

unter den Eingeborenen ziemlich häufig Lungenschwindsucht vor, was hier

wol ebenso wie dort eine Folge der ungenügenden Bekleidung des Körpers

während der rauhern Regenzeit ist. Von sonstigen Krankheiten lassen sich

eigentlich nur Elephantiasis und eine Hautkrankheit, welche als Ringwurm

bezeichnet wird, nennen. Während die letztere selten ist, sieht man

Elephantiasis ziemlich häufig. Die Krankheit tritt vorzugsweise in den

untern Extremitäten und zuerst an nur einem Beine auf, sodaß in dem Falle,

wenn beide Beine ergriffen sind, das eine einen höhern Grad der Krankheit

zeigt als das andere. Uebrigens werden auch Europäer, die viele Jahre

ununterbrochen auf den Samoa-Inseln gelebt haben, von ihr heimgesucht,

und ich habe einen solchen Fall bei einem über 70 Jahre alten Engländer,

welcher seit nahezu 50 Jahren als Zimmermann auf Upolu lebt, gesehen.

Der rüstige Mann, welcher trotz seiner geschwollenen Beine noch immer

gut zu Fuße ist, scheint äußerlich wenig darunter zu leiden; dies gilt

übrigens auch von den Samoanern. Vielfach wird behauptet, daß dem Mangel

an ausreichender Fleischnahrung die Entstehung der Krankheit zuzuschreiben

ist, doch wird dies von andern Seiten wieder bestritten. Thatsache ist

ja, daß die Samoaner hauptsächlich von vegetabilischer Kost und in erster

Linie von jungen Kokosnüssen und der Brotfrucht leben, andererseits findet

man aber die Elephantiasis vorzugsweise bei den Häuptlingen, die sich

doch mehr Abwechselung in ihrer Ernährung gestatten, und auch Europäer,

welche regelmäßige Fleischnahrung zu sich nehmen, wollen nach längerm

ununterbrochenen Aufenthalt in Apia die Anfänge dieser Krankheit an sich

beobachtet und der Weiterentwickelung nur durch einen längern Aufenthalt

in Australien, Neu-Seeland oder Europa vorgebeugt haben.

Giftige oder den Menschen sonst gefährliche Thiere gibt es auf den

Samoa-Inseln am Lande nicht, dagegen soll im Wasser neben dem Haifisch

noch ein großer Tintenfisch vorkommen, welcher sich zuweilen in den äußern

Korallenriffen einnistet und dort mit seinen Saugarmen den Fuß oder die

in das Wasser greifende Hand des Menschen packen und so festhalten soll,

daß der Ergriffene für verloren gilt, wenn er nicht den Muth findet,

das gefaßte Glied sich selbst abzuhauen, da der unter Wasser befindliche

Arm des Thieres gewöhnlich nicht zu erreichen sein soll. Wie mir erzählt

wurde, sollen die Samoaner, welche auf die äußern Riffe fischen gehen,

aus diesem Grunde stets ein schweres Schlagmesser bei sich führen, und

es sollen verbürgte Fälle von solcher Selbstverstümmelung zur Rettung

des Lebens bekannt sein. Neben diesem Unthier gibt es in den Köpfen der

Samoaner aber noch ein Ungeheuer, welches wol mit unserm sagenhaften

Lindwurm verglichen werden kann. Es sollen jahrhundertealte ungeheuerliche

Aale sein, welche den Menschen mit Haut und Haar verschlingen können

und ihr Hauptstandquartier in dem flachen Wasser zwischen der Westspitze

der Insel Upolu und der kleinen Insel Manono haben. Doch sollen sie sich

zuweilen auch in Höhlen, welche den Ausfluß unterirdischer Flüsse bilden

und von denen sich eine in der Nähe von Saluafata befindet, aufhalten.

Erwähnt sei hier noch ein Beispiel von der vorzüglichen Tauchkunst der

Eingeborenen. Nachdem unser Taucher mehrere mal unter Wasser gegangen

war, um ein Tau an einen uns verloren gegangenen auf 10 m Tiefe liegenden

Anker, dessen Lage wir genau kannten, zu stecken und jedesmal die Meldung

brachte, daß er ihn nicht finden könne, versuchte ich es, ehe ich den

Anker ganz aufgab, noch einmal mit einem samoanischen Naturtaucher. Der

Mann ging hinunter und meldete gleich beim ersten Wiederauftauchen,

daß er das verlorene Stück gefunden habe, ging dann mit dem Ende

eines Taues wieder hinunter und nach weitern 10 Minuten hatten wir

den Anker geborgen. Der für hiesige Verhältnisse hohe Bergelohn von

20 Mark wird dadurch erklärt, daß das Tauchen auf so große Tiefen ohne

Taucheranzug außerordentlich angreifend sein soll, wie denn auch der erst

vierzigjährige Mann bereits weiße Haare hatte, eine große Seltenheit bei

den Samoanern.

Wenn ich auch zu meinem großen Verdruß von den großartigen, den

Amerikanern zu Ehren veranstalteten Festlichkeiten nichts gesehen habe,

so hatte die Liebenswürdigkeit unsers Consuls doch dafür gesorgt, daß

wir schon vorher einen kleinen Einblick in die samoanischen Vergnügungen

bekamen, welche zwar nicht als mustergültige anzusehen sein sollen,

zumal der Tanz eine bezahlte Schaustellung war, immerhin aber doch einen

ungefähren Begriff bis dahin geben, wo uns Besseres geboten werden wird.

Ein Halbweißer, welcher an der östlichen Spitze von Apia ein Wirthshaus

unterhält, hatte es übernommen, einen Tanz zusammenzubringen, und glaubte

seine Aufgabe jedenfalls sehr schön gelöst zu haben, während ich beim

Betreten des dafür in Aussicht genommenen Raumes einigermaßen enttäuscht

war. Ein großer viereckiger, mit Laub geschmückter Saal war gewissermaßen

als Theater hergerichtet, und die in Reihen aufgestellten Stühle waren

bis auf die für mich und unsere Offiziere reservirten Plätze bereits

alle mit Neugierigen besetzt, welche gegen Zahlung eines Eintrittsgeldes

das in der Stadt Apia jedenfalls seltene Schauspiel mitgenießen wollten.

Ein kleiner Theil des Saales war an der einen Schmalseite als Bühne

hergerichtet. Die amerikanischen Offiziere -- es war in den ersten Tagen

ihrer Anwesenheit -- hatten sich auch eingefunden und der Commandant nahm

an der einen Seite von mir Platz, während an der andern sich eine junge,

auffallend hübsche und stattliche Samoanerin, welche ihren Oberkörper

verhüllt trug, niederließ und von dem hinter mir sitzenden Wirth vor

unserm Platznehmen als Toë, Tochter des Häuptlings Patiole, welchem

der Theil der Stadt, wo wir uns befanden, gehört, vorgestellt wurde.

Sie benahm sich hierbei nach unsern Begriffen ganz correct, lächelte

verbindlich, reichte mir die Hand und setzte sich, während sie sich mit

ihrer Kleidung zu schaffen machte, auf ihren Stuhl, als ob sie nie eine

andere Sitzart kennen gelernt hätte. Sehr komisch kam es mir vor, daß

sie zu dem Hinsetzen sich mit ihrem außerordentlich dürftigen Kleidchen

beschäftigen mußte und dieser Handgriff gehört wol mit zur weiblichen

Grazie. Die handelnden Personen gruppirten sich; sieben welke Weiber

nahmen die Hauptplätze in der Mitte ein, indem sie sich in zwei Reihen mit

gekreuzten Beinen so hinsetzten, daß vorn drei und in der zweiten Reihe,

die Lücken der ersten ausfüllend, vier saßen. Der Oberkörper war nackt

und glänzte von Kokosöl; als Lava-lava dienten grüne Grasschurze und als

Schmuck hatten sie starkduftende dicke Kränze aus allem möglichen Laub um

Hals und Hüften. Hinter diesen Hauptpersonen, den ganzen Raum bis zu den

Seitenwänden ausfüllend, standen Eingeborene jeden Geschlechts und Alters,

welche durch Händeklatschen den Gesang der Tänzerinnen begleiteten. Der

Tanz besteht in der Hauptsache nur in graziösen Bewegungen der Arme,

Hände, des Kopfes und Oberkörpers, ohne irgendetwas Bestimmtes damit

darstellen zu wollen. Sehr begeistert war ich von dem Gebotenen nicht,

glaube aber, daß in diesen Tänzen sowol Besseres geleistet werden kann,

wie es auch zur richtigen Beurtheilung ihres Werthes nothwendig ist, sie

öfter gesehen und etwas studirt zu haben, denn man wird sich erst an den

Körperbewegungen erfreuen können, wenn man gelernt hat, die fürchterliche

Gesangsbegleitung nicht mehr zu hören. Bei dem zweiten Tanz, um bei der

einmal gewählten Bezeichnung der Schaustellung zu bleiben, waren die Leute

schon warm geworden und die Händeklatscher ließen kurze Zurufe hören,

auf welche hin die drei vordersten Tänzerinnen dann aufstanden, um mit

Arm- und Beinbewegungen hin und her zu tänzeln. Doch traten bald zwei

von ihnen wieder zurück und die ursprünglich mittelste blieb allein auf

dem Plan, um sich mit geschickten Wendungen der Angriffe einiger Kinder

zu erwehren, welche vorgestürzt waren und versuchten, ihr das Lava-lava

herunterzureißen, womit sie schließlich auch Erfolg hatten. Doch als sich

nun zeigte, daß sie unter dem Lava-lava noch ein kleines Zeugkleidchen

anhatte, entstand ein ungeheures Lärmen unter den Eingeborenen, neue

Angreifer stürmten hervor, bis die Gehetzte endlich ganz außer Athem

sich auch dieses wegnehmen lassen mußte, wobei sie sich aber hinfallen

ließ, um sich dann in geschickter Weise gleich wieder mit dem ihr sofort

zurückgestellten Lava-lava zu bekleiden. Es mag sein, daß diese ganze

Art der Darstellung von einem gewissen Reiz umgeben ist, wenn sie in

ihrer Urwüchsigkeit im samoanischen Hause aus Liebe zur Sache und von

frischen jungen Mädchen ausgeübt wird; hier aber von bezahlten Dirnen

dargestellt, war es nicht besonders schön und ich ließ dies auch meiner

Nachbarin, welche mein Urtheil hören wollte, mittheilen. Sie nickte

dazu, wie mir schien mit strahlenden Augen und aufgeblähten Nasenflügeln,

besann sich noch einen Augenblick, tauschte mit dem Wirth einige Worte

aus und verließ dann den Saal. Ich wollte auch schon aufbrechen, weil ich

von dem Vergnügen genug hatte, wurde aber von dem Wirth mit dem Bemerken

zurückgehalten, daß Toë mir noch etwas vortanzen wolle, und wenige Minuten

später erschien sie, nun mit nacktem und ebenfalls eingeöltem Oberkörper,

eine rothe Beerenkette um den Hals, ein schmales grünes Laubband um jeden

Ober- und halben Unterarm und ein ebensolches über und unter der Wade,

umgeben von vier ähnlich geschmückten Männern. Die Zuschauer waren ganz

geblendet, wie ein allgemeiner Ausruf der Ueberraschung andeutete, als

dieses wundervoll gewachsene und in erster jungfräulicher Entwickelung

befindliche Weib plötzlich so vor uns stand, in der Mitte der sie im

Viereck umgebenden Männer und diese an Größe noch etwas überragend. Was

uns aber noch größern Genuß gewährte, war der in ziemlich raschem Tempo

mit kräftigen und geschmeidigen Bewegungen ausgeführte Tanz, bei welchem

alle fünf Personen wirklich etwas Gutes und Schönes zeigten und der auf

jeder großstädtischen europäischen Bühne, natürlich unter der Annahme

einer etwas vollständigern Bekleidung, verdienten Beifall geerntet hätte.

Ich war von Toë’s Einfall so entzückt, daß ich ihr am nächsten Tage einen

goldenen Ring als Andenken schickte, wofür sie mir dann zwei Körbchen, ein

Stück Tapa und einen Schildkrotring persönlich brachte. Da sie sowol, wie

die mit ihr gekommenen Gesellschaftsdamen sämmtlich Busentücher trugen,

wurden sie in das deutsche Consulat zwar hineingelassen, die Dame des

Hauses betrachtete sie aber doch mit einem gewissen Mistrauen, weil sie

alle jung und sehr hübsch waren. Herr Weber machte auch den jungen Mädchen

dadurch noch eine besondere Freude, daß er sie von einem Diener durch das

ganze Haus führen ließ, damit sie sich dasselbe ansehen konnten.

Eine andere Festlichkeit der Eingeborenen sahen wir bei Gelegenheit einer

herrlichen Partie, zu welcher Herr Weber unsere dienstfreien Offiziere,

den Commandanten des amerikanischen Kriegsschiffes nebst einigen

Offizieren und die Herren seines Hauses eingeladen hatte.

An einem Sonnabend Nachmittag um 4 Uhr verließen wir Apia zu Pferde

und trafen nach etwa 1½ Stunden auf der deutschen Plantage Vaitele ein,

wo wir noch vor Einbruch der Dunkelheit das Mittagsmahl einnahmen und

zwar auf dem vor dem Hause liegenden saubern mit Blumen eingerahmten

Platz, mit einem schönen Blick auf die Berge und das Meer. Als es dunkel

geworden war und wir erwartungsvoll der uns in Aussicht gestellten

Waldmeisterbowle entgegensahen, obgleich wir eigentlich schon genug der

guten Weine getrunken hatten, wurden unsere Blicke durch aus dem Walde

ertönenden eigenartigen Gesang dorthin gelenkt, und unter den Bäumen

hervor traten, umgeben von Fackelträgern, singende Weiber und Männer,

welche in mit der getragenen Melodie übereinstimmendem langsamen Schritt

auf uns zu kamen. Wir hatten uns inzwischen auch erhoben, um den Zug,

welcher ein tonganisches Talolo darstellte, d. h. die Begrüßung von Gästen

durch Ueberreichung von Geschenken, an uns vorbei passiren zu lassen. Die

Leute waren eingewanderte Tonganer, welche sich hier in der nächsten Nähe

der Plantage mit ihrem Häuptling niedergelassen haben und durch Herrn

Weber veranlaßt worden waren, uns dieses seltene Schauspiel vorzuführen.

Es war ein wunderbares traumhaftes Bild, welches sich uns bot, als

unsere heitere Unterhaltung so plötzlich durch diese ernsten braunen

Gestalten unterbrochen wurde, welche in der lauen Luft eines herrlichen

Tropenabends aus dem dunkeln Waldesrand herausschwebten, mit ihrem Gesang

uns verstummen machten, sich vor uns auf ein Knie niederließen, ihre

Geschenke niederlegten und singend weiterzogen, bis sie, den Garten im

Bogen umschreitend, im Walde wieder verschwanden. Nachdem die Geschenke,

welche in Kokosnüssen, Früchten und Zuckerrohr bestanden, weggeräumt

waren, nahmen wir unsere Plätze wieder ein und thaten beim Schein der

Windlichter und umschwirrt von allerlei fliegendem Gethier dem wirklich

vortrefflichen, mit getrocknetem Waldmeister hergestellten Getränk alle

Ehre an, bis wir gegen 10 Uhr unser Nachtlager aufsuchten, d. h. in den

zur Verfügung stehenden Räumen es uns auf dem Fußboden auf Decken so

bequem machten, wie es nur möglich war. Am nächsten Morgen besichtigten

wir die erst seit einem Jahre in Bearbeitung genommene Plantage, die

Wohnungen der von den Kingsmill-Inseln stammenden Arbeiter, statteten

dem tonganischen Dorf einen Besuch ab, und um 10 Uhr waren wir wieder zu

Pferde, um das eigentliche Ziel unserer Partie, einen berühmten Badeplatz,

zu besuchen. Nach einstündigem Ritt auf schlechtem und stark steigendem

Wege durch dichten Wald, sodaß wir fast die Hälfte des Weges zum Schutz

gegen die herunterhängenden Baumzweige auf dem Pferde liegen mußten,

stießen wir auf einen rauschenden Fluß, welcher in einer hohen bewaldeten

Schlucht über terrassenförmig gelagerte mächtige Felsblöcke herabstürzt.

An der Stelle, wo wir aus dem Walde heraustraten, sind die Seitenwände

der Schlucht etwas zurückgeschoben, sodaß wir einen schönen Lagerplatz

für uns und genügenden Raum für die Pferde fanden. Hier sollte gebadet,

gefrühstückt, gerastet und, nachdem die Sonne nicht mehr so hoch stand,

von hier aus auch der Fluß überschritten und auf anderm Wege nach Apia

zurückgekehrt werden. Die Umgebung ist ganz eigenartig, und ich kann mir

wol denken, daß dieser Platz ein beliebter Ausflugsort der Samoaner und

namentlich der Halbweißen ist, da die jungen Mädchen dieser Mischlinge

hier in geschlossener Gesellschaft den Durst nach Schwimmkünsten, welcher

nun einmal in dem samoanischen Theil ihres Blutes steckt, nach Herzenslust

befriedigen können.

Von oben fällt aus der Schlucht, welche dort durch hohe Bäume

abgeschlossen wird, das wilde Wasser als etwa 10 m hoher und 6-8 m breiter

Wasserfall herunter in ein tiefes, vom Wasser ausgehöhltes Steinbecken,

wo es sich schäumend und brodelnd austoben muß, da die Sohle des

steinernen Bettes sich wieder hebt und dem Wildling nur eine Mächtigkeit

von vielleicht ½ m gestattet. So fließt er denn an unserm Lagerplatz,

welcher ungefähr 20 m von dem Fuß des Wasserfalls entfernt ist, schon

wieder als klare, spiegelblanke, hellgrüne Masse eilig vorbei und über

einen glatten, die ganze Breite des Flusses einnehmenden Felsrücken von

50-60° Neigung hinweg wieder in ein 8-10 m tiefer liegendes Becken und

nach weitern 20 m noch einmal über solch einen gleichen Felsrücken, um

dann wieder im Waldesdunkel zu verschwinden. Das Hauptvergnügen des Bades

besteht nun darin, daß man aus dem obern tiefen Wasserbecken schwimmend

so zu dem Felsrücken gelangt, daß man sitzend von dem schnellfließenden

Wasser geschoben auf der glatten Steinfläche herunterrutscht, in dem

untern Becken durch das eigene Gewicht tief untertaucht und dort dann

dasselbe Kunststück mit dem zweiten Absatz macht. Zurück muß man natürlich

auf dem Landwege und dann kann das Spiel von neuem beginnen, wenn man

Lust dazu hat. Von uns hat keiner das Kunststück gewagt, mit Ausnahme

eines deutschen Herrn aus Apia, welcher sich mit Viehzucht beschäftigt

und die Stadt mit Butter versorgt und den Kniff aus seinen jüngern Jahren

her kennt. So leicht und elegant auch der dicke Herr in seiner rothen

Badehose mit fliegender Fahrt auf dem Steinrücken heruntersauste, unten

im brodelnden Wasser verschwand, prustend wieder zum Vorschein kam und

sich mit einigen geschickten Schwimmschlägen wieder in die richtige Lage

brachte, um auch den zweiten Abrutsch zu nehmen, fand er unter uns doch

keinen Nachfolger, als er keuchend den steilen Landweg wieder heraufkam

und die Schwimmfahrt zum zweiten mal ausführte.

Wir begnügten uns mit dem Bad in dem obern Becken unter dem Wasserfall,

frühstückten danach und machten uns um 3 Uhr auf den Heimweg durch den

Wald und zwei schön gehaltene samoanische Städte, in deren einer wir

auch einen Samoaner antrafen, welcher uns in gutem hamburger Plattdeutsch

ansprach, das er auf einem deutschen Schiff gelernt hatte. Uns kam dies

im ersten Augenblick höchst komisch vor, denn es wirkt immer frappirend,

wenn man einen Fremdling eine Abart der eigenen Sprache sprechen hört.

Wir langten zu guter Zeit in Apia an, sodaß wir uns vor dem Essen

noch umziehen und etwas ausruhen konnten, und hiermit will ich in der

Erinnerung an diesen schönen Ausflug meinen ersten Besuch der Samoa-Inseln

abschließen.

9.

Sydney.

Sydney, 19. August 1878.

Seit heute Nachmittag befinden wir uns im Hafen von Sydney oder wol

richtiger im Port Jackson, wie die Engländer ihn ohne Rücksicht auf

den Namen der dazu gehörigen Stadt nennen. Die ganze Umgebung mit dem

summenden Geräusch, welches einem großen Handelsplatz immer eigenthümlich

ist, kommt mir wie eine neue ungewohnte Welt vor, da wir seit sechs

Monaten nichts Derartiges mehr gesehen und gehört haben, denn mit dem

Verlassen von Valparaiso hatten wir von europäischer Civilisation Abschied

genommen, und nun liegen wir ohne einen ähnlichen vermittelnden Uebergang,

wie wir ihn auf dem Wege =nach= den Südsee-Inseln doch in Panama und

Nicaragua gefunden, plötzlich nicht mehr vor einer vom Passatwind

umwehten und von Palmen umrauschten tropischen Insel, sondern inmitten

eines Häusermeeres, vor dessen Steinmassen alle Naturgebilde zurücktreten

müssen. Hier werden wir nun nach langer Zeit der Entbehrungen mancherlei

Zerstreuung und all die Annehmlichkeiten wiederfinden, welche eine große,

reiche und nur von Europäern bewohnte Stadt zu bieten vermag; aber neu

wird es uns wieder sein, ganz unter der Menge zu verschwinden, nachdem

wir so lange Zeit hindurch überall den Mittelpunkt gebildet haben. Und

an den Vorzug, sich wieder einmal ungezwungen und ungekannt in neuer

Umgebung frei bewegen zu können, muß man sich auch erst gewöhnen. Eins

erinnerte mich übrigens bei unserer Ankunft hierselbst doch daran, daß

wir uns noch in der fernen Südsee befinden: der englische Postbeamte,

welcher sich bei mir nach mitgekommenen Postsachen erkundigte. In diesen

Gewässern übernehmen noch Kriegs- wie Kauffahrteischiffe unentgeltlich

die Beförderung der Post zwischen den Plätzen, welche noch keine

Postdampferverbindung haben, und so hatten auch wir von dem Herausgeber

der Samoa-Zeitung in Apia, welcher dort die Briefe für die australischen

und neuseeländischen Postämter in Empfang nimmt, einen Briefbeutel

mitgebracht, welchen ich dem Beamten nach Prüfung des unverletzten

Verschlusses aushändigen ließ.

Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee · 第 26 / 56 段