Es hatte sich in frühern Jahren in Apia eine von Amerikanern, denselben

Leuten, welche am 27. Juni von dem Postdampfer gelandet wurden, gegründete

Landcompagnie gebildet, welche mit wenig Geld große Ländereien in der

Weise ankaufte, daß sie nur kleine Anzahlungen machte, für welche die

Verkäufer Interimsquittungen ausstellten, ihr Land aber bis zur Zahlung

des ganzen Kaufpreises behielten. Die Gesellschaft hatte sich aber

verrechnet, fallirte und die zwei Hauptunternehmer erboten sich später,

den Samoanern einen Freundschaftsvertrag mit den Vereinigten Staaten zu

erwirken, dessen Hauptzweck sein sollte, den Samoanern ihre Unabhängigkeit

zu sichern und sie in der Weise vor fremder Willkür zu schützen, daß

dauernd ein amerikanisches Kriegsschiff in Apia stationiren solle. Um

dies zu erreichen, sollte Amerika das Protectorat übernehmen. Ein solcher

Vertrag, bei dem von einer Gegenleistung seitens der Beschützten keine

Rede war, leuchtete den kindlichen Samoanern ein, und sie erwählten zu

ihrem Abgesandten den Schreiber Mamea, welcher sich bald darauf mit den

beiden Amerikanern, die auch alle seine Ausgaben bestreiten wollten,

auf den Weg nach San-Francisco machte. Sehr verdacht wurde es zwar der

Regierung, daß sie einen niedrig geborenen Mann zum Gesandten erwählt

hatte, doch begründete sie die Wahl mit der Thatsache, daß nur er genügend

mit der englischen Sprache vertraut sei, um ohne Dolmetscher durchkommen

zu können.

Am Tage nach der Ankunft der amerikanischen Corvette wußte ganz Apia,

daß Mamea zwar seine Aufgabe gelöst habe, aber keineswegs nach dem Sinne

seiner Auftraggeber, denn das, was diese gewünscht hatten, sollte in

dem Vertrage nicht enthalten sein, dafür aber sollten die Samoaner eine

Menge Verpflichtungen übernommen und auch ihren Hafen Pago-Pago an die

Vereinigten Staaten abgetreten haben, ohne als Gegenleistung irgendwelche

Rechte zu erhalten. Von allen Seiten stürmten nun Vorwürfe auf die

Regierung ein, welche sich zunächst dadurch deckte, daß sie versprach, den

Vertrag nicht ratificiren zu wollen, während von anderer Seite behauptet

wurde, daß der von Mamea namens der samoanischen Regierung abgeschlossene

Vertrag von der washingtoner Regierung bereits ratificirt sei und den

Samoanern daher keine andere Wahl bliebe, als ebenfalls zu ratificiren.

Inzwischen schien das sichere und selbstbewußte Auftreten aller Amerikaner

allerdings anzudeuten, daß sie die Samoa-Inseln bereits in ihrer Tasche

wähnten, und wir Deutsche wurden in den ersten Tagen von den Samoanern

kaum noch der Beachtung werth befunden.

Zum 2. Juli nachmittags hatten die Taimua und Faipule mir ihren

Gegenbesuch angesagt und ich hatte mich am Vormittag dieses Tages, nachdem

mir die Mittheilung geworden war, daß die Hütten auf dem bestrittenen

Stück Land (Klagepunkt 3) wieder bezogen worden seien, damit einverstanden

erklärt, daß diese Frage zu derselben Stunde, wo die Eingeborenen mich

besuchen würden, in der mir vorgeschlagenen Weise ihre Erledigung fände.

Die Samoaner kamen in den ihnen von mir zur Verfügung gestellten Booten

an Bord, ich bewirthete sie, und während wir bei einer Cigarre oben auf

Deck unter dem Sonnenzelt saßen, machte der Dolmetscher mich auf einen

großen Feuerschein am Lande, auf ein brennendes kleines Dorf aufmerksam.

Als meine Gäste dann unruhig wurden, ließ ich ihnen sagen, daß sie sich

nicht zu beunruhigen brauchten, weil das Feuer auf einer deutschen

Plantage sei und ich den Auftrag zu der Brandlegung gegeben habe, um

damit die mit den Häusern zusammenhängende Streitfrage auf die einfachste

Weise zu erledigen. Ich hatte meinen Zweck wol erreicht, denn die

Blicke der Eingeborenen, welche von mir zu der dicht neben uns liegenden

amerikanischen Corvette und von dieser wieder zu dem brennenden Dorfe

wanderten, schienen mir zu sagen, daß die Leute doch zu der Erkenntniß

gekommen seien, daß mit den Siamanis (Siamani, aus dem englischen

„'German'“ hervorgegangen, ist die samoanische Bezeichnung für Deutscher)

nicht zu spaßen sei. Daß das deutsche Haus den geschädigten Eingeborenen,

welche von ihrem Häuptling keine Entschädigung zu erwarten hatten, den

vollen Werth der niedergebrannten Hütten in Geld ersetzen würde, obgleich

es nicht dazu verpflichtet war, brauchten die Machthaber vorläufig noch

nicht zu wissen.

Dieser Gewaltmaßregel folgte gleich am Vormittag des 3. Juli die zweite,

indem ich der Taimua schrieb, daß ich, wenn die rückständigen 444 Mark

bis zum 5. Juli 10 Uhr vormittags nicht bezahlt seien, das Geld mit

Gewalt eintreiben würde. Aus bestimmten Gründen wählte ich nicht den

nächsten Tag, sondern ließ ihnen zwei Tage Bedenkzeit. Am 5. morgens

mit Tagesanbruch wurde ich geweckt und erhielt die Mittheilung, daß

auffallend viele bewaffnete Eingeborene, es müßten schon über 300 sein,

von ferner gelegenen Küstenpunkten kommend, das Schiff passirt hätten und

in Mulinu’u gelandet wären, mithin dort wol etwas im Werke sein müsse.

Im Schiff wußte nämlich niemand etwas davon, daß heute möglicherweise

eine ernste Entscheidung fallen sollte, nur waren am Tage vorher vom

Lande aus Gerüchte zu uns gedrungen, daß die amerikanische Corvette

sich verpflichtet habe, die Samoaner gegen etwaige Gewaltmaßregeln von

unserer Seite zu schützen, welchen Gerüchten ich indeß aus nahe liegenden

Gründen keine Bedeutung beimessen konnte, wenngleich ich auch diese

unwahrscheinliche Möglichkeit mit in meine Berechnung ziehen mußte. Da

ich den Samoanern bis 10 Uhr Frist gegeben hatte, konnte die Thatsache

der Zusammenziehung ihrer Streitkräfte an meinen Dispositionen übrigens

nichts ändern.

Der Verabredung gemäß kam der Consul kurz nach 10 Uhr an Bord und brachte

die Nachricht, daß das Geld bis zur gestellten Frist nicht gezahlt

worden sei und die Samoaner zum äußersten Widerstand entschlossen zu sein

schienen. Er betrachte die Lage als ernst, da die Samoaner eine uns an

Zahl weit überlegene Streitmacht zusammengezogen und eine ziemlich starke

Vertheidigungsstellung eingenommen hätten, auch mit guten Hinterladern

versehen seien. Zehn Minuten später waren unsere Boote bewaffnet und das

Schiff lag gefechtsklar, nach weitern zehn Minuten waren die Signale für

das etwa nothwendige Eingreifen unserer Schiffsartillerie verabredet

und kurz vor 11 Uhr wollte ich eben mit dem Consul, welcher sich

durchaus nicht zum Zurückbleiben bewegen ließ, sondern darauf bestand,

den Waffengang mitzumachen, mein Boot besteigen, um vorzugehen, als an

der andern Schiffsseite ein Kanu anlegte und ein in größter Aufregung

befindliches Regierungsmitglied an Bord kam, um uns anzuzeigen, daß eine

Deputation in dem deutschen Consulat auf uns warte, um den Restbetrag

der Schuld zu tilgen. Gleichzeitig bat der Mann uns inständigst, doch ja

von Gewalt abzusehen, da sie ja alles thun wollten, was wir wünschten,

und sie nur von den Amerikanern zum Widerstand gereizt worden wären,

weil diese ihnen Hülfe von der amerikanischen Corvette versprochen

hätten. Wir konnten mit diesem Abschlusse ja zufrieden sein und nur die

armen Samoaner bedauern, welche, den Vorspiegelungen einiger Abenteurer

Glauben schenkend, sich zwischen zwei Feuer begeben hatten. Vorläufig

noch in dem Wahne lebend, daß die kleinere amerikanische Corvette unserm

Schiff überlegen sei und der amerikanische Commandant uns bei nächster

Gelegenheit ohne weiteres aus dem Hafen weisen würde, womit dann die

Rückerstattung des den Deutschen früher verkauften Landes verknüpft

wäre, warfen diese großen Kinder sich den Amerikanern ganz in die Arme.

Bei dieser Gelegenheit wie für das Folgende betone ich übrigens, daß ich

die officiellen amerikanischen Persönlichkeiten von meiner Darstellung

ausgeschlossen sehen will, sofern ich sie nicht jedesmal ausdrücklich

nenne. Inwieweit und ob überhaupt die Haltung dieser Herren auf den ganzen

Verlauf der fernern Ereignisse von Einfluß gewesen ist, entzieht sich

der Besprechung durch mich; nur so viel kann ich sagen, daß sie nichts

gethan haben, um der durch ihre Landsleute hervorgerufenen und fortgesetzt

geschürten feindlichen Stimmung gegen Deutschland zu steuern, weshalb man

in Apia allgemein annahm, daß das amerikanische Kriegsschiff die Aufgabe

habe, von den Samoa-Inseln Besitz zu ergreifen. Wegen meiner amtlichen

Stellung enthalte ich mich daher mit Bezug auf die Amerikaner jeder

Ansichtsäußerung und gebe nur das, was man sich auf den Straßen erzählte.

Durch den friedlichen Abschluß dieser Angelegenheit und die

entgegenkommenden Versicherungen der Samoaner ließen wir uns

indeß nicht einschläfern, denn die uns am Abend vorher durch ein

Regierungsmitglied zugegangene Nachricht, daß die Taimua und Faipule

den amerikanisch-samoanischen Vertrag bereits am 3. Juli im geheimen

ratificirt habe, sagte uns, daß die Hauptarbeit für uns nun erst beginnen

würde. Daß der Vertrag überhaupt ratificirt werden würde, hatten wir

nie bezweifelt; daß dieser Act aber von der augenblicklichen Regierung

allein und nicht dem samoanischen Brauche gemäß unter Mitwirkung der

verschiedenen Landesbezirke ausgeführt worden war, mußte unsere Bedenken

erregen, weil bei den zerfahrenen politischen Verhältnissen auf den

Inseln innere Unruhen zu befürchten waren. Auch trat an den deutschen

Consul nunmehr die Nothwendigkeit heran, auf Grund einer in seinen Händen

befindlichen schriftlichen Verpflichtung der jetzigen Regierung vom

Jahre 1877, daß dem Deutschen Reiche stets dieselben Rechte zuzugestehen

seien, welche einer andern Macht etwa gewährt würden, für Deutschland

einen gleichen Vertrag zu fordern, wie er mit den Vereinigten Staaten

von Nordamerika abgeschlossen worden war. Diese Forderung konnte aber

nicht eher gestellt werden, bis die erfolgte Ratificirung auf legalem

Wege bekannt geworden war, und dies geschah erst am 8. Juli, worauf noch

an demselben Tage die entsprechende deutsche Forderung der samoanischen

Regierung zugestellt wurde. Mündliche Angaben einiger Regierungsmitglieder

besagten dann, daß der von unserm Consul geforderte Vertrag in den

nächsten Tagen abgeschlossen werden könne, die schriftliche Antwort

lautete aber nicht nur ausweichend, sondern auch noch herausfordernd,

indem die Samoaner die frühere Abmachung für nicht bindend erklärten und

die Meinung äußerten, daß sie allein zu bestimmen hätten, mit wem sie

Verträge abschließen wollten. Wer hinter dieser kühnen, den Samoanern gar

nicht ähnlichen Sprache steckte, war uns nicht zweifelhaft.

Die nächsten Tage brachten nun viel Verwirrung in Apia, viel Lug und

Trug, wobei sich nur eins klar herausstellte, daß die Taimua und Faipule

eine durchaus würdelose Gesellschaft waren, von deren Mitgliedern ein

Theil abends spät im deutschen Consulat vorsprach, Mittheilungen über

das Treiben der Amerikaner brachte, einer den andern verdächtigend und

alle versichernd, daß sie nur deutschen Einfluß auf den Samoa-Inseln

wünschten und von den Amerikanern bald wieder befreit zu werden hofften.

Die amerikanische Corvette wollte nach Ratificirung des Vertrages

gleich wieder nach San-Francisco zurückkehren, während von anderer Seite

behauptet wurde, daß das Schiff noch Monate lang hier bliebe, um erst nach

unserm Weggange seine eigentliche Aufgabe zu lösen; hatten die Amerikaner

wirklich besondere Absichten, dann waren sie jedenfalls unklug gewesen,

sich mit ihren abenteuernden Landsleuten so weit einzulassen, wie sie es

gethan haben, denn diese konnten nicht schweigen. Der General Bartlett

wurde von den Samoanern als erster Minister nicht anerkannt, schrieb

dies dem Einfluß seiner eigenen Landsleute zu und fing an, gegen diese

zu wühlen. Einer der von den Amerikanern angenommenen Dolmetscher stand

unter deutschem Einflusse und brachte uns die bedenklichsten Nachrichten.

Der amerikanische Consulatsbeamte, welcher dem bisherigen hiesigen

amerikanischen Consul seine Versetzung nach den Fidji-Inseln, anzutreten

nach Eintreffen seines Nachfolgers, mitgebracht hatte, trat als Herr

der Lage auf. Die Engländer fanden, da keins ihrer Schiffe anwesend war,

Anlehnung an uns. Und die Samoaner wußten weder ein noch aus, waren an

dem einen Tage unsere Feinde und suchten am nächsten unsere Freundschaft.

Endlich am 14. Juli fing die Lage an sich zu klären. Die Samoaner hatten

ihre Vorbereitungen beendet und für die Tage des 17., 18. und 19. Juli

ein großes Fest ausgeschrieben, an welchem die Abgesandten aller Bezirke

der Samoa-Inseln theilzunehmen hatten und welches den Amerikanern und

uns zu Ehren gegeben werden sollte. Doch war es außer Zweifel, daß das

Fest nur für die Amerikaner bestimmt war und bei dieser Gelegenheit die

feierliche Bekanntgabe des zwischen Samoa und Amerika abgeschlossenen

Vertrages erfolgen sollte; außerdem aber sollte, nach uns zugegangenen

und von uns für durchaus zuverlässig gehaltenen Nachrichten, den von den

Tänzen und der Aufregung der Festlichkeiten berauschten Samoanern von

ihrer Regierung der Vorschlag gemacht werden, sich unter den Schutz der

amerikanischen Regierung zu stellen, worauf die Taimua und Faipule dann

den amerikanischen Consulatsbeamten bitten sollten, von den Samoa-Inseln

namens seiner Regierung Besitz zu ergreifen. Gründete dieses Gerücht

sich wirklich auf Thatsachen und ließen die Samoaner sich im Rausche

zu dem geplanten Schritte verleiten, dann hing es nur von dem Gutdünken

des genannten Herrn ab, ob er den Staatsstreich wagen wolle oder nicht.

Jedenfalls lag in diesem Falle die Befürchtung nahe, daß die ganze

Regierungsgewalt unter äußerlicher samoanischer Hoheit in amerikanische

Hände übergehen und der deutsche Handel dann bald vernichtet sein

würde. Die Sandwich-Inseln geben ja ein ziemlich klares Bild von den

wahrscheinlichen Folgen einer eingeborenen Regierung unter amerikanischen

Ministern. Es war daher durch einen Gewaltstreich der angedeuteten Art

für die Deutschen so viel zu verlieren, daß wir möglichem Unheil vorbeugen

mußten.

Unter solchen Verhältnissen war eine Betheiligung an den Festen von

unserer Seite ausgeschlossen, und wir würden denselben auch in dem Falle,

daß unsere Forderungen erfüllt worden wären, fern geblieben sein, da wir

nach der Vorgeschichte dieser Veranstaltungen dabei nur eine zweifelhafte

Rolle hätten spielen können. Am 14. Juli traf auf dem deutschen Consulat

die förmliche Einladung der Samoa-Regierung zu den Festen für uns ein,

und damit war uns die Handhabe zur Erneuerung unserer Forderungen gegeben.

Unsere Antwort lautete, daß wir die Einladung nur dann annehmen könnten,

wenn dem Deutschen Reiche vorher ein Vertrag mit denselben Rechten, wie

sie der amerikanischen Regierung zuerkannt seien, zugesichert und bis zum

nächsten Vormittag der Zeitpunkt für die Vertragsverhandlungen genau und

schriftlich bezeichnet würde. Als nun im Laufe des Nachmittags des 14.

dem Consul das vorstehend erwähnte Gerücht über die von den Samoanern

beabsichtigte Abtretung der Samoa-Inseln an Amerika zuging, hielt dieser

Herr es für nothwendig, unsererseits sichernde und vorbeugende Maßregeln

zu ergreifen, und machte den kühnen Vorschlag, zwei samoanische Häfen mit

Beschlag zu belegen und als Faustpfand zu behalten, bis die Samoaner ihre

Verpflichtungen gegen Deutschland erfüllt hätten. Nach kurzer Bedenkzeit,

welche ich mir erbeten hatte, stimmte ich dem Vorschlage zu, weil ich

ihn für gut und wahrscheinlich ausführbar hielt, und in der erfolgten

Ausführung die deutschen Interessen vorläufig geborgen sah.

Am 15. Juli, mittags 12 Uhr, war von den Samoanern noch keine Antwort

eingetroffen; um 1 Uhr fing unser Schlot an zu rauchen; das Schiff wurde

seeklar gemacht; der Consul, sowie zwei Halbweiße, ein Dolmetscher und

ein Lootse für die als Faustpfand in Aussicht genommenen Häfen Saluafata

und Falealili, kamen an Bord, und um 3 Uhr dampften wir in See. Um 5

Uhr ankerten wir vor Saluafata in einem vorzüglichen, gegen alle Winde

geschützten Hafen; einige Eingeborene kamen noch an Bord, Früchte zum Kauf

anzubieten, und kurz vor Eintritt der Dunkelheit wurden unser Dolmetscher

und Lootse an Land geschickt, um den Häuptling auf das vorzubereiten, was

er am nächsten Morgen zu erwarten habe. Einerseits mußte, um nach unserer

Ansicht die Beschlagnahme rechtsverbindlich zu machen, der Besitzer des

Hafens bei dem Acte zugegen sein, oder aber den Platz, nachdem er vorher

von allem unterrichtet worden war, verlassen haben, andererseits war

die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, bewaffneten Widerstand zu finden,

sobald wir eine bewaffnete Truppe ohne vorherige Ankündigung landeten.

Der Dolmetscher hatte den Auftrag, dem Häuptling mitzutheilen, daß die

Samoa-Regierung sich neuerdings weigere, alte, den Deutschen früher

zugestandene Rechte anzuerkennen, und wir daher gezwungen seien, vorläufig

und so lange den Hafen von Saluafata für die deutsche Regierung in Besitz

zu nehmen, bis diese Rechte anerkannt seien. Ich hätte nicht die Absicht,

sonst irgendwelche Gewalt zu brauchen, und hoffe, daß sein Benehmen so

verständig sein würde, daß ich an meiner Absicht festhalten könne. Im

übrigen würde die Rückerstattung des Hafens seinerzeit sicher erfolgen

und irgendein Schaden könne daraus für ihn nicht erwachsen.

Bald nach dem Landen unserer Abgesandten wurde es in Saluafata lebendig

und sehr geräuschvoll, mehrere Trommeln wurden unermüdlich bis um 2 Uhr

nachts geschlagen und viel Geschrei drang bis zu uns herüber. Nach Ansicht

des Consuls bedeutete dies eine Alarmirung aller streitbaren Männer;

er vermuthete, daß eine große Zahl bewaffneter Eingeborener, welche

auf dem Wege nach Apia zur Theilnahme an den geplanten Festlichkeiten

seien, sich hier zusammengefunden und Nachtquartier genommen hätten. Um

gegen einen etwaigen Ueberfall gesichert zu sein, ließ ich das Schiff

in Vertheidigungszustand setzen, und die halbe Mannschaft war während

der Nacht stets gefechtsbereit auf Deck. Als es um 2 Uhr an Land ruhig

geworden war und sich dann bis 4 Uhr nichts Verdächtiges zeigte, legte

ich mich noch etwas hin, wurde aber schon um 6 Uhr wieder geweckt, da

unser Dolmetscher und der Lootse in einem Kanu von Land gekommen waren

und mich augenblicklich zu sprechen forderten. Ich ließ die Leute in die

Kajüte kommen und wir hörten -- der Consul hatte auch sein Bett verlassen

--, daß, wie letzterer richtig vermuthet hatte, an 1000 mit Hinterladern

bewaffnete Eingeborene in Saluafata anwesend und entschlossen seien, uns

nicht an Land zu lassen. Sie selbst wären während der Nacht in größter

Lebensgefahr gewesen, trotzdem ihre Mütter und Frauen Häuptlingstöchter

seien, und hätten noch vor Tagesanbruch das Land heimlich verlassen. Der

größte Theil der Eingeborenen hätte schon während der Nacht einen Angriff

auf das Schiff machen wollen, weil ihre Spione, die am Abend vorher als

Fruchtverkäufer an Bord gewesenen Leute, die Nachricht an Land gebracht

hätten, daß das Schiff keine Kanonen habe. Diese waren nämlich für die

Nacht mit ihren Bezügen zugedeckt gewesen und wurden deshalb von den

Eingeborenen nicht als solche erkannt. Nach langen Verhandlungen wäre

dieser Plan aber fallen gelassen worden, weil ein alter weiser Häuptling

den Ausspruch gethan habe, daß sie vollkommen recht hätten, wenn sie die

Wegnahme unsers Schiffes als eine Kleinigkeit betrachteten; er wisse aber

noch etwas Leichteres und schlüge vor, gleich damit vorzugehen, nämlich

den Hafen erst auszuschöpfen und das Schiff zu nehmen, wenn es auf dem

Trocknen läge. Nach diesem Vorschlage sei ernüchternde Ruhe eingetreten

und der Plan eines nächtlichen Angriffes aufgegeben worden.

Inzwischen hatte der Dolmetscher, welcher äußerlich ein bejammernswerthes

Bild abgab und sich kaum auf den Füßen halten konnte, erklärt, daß er

gleich zum Arzt müsse, weil der während der Nacht ausgestandene Schreck

ihn so krank gemacht habe, daß er sterben würde. Nachdem ich den Mann

dem Schiffsarzt überwiesen hatte, verhandelten wir mit dem Lootsen,

welcher seine Fassung einigermaßen bewahrt hatte, weiter und kamen zu

dem Schlusse, daß Saluafata möglicherweise nicht ohne Blutvergießen zu

nehmen sein würde. Besonders ernst stimmten uns der Zustand unserer beiden

Halbweißen und ihre Auffassung der Lage, denn da sie in samoanischen

Verhältnissen aufgewachsen und mit angesehenen Häuptlingsfamilien verwandt

waren, vermochten sie wohl zu beurtheilen, wie weit die Eingeborenen

gehen würden, andererseits waren gerade diese beiden Leute als muthige,

unerschrockene Männer bekannt und hatten diese Charaktereigenschaften

schon in verschiedenen Lagen bewiesen.

Da wir uns erst zu 9 Uhr vormittags bei dem Häuptling angesagt hatten,

blieben mir noch zwei Stunden Zeit zur Ueberlegung, wie die Landung

am besten auszuführen sei. Soviel ich auch hin und her dachte, alle

Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten erwog, ich kam immer wieder zu

dem Schlusse, daß es am besten sei, wenn der Consul und ich zunächst nur

allein das Land beträten und die zu dem feierlichen Acte der Beschlagnahme

erforderliche Truppe erst nachfolge, wenn unsere mündlichen Verhandlungen

mit dem Häuptling zum Abschluß gekommen seien. Wir durften nicht einmal

eine kleine Bedeckung mitnehmen, da diese die Samoaner zum Angriff

reizen konnte. Der Consul stimmte mir darin bei, daß, da wir den einmal

betretenen Weg einhalten müßten, ein ernstlicher Zusammenstoß auf diese

Weise am ehesten vermieden werden könne und unser eigenes Leben in diesem

Falle nicht mehr gefährdet sei, als wenn wir an der Spitze unsers ganzen

aus 120 Mann bestehenden Landungscorps das Land beträten, und erklärte

sich bereit, mit mir allein zu gehen. Im übrigen mußte die Beschlagnahme

ja noch heute ausgeführt werden, da der morgende Tag, an welchem in Apia

die Feste begannen, schon eine für uns ungünstige Entscheidung bringen

konnte. Es blieb mir also keine Zeit zur regelrechten Belagerung und

Säuberung des Platzes.

Ein deutsches Kriegsschiff in der Südsee · 第 23 / 56 段