»Sag nichts; ich weiß schon, was du meinst. Sag nichts. Man tut halt,
was man kann. Der Pfarrer hat heut gesagt: Dein Wille geschehe, das
heiße nicht immer hergeben, das heiße auch manchmal geschenkt kriegen.«
»Ja, ja, das ist auch wahr. So kann man’s auch ansehen. So wollen wir
denn heimgehen. Es wird mondhell heut nacht. Um drei Uhr muß ich fort.
Du gehst mir keinen Schritt zum Haus hinaus.
Man darf der Katz’ den Schwanz nicht stückweis abschneiden. Wir
machen’s kurz. Die Kinder schlafen dann, bei denen bleibst.«
Gesang ertönte von weitem her, junge Stimmen von Burschen und Mädchen;
der leichte Abendwind trug sie herzu, noch ehe man die Lustwandelnden
erblicken konnte.
Sie sangen das Lied vom schönsten Wiesengrunde, in dem der Heimat Haus
steht. Das war, als hätte die Heimat selber eine Stimme bekommen und
locke ihre Kinder zu sich her, damit sie ihr tief ins Auge und ins Herz
sähen.
Das war für die unter dem Kirschbaum nicht von nöten.
Sie hätten mitsingen können, wenn es ihnen ums Singen gewesen wäre:
»Müßt’ aus dem Tal ich scheiden,
Wo alles Lust und Klang.
Das wär mein herbstes Leiden,
Mein letzter Gang.«
Aber sie horchten still, bis die Stimmen verhallten.
Dann wandelten sie miteinander heimzu.
Er trank noch einmal alles mit den Augen in sich hinein.
Sie tat desgleichen für ihn.
Gute Nacht, Hirzenbach.
Heimatwelt, gute Nacht.
* * * * *
Der Mond war schon am Niedergehen.
Der Röhrenbrunnen plätscherte wie im Traum.
Ein erster Hahnenschrei. Ein Gaulsgewieher in einem Stall.
Ein kühler Morgenwind. Ein Lämpchen an einem Fenster und ein Weib
dahinter mit verweinten Augen. Feste, starke, hallende Tritte, die
durch die Nacht hingehen und in ihr verschwinden.
Ein Mann, der sich das Liebste vom Herzen genommen hat und ausgeht,
weil das Vaterland ruft. Zum zweitenmal.