Baptist winkte: „Ja.“

„Wo ist denn das Geld?“

„Es ist fort. Es war nicht für mich!“ antwortete Baptist scheu.

Da wurde es licht in dem schwerfälligen Kopf des Wirtes.

Ja, fast lächelte er, daß er seinen geliebten Baptist so reingewaschen

sah. „So, so!“ tat er tröstend. „Na denn is nich so schlimm. Wofür war’s

denn?“ Er schaute zugleich zu den Fenstern hin und machte schon einen

Schritt auf die Türe zu. Aber die junge Dame war nicht mehr draußen. Der

Paulsplatz war ganz menschenleer und trug nur die Sonne, die von den

Dächern aufs Pflaster herunterglitt. Hasenklever war sehr enttäuscht.

„Das mag ich nicht sagen!“ antwortete Baptist mittlerweile.

„Nu, fort ist fort. Auch egal. An fünfzig Franken gehen wir nicht

kaputt. Besser das, als wie ’n Bein gebrochen. Wollen uns wieder

vertragen!“ sagte er herzlich. Er fühlte sich von einer drückenden,

dunklen Last befreit, daß sich die Angelegenheit nun so klar darbot. Er

meinte noch: „Und es bleibt ganz zwischen uns. Da, Hand drauf!“

Aber Baptist schaute betroffen auf. Dann schüttelte er eifrig den Kopf.

„Nein“, sagte er erregt.

„Ja, was nun wieder: nein!“

„Ich stell’ mich dem Gericht. Der Staatsanwalt ist nur noch nicht

dagewesen!“

Da starrte ihn Hasenklever an. „Helf mir der Heiland, ich muß noch einen

Kümmel heben!“ sagte er. Als er das Glas wieder leer hingestellt hatte,

faßte er Baptist beim Handgelenk und zog die Uhr unter der Schürze

hervor: „Du hast wohl Fieber, Mensch – Ne, ne, seinen alten ‚Patron‘ so

zu plagen!“

Baptist wurde durch diesen Scherz so wundersam, ja lieblich gerührt, daß

er es ganz warm in sich werden fühlte und dem kleinen dicken Mann gerne

um den Hals gefallen wäre. Er stammelte ihn an, die Erregung seines

Gemütes hielt ihn strampelnd zwischen Lachen und Weinen hoch. Aber er

wurde unvermittelt ernst und er erzählte Hasenklever, wie er um seine

Tat litte und daß er sie sühnen müsse. Aus diesen schwerblütigen Worten

glitt ein Schein in das Verständnis des Wirtes, der selber keine

sturmsichere Jugend gehabt hatte und selber oft ohne Grund unter den

Füßen umhergetrieben war. Er erkannte einen Schimmer eigener Erlebnisse

in der Erzählung des andern, ahnte Zusammenhänge und Notwendigkeiten und

er nickte zustimmend. Nur daß das öffentliche Gericht die Angelegenheit

erledigen müsse – dagegen wehrte er sich absolut. „_Die_ Schmach geht ja

nimmer weg!“ sagte er. „Eine Verurteilung, das klebt wie Teer, und das

ist diese Kleinigkeit doch nicht wert. Hol mich die ganze Hölle! Junge

sei doch bei Trost!“ Hasenklever kam in Eifer und trumpfte noch einmal

auf: „Hol mich Beelzebubs Großmama! verrückt! Ich muß als Zeuge hin, und

ich sag’, ich vermisse keine fünfzig Franken bei mir. Da hast du’s!“

Vor diesen Schwierigkeiten stieg allmählich ein anderer Gedanke in

Baptist auf: er könne in die schwarzen Löcher der Schiffe verschwinden!

Aber er sagte Hasenklever nur, daß er dann fort wolle, in die Welt

hinaus!

„Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!“ entgegnete der Wirt. Er gab

ihm die Hand und versprach zu helfen.

„Heut noch!“ bestand Baptist.

„Gut denn!“

Sie gingen noch vor der Mittagsstunde zusammen zu den Schiffsbureaus.

Das erste, das sie trafen, war das der Hamburg Ozeanea-Gesellschaft. Als

sie in den Heuerraum eintraten, rief gerade eine Stimme: „Hier Schiff

‚Hamburg‘! Noch Trimmer vorhanden?“

Der Hafen(#76486) · 第 43 / 55 题