* * * * *
Als Baptist am nächsten Abend auf Hasenklevers Stube saß und der Wirt
nach dem Abendessen Bücher und Kasse aus dem Schränkchen zog, da fühlte
Baptist, daß er kühl und stark wurde. Jetzt zur Wehr gesetzt! Jetzt alle
Muskeln angestemmt! hieß eine Stimme in ihm. Er wußte, daß er in diesem
Augenblick nun alles in sich beherrschte und er stand seiner Tat
gegenüber, wie eine gerüstete Armee gegen die Kriegserklärung des
nachbarlichen Feindes.
Baptist sah Hasenklever rechnen und eintragen. Der Wirt zog einen Strich
und aus seinem Bart kam mit halblauter Stimme eine Zahl:
fünfhundertfünfundsiebzig, die schrieb er dann unter den Strich und
setzte eine Summe davor. Er überrechnete noch einmal und nickte zum
Schluß mit dem Kopf, während er die kleine Kassette heranzog, sie leerte
und mit flüsternden Lippen, deren Bewegungen der Bart verstärkt
widergab, den Inhalt zählte. Dann sagte er mehrmals, damit sich die
Zahl in ihm festsetzte: ‚Fünfhundertfünfundzwanzig Franken,
fünfhundertfünfundzwanzig Franken‘ und blickte in das Buch. Er
schüttelte den Kopf und begann von neuem zu zählen. „Hol mich der
Deibel!“ rief er, als er fertig war, „Zählen Sie mal dieses Geld,
Baptist!“ Hasenklever stand auf und zog Baptist auf seinen Platz.
„Fünfhundertfünfundzwanzig Franken!“ sagte Baptist, nachdem er gezählt
hatte.
„Und nun schauen Sie hier und rechnen Sie selber das nach!“ Hasenklever
schob ihm das Geschäftsbuch hin, und Baptist bestätigte, daß die
Rechnung stimmte.
„Dann fehlen fünfzig Franken!“ sagte Hasenklever.
„Ja, der Unterschied!“ machte Baptist, indem er auf den Geldhaufen und
auf die Zahl hinter Summa zeigte.
„Sagen Sie, Baptist, gibt’s denn Diebe im Haus?“ rief Hasenklever
aufgeregt.