Da sagte Baptist ihr entflammt: „Margherita, liebst du mich!“

Er hob seine Hände, um das Mädchen an den Schultern an sich

heranzuziehen.

„Nein!“ rief sie, entwand sich ihm und ging aus dem Zimmer. Seine Arme

sanken leer und enttäuscht nieder, und er stand da, aufgehalten in

seiner entflammten Gebärde, betrogen und zornig, trotzig und aufgewühlt.

„Dann geh!“ sagte er ihr grob nach.

Er zog seinen Mantel an und stieg auf die Straße hinunter. Er ging die

Boulevards in der innern Stadt erregt entlang und schaute den Frauen zu.

Sie waren häßlich oder schön, gut oder schlecht gekleidet. Aber alle

waren Frauen. Er schaute ihnen mit einem verächtlichen Begehren nach.

Schließlich machte er eine hastige Bewegung der Ungeduld, trat auf der

Place de Broukere auf eine Droschke zu und sagte heftig: „In ein

Bordell, Kutscher!“

„Gerne, mein Herr!“ erwiderte der Kutscher mit höflicher

Gleichgültigkeit.

So erlebte Baptist in der engen heimlichen Hügelstraße diese erste große

Feierlichkeit seines Lebens. Durch die kleinen quadratischen Fenster sah

er die Häusermassen zurückgehalten den Stadthügel herunterdrängen. Das

stumpfe, gewaltige Turmpaar der gotischen Hl. Gudule-Kirche hob sich mit

schwerfälliger Sehnsüchtigkeit mitten aus der Sturzflut der Dächer in

den grauen Tag.

Und in der herbstlichen regnerischen Nachmittagsstunde erfüllte sich das

nächtig und dunkel erwartete Märchen, das seine Jugend abschloß. Er

erlebte es als eine enttäuschende, schmerzhafte Winzigkeit. Noch lange

blieb es, wie ein trüber Satz in einem Glase, auf dem Grund seines

Innern liegen.

Der Hafen(#76486) · 第 20 / 55 题