Er hob seine Hände, um das Mädchen an den Schultern an sich
heranzuziehen.
„Nein!“ rief sie, entwand sich ihm und ging aus dem Zimmer. Seine Arme
sanken leer und enttäuscht nieder, und er stand da, aufgehalten in
seiner entflammten Gebärde, betrogen und zornig, trotzig und aufgewühlt.
„Dann geh!“ sagte er ihr grob nach.
Er zog seinen Mantel an und stieg auf die Straße hinunter. Er ging die
Boulevards in der innern Stadt erregt entlang und schaute den Frauen zu.
Sie waren häßlich oder schön, gut oder schlecht gekleidet. Aber alle
waren Frauen. Er schaute ihnen mit einem verächtlichen Begehren nach.
Schließlich machte er eine hastige Bewegung der Ungeduld, trat auf der
Place de Broukere auf eine Droschke zu und sagte heftig: „In ein
Bordell, Kutscher!“
„Gerne, mein Herr!“ erwiderte der Kutscher mit höflicher
Gleichgültigkeit.
So erlebte Baptist in der engen heimlichen Hügelstraße diese erste große
Feierlichkeit seines Lebens. Durch die kleinen quadratischen Fenster sah
er die Häusermassen zurückgehalten den Stadthügel herunterdrängen. Das
stumpfe, gewaltige Turmpaar der gotischen Hl. Gudule-Kirche hob sich mit
schwerfälliger Sehnsüchtigkeit mitten aus der Sturzflut der Dächer in
den grauen Tag.
Und in der herbstlichen regnerischen Nachmittagsstunde erfüllte sich das
nächtig und dunkel erwartete Märchen, das seine Jugend abschloß. Er
erlebte es als eine enttäuschende, schmerzhafte Winzigkeit. Noch lange
blieb es, wie ein trüber Satz in einem Glase, auf dem Grund seines
Innern liegen.