sollte, Kraftentfaltung und Entwicklung der Eigenart die zu erstrebende
Frucht des Unterrichtes, dann durfte die starre, kalte, unverrückbar
festgelegte Form nicht im Vordergrund des Unterrichtes stehen bleiben,
nicht die äußere technische Seite mit ihrer Qual für die ungeübte,
unentwickelte Hand des Kindes --, sondern _die freischaffende Tätigkeit
des Kindes_.«
»Für meinen grundlegenden Schreibunterricht, der in natürlichem Aufbau
von der Antiqua ausgehen durfte, galt es also _zunächst ein willfähriges
Schreibgerät zu finden_, das in der ungelenken Hand des Kindes und selbst
noch beim falschen Gebrauch seinem Wesen getreu bleibt und die der
lateinischen Druckschrift charakteristischen Schnurzüge erzeugt.«
»Ich kam von dicken, weichen, farbigen Ölkreidestiften, 10 Stück 10
Pf., auf dem Papier und vom weichen Buttergriffel auf der Tafel
(Papiernot!) zum griffelartig zurecht gespitzten Schreibholz für die
Tinte und dann erst zur Feder, und zwar zu einer starken
Kugelspitzfeder. _Dann_ sollten meine Kinder gleich _vom Anfange an
möglichst frei gestalten dürfen_, wobei es mir wichtig schien, daß sich
ein Gefühl für _gute Schriftformen_ an guten Vorbildern und durch
zweckmäßige Besprechung guter und schlechter Beispiele an der Schultafel
entwickeln könne und daß jedes Kind die Handhaltung und die Schriftform
selbst finde, die seinem Wesen gemäß ist und ihm einen freien Zug
ermöglicht.«
»Und siehe, _die Schriften entwickelten sich in völlig ungeahnter Weise_.
Die überraschend schönen Erfolge rechtfertigten am besten die
vorausgestellten Annahmen und Grundsätze. An dem Maße aber, wie von
Stufe zu Stufe bei jeder neuen Werkzeughemmung die Leistungen immer
sofort zurückgingen, um nach kurzer Zeit allmählich wieder zu steigen,
sieht man recht klar, welch große Schwierigkeiten die heutige Schule dem
Kinde zumutet, wenn sie es gleich am Anfang in die Liniatur zwingt und
ihm für das Papier gleich die spitze Feder zur Hand gibt.«
»_Bei der weiteren Aufgabe, die Kinder von der lateinischen Druckschrift
zur lateinischen Schreibschrift zu führen_, sie durch die schreibgemäße
Form der Antiqua und ihre natürliche Fortsetzung in die eigentliche
Kunst des Schreibens hineinwachsen zu lassen, wurde ich auf die
verdienstvolle Anregung des Herrn _Prof. Kuhlmann_ hin zu einem _sehr
interessanten Versuch_ geführt. Es war die Frage gestellt:
_Können sich die Kleinen in Erfüllung des Arbeitsschulgedankens ihre
Handschrift selbsttätig erarbeiten?_ Daß dieser Versuch in hervorragender
Weise als gelungen bezeichnet werden muß, zeigen die Schriften der
Kinder, besonders auf ihren einzelnen Entwicklungsstufen.«
»Sie beantworten noch folgende _wichtige Teilfragen_:
1. Kann man im Durchschnittskind ein Gefühl für Schriftformen entwickeln
und ausbilden?
2. Hat es die Neigung und Begabung, seine Schrift selbständig zu
gestalten?
3. Muß die Freiheit eines zwang- und vorschriftlosen Schreibunterrichtes
nicht notwendigerweise oder doch mit der Zeit zu einer Schriftverwilderung
führen?
Der Versuch hat die beiden ersten Fragen glänzend bejaht, die dritte
Frage verneint, sobald nur die Lehrkraft selbst von einem ästhetischen
Gefühl für Schrift beherrscht ist.«
In der _zweiten_ Versuchsklasse standen dem Unterricht in der deutschen
Sprache 5 Stunden zur Verfügung gegenüber 9 Stunden, die in den übrigen
normalen Volksschulklassen Münchens vorgeschrieben waren. Die 5 Stunden
waren: 2 Lese-, 2 Rechtschreib- und 1 Schönschreibstunde. Eine
Visitation am Schlusse des Jahres ergab, daß das Klassenziel in der
gleichen Weise erreicht war, wie in den sonstigen guten Klassen.
Beim Lesen wurde ein besonderes Gewicht auf das rasche Erfassen des
Gesamtinhaltes gelegt und sowohl durch freie Wiedergabe als durch
_mimische_ Darstellung des jeweils geschilderten Ereignisses zu erreichen
gesucht. Eine Lehrerin der Klasse glaubt, daß die dramatischen
Darstellungen der Lesestücke, bei denen die Kinder nicht bloß redend,
sondern auch handelnd auftreten und die zunächst immer nur improvisiert
sind, ohne nennenswerte Schwierigkeiten schon in den Mittelklassen
festgehalten und durch Einübung zu immer größerer Vollkommenheit
gebracht werden könnten. Der Vorteil, der hieraus erwachsen würde, läge
nicht nur in der Verwendbarkeit solcher Darstellungen für gemeinsame
Schülerfeste, sondern auch in der Steigerung der Gefühle für die
geschilderte Situation und damit die Steigerung der Auffassung und damit
des Interesses für das Gelesene. Als besonders zur mimischen Darstellung
geeignet erwiesen sich die Lesestücke des Münchener Lesebuches für die
zweite Klasse: Kasperl in der Schule, Das Büblein auf dem Eise, Bub und
Bock, Hansel und Gretel, Musik auf dem Hofe, Wolf und Fuchs, Der
lügenhafte Hirt, Vom Büblein, das überall hat mitgenommen sein wollen.
Vor Trimesterschluß gab jeweils ein Schülerfest den Kindern besondere
Gelegenheit, ihr Können im Erzählen, Vortragen, Dramatisieren (natürlich
auch im Musizieren, Singen, Zeichnen) in den Dienst der
Klassengemeinschaft zu stellen und so zum Gelingen eines
Gemeinschaftswerkes beizutragen. Am Ende jeder Woche wurden auch die
Schüler veranlaßt, ihre Erlebnisse in der Werkstätte zusammenhängend zu
erzählen.
Bei der Behandlung des Rechtschreibstoffes leisteten die neueingeführten
Tafelwände (drei Seiten des Schulzimmers waren mit fortlaufenden Tafeln
bedeckt) außerordentlich gute Dienste. Alle neuen Wörter, alle Diktate
konnten gleichzeitig von 15 Schülern an die Tafelwände geschrieben
werden, während die übrigen Kinder ins Heft schrieben. Die _gemeinsame_
Korrektur der auf der Tafelwand von _allen_ Kindern aufzusuchenden Fehler
gab eine ausgezeichnete Übung im Fixieren der Wortbilder.
d) =Katholischer Religionsunterricht.= Der Religionsunterricht war
inhaltlich an den offiziellen Lehrplan der _ersten_ Klasse gebunden.
Methodisch suchte er innerhalb dieses Rahmens möglichst durch die
Beobachtung, Anknüpfung an die Erfahrung, Nachahmung, dramatische
Darstellung das religiöse Erlebnis zu vertiefen. Dieses war im weitesten
Sinne beim religiös-liturgischen Anschauungsunterricht möglich. Durch
wiederholten Besuch in der Josefskirche sowie in der Sakristei derselben
wurden die liturgischen Objekte und Handlungen zur unmittelbaren
Anschauung gebracht. Die liturgischen Handlungen wurden zum Teil in
Spiel und Ernst nachgeahmt. (Verehrung des Christkindes, Betrachtung der
Kreuzwegbilder in der Josefskirche, Maiandacht, Messe.) Der
religiös-sittliche Anschauungsunterricht wurde im Anschlusse an die
Erlebnisse der Kinder (Haus, Straße, Schule, Spielplatz) behandelt. Beim
Gebetsunterricht wurde möglichst auf wirkliches Beten aus erlebter
Empfindung, nicht bloß auf gedächtnismäßiges Aufsagen gesehen. Die
biblischen Erzählungen wurden vielfach dramatisch, mit Rollenverteilung,
nacherzählt und so zu möglichster Wirkung gebracht.
In der _zweiten_ Klasse bildete eine Wanderung zur Ursulakirche die
Grundlage für den religiös-_liturgischen_ Anschauungsunterricht. Zur
Grundlage des religiös-_sittlichen_ Anschauungsunterrichtes wurden die
mannigfachen Erlebnisse der Kinder genommen. Im übrigen wurde gemäß den
im vorausgehenden geschilderten Grundsätzen des ersten Schuljahres
verfahren.
e) =Turnen.= Für Turnen waren in der _ersten_ Klasse jeden Tag 20
Minuten in Anrechnung gebracht. Diese 20 Minuten waren zweimal (Montag
und Donnerstag) auf den Nachmittag, die übrigen Tage auf den Vormittag
verlegt. Die Vormittagsübungen bildeten ein willkommenes Gegengewicht
gegen eine möglicherweise eintretende geistige Ermüdung. Die Turnzeiten
wurden an den Nachmittagen hauptsächlich für jene Übungen verwendet,
welche die Willensbegabung der Schüler vor allem fördern, also für
Freiübungen zur richtigen Körperhaltung, für Wettspiele und Wettkämpfe.
An den Vormittagen wurden hauptsächlich Lauf-, Nachahmungs- und
Singspiele gespielt; unter den Nachahmungsspielen befanden sich von den
Kindern _selbst erdachte_ und in irgendeinem Zusammenhang mit dem
Unterricht stehende: z. B. »Meine Blümchen haben Durst« (Bild),
»Straßenverkehr«, »Rechtsgehen«, »Kriegführen«, »Frau Holle«.
In der _zweiten_ Klasse war der Turnunterricht auf vier halbe Stunden
verteilt. Im übrigen wurde wie im Vorjahre verfahren unter steigender
Anspannung der Willenskräfte behufs ordnungsgemäßer und genauer
Ausführung der Turnbewegungen. Immer wurde auf sorgfältige Pflege der
Arbeitsgemeinschaft und der freiwilligen Unterordnung Bedacht genommen.
Mit Beginn dieses Schuljahres wurden in allen Versuchsklassen in eine
Unterrichtspause jeden Tages hygienische Körperübungen von fünf bis acht
Minuten gelegt, welche als Vorbeugung gegen Tuberkulose und gegen
Skoliose eingeführt wurden. (Anleitung durch Schularzt Dr. Ranke.)
f) =Singen.= Die Liedertexte standen zunächst in Verbindung mit den
Aufgaben des Anschauungsunterrichtes, aus dem ihre Inhalte
herauswuchsen. Zur klaren Erfassung des Rhythmus wurden die Kinder
angeleitet, aus vorgesungenen Liedern den Takt selbst herauszufinden. Im
zweiten Schuljahre boten auch die Singspiele und religiöse Lieder, die
mit gewissen kirchlichen Festtagen in Beziehung standen, Stoff für den
Singunterricht. Die Texte der Lieder standen zur Zeit ihrer Einübung
immer zum Schul- oder öffentlichen Leben in enger Beziehung und dienten
so der Steigerung des Gefühlslebens.
g) =Holzbearbeitungsunterricht.= Unter den praktischen
Beschäftigungen, die wir mit der Versuchsschule verbunden haben, bildet
die Beschäftigung mit der Holzarbeit neben der Beschäftigung mit
weiblichen Handarbeiten, die von der dritten Klasse ab nur mehr für die
Mädchen bestimmt ist, die wichtigste. Ich habe mich für die Holzarbeit
unter Ausschaltung von Papp- und Metallarbeiten aus einer Reihe von
Erwägungen entschieden, die ich in Kap. IV und V des näheren ausgeführt
habe. Die wichtigsten dieser Erwägungen sind: a) die mannigfache
Verwendbarkeit der so erworbenen Fähigkeiten und Fertigkeiten nicht bloß
im späteren Leben, sondern auch im Dienst des Volksschulunterrichtes in
Rechnen, Zeichnen und Physik; b) die Möglichkeit, die Arbeitsprozesse
von Anfang an mit größter Genauigkeit ausführbar zu machen, so daß der
Schüler jederzeit _Selbstkontrolle_ über das Gelingen seines Werkes hat;
c) damit verbunden die weitere Möglichkeit, in einer Fülle ganz stetig
aufeinanderfolgender, immer schwieriger werdender Aufgaben die
Gewohnheiten der Genauigkeit, Sorgfalt, Gründlichkeit und Ausdauer zu
steigern; d) die leichte und vielseitige Behandlungsmöglichkeit, sowie
die Billigkeit des Materials; e) das natürliche, von allen Knaben und --
wie wir nun auch durch unsere Versuche erfahren haben -- von allen
Mädchen in ganz hervorragendem Maße geteilte Interesse an der
Holzbearbeitung und den Arbeitsprodukten, die sich aus dieser
Beschäftigung ergeben. Schon die Schüler der ersten Klasse ziehen nach
unserer Erfahrung den Unterricht in der Holzbearbeitungswerkstätte allem
übrigen Unterricht vor, obwohl wir vom ersten Tage an dem Kinde
bestimmte Aufgaben nach vorgelegten Mustern stellen und vom ersten Tage
an den größten Nachdruck auf durchwegs sorgfältige Arbeit legen.
Die Voraussetzungen für das Gelingen dieses Unterrichtes sind: ein
technisch vollkommen durchgebildeter Lehrer, weise Auswahl der
Arbeitsprozesse, welche das Kind sorgfältig auszuführen imstande ist,
ein besonderer Arbeitsraum mit entsprechenden, dem Alter der Kinder
angepaßten Einrichtungen und eine zweckmäßige Vorbereitung des vom
Schüler zu behandelnden Materials, damit diesem keine Arbeitsprozesse
zugemutet werden müssen, die über die physischen und geistigen Kräfte
des Kindes hinausgehen. In den ersten und zweiten Klassen zeigt sich
hierbei, daß für das Gelingen der Arbeit unbedingt für _jedes_ Kind ein
eigenes Modell nötig ist. Vom dritten Schuljahre ab benötigt das Kind
das Modell meist nur als Anschauungsmittel; im übrigen arbeitet es mehr
nach Maßangaben, womit für dieses Schuljahr zugleich ein höchst
fruchtbares Arbeitsfeld für praktische Rechenübungen gegeben ist, das
die Lust zum Rechnen und damit die Fähigkeit zum Rechnen in einer
unerwarteten Weise steigert.
Knaben wie Mädchen zeigen für die einfachen Aufgaben der Holzbearbeitung
die gleiche Begeisterung; doch stellt sich immer deutlicher die bessere
Begabung der Knaben hierzu heraus, sobald es sich um die Auffassung von
Konstruktionselementen handelt. Nach den Mitteilungen des Fachlehrers
beginnen viele Kinder bereits im ersten Schuljahre die Anregungen der
Werkstätte auch in freiwillige häusliche Arbeiten umzusetzen. Die Zahl
steigert sich mit jedem Schuljahre, und um die Weihnachtszeit kommen
Eltern um Eltern, beim Fachlehrer geeignete Werkzeuge für die häuslichen
Arbeiten zu bestellen. Vom dritten Schuljahre ab bringen die Kinder
regelmäßig freiwillige Arbeiten mit in die Schule. Sie sind meist gut in
der Auffassung, mangelhaft in der Konstruktion. Das letztere ist
selbstverständlich. Gerade der Sinn für richtige Konstruktion muß erst
in langjähriger Arbeit entwickelt werden. Auch haben die Kinder zu Hause
das so gut vorbereitete, passende Material der Schule nicht zur
Verfügung. Sie müssen sich ihre Holzstücke ohne Erfahrung erst
zurechtrichten. Aber hierbei fehlt vor allem ein Werkzeug, der Hobel, an
dessen Einführung wegen der physischen Kraft, die er beansprucht, nicht
vor dem Beginn der sechsten Klasse gedacht werden kann. Vielleicht daß
man später daran denken kann, Hobel mit sehr schmalen Hobeleisen etwa
schon im fünften Schuljahre zu verwenden.
Zur _Arbeitsgemeinschaft_ bieten die Übungen mannigfache Gelegenheit.
Viele Objekte können nur in Arbeitsgemeinschaft hergestellt werden; ja
die Einfachheit der einzelnen Übungen drängt geradezu dazu, gemeinsame
Arbeitsobjekte von Zeit zu Zeit einzuschalten, weil nur ein wirkliches
Objekt imstande ist, immer und immer wieder das Interesse des Kindes zu
fesseln und ihm so über die Schwierigkeit und Monotonie der einzelnen
Übungen hinwegzuhelfen. Es zeigte sich, daß die Arbeitsfreude am
stärksten sich einstellte, wenn ein _gemeinsamer_ Zweck die Kinder in
ihrer Arbeit zusammenführte.
Der Umstand, daß für jeden Schüler das Material der Aufgabe gemäß erst
vorbereitet werden muß, hat es natürlich mit sich gebracht, daß für den
Fachlehrer für jede Unterrichtsstunde unbedingt eine Vorbereitungsstunde
notwendig wird, namentlich solange er auch noch die Modelle für alle
einzelnen Kinder anzufertigen hat. Fällt dies weg, so wird sich die
Vorbereitungszeit pro Unterrichtsstunde auf eine halbe Stunde reduzieren
lassen. Aus den nachfolgenden Verzeichnissen der Werkzeuge lassen sich
sofort die von den Kindern des ersten bis vierten Schuljahres
auszuführenden Arbeitsprozesse erkennen. Dabei bemerke ich, daß das
Sägen sich nur auf Trennung von Stäben und schmalen, höchstens 5 cm
breiten Brettchen beschränkt. Lange Sägestriche exakt mit freier Hand
auszuführen, kann von Kindern der ersten vier Schuljahre noch nicht
gefordert werden. Alle Sägeübungen bedürfen der Führung durch die
Gehrungsschneidlade, damit sie allen Ansprüchen auf Genauigkeit in
diesem Alter genügen.
Die Werkzeuge für jeden Schüler, die gemäß der Stärke einer Abteilung 25
mal beschafft wurden, waren folgende:
1 Parallelschraubstock aus Eisen M 2,--
1 Gehrungsschneidlade mit Anschlag " --,75
1 Einstreichsäge mit Messingrücken " --,70
1 kleine halbrunde Raspel " --,50
1 kleine halbrunde Schlichtfeile " --,50
1 kleine rechteckige Schlichtfeile " --,45
1 Hammer (100 g) " --,60
1 kleine Beißzange Nr. 8 " --,45
1 kleine Flachzange " --,70
1 kleiner Nagelbohrer " --,15
1 prismatischer Maßstab (30 cm) " --,50
1 Bleistift " --,05
--------------
Summa: M 7,35
Die Ausgaben für die Gesamtausrüstung für 25 Schüler betrugen Mk.
183,75. Dazu kommen zum allgemeinen Gebrauche:
12 Stück Schraubenzwingen aus Eisen,
6 " kleine Bohrer,
1 " Trillbohrer,
2 " amerikanische Schneckenbohrer.
An Materialausgaben fielen an:
+---------------------------------++--------------+---------------+
| || Für die | Für die |
| || erste Klasse | zweite Klasse |
+=================================================================+
| Für Holz || M 41,54 | M 57,87 |
| Für Stifte und Schrauben || " 2,60 | " 2,72 |
| Für sonstige Materialien (Leim, || | |
| Spiritus, Beize, Papier usw.) || " 5,55 | " 7,10 |
| ---++--------------+---------------+
| || M 49,69 | M 67,69 |
+---------------------------------++--------------+---------------+
d. h. im ersten Jahre wurde pro Kind 1 Mk. und im zweiten Jahre pro Kind
1 Mk. 40 Pfg. an Materialausgaben nötig.
Einen Überblick über die einzelnen Übungen der ersten Versuchsjahre und die
von ihnen in Anspruch genommene Zeit gibt das folgende Verzeichnis. Dazu
möchte ich nur bemerken, daß einzelne dieser Arbeiten zu umfangreich
angelegt waren. Andere Arbeiten machten zu vielerlei von vornherein
geformtes Arbeitsmaterial nötig. Wieder andere Arbeiten waren zu früh
eingestellt. Vielfach auch wurde die Auswahl erschwert dadurch, daß schon
von Anfang an eine enge Verbindung mit dem Anschauungsunterricht gefordert
wurde. Alle diese Mängel waren uns klar bewußt, und wir sind bemüht, sie
abzustellen. Vor allem müssen die Arbeiten so aufgestellt werden, _daß sie
mit einem Minimum von Normalien auskommen_, d. h. mit möglichst wenig
vorgearbeitetem Holzmaterial. Denn je mannigfaltiger die Normalien sind,
desto mehr Vorbereitungsstunden fallen für den Fachlehrer an und desto mehr
wachsen dann die Ausgaben.
_Arbeiten der ersten Klasse._ 1. Absägen von 10-15 kleinen _Würfeln_ von
einem 10 mm starken Vierkantstab in Fichtenholz. (2 Std.)
2. Desgleichen von einem 15 mm starken Vierkantstab, wobei auch die
Hirnholzkanten mit der Feile gebrochen werden mußten. (2 Std.)
3. _Nagelstab_ 200×18×7 mm aus Erlenholz, in den abwechselnd 10 Stück
Pariser- und 4 Stück Messingnägel eingeschlagen wurden. (4 Std.)
4. _Zählmaschine_ für 20 Kugeln, 26 cm lang, 14 cm hoch aus Buchen- und
Fichtenstäben von 10 qmm (mit drehbaren, quergestellten Füßen von 20
qmm). (18 Std.) Diese Arbeit wurde in späteren Jahren nicht mehr
ausgeführt:
An ihre Stelle trat:
5. _Das Rechenstäbchen_. Länge 20 cm. Einteilung in 20 gleiche Teile. (2
Std.)
6. _Turnstab_ von 80 cm durch Absägen eines Rundstabes von 20 mm Stärke.
Abrunden an beiden Enden, schleifen und mit Politur einlassen. (4 Std.)
7. _Leiter_ von 28 cm Länge, 7 cm Breite, mit 2 Schwingen und 6 Sprossen,
die auf die Holme aufgenagelt wurden. (8 Std.)
8. _Brückenwagen_ von 171 cm Länge, 80 cm Breite, 6,5 cm Höhe,
Bodenbrettchen und Radscheiben vom Lehrer hergestellt. (12 Std.) Wurde
in späteren Jahren weggelassen.
9. _Schlitten_ 100×70×30 mm. Die vier Schwingen wurden auf die Kufen
genagelt. (4 Std.)
10. _Rechenbaukasten_ mit 32 Bausteinen (siehe Figur Taf. 1). Die
Kästchen, dessen Brettchen vom Lehrer hergestellt sind, wurden von den
Kindern zusammengenagelt. (14 Std.)
11. _Reißschiene_, Zunge aus Fichtenholz, 24 cm lang, Anschlag aus
Buchenholz 8 cm lang. (3 Std.)
12. _Gartenzaun_ um ein vom Lehrer hergestelltes Blumenkistchen. Je sechs
Schüler arbeiten an einem Zaun. Zaungröße 50 cm im Geviert. (8 Std.)
13. _Blumenstäbe_ dazu. (2 Std.)
_Arbeiten der zweiten Klasse, 1. Holzhaus_ in Arbeitsgemeinschaft. Jede
Abteilung von 24 Kindern baut zusammen ein Haus. (24 Std.) Diese Arbeit
wurde in späteren Jahren weggelassen. An ihre Stelle traten Aufgabe 2, 3
und 4.
2. _Lineal_ von 50 cm Länge mit Dezimeter- und Zentimeterteilung. (6 Std.)
3. _Mörteltruhe_ zum Tragen mit vier Handhaben, 30×17×3 cm. (8 Std.)
4. _Sandwurfgitter._ Rahmen 17×15 cm mit Überplattung. Siebgitter
geliefert. (8 Std.)
5. _Uhrzifferblatt_, 17×11 cm. Jeder Schüler fertigt ein Zifferblatt mit
Stunden- und Halbstundenteilung. Triebräder für Stunden- und
Minutenzeiger geliefert. Arbeitszeit für die vereinfachte Form 8
Stunden.
6. _Nudelbrett_, 25×17 cm. Bretter vom Lehrer hergerichtet. Die Schüler
fertigen die Anschlagleisten und besorgen die Verbindung durch
Aufnageln. (4 Std.)
7. _Walker_ dazu aus 35 mm starkem Buchenstab. Walker vom Lehrer gebohrt.
Ebenso Griffe. (4 Std.)
8. _Hocker_ mit geflochtenem Sitzrahmen; Höhe 21,5 cm. Sitzfläche 20×20
cm. (8 Std.)
9. _Plättchen_ zum Damspiel. Vom Buchenstab gesägt. Geraspelt, poliert,
gebeizt. (4 Std.)
10. _Waschkreuz_ (siehe Figur Tafel II) aus 25 mm starkem Vierkantstab.
Kreuzbalken 20 cm lang, Fußhöhe 10 cm. Balkenstumpf auf die Füße
genagelt. (6 Std.)
11. _Holzsteg_ 50×15×5 cm. (8 Std.)
Alle Modelle sind in sorgfältiger Arbeit von Gewerbelehrer _Hans Rohrer_
durchgedacht und entworfen. Die Schwierigkeit bestand vor allem darin,
jedes Modell 1. den ästhetischen Anforderungen genügen zu lassen; 2. in
solche einfache Teile zu zerlegen bzw. so zu konstruieren, daß die Teile
sich aus möglichst wenigen und möglichst einfachen Normalien herstellen
lassen; 3. möglichst wenig von den im Handwerk gebilligten
Holzverbindungen dabei abzuweichen.
Man wird gemerkt haben, daß aus diesen Arbeitsprogrammen die sogenannte
_freischaffende Phantasie der Kinder ausgeschlossen ist_. Das hat auch
schon manchen Tadel eingetragen. Ich bin aber der unwandelbaren
Anschauung, daß die Schule in allen Fragen des sogenannten produktiven
Schaffens zunächst die Pflicht hat, in den Kindern in erster Linie jene
mechanischen Fertigkeiten zu entwickeln und sie mit jenen konstruktiven
Elementen vertraut zu machen, die jedes produktive Schaffen aus eigener
Erfindung heraus davor behüten, in grausamen Dilettantismus auszuarten.
Daß dabei, indem das Kind zunächst auf Nachahmung und Vorschrift
angewiesen ist, die Arbeitsfreude nicht nur nicht zu verkümmern
braucht, sondern im Gegenteil von Jahr zu Jahr auf das lebhafteste
wachsen kann, das hat uns heute schon unser vierjähriger Versuch auch
auf dem Gebiete der Holzarbeit mit unwiderleglicher Deutlichkeit
gezeigt.
h) =Weibliche Handarbeit.= Die Mädchen der zweiten Klasse nahmen nicht
nur am Unterricht in der Holzbearbeitung teil (wie bereits erwähnt),
sondern erhielten außerdem auch Unterricht in weiblichen Handarbeiten,
und zwar im Stricken, Nähen und Sticken. Angefertigt wurde: 1. ein
Topflappen (Stricken mit zwei Nadeln), 2. ein Waschhandschuh (Stricken
mit fünf Nadeln), 3. ein Nadelkissen aus Stoffstramin, 4. Fahnen in den
Farben Münchens und Bayerns, die zu Reigenspielen im Turnunterricht
verwendet wurden.
3. DURCHFÜHRUNG DES LEHRPLANES IN DEN ZWEI MITTELKLASSEN
a) =Heimatkundlicher Unterricht mit Zeichnen und Handarbeit.= Der
heimatkundliche Unterricht ist nur eine Fortsetzung des Anschauungs- und
Beobachtungsunterrichts, wenigstens soweit die _dritte_ Volksschulklasse
in Frage kommt; in der _vierten_ Volksschulklasse geht er bereits in
eigentlichen Geographieunterricht über und rückt damit in die Reihe
derjenigen Unterrichtsgebiete ein, die es mehr oder weniger mit
_überliefertem_ Wissen zu tun haben, wo also von einer eigentlichen
_Erarbeitung_ durch Beobachtung und Experiment wenigstens in der
Volksschule nicht mehr die Rede sein kann. Wanderungen, Sandkästen zum
Darstellen der horizontalen und vertikalen Gliederung, allmähliches
Übertragen der so erzeugten Modelle in das zweidimensionale Kartenbild
führen in die landläufigen geographischen Ausdrucksmittel ein, in die
besondern Symbole und Zeichen, mit denen die Wissenschaft der Geographie
arbeitet. Soweit diese Tätigkeiten (Beobachten beim Wandern, Modellieren
in Sand, Zeichnen in Symbolen) geübt werden, haben wir es auch im
heimatkundlichen Unterricht mit einer richtigen _Erarbeitung_ des
Kulturgutes, das wir in der Karte besitzen, zu tun.