Wenn die Arbeitsschule tatsächlich einen wesentlichen Fortschritt

bedeutet, wenn die Durchführung des Arbeitsprinzips das aktive Interesse

der Schüler an allen Unterrichtsgegenständen erhöht, so muß

notwendigerweise in der Arbeitsschule bei geringerer Unterrichtszeit das

gleiche erreicht werden können wie in der bisherigen Schule mit ihrer

_geringeren_ Aktivität der Schüler, aber größeren Unterrichtszeit.

Demgemäß wurde die Unterrichtszeit in den beiden Unterklassen (erstes

und zweites Schuljahr) einer Volksschule um etwa vier bis fünf Stunden

verkürzt. Dagegen war es notwendig, die Klassen, die zwischen 44 und 50

Kindern zählten, in einer Anzahl von Unterrichtsstunden in zwei

Abteilungen zu teilen, deren jede getrennt unterrichtet wurde. Denn das

tatsächliche _Erarbeiten_ von neuen Vorstellungen und die hierbei in

gewissen Fächern notwendige manuelle Betätigung läßt sich nur mit einer

mäßigen Schülerzahl durchführen. Eine _durchgängige_ Teilung der Klasse,

also eine Festlegung der Klassenziffer auf 22 bis 25 Schüler, ist

durchaus nicht notwendig. Wäre sie notwendig, so könnte heute kein

Schulverwaltungsbeamter im Ernste die Arbeitsschule in Vorschlag

bringen. Der Hinweis auf die relativ kleinen Klassen in Schweden oder in

Dänemark oder in gewissen Teilen der Vereinigten Staaten ist

gedankenlos. Denn die relativ geringen Lehrergehälter dieser Länder

erlauben kleine Klassen weit eher als die Lehrergehälter in den großen

Städten Deutschlands. Eine auskömmliche Bezahlung des Lehrers und damit

eine Sicherung der Lebens- und Arbeitsfreude ist aber auch für den Geist

der Arbeitsschule viel wichtiger als die Festlegung einer so niederen

Maximalfrequenz, die die Ausgaben für das Volksschulwesen einer Stadt

wie München von 10 (im Jahre 1913) auf 20 Millionen mit einem Schlage

anschwellen lassen würde. Eine durchgängig so niedrig gehaltene

Maximalfrequenz ist aber auch gar nicht notwendig zur Durchführung der

Arbeitsschule. Die Arbeitsschule hat ja nicht bloß die _Einführung_ in die

Welt des Wissens, Könnens und Wertens zu übernehmen, sondern auch die

_Einübung_ der durch die Einführung gewonnenen Kenntnisse, Fertigkeiten

und Werte. Bei der Einübung aber spielen Schülerzahlen eine sehr viel

geringere Rolle als bei der Einführung. Ja, selbst bei der Einführung

gibt es Unterrichtsgegenstände, die jederzeit Schülerzahlen von 40 bis

50 Kinder zulassen, nämlich jene, in welchen es sich nur um die

Einführung in traditionelles Wissen handelt, das eben auch in aller

Zukunft nur durch Wort und Buch erarbeitet werden kann, und wo das Buch

und das an seinen Inhalt anknüpfende Nachdenken direkt die geistige

Arbeitsstätte bildet. Hierher gehören Geschichte, Religionslehre,

Gebiete des Sprachunterrichtes, sowie Teile des geographischen

Unterrichtes.

Die Teilung der _ersten_ Versuchsklasse erfolgte für zwei Stunden im

Anschauungsunterricht, für zwei Stunden im Rechnungsunterricht,

für zwei Stunden im Schreibleseunterricht, für zwei Stunden im

Handfertigkeitsunterricht. Während also die Schüler rund 17 Stunden

Unterricht hatten, war die Klassenlehrkraft mit 23,5 Stunden, der

Fachlehrer für Holzbearbeitung mit 4 Stunden belastet. Die Abteilung A der

Klasse kam gewöhnlich um 9 Uhr zur Schule, die Abteilung B um 10 Uhr. Von

10 bis 11-1/2 Uhr waren beide Abteilungen vereinigt. Um 11-1/2 Uhr verließ

die Abteilung A die Schule, während die Abteilung B bis 12-1/2 Uhr jene

Lektionen erhielt, welche für die Abteilung A bereits zwischen 9 und 10 Uhr

angefallen waren. Nachmittags war nur am Montag und Donnerstag in je einer

Stunde Unterricht, für die Abteilung A von 2 bis 3 Uhr, für die Abteilung B

von 2:40 bis 3:40.

Über die Anordnung der Unterrichtszeit für die erste Klasse, Abteilung A

(und dementsprechend auch für die Abteilung B) gibt nebenstehende

Wochentabelle Aufschluß.

Zu diesem Wochenstundenplan ist zu bemerken: Die Unterrichtszeiten sind

in Minuten beigesetzt. Die Pausen zwischen den Unterrichtslektionen sind

nicht angegeben. Die Unterrichtslektionen in Kursivdruck sind für beide

Abteilungen A und B gemeinsam. Um aus dieser Wochentabelle den

Unterrichtsplan für die Abteilung B zu erhalten, sind lediglich die

gleichen Unterrichtsfächer, die für die Abteilung A von 9 bis 10 Uhr

aufgeführt sind, für die Zeit von 11-1/2 bis 12-1/2 Uhr anzufügen; mit

anderen Worten: die Abteilung A kam täglich von 9 bis 11-1/2 Uhr, die

Abteilung B von 10 bis 12-1/2 Uhr am Vormittag, und außerdem die

Abteilung A Montags und Donnerstags von 2 bis 3 Uhr, die Abteilung B an

den gleichen Tagen von 2:40 bis 3:40 Uhr zum Unterricht. Nur am Mittwoch

und Sonnabend waren beide Abteilungen von 9 bis 11-1/2 Uhr gemeinsam,

die Abteilung A am Mittwoch, die Abteilung B am Sonnabend noch weitere

30 Minuten anwesend. Vier Nachmittage waren unterrichtsfrei.

Wochenstundenplan der ersten Klasse

+-------+-----------------+----------------+----------------+

| | Montag | Dienstag | Mittwoch |

+============================================================+

| Vormittag |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | Rechnen (30) | Anschauungs- | =Schreiblesen= |

| 9-10 | Schreiblesen | unterricht(60) | (30) |

| | (30) | | =Singen= (30) |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | | =Schreiblesen= | =Rechnen= (40) |

| 10-11 | =Religion= (60) | (40) | =Turnen= (20) |

| | | =Turnen= (20) | |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | =Anschauungs- | | =Anschauungs- |

| 11-12 | unterricht= | =Rechnen= (30) | unterricht= (30)|

| | (30) | | Rechnen |

| | | | (Abt. A) (30) |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| Nachmittag |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | Schreiblesen | | |

| 2-3 | (40) | -- | -- |

| | =Turnen= (20) | | |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | Donnerstag | Freitag | Samstag |

+============================================================+

| Vormittag |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | Rechnen (30) | Anschauungs- | =Schreiblesen= |

| 9-10 | Schreiblesen | unterricht(60) | (30) |

| | (30) | | =Singen= (30) |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | | =Schreiblesen= | =Rechnen= (40) |

| 10-11 | =Religion= (60) | (40) | =Turnen= (20) |

| | | =Turnen= (20) | |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | | | =Anschauungs- |

| 11-12 | =Anschauungs- | =Rechnen= (30) | unterricht= (30)|

| | unterricht= (30)| | Rechnen |

| | | | (Abt. B) (30) |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| Nachmittag |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

| | Schreiblesen | | |

| 2-3 | (40) | -- | -- |

| | =Turnen= (20) | | |

+-------+-----------------+----------------+-----------------+

Wochenstundenplan der zweiten Klasse

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | Montag | Dienstag | Mittwoch |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | A | B | A | B | A | B |

+===================================================================+

| Vormittag |

+-------+-------------------+---------+---------+-------------------+

| | | Holzbe- | | |

| 8-9 | =Religion= (60) |arbeitung| -- | =Religion= (60) |

| | | (60) | | |

+-------+-------------------+---------+---------+-------------------+

| | =Rechtschreiben= | Holzbe- | -- | =Lesen= (30) |

| 9-10 | (30) |arbeitung| Rechnen | =Rechtschreiben= |

| | =Singen= (30) | (60) | (30) | (30) |

+-------+-------------------+---------+---------+-------------------+

| | =Lesen= (30) | Rechnen | Holzbe- | =Turnen= (30) |

| 10-11 | =Schönschreiben= | (30) |arbeitung| =Anschauungs- |

| | (30) | | (60) | unterricht= (30) |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | | Rechnen | | Holzbe- | Rechnen | |

| 11-12 | -- | (30) | -- |arbeitung| (30) | -- |

| | | | | (60) | | |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| Nachmittag |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| | Rechnen | | | |

| 2-1/2 | (30) | -- | -- | -- |

| -3 | | | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| | Aus- | | | |

| 3-4 |schneiden| -- | -- | -- |

| | (60) | | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | Donnerstag | Freitag | Samstag |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | A | B | A | B | A | B |

+===================================================================+

| Vormittag |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | -- | Rechnen | Rechnen | -- | -- | Rechnen |

| | | (30) | (30) | | | (30) |

| 8-9 +---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | Turnen (30) | Lesen (30) | Lesen (30) |

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | =Anschauungs- | =Turnen= (30) | =Rechtschreiben= |

| 9-10 | unterricht= (30) | =Rechtschreiben= | (30) |

| | =Singen= (30) | (30) | =Turnen= (30) |

+-------+-------------------+---------+---------+-------------------+

| |=Schönschreiben= | =Anschauungs- | =Anschauungs- |

| | (30) | unterricht= (30) | unterricht= (30) |

| 10-11 +---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | Rechnen | -- | -- | Rechnen | Rechnen | -- |

| | (30) | | | (30) | (30) | |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | | | |

| 11-12 | -- | -- | -- |

| | | | |

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| Nachmittag |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| | | Rechnen | | |

| 2-1/2 | -- | (30) | -- | -- |

| -3 | | | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| | | Weibl. | | |

| 3-4 | -- | Hand- | -- | -- |

| | | arbeit | | |

| | | (60) | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

Die Teilung der _zweiten_ Versuchsklasse erfolgte in dem gleichen

Zeitausmaße, wie in der ersten, im Rechnen, im Anschauungsunterricht und

in der Handfertigkeit; sie unterblieb dagegen im Unterricht im

Deutschen. Die weiteren Fragen in bezug auf die Verteilung der

Unterrichtszeit auf die einzelnen Unterrichtsfächer beantwortet der S.

122 u. 123 abgedruckte Wochenstundenplan.

Für den einzelnen Schüler ergeben sich hierbei wöchentlich 18

Unterrichtsstunden, für die Klassenlehrkraft 23, für den Fachlehrer in

Holzbearbeitung 4 Unterrichtsstunden. Für die Kinder waren fünf

Nachmittage unterrichtsfrei, für die Klassenlehrerin deren vier.

Was die Teilung der _dritten_ und _vierten_ Klasse betrifft, so erstreckte

sie sich auf zwei Rechenstunden, eine Unterrichtsstunde in der Heimatkunde

und die beiden Stunden in Holzbearbeitung. Die Zahl der Unterrichtsstunden

betrug für die Knaben 22; sie erhöhte sich auf 24 bei den Mädchen durch

Einfügung von 2 Stunden Unterricht in weiblicher Handarbeit, der nunmehr

einer besonderen Lehrerin übertragen wurde. Für den Klassenlehrer

erwuchsen demnach 25 Stunden Unterricht, für den Fachlehrer in

Holzbearbeitung vier, für die Fachlehrerin für weibliche Handarbeit zwei.

Das sonstige Stundenausmaß ist aus der nachfolgend abgedruckten

Wochenstundentabelle zu ersehen. In allen drei Wochenstundenplänen ist die

dem Lehrgegenstande in Klammern beigefügte Zeit um die Pausen zu verkürzen

welche für eine geeignete Erholung notwendig waren. An Stelle der Teilung

einer Klasse in einem praktischen Unterrichtsgegenstand kann man auch in

der ungeteilten Klasse gleichzeitig _zwei_ Fachlehrkräfte arbeiten lassen.

Wochenstundenplan der dritten und vierten Klasse

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | Montag | Dienstag | Mittwoch |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | A | B | A | B | A | B |

+===================================================================+

| Vormittag |

+-------+-------------------+---------+---------+---------+---------+

| | | | | Holz- | |

| 8-9 | =Religion= (60) | Rechnen | -- | be- | -- |

| | | (60) | |arbeitung| |

| | | | | (60) | |

+-------+-------------------+---------+---------+---------+---------+

| | | | Holz- | |

| 9-10 | =Rechtschreiben= | | be- | Rechnen |

| | (60) | =Aufsatz= (60) |arbeitung| (60) |

| | | | (60) | |

+-------+-------------------+-------------------+---------+---------+

| | =Heimatkunde= | =Sprachlehre= | | Holz- |

| | (30) | (30) | Rechnen | be- |

| 10-11 +-------------------+-------------------+ (60) |arbeitung|

| | =Lesen= (30) | =Turnen= (30) | | (60) |

| | | | | |

+-------+-------------------+-------------------+---------+---------+

| | | =Schönschreiben= | | Holz- |

| | =Weibliche Hand- | (30) | | be- |

| 11-12 | arbeit= (60) +-------------------+ -- |arbeitung|

| | | Bibel (30) | | (60) |

| | | | | |

+-------+-------------------+-------------------+---------+---------+

| Nachmittag |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| 2-3 | -- | Rechnen | -- | -- |

| | | (60) | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| | | Heimat- | | |

| 3-4 | -- kunde | -- | |

| | | (60) | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | Donnerstag | Freitag | Samstag |

+-------+---------+---------+---------+---------+---------+---------+

| | A | B | A | B | A | B |

+===================================================================+

| | Vormittag |

+-------+-------------------+---------+---------+-------------------+

| | | | | |

| 8-9 | =Religion= (60) | -- | Rechnen | =Lesen= (60) |

| | | | (60) | |

| | | | | |

+-------+-------------------+---------+---------+-------------------+

| | | =Turnen= (30) | =Turnen= (30) |

| 9-10 | =Rechtschreiben= +-------------------+-------------------+

| | (60) | =Heimatkunde= (30)| =Sprachlehre= (30)|

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | =Turnen= (30) | | |

| | | | |

| 10-11 +-------------------+ =Aufsatz= (60) | =Heimatkunde= (60)|

| | =Lesen= (30) | | |

| | | | |

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | | | =Schönschreiben= |

| | =Weibliche Hand- | | (30) |

| 11-12 | arbeit= (60) | =Singen= (60) +-------------------+

| | | | =Bibel= (30) |

| | | | |

+-------+-------------------+-------------------+-------------------+

| | Nachmittag |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| 2-3 | Rechnen | -- | -- | -- |

| | (60) | | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

| |Heimat- | | | |

| 3-4 | kunde | -- | -- | -- |

| | (60) | | | |

+-------+---------+---------+-------------------+-------------------+

Ich hätte diese Wochenstundenpläne übrigens nicht zum Abdruck gebracht,

hätte ich nicht dadurch die tatsächliche Durchführbarkeit eines

Vorschlages illustrieren wollen, den ich auch ganz ohne Rücksicht auf

die Organisation der Arbeitsschule seit vielen, vielen Jahren empfehle,

dessen Durchführbarkeit aber auch von meinen eigenen Schulleitern

bezweifelt wurde. Ich meine die _partielle Klassenteilung_. Wir sind aus

ökonomischen Rücksichten noch auf lange Zeit hinaus genötigt, in den

großen Städten Klassen bis zu 50, 60, ja in vereinzelten Fällen noch

mehr Kindern zu bilden. In solchen Klassen lassen sich gewisse Zwecke

noch fördern, andere Zwecke aber in keiner Weise. Es ist völlig

ausgeschlossen, z. B. einen wirklichen Anschauungsunterricht auch nur

bei 50 Kindern zu erteilen. Hier muß die Klasse wenigstens in den

Beobachtungsstunden unbedingt geteilt werden. Es verursacht unendliche

Mühe, Klassen von 50 oder 60 Kindern in gewisse Rechen- und

Sprachbegriffe gemeinsam einzuführen. Die Einführung in das Schreiben

und Lesen ist ebenfalls wesentlich erleichtert durch Teilung der Klasse

im Schreiblesen. -- Eine Teilung der Klasse in einigen Stunden wird die

Aufgabe ungemein erleichtern, weil alsdann der Lehrer viel eher an den

einzelnen Schüler herankommt, ganz abgesehen davon, daß die

Aufmerksamkeit einer kleinen Schar mit einem Blick viel leichter zu

lenken ist als die einer großen Schar. Von der notwendigen Teilung der

Klasse im Zeichnen, in Physik, Chemie, Handfertigkeit, will ich gar

nicht reden. Weil wir solche Teilungen nie vorgenommen haben, waren wir

genötigt, die Menge der Stundenzahlen für einzelne Fächer in der

Volksschule ständig zu vermehren, um auch große Klassen entsprechend

vorwärtszubringen.

_Ein sehr viel gesünderer Ausweg ist, die Stundenzahl für den Schüler

möglichst gering zu halten, für den Lehrer aber durch partielle

Klassenteilung zu mehren._

Das verursacht so lange keine Kosten, als die Lehrer _unter ihrem

Pflichtstundenmaße_ beschäftigt sind, und vermehrt die Arbeitslast des

Lehrers gleichwohl nicht, weil die ungleich größere Leichtigkeit und

Fruchtbarkeit des Unterrichtes in kleinen Abteilungen die physische und

psychische Kraft des Lehrers sehr viel weniger in Anspruch nimmt. Nur

der Wochenstundenplan macht einiges Kopfzerbrechen, ebenso wie das

Eintreffen der Kinder im Schulgebäude zu verschiedenen Zeiten. Daß aber

die Beseitigung dieser kleinen Schwierigkeiten durchaus möglich ist, das

eben sollen die drei Wochenstundenpläne und die an ihnen gemachten

Erfahrungen zeigen.

Was den Inhalt der einzelnen Unterrichtsgebiete betrifft, so ist er

durch den im Jahre 1911 vom Staatsministerium genehmigten Lehrplan für

die sämtlichen Volksschulen Münchens festgelegt. Der mehr als

zwölfjährige Krieg gegen den Lehrplan ist zu Ende. Der Lehrplan hat auf

der ganzen Linie gesiegt. Er ist einst nur schüchtern vom Gedanken der

Arbeitsschule beeinflußt entstanden. Gleichwohl bietet er einer

bescheidenen Durchführung des Geistes der Arbeitsschule kein Hindernis.

Die einzige Abweichung der Versuchsschule bildet die Aufnahme von

_fachlichem_ Arbeitsunterricht auch in die Knabenklassen, und zwar in

Verbindung mit dem Anschauungsunterricht und dem Unterricht in der

Heimatkunde. In den Mädchenklassen war er schon seit vierzig Jahren

vorgeschrieben.

2. DURCHFÜHRUNG DES LEHRPLANES IN DEN ZWEI UNTERKLASSEN

a) =Anschauungsunterricht mit Zeichnen und Handarbeit.= Der

Anschauungsunterricht mit Zeichnen und Handarbeit in Klasse I und II

machte die _eigenen Erfahrungen_ der Kinder zum Mittel- und Ausgangspunkt

seiner Tätigkeit. Gemäß dem Münchner Lehrplan hat er die Aufgabe, auf

Grund der Schärfung und Übung der Sinnestätigkeit das denkende

Beobachten zu wecken und zu fördern, die vorhandenen Vorstellungen zu

klären, zu ergänzen und zu ordnen und neue, grundlegende Vorstellungen

und Begriffe zu bilden. Diese Erfahrungen wurden teils aus der

_praktischen Tätigkeit der Schule, teils aus dem häuslichen Leben der

Familie_ entnommen. Zum Beginn des Schuljahres gingen der eigentlichen

manuellen Arbeit Übungen voraus, die auf Schärfung der Sinne abzielten.

Diese Übungen wurden zum Teil dem Werke von M. Montessori »Il Metodo

della Pedagogia Scientifica« entnommen und verliefen für gewöhnlich

unter dem Charakter des eigentlichen Kinderspieles. Selbstverständlich

wurden sie auch während des ganzen Jahres nicht außer acht gelassen und

zu geeigneter Zeit mit geeigneten Tätigkeiten verbunden. Sie erstreckten

sich auf das Erkennen von Farben und Formen, von Klängen nach Höhe und

Stärke des Tones, auf Schätzungen des Gewichtes verschiedener Stoffe,

auf Erwerbung von Tastvorstellungen für die verschiedenartigsten

Materialien, auf Ausbildung von Geruchs- und Geschmacksvorstellungen

einfacher wohl unterscheidbarer Art, und endlich auch auf die

Regulierung und Orientierung von Bewegungsempfindungen. Eine Reihe von

Materialien diente diesem Zwecke. Der Arbeitsunterricht, der mit dem

Anschauungsunterricht aufs engste verbunden wurde, erstreckte sich in

der _ersten_ Klasse auf Nähen, Stricken, Flechten, Holzarbeit,

Gartenarbeit und sogenannte häusliche Beschäftigungen. Knaben wie

Mädchen hatten den gleichen Arbeitsunterricht, so daß also einesteils

die Knaben sowohl am Unterricht im Nähen und Stricken teilnahmen als

auch die Mädchen am Unterricht in der Holzarbeit. In den zweiten Klassen

trat bei Knaben wie Mädchen die Holzarbeit in den Vordergrund. Daneben

wurden die Knaben in einer besonderen Stunde mit Zeichnen und

Ausschneiden, die Mädchen mit Flechten, Stricken, Nähen beschäftigt.

Gartenarbeit und häusliche Beschäftigungen fanden neben der Schulzeit

systematische Berücksichtigung. Anderweitige einwandfreie (vgl. Seite

81) Beschäftigungen, wie Papierfalten für bestimmte Zwecke,

Papparbeiten, Weben auf Handwebestühlen wären zulässig gewesen. Sie

wurden aber nicht berücksichtigt, um die Arten der Beschäftigung nicht

zu _zahlreich_ zu machen und so eine gründlichere Schulung in der

einzelnen Beschäftigungsart zu ermöglichen. Auch wurden die

erstgenannten Beschäftigungen vorgezogen, _weil sie dem häuslichen Leben

des Kindes wesentlich näher liegen_.

Sobald es möglich war, wurden die praktischen Arbeiten vom Gesichtspunkt

der Arbeitsgemeinschaft aus organisiert, d. h. vom Standpunkt der

Dienst- und Hilfsbereitschaft der Kinder gegeneinander und der

gemeinsamen Unterordnung unter eine gesteckte Aufgabe. Die Art der

Durchführung mußte sich natürlich _über_ den Kindergartenstandpunkt

erheben. Es handelt sich in der Volksschule nicht mehr bloß darum, die

Kinder vernünftig zu beschäftigen, sondern auch darum, die manuelle

Geschicklichkeit systematisch zu steigern, den Willen zu immer

sorgfältigerer Arbeit zu erziehen und so den Spieltrieb mehr und mehr in

den Arbeitstrieb umzuwandeln, d. h. die Tätigkeit des Kindes mehr und

mehr einem gewollten Zwecke und gewissen für die Zweckerreichung

notwendigen Regeln zu unterwerfen. Gewisse Arbeitsgebiete werden immer

lehrplanmäßig bevorzugt werden müssen, wie mannigfaltig auch die Art der

Beschäftigung nach der Neigung des Lehrers und der Kinder, nach den

Anlagen der Kinder und den Unterrichtseinrichtungen sein mag. Auch

innerhalb bestimmter Arbeitsgebiete ist noch eine weise Beschränkung auf

_wenige manuelle_ Fertigkeiten geboten, damit sie im Laufe der ersten

Schuljahre zu entsprechender Sicherheit entwickelt werden können. Ob die

wenigen ausgewählten Arbeitsgebiete den physischen und geistigen Kräften

des Kindes entsprechen, das dürfte wohl daraus am besten zu ersehen

sein, ob die Mehrzahl der Schüler auch ohne Zutun der Schule in reiner

Verfolgung ihres Nachahmungstriebes ähnliche Beschäftigungen bei ihren

häuslichen Tätigkeiten und Spielen aufsuchen und anwenden.

In welcher Weise die manuelle Tätigkeit mit den lehrplanmäßigen Themata

des Anschauungsunterrichts in Verbindung stand, ergibt sich aus

folgender Übersicht. Der ersten Klasse fielen lehrplanmäßig folgende

Aufgaben zu:

Begriff der Arbeitsschule · 第 6 / 10 段