Seitenlänge. Am Ende des Stabes sind die Basiskanten leicht abgerundet,
damit das damit zu bearbeitende Papier nicht verletzt werde. Im
Notfalle leistet eine Tischgabel mit prismatischem Beingriff ganz
denselben Dienst; nur müssen die Kanten, wie gesagt, abgerundet sein.
Mit der linken Hand drücken wir das oben liegende Reibpapier flach
an, während wir mit dem Beinstab in der rechten parallel zu einer
Plattenkante in engem Zickzack über das freie Rechteck des Rahmens
derart reiben, daß die Strichflächen übereinandergreifen. Dieses Reiben
muß mit Nachdruck erfolgen; das Druckpapier soll auf diese Weise in
die feinsten Furchen der Platte gepreßt werden. Die Handhabung zeigt
Abb. 13. Sorgfältig zu achten ist darauf, daß kein Streifen von der
Reibung verschont bleibe; also recht langsam mit den einzelnen Strichen
weiterrücken! Am besten gelingt die Sache wie folgt: Erst von rechts
nach links reiben, dann ebenso langsam zurück; dann im rechten Winkel
dazu wieder über die Platte und zurück. Diese Arbeit wird stehend
verrichtet, denn sie erfordert freie Beweglichkeit. Ist das Druckpapier
nicht zu stark, so sieht man bei abgenommenem Reibpapier, daß es in die
Furchen bereits eingedrückt ist. Bei minder dicken Papieren schimmert
auch die Druckfarbe durch. So unmerklich fast diese Erscheinung auch
ist, so dient sie doch zur Orientierung, wo und ob vielleicht irgendwo
nachzureiben ist; man kann dann mit mehr Beruhigung annehmen, daß alle
Teile des Bildes mit dem Beinstabe übergangen wurden. Japanpapier
erfordert eine sehr geringe Kraftanwendung, das Bild erscheint beim
Reiben auf der Rückseite sehr deutlich mit all’ seinem Detail. Auch
Filtrierpapier verlangt eine minder kräftige Behandlung. Im allgemeinen
muß umso kräftiger gerieben werden, je trockener das Papier ist. Sollte
der Beinstab auf dem Reibpapier nicht glatt laufen, so kann letzteres
mit Graphit besser gleitend gemacht werden. Es genügt vollkommen, wenn
man das Reibpapier mit sehr weichem Bleistift bestreicht.
[Illustration: Abb. 13. Das Anfertigen eines Abzugs mit dem Beinstab.]
Nach Beendigung unserer Arbeit wird zuerst das Reibpapier beiseite
gelegt, dann der Papprahmen abgehoben. Wir sehen das Papier fest an
der Platte haften. Mit einiger Vorsicht ziehen wir es an einer Ecke in
die Höhe, indem wir dafür Sorge tragen, daß das Bild nicht die Platte
streift, und der Abdruck ist fertig. Der erste wird nicht auch schon
der beste sein, aber das, _was_ erreicht wurde, wird, so mangelhaft es
auch immerhin ausgefallen sein mag, gewiß zu wiederholten Versuchen
aneifern; man bedenke nur, wieviele Faktoren hier das Gelingen
beeinflussen! Gewiß wird der, welcher sich vor dem Abziehen des
Druckpapieres noch einmal fragt: »War das Druckpapier nicht vielleicht
zu trocken, war es zu naß?; ist die Druckfarbe nicht vielleicht zu
dünn, oder zu steif gewesen?; habe ich zu lang gerieben, zu wenig,
oder zu kräftig --?« nicht von einem glücklichen Zufall erwarten
wollen, daß der erste Abdruck nichts mehr zu wünschen übrig lasse! Hier
heißt’s eben »Erfahrung sammeln, Übung erlangen!« und daß dies nur von
fleißigem, unausgesetztem Überlegen und Probieren zu erwarten ist --
wer möcht’ es leugnen?!
[Illustration: »Alter Winkel in Olmütz«, Radierung von Alois L. Seibold
Wiedergabe eines mit dem Beinstab gewonnenen Plattenabzuges]
Manchmal kommt es vor, daß der Druck nicht von der Platte will und
zu fasern oder gar zu reißen droht. In diesem Falle legt man die
Druckplatte samt dem Papier auf eine heiße Metallplatte und wartet eine
kleine Weile. Von der durchwärmten Platte läßt sich der Druck dann
leicht und ohne zu reißen abheben.
~f~) Das Drucken auf maschinellem Wege.
Das in den vorigen Absätzen erörterte Druckverfahren beschränkt sich
lediglich auf ein Arbeiten im stillen Kämmerlein, und wenn auch die
Fertigkeit des Radierers im Abdrucken zu einem so hohen Grade gebracht
werden kann, daß das Erzeugnis der Hand dem des Walzendruckes nicht
nachsteht und in allen Ehren ein Geschenkblatt für einen engeren
Kreis von Freunden repräsentieren kann, so ist eine größere Auflage
von Abdrücken in dieser Weise zum mindesten nicht rationell. Für
Massenauflage bedienen wir uns der Kupferdruckpresse. Abb. 14. Das
Prinzip des Abdruckens bleibt das gleiche, nur daß hier das Anpressen
des Druckpapieres an die eingeschwärzte Platte von zwei Walzen
besorgt wird. Unsre heutigen Druckwalzen bestehen aus Stahl, und die
Achsenlager der oberen Walze sind nicht in fester Verbindung mit dem
Tragrahmen, sondern verschiebbar. Sie drücken nach oben gegen eine
dicke Einlage aus Pappendeckel oder Leder, also gegen eine sehr starke
Federung. Mittelst Stellschrauben läßt sich diese obere Walze für
verschiedene Spannungen einstellen. Die obere der beiden Walzen wird
von einem Kurbelrad mit Zahnrad-Übersetzung in Bewegung gesetzt.[4]
[4] Früher diente ein Hebelkreuz zum Drehen der aus hartem
Holze hergestellten Walzen.
Zwischen den beiden Walzen befindet sich eine sehr starke Eisenplatte,
die zur Aufnahme von Druckplatte, Papier und Filz dient. Sie soll mit
dünnem Zinkblech belegt sein, damit das feuchte Druckpapier auf ihr
nicht Rostflecken verursache. Mittelst der Kurbel erfolgt unter großer
Spannung der Walzen das Durchziehen des Druckobjektes, das andere
Tischblatt nimmt dasselbe auf.
[Illustration:
================== ~A~ ~Auflagetuch~
~D~ -- -- -- -- -- ~D~ ~Druckpapier~
###################### ~Druckplatte~
~L~ |============| ~B~ ~Auflagebrett~
~T~_1 ---- ~T~_2 ~Tischblätter~
Abb. 14. Schema einer Walzenpresse.]
Dem Kupferdrucker stehen Mittel zu Gebote, das Ansehen einer Radierung
in gewissem Maße zu heben. Mit unsren bescheidenen Mitteln schon können
wir selbst die Wirkung des resultierenden Bildes verändern. Zu solchen
Mitteln gehört das »Tonen« der Platte: Bevor dieselbe abgedruckt wird,
kann sie noch eine feine Lasur von Druckfarbe als Überzug erhalten. Man
erreicht dies durch Überwischen der bereits »reingewischten« Platte mit
dem Ballen der Hand oder durch sehr sanftes Streichen mit dem locker
gehaltenen Wischtuch. Die Wirkung einer derartigen Behandlung zeigt
sich im Abdruck als ein die Härten der Strichlagen verbindender Ton,
der namentlich bei Drucken auf weißem Papier angenehm empfunden wird.
Hier gilt eben auch der goldene Satz von der Ehrlichkeit in den
Mitteln, der jedwedes Kunstschaffen beseelen soll. Darum lernen wir
ja mit zielbewußtem Bemühen die Platte selbst mit den Mitteln der
Ätzkunst in einen Zustand zu bringen, daß sie unsre künstlerische
Endabsicht klar wiedergebe. Was darüber hinausgeht, ein Herumklügeln
und Herumwitzeln mit Druckfarbe und Wischlappen ist nach meiner
bescheidenen Meinung keine reine Technik mehr. Oder sollen wir, wenn
wir mit Nadel und Ätzwasser zu Ende sind, gar noch anfangen die Platte
überdies zu »_bemalen_«, bevor wir sie abdrucken?
Der Kupferdrucker beginnt, nachdem er die Platte blankgewischt, damit,
Druckfarbe als mehr oder minder tiefen Farbenton auf die Platte zu
bringen. Dort wo das technische Können oder die Geduld des Radierers
versagt, muß der Drucker nachhelfen und Töne auf die Platte bringen
-- womöglich noch in verschiedenen Farben -- um über die Kargheit,
über die Leere der Zeichnung hinwegzutäuschen. Das ist Verwilderung
des Stiles, die sich in letzter Zeit namentlich auf dem Gebiete der
Radierung breit macht und mit ihren Talmi-Effekten den Laien verblüffen
will. Ein Auge, das im Genießen von Radierungen geschult ist, wird auf
den ersten Blick diese groben, unsachlichen Effekte von der Noblesse
einer reinen Technik zu unterscheiden wissen.
[Illustration: »Motiv aus Obersteiermark«, Original-Radierung von Alois
L. Seibold]
Zum Technischen muß noch erwähnt werden, daß die Zahl der möglichen
Abdrücke von einer Kupferplatte keineswegs unbeschränkt ist.
200 Abdrücke wird gewiß jede Platte zu liefern im stande sein.
Kräftige Arbeiten erlauben wohl deren 300 bis 400 von noch gutem
Ansehen. Die Ätzung schleift sich nämlich bei dem vielen Einschwärzen
langsam ab und hat im Abdruck das Verschwinden zarterer Partien und das
Flauwerden tiefer Schattentöne zur Folge.
Ein »Aufätzen«[5] der Platte bringt nicht selten eine Störung der
harmonischen Tonwirkung mit sich.
[5] d. h. Radieren und Ätzen der neuerlich grundierten Platte.
Man hilft sich über diesen Übelstand mittelst der galvanischen
Verstählung der Platte hinweg.
Der unendlich feine Überzug von galvanisch auf das Kupfer
niedergeschlagenem Eisen schützt die Platte vor allzufrüher Abnützung
und gestattet eine Auflage von etwa 2000 Abdrücken.
Auch die Vervielfältigung der ganzen Platte auf galvanoplastischem Wege
ist ein gutes Mittel zur Vergrößerung der Auflage von Radierungen;
bei dem heutigen Stande der galvanoplastischen Technik sind solche
Duplikatplatten von wunderbarer Feinheit und Schärfe.
In seltenen Fällen wird einer Radierung beschieden sein, in geradezu
fabrikmäßiger Weise vervielfältigt zu werden. Ich möchte sogar meinen,
daß dadurch der innere Wert einer Radierung ein wenig heruntergedrückt
wird, denn es wird sich nie vermeiden lassen, daß eine gewisse Partie
der Auflage Feinheiten aufweist, die den übrigen Blättern fehlen. Die
intime, ich möchte sagen liebevolle Behandlung, die jeder einzelne
Abzug verlangt, ist nicht gut vereinbarlich mit Riesenauflagen; da ist
der Holzschnitt, die Zinkotypie, überhaupt der Hochdruck am Platze.
6. Retouche-Arbeiten.
Sobald wir es durch unausgesetzte Übung dahin gebracht haben, einen in
allen Strichen scharfen Abdruck zu erzielen, haben wir Gelegenheit,
uns von dem Zustande unsrer Platte zu unterrichten. Hauptsächlich
wird sich unsre Aufmerksamkeit auf die Tonintensität der einzelnen
Flächen zu richten haben: Da ist ein Ton viel zu dunkel im Vergleich zu
seinem benachbarten ausgefallen, dort treten die einzelnen Striche zu
scharf hervor; hier wieder hat eine Ätzung vielleicht noch gar nicht
gegriffen, und die beabsichtigte Verbindung zweier Tonflächen ist
dadurch verloren gegangen. Da gibt es nun Stoff genug zum Nachdenken,
teils über die Ursachen, teils über die Art einer allfälligen Abhilfe.
Ohne Schwierigkeit werden wir alle erkannten Fehler in zwei große
Gruppen teilen können: »Entweder es wurde zu tief oder zu wenig geätzt.«
Ist letzteres der Fall, so beginnen wir eine Art Nachradieren, indem
wir die Platte von neuem mit Ätzgrund versehen. Vorher muß dieselbe
von der noch anhaftenden Druckfarbe durch Übergießen mit siedendem
Wasser (besser noch Sodalösung oder Ätzlauge) gereinigt werden. Das
Grundieren ist jetzt nicht mehr so leicht wie das der neuen Platte. Es
muß dafür gesorgt werden, daß der Firnis auf der erhitzten Platte in
alle Ritzen eindringe, sonst würde an solch’ mangelhaft grundierten
Stellen die Säure zum Schaden der Platte einwirken; deshalb erhitze
man die Platte von unten her ein wenig, damit der Ätzgrund schmilzt
und in die Striche vollends einsinken kann. _Geraucht_ wird die Platte
nicht, da das Bild durch den Firnis durchscheinen muß. Solche Platten
grundiert man am besten mittelst des flüssigen Ätzgrundes. Er wird wie
folgt hergestellt: Harter Ätzgrund wird geschmolzen, und dann abseits
vom Herde soviel rektifizierter Terpentin zugesetzt, daß das Gemisch im
kalten Zustand leichtflüssig bleibt. Diese Lösung wird mit käuflichem
Asphaltlack zu gleichen Teilen gemischt und lange kräftig geschüttelt.
Zum Auftragen dieses Firnisses dient ein breiter flacher Haarpinsel.
Nach dem Aufstreichen erwärmt man die Platte von unten etwas, damit der
Ätzgrund sicher alle Ritzen fülle. Dieser Ätzgrund kann auch auf der
blanken, neuen Platte Verwendung finden; er ist nicht so durchsichtig
wie der gewalzte und erspart das Anrauchen. Aufgetragen wird er immer
auf der kalten Platte; bei dem nachfolgenden Erwärmen desselben
verschwindet jede allfällige, durch schlechte Pinselführung entstandene
Streifung des Aufstriches.
Was nun die Arbeit selbst betrifft, so muß darauf aufmerksam gemacht
werden, daß sie mit allem künstlerischen Takt und zielbewußt
vorgenommen werden muß. Oft genügt das Herausholen einer brillanten
Kraftstelle, manchmal sind zerrissen wirkende Tonmassen mit einer
verbindenden Strichlage zu übergehen. Dieses Nachradieren soll ja
nur ergänzen, nicht aber neu schaffen! Hat man mehrere Abdrücke
hergestellt, so kann man mittelst Feder oder schwarzen Stifts an ihnen
versuchsweise eine oder die andre Wirkung herausholen (natürlich erst
wenn die Bilder trocken sind). Solche korrigierte Drucke geben dann
wieder Vorlagen für die weitere Behandlung der Platte ab.
[Illustration: Abb. 15. Schneidefeder.]
Mit der gewöhnlichen, kegelförmig geschliffenen Radiernadel ist es
oft schwer, die Richtung der beabsichtigten Striche beizubehalten,
weil sie von den geätzten Furchen leicht in andere, nichtgewollte,
Richtungen abgelenkt wird. Verfasser empfiehlt zu diesem Zweck die
Anwendung der sogenannten »photographischen Beschneidefeder«, welche
in allen photographischen Handlungen erhältlich ist. Sie hat die
Gestalt einer gewöhnlichen Schreibfeder und wird in einem Federstiele
steckend in einfachster Weise gehandhabt. Statt zweier Spitzen, wie
die Schreibfeder, besitzt sie ein rautenförmiges Schildchen, dessen
Vorderkanten scharfe Schneiden bilden, welche wieder in eine Spitze
auslaufen. (Abb. 15). Die aus sehr hartem Stahl bestehende Feder
erzeugt, steil gehalten, sehr feine präzise Linien, welche nicht nur
den Ätzgrund, sondern auch das Kupfer schneiden, eine Eigenschaft, die,
wenn es sich um saftige Tiefen handelt, wertvoll ist. Hinzuzufügen ist
noch, daß die Richtung des Striches, den die Spitze ausführt, in der
Ebene des Schildchens liegen muß, da die Feder sonst nicht schneidet,
sondern kratzt.
Ist das Nachradieren vollendet, so wird die Ätzung wieder in der
bereits beschriebenen Weise durchgeführt. Um den Fortschritt der
Arbeit auf der Platte beobachten zu können, ist es geboten, sich von
jedem Plattenzustande eine ausgiebige Anzahl reiner Abzüge zu nehmen
und sie eventuell mit bezüglichen Notizen versehen in einer Mappe
aufzubewahren. Eine solche Sammlung von Abdrücken, in der auch nicht
die am ärgsten mißlungene Platte fehlen darf, hat soviel Lehrreiches
für den Radierer, sie wird ihm ein klarer Beleg für seinen Werdegang
bisher und zeigt ihm auch die Wege, auf denen ein ernstes, zielbewußtes
Streben zur Meisterschaft gelangt.
Weit schwieriger gestaltet sich die Korrektur dann, wenn zu tief geätzt
wurde, wenn also Stellen, welche duftig beabsichtigt waren, im Abzug
zu derb, zu kräftig kommen. Dem Anfänger widerfährt dieses Mißgeschick
meistens, wenn er, die Wirkung des Ätzwassers unterschätzend, lichte
und zarte Partien zu lange ätzt. Läßt sich dieser Fehler nicht
dadurch gut machen, daß man die benachbarten dunklen Stellen durch
Nachradieren und Nachätzen verstärkt und somit den Kontrast zu heben
sucht, dann muß die zu dunkel geratene Partie abgeschliffen werden.
Diesem Zwecke dient der Polierstahl. Man beschafft sich einen solchen
von außerordentlicher Härte, indem man eine prismatische Feile mit
dreieckigem Querschnitt einem geschickten Messerschmied mit dem Auftrag
übergibt, die Flächen am vorderen Ende in sanfter Schwingung derart
zu schleifen, daß sie mit den drei Kanten zusammen in eine Spitze
auslaufen. Kanten und Spitze müssen abgerundet und das Instrument in
seinem geschwungenen Teile noch überdies feinst poliert werden.
Mit diesem Werkzeug werden die zu tief geratenen Stellen auspoliert.
Durch den Druck des Polierstahles werden die Stege zwischen den
Furchen geglättet und ausgebreitet, und letztere selbst infolge der
Reibung verengt. Die Striche erscheinen dann im Abdruck dünner und
duftiger, weil die scharfen Kanten, welche früher zu viel Farbe an sich
gehalten, jetzt abgeschliffen sind. Die Wirkung des Polierstahles ist
umso energischer, je steiler man eine seiner Kanten über die Platte
führt. Zum Schluß soll jedoch immer mit der _Fläche_ des Werkzeugs
poliert werden, um etwaige feine Streifen, welche während des Arbeitens
entstanden sein mögen, auszuglätten; ratsam ist es auch beim Polieren,
den Stahl mit Speichel oder Öl zu befeuchten. Außer Gebrauch muß der
Polierstahl vor Feuchtigkeit sorgfältigst bewahrt werden; vor allen
Verletzungen ist das polierte Ende in einer Scheide aus dickem Leder
geschützt.
Sollten beim Polieren auf der Platte graue Streifen entstanden sein,
so putzt man mit etwas Globuspasta oder Holzkohle und Öl nach, indem
man die Stelle mit einem um den Zeigefinger gespannten Lappen reibt und
trocken nachwischt. Nach einer solchen Behandlung muß die Bildfläche
mit Terpentin noch gründlich gereinigt werden.
Nach allen derartigen Prozeduren holen wir uns durch Abdrücke Auskunft
über das Gelingen des Versuchten und bereichern unsre Erfahrungen durch
den interessanten Vergleich der im Bilde deutlich wiedergegebenen
Plattenzustände.
Denn alle diese Korrekturen sollen uns ja schließlich zu dem einen
Ziele führen: unsre Erfahrung und Technik derart vervollkommnet zu
haben, daß es uns möglich ist, eine Arbeit _auf einen Wurf_ zu Ende zu
führen.
7. Über Mißerfolge.
Was bisher erläutert wurde, kann als Schulgut der Technik gelten;
ich fühle mich daher auch bestimmt, diesen Teil als abgeschlossenes
Ganzes zu betrachten und mit dem nun folgenden Fehlerverzeichnis
abzuschließen, da es ja einen Führer durch all’ die Fährlichkeiten
bilden soll, welche dem Anfänger in den Weg treten. Zur leichten
Orientierung finden wir in diesem Kapitel die Fehlresultate in
chronologischer Reihenfolge behandelt, wie sie sich eben in den
einzelnen Arbeitsphasen einstellen.
[Illustration: »Bildnisstudie«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]
Beim Grundieren.
1. Auf der Platte bilden sich schwarze Streifen, welche trotz
wiederholter Behandlung mit der Walze nicht verschwinden
wollen.
Ursache: Die ersten Striche des Ätzgrundes wurden auf zu heißer
Platte aufgetragen, der Firnis ist an diesen Stellen
verbrannt.
Abhilfe: Entfernung des Firnisses, Entfetten und neuerliches
Grundieren bei gelinder Hitze.
2. Die Walze klebt fest auf der Platte, reißt sich beim Drehen
schwer los und läßt den Ätzgrund mit rauher Oberfläche
zurück.
Ursache: Die Platte ist nicht, oder nicht mehr heiß genug.
Abhilfe: Gelindes Nachhitzen von unten her mittelst Gas- oder
Spirituslampe.
3. Nach dem Anrauchen zeigt die kalte Platte trotz sanften
Abwischens mit Watte eine schmutziggraue statt der
tiefbraunen, matten Oberfläche.
Ursache: Der Docht der Fackel hat beim Anrauchen die Platte
gestreift oder ist dem Firnis mindestens zu nahe gekommen.
Abhilfe: Entfernen des schlechten Grundes, neuerliches
Grundieren und Rauchen.
Beim Radieren.
4. Der Ätzgrund verwischt sich unter der Hand, namentlich an
den Rändern.
Ursache: Warme Hand, heiße Jahreszeit, hohe Temperatur
überhaupt bei allzugroßem Wachsgehalt im Ätzgrund.
Abhilfe:
~a~) Beim Radieren: Unterlage aus Pauspapier, Anwendung des
Handbänkchens.
~b~) Mehr Asphalt in den Ätzgrund. (Asphalt und Ätzgrund wieder
jeden einzeln schmelzen und dann mischen und kneten.)
5. Ätzgrund ist brüchig und splittert unter der Nadel.
Ursache:
~a~) Zuviel Asphalt im Ätzgrund;
~b~) Platte war nicht gut entfettet;
~c~) Ätzgrund ist zu heiß bereitet oder nicht homogen gemischt.
~d~) Ätzgrund ist beim Aufbringen auf eine zu heiße Platte oder
beim Anrauchen verbrannt (siehe bei 3).
Abhilfe:
für ~a~) Zusatz von Wachs und Mastix;
für ~b~) Selbstverständlich;
für ~c~) Ätzgrund nochmals einschmelzen eventuell etwas Mastix
zusetzen;
für ~d~) Ist diese böse Eigenschaft des Ätzgrundes auf der
ganzen Bildfläche verbreitet, dann muß dieser entfernt
und die Platte neuerlich grundiert und geraucht werden.
Handelt es sich jedoch um einzelne Stellen, so kann man
die schlechten Partien mit einem kantig geschliffenen
Beinstäbchen wegschaben und die offenen Stellen mit
Deckfirnis wieder schließen.
Beim Ätzen.
6. Das Ätzwasser will nicht angreifen (kommt bei allzuhoher
Glätte der Platte vor).
Ursache: Das Ätzwasser ist zu schwach, zu alt und oft
gebraucht; die Ätzung geschieht vielleicht bei zu großer
Kälte (im Winter).
Abhilfe: Altes Ätzwasser wird mit frischem, stärkerem gemischt
oder reine Säure zugegossen (siehe Seite 29.)
7. _Heftiges Aufschäumen_ der Platte hat zur
Ursache: Zu starkes Ätzwasser oder zu hohe Temperatur desselben.
Abhilfe: Mischen mit altem, oft gebrauchtem Ätzwasser oder mit
Kochsalzlösung. Arbeiten im Kühlen. Die Arbeit kann durch
unverzügliches Zugießen von reinem Wasser noch gerettet
werden.
8. _Abblättern des Ätzgrundes_ (Begleiterscheinung des in 7.
Angeführten).
Ursache:
~a~) Zu starke oder zu warme Ätzflüssigkeit;
~b~) Mangelhafte Entfettung der Platte, so daß die Säure
zwischen Firnisschicht und Platte eindringen und den
schützenden Firnis infolge Bläschenbildung sprengen und zum
Abschwimmen bringen kann.
~c~) Unterfressen der Stege (zu dichte Strichlagen).
Abhilfe:
für ~a~) (siehe in 7.)
für ~b~) Gründliches Entfetten der Platte (siehe Seite 11).
für ~c~) Auch hier läßt sich die Arbeit durch unverzügliches
Zugießen von reinem Wasser noch retten, vorausgesetzt, daß
das Abblättern nicht schon zu arg geworden.
Beim Drucken.
9. Die Druckfarbe will trotz kräftigen Reibens mit dem
Beinstab nicht auf’s Papier.
Ursache:
~a~) Das Papier ist zu trocken;
~b~) Die Druckfarbe hat zu wenig Schmierseife beigemischt;
~c~) Das Papier eignet sich überhaupt nicht zum Kupferdruck; es
saugt nicht.
Ist kräftig genug gerieben worden, so muß sich am Papier, wenn
es auch weiß geblieben, deutlich das Strichrelief des
Bildes zeigen (Untersuchung mit der Lupe).
Abhilfe:
für ~a~) Einige Blätter Filtrierpapier werden frisch gefeuchtet
zwischen den Vorrat eingelegt; einen Tag später werden die
Druckversuche wieder aufgenommen;
für ~b~) Einarbeiten von Schmierseife in die vorrätige
Druckfarbe;
für ~c~) Selbstverständlich.
10. Der Druck zerfließt und wird klecksig.
Ursache: Zu nasses Druckpapier.
Abhilfe: Einen oder mehrere Tage mit den Druckversuchen
aussetzen, bis das Papier unter der Presse etwas trockener
geworden. Oder Einlegen von trockenem Filtrierpapier in den
gefeuchteten Vorrat.
11. An _flauen Flecken_ und blinden Stellen, deren Ursachen
auf S. 26, Z. 9 von oben, erläutert wurden, ist nicht der
Abdruck, sondern das Radieren und Ätzen schuld. Eine
Abhilfe im eigentlichen Sinne kann meist nicht oder doch
nicht mit befriedigendem Erfolg geschaffen werden. Für
den Anfänger ist hier Abschleifen der Platte und Beginnen
einer neuen Arbeit das Ratsamste; nur soll nicht vergessen
werden, sich vorher noch einige scharfe reine Abzüge von
der verdorbenen Platte zu nehmen, um solche Drucke als
Anhaltspunkte für das weitere Arbeiten bereit zu haben.
Gelegentlich dieser Ausführungen sei nun Anlaß genommen, über das
Abschleifen der Platte im folgenden Abschnitt eingehend zu sprechen.
8. Abschleifen der Platte.