Man schmilzt in einem Topfe ein ausgiebiges Quantum schwarzen Ätzgrund

(siehe Bereitung Seite 7) bei gelinder Hitze und setzt soviel Wachs

und Unschlitt hinzu, bis die Masse beim Erkalten nicht mehr ganz

erstarrt, sondern die Konsistenz von Modellierton behält. Ein Zusatz

von Brennöl ist vorteilhaft aber nicht unbedingt notwendig; er macht

eben das Wachs recht geschmeidig. Bei Benutzung der Methode mit der

Glastafel braucht man übrigens nicht viel von dieser Masse zu bereiten.

Am besten schützt man sich vor der lästigen Klebrigkeit des Ätzwachses,

wenn man es in eine hölzerne oder blecherne Salbendose eingießt und

darin erstarren läßt. Zum Gebrauch sticht man seinen Bedarf mit dem

Modellierholz heraus. Sollte das Wachs, namentlich im Sommer, gar

zu weich und klebrig sein, so setze man ihm, indem man es wieder

einschmilzt, noch etwas Asphalt zu. Dieser muß aber wieder allein

geschmolzen und dann erst mit der andern Masse gemischt werden.

~d~) Die erste Ätzung.

Wir legen nun unsre auf eine Glastafel aufgemachte Platte, Bildseite

nach oben, in eine der Größe entsprechende photographische Schale

aus Glas oder Porzellan. Diese Schale darf nicht zu knapp sein, da

sonst das Herausnehmen der Platte aus dem Ätzbade schwierig ist. Auf

das radierte Bild gießen wir das Ätzwasser, bis es wenigstens 1 ~cm~

hoch über der Kupferplatte steht. Wegen des sich entwickelnden

gesundheitsschädigenden Gases soll das Ätzen nicht in einem Wohnraum

vorgenommen werden. Kann man nicht im Freien arbeiten, so wähle man ein

offenes, im Schatten liegendes Fenster dazu.

Bald nach Aufgießen des Ätzwassers wird man bemerken, daß die bis

dahin rotgoldschimmernden Striche der Zeichnung an Glanz verlieren

und weiß werden; ein Zeichen, daß die Bläschenbildung begonnen hat.

Am reichlichsten zeigt sich diese Erscheinung zuerst an den kräftig

radierten Stellen, also meistens in den Schattenpartien. Allmählich

steht das ganze Bild bis in die zartesten Partien in Bläschen. Bis

zu diesem Zeitpunkt muß die Platte unbedingt im Ätzbade verweilen.

Mit einer Gänsefeder werden von Zeit zu Zeit die Bläschen von der

Zeichnung weggestrichen, damit die Ätzung von denselben nicht

aufgehalten werde. Hat man eine recht tiefe Schale, so neigt man sie

derart, daß die Platte ganz vom Ätzwasser befreit wird; wenn dann

nach einigen Augenblicken die Bläschen von den radierten Strichen

gänzlich verschwunden sind, läßt man durch Wagrechtstellen der Schale

das Ätzwasser wieder über die Platte. Das sich entwickelnde Gas ist --

eingeatmet -- gesundheitsschädlich; längeres Verweilen mit dem Gesicht

über der Schale ist streng zu vermeiden. Angezeigt ist es deshalb, die

Schale mit einer größeren Glastafel während der Ätzungen bedeckt zu

halten.

_J. Roller_ empfiehlt in seinem Buche »_Technik der Radierung_«

(Wien, Hartleben) u. a. das Dr. Böttcher’sche Ätzwasser, da

damit der Ätzprozeß ohne schädliche Gasentwicklung vor sich geht:

10 Gewichtsteile rauchende Salzsäure + 70 Gw.-T. dest. Wasser +

2 Gw.-T. 10% siedende Lösung chlorsaures Kali. Mir kommt jedoch dieses

Ätzwasser ein wenig zu schwach, also langsam wirkend und minder

energisch vor. Für zarte Partien und für Tonätzungen jedoch ist es

wegen seiner milden Wirkung zu empfehlen.

Die erste Ätzung kann in 5--10 Minuten beendet sein. Ihre Wirkung soll

für die lichtesten und zartesten Partien des Bildes berechnet sein. Mit

einem meißelartig zugeschnittenen, reinen Holzstäbchen hebt man nun die

Platte, bei der Glaskante fassend, empor, nimmt sie vollends heraus

und spült sie sofort in reinem Wasser, indem man sie in einem großen

Gefäß mit Wasser hin- und herbewegt oder sie unter der Wasserleitung

abbraust. _Ausgiebiges Spülen der Platte ist unerläßlich_, da in den

feinen Vertiefungen der Striche leicht Säure sitzen bleiben und sich

schädlich bemerkbar machen kann. Das Trocknen der Platte beschleunigt

man durch Andrücken, (_nicht Wischen!_) reiner trockener Leinwand

oder eines Filtrierpapiers. Man kann jetzt an einer minder wichtigen

Stelle, am besten an einer Ecke, zur Probe mit Terpentin den Ätzgrund

entfernen, um nachzusehen, ob die Ätzung genügend tief gegriffen hat.

Soll weitergeätzt werden, so wird die Probestelle mit Pinselfirnis

wieder sorgfältig gedeckt (siehe Seite 40). Die Striche werden mit sehr

spitziger Nadel nachradiert.

~e~) =Abgestuftes Ätzen= (Pinselfirnis.)

Die im Ätzbade entstandenen Furchen sind alle gleich tief. Da nun die

Dunkelheit des Striches im Abdruck von der Tiefe seiner Ätzung abhängt,

so ergibt sich bei unsrer Platte der Schluß, daß alle Striche der

Zeichnung im fertigen Druck die gleiche Intensität haben werden. Das

ist aber nicht immer unsre Absicht, denn ein Abdruck von unsrer Platte,

in ihrem jetzigen Zustand, würde ein eintöniges, flaues und mageres

Aussehen haben, Tondifferenzen dürften wir von ihm nicht erwarten.

Hätten wir, um ein Beispiel anzuführen, eine Landschaft mit geschlossen

im Ton wirkenden Laubmassen, Gelände im Vordergrunde, weißem Gemäuer

und bewölktem Himmel, so ergeben sich für uns drei Tonwerte: Die

dunkle Laubmasse (und vielleicht einige Kraftstellen sonstwo), der

Mittelton des Geländes und die Helligkeit des Himmels mit den Flecken

weißen Gemäuers. Die erste Ätzung geschieht wie vorhin beschrieben;

sie muß der Helligkeit des Gewölkes und des Gemäuers angemessen sein.

Zur weiteren Behandlung der _trockenen_ Platte bereiten wir uns

»_Deckfirnis_« auf folgende Weise: Harter Ätzgrund wird bei mäßiger

Hitze geschmolzen. Sodann wird ihm soviel Terpentinessenz zugesetzt,

daß dieser Firnis in kaltem Zustand nicht mehr stockt, sondern

dickflüssig bleibt. Ein geringer Zusatz von braunem Siccativ bewirkt

ein rasches Trocknen auf der Platte. Dieser honigdicke »Pinselfirnis«

oder »Deckfirnis« wird in einem Fläschchen, gut verkorkt, an einem

kühlen Orte in Vorrat gehalten. Sollte bei großer Kälte eine Stockung

eintreten, so stellt man das Fläschchen eine Weile in warmes Wasser.

Der Firnis hält sich im warmen Zimmer dann lange flüssig. Bei dieser

Gelegenheit kann man auch noch Terpentin unter kräftigem Schütteln

zusetzen.

Von diesem Pinselfirnis nehmen wir etwas in ein Porzellanschälchen

und decken mittelst eines elastischen Pinsels (am besten Marder-

oder Fischpinsel) alle Flächen, deren Zeichnung wir nicht mehr

zu ätzen beabsichtigen. In unsrem Falle wären dies die Luft und

das lichte Gemäuer. Es muß dafür Sorge getragen werden, daß der

Firnis auch wirklich in die Ritzen eindringt, da sonst unbedeckte

Striche weiterätzen und den Gesamtton stören würden. Nachdem dieser

Pinselfirnis vollkommen getrocknet ist, kommt die Platte zum

zweitenmale in die Schale. In der vorhin beschriebenen Weise wird auch

die zweite Ätzung eingeleitet und zu Ende geführt. Dabei muß der Gang

des Prozesses sorgfältig überwacht werden, damit nicht die auf Seite 27

schon erwähnten Stege unterfressen werden. Ist der Ätzgrund gut, das

Ätzwasser nicht zu stark und die Zimmertemperatur normal, so wird dies

auch nicht zu befürchten sein; sonst ist die Ätzung durch sofortiges

Herausnehmen der Platte und Spülen derselben im Wasser zu unterbrechen.

Nach glatt verlaufener Ätzung wird die Platte gespült und getrocknet

und die weitere Abdeckung mit Pinselfirnis vorgenommen. Nach der

dritten Ätzung waren die kräftigsten Partien am längsten der Säure

ausgesetzt und sind somit am tiefsten geätzt. Es versteht sich von

selbst, daß die Zahl der Teilätzungen dem freien Ermessen des Radierers

anheimgestellt ist; daß man über ein gewisses Maß _nicht_ hinausgehen

wird, ist einleuchtend, denn Kontrastwirkungen gehören eben zu den

dankbarsten Mitteln, durch welche eine Radierung zu uns spricht.

Jedenfalls soll sich der Anfänger, und gewiß zum Wohle seiner Arbeit,

nicht über drei Teilätzungen versteigen.

Hat man aus Unvorsicht oder mangelnder Übung beim Abdecken Striche mit

Firnis gedeckt, welche noch weiter ätzen sollen, so werden sie nach

dem Trocknen des Firnisses mit der Nadel nachradiert; sie sind, da sie

infolge der früheren Ätzung schon vertieft sind, unter dem Firnis ganz

gut sichtbar. Auch fehlerhafte Striche (welche vor der _ersten_ Ätzung

schon richtig gestellt werden müssen) deckt man mit Pinselfirnis,

ebenso alle Verletzungen, welche während des Arbeitens im Firnis

entstanden sind, sowie die freigelegten Probestellen.

[Illustration: »Das Gehölz«, Original-Radierung von Alois L. Seibold]

Zu voll darf der Pinsel nie genommen werden, damit der Firnis sich auf

der Platte nicht in unerwünschter Weise ausbreite und Striche verdecke,

die weiterätzen sollen. Nach dem Gebrauch wird der Pinsel mit Terpentin

oder Seife gründlich gereinigt.

~f~) Über verschiedene Arbeitsprogramme.

Schon vor dem Aufpausen der Konturen soll sich der Radierer eine klare

Disposition für den Verlauf seiner Arbeit zurechtlegen, nach der er

seine Aufgabe zu bewältigen gedenkt. Eine solche Disposition ist

hauptsächlich abhängig und bestimmt von der beabsichtigten Bildwirkung.

Diese verlangt oft nach einem dem Gegenstande eigens angepaßten

Arbeitsprogramm, nach welchem allein oft den verschiedentlichen

technischen Schwierigkeiten beizukommen ist.

Betrachten wir z. B. einen ästereichen Baum, dessen dunkle Silhouette

sich in zerrissenen Konturen von lichtem Hintergrunde abhebt.

Welche Arbeit würde hier nach der ersten Ätzung das Decken mit

Pinselfirnis in den zahllosen Durchblicken erfordern! In allen solchen

Fällen wird man sich die Radierarbeit in zwei, vielleicht gar drei

Phasen teilen, zwischen denen immer geätzt wird. Die Aufmachung

der Platte auf der Glastafel gestaltet ein solches Abwechseln von

Radier- und Ätzarbeit zu einem spielenden. Die dunklen Partien des

Vordergrundes werden zuerst radiert und gleich tief -- jedoch mit

Rücksichtnahme auf die noch folgenden Ätzungen -- geätzt. Über die

geätzten Striche kann beim Weiterradieren ganz unbesorgt darüber

gegangen werden, da solche Striche den ohnehin tiefen Ton der früher

geätzten Flächen nicht verändern.

Sobald unsere Kupferplatte auf der Glastafel aufgemacht ist, genügt

eine Unterlage aus Pauspapier für die Hand nicht mehr, weil das Papier

an den Wachsrändern kleben bliebe. Wir machen uns deshalb ein Bänkchen

aus einem Holzbrettchen und zwei kurzen Leisten. Diese werden an die

Enden des Brettchens angeleimt. Sie müssen so dick sein, daß der

Ätzgrund vom darüberliegenden Brettchen _nicht_ berührt wird. Glasdicke

+ Plattendicke + etwa 3 ~mm~ ergibt die Höhe der Füßchen. Das Bänkchen

muß auch genügend lang sein, damit man es in beliebigen Lagen über

der Platte verwenden kann. Auch muß das Brettchen so stark sein, daß

es nicht vom Gewicht der Hand auf den Ätzgrund niedergedrückt werde.

(Abb. 7.)

Auch die lichte Ferne kann zuerst radiert und geätzt werden;

dann muß aber zwecks weiterer Arbeit die Platte neu grundiert

werden. Auf dem neuen Grund bereitet dann keine, auch noch so

komplizierte Vordergrundpartie erhebliche Schwierigkeiten. Diese kann

selbstverständlich für sich wieder in Teilätzungen behandelt werden,

nur ist in diesem Falle das Reinigen und Entfetten der Platte nach der

ersten Arbeitsphase, das neuerliche wasserdichte Aufmachen auf die

Glastafel lästig und gestaltet den Gang der Arbeit etwas schleppend.

Wie aus dem Besprochenen zu entnehmen ist, bietet diese Technik eine

Fülle der Mannigfaltigkeit in der Behandlung, wie sie kaum eine andere

aufzuweisen hat. Deshalb auch wird sie immer mehr der treue Spiegel

der Persönlichkeit des Radierers, denn bei solcher Mannigfaltigkeit der

Ausdrucksmittel ist es kein Wunder, wenn diese alte Kunstweise in immer

neuer Art aus der Hand des Ringenden wie des Meisters uns entgegentritt.

[Illustration: Abb. 7. Das Handbänkchen über der Platte.]

~g~) Das Reinigen der Platte.

Nach der letzten Ätzung wird die Platte gründlich gespült, getrocknet,

und mit dem Modellierholz langsam und vorsichtig von der Glastafel

abgehoben, dabei ist jede Gewaltanwendung zu unterlassen, denn

das hätte sicher das Zerspringen der Glastafel zur Folge. Das

Ätzwachs wird, soweit es angeht, abgenommen und in die Vorratdose

zurückgestrichen. Die Platte selbst wird, auf einem Brette liegend,

mittelst Terpentin vom Ätzgrunde befreit. Hierzu eignet sich ein Bausch

von Zeitungspapier. Terpentin muß reichlich zur Hand sein, damit die

Reinigung gründlich erfolge. Zuletzt wird mit einem ganz reinen Lappen

(am besten aus Leinwand oder Baumwolle) solange gescheuert, bis die

letzte Spur von Ätzgrund von der Platte entfernt erscheint. Solange der

weiße Lappen sich noch schwärzt, muß gescheuert werden. Ein Zeichen der

gründlich erfolgten Reinigung ist es, wenn die radierten Striche in

hellrotem Kupferglanz schimmern.

Von unsrer Glastafel brauchen wir das Ätzwachs nicht zu entfernen; eine

zweite Glastafel, darübergelegt, schützt das Wachs vor Staub und uns

selbst vor seiner lästigen Klebrigkeit. Beide Tafeln lassen sich in

einer niedrigen Schachtel samt dem Modellierholz bequem aufbewahren.

5. Das Abdrucken von der Platte.

~a~) Über die Bedeutung des Handabdruckes.

Bevor ich auf dieses Thema näher eingehe, möchte ich dem Anfänger

dringend ans Herz legen, diese Disziplin nicht auf die leichte

Achsel zu nehmen. Mag sie Schweiß kosten, denn das Abdrucken von der

Platte mit unsern primitiven Mitteln erfordert viel Übung und steht

an Schwierigkeit dem bisher Gelernten nicht nach, ja kann es unter

Umständen noch übertreffen. Trotzdem ist die Erlernung dieser Kunst

unerläßlich, wenn der Anfänger mit den Leiden und Freuden der ganzen

Technik so recht vertraut werden will. Bei unverdrossener Übung bleibt

der Erfolg gewiß nicht aus, und die Freude an einem wohlgelungenen

Abdruck wiegt alle Müh’ und vielleicht auch ausgestandenen Ärger

reichlich auf. Die Schwierigkeit des Verfahrens liegt darin, daß so

viele Faktoren beim Gelingen in Betracht kommen, Faktoren, deren

Zusammenwirken man erst durch fortwährendes Üben erkennen und

beherrschen lernt.

Gleich hier muß ich einem Mißverständnisse entgegentreten, das

geeignet ist, das nun zu Erlernende um seinen Wert zu bringen: _Wir

dürfen von unsrer Mühe durchaus nicht ein elendes Surrogat für einen

mittelst Walzenpresse gewonnenen Abzug erwarten; Erfahrung und Übung

führen zu Resultaten, die den Vergleich mit einem aus der Presse

hervorgegangenen Blatte wohl auszuhalten im stande sind._ (Siehe

sämtliche Kunstbeilagen.)

Unsre erste Sorge richtet sich auf

~b~) Das Druckpapier.

Seine Eigenschaften müssen dem Zwecke angemessen sein.

Es muß sich in die feinen Furchen der Kupferplatte eindrücken lassen;

um die in diesen Furchen sitzende Druckfarbe aufzunehmen, muß es

auch saugfähig genug sein. Diesen Zwecken entspricht in erster Linie

»Japanpapier« und das sogenannte »Kupferdruckpapier«. Für unsre

Zwecke ist jedoch jedes gute, geschöpfte Papier vorzüglich geeignet.

Auch Maschinenpapier kann gut sein; empfehlenswert sind die sehr

licht getonten, ziemlich starken Naturpapiere der Papierfabrik

Eichmann & Comp. in Arnau. Schöne Drucke liefert »Ingrespapier«, auch

»Kohlenskizzenpapier« genannt. Für Probedrucke eignet sich feuchtes

Filtrierpapier auch ganz gut. Obwohl es beim Probedruck nicht von

Belang ist, empfiehlt sich doch die Wahl eines angenehm lichtgetonten

Papiers, da das reine Weiß meist einen kalten Eindruck macht.

Das Papier wird zunächst in Stücke geschnitten, deren Format dem der

Kupferplatte entspricht. Es soll um ein _Beträchtliches_ größer sein

als die Platte. Zum Druck verwendet man es in gefeuchtetem Zustand.

Die in Formate geschnittenen Blätter läßt man einige Zeit in reinem

Wasser liegen.[3] Dabei ist Sorge zu tragen, daß die Blätter nicht

aneinander kleben, da sonst gewisse Stellen an ihnen trocken bleiben

könnten. Man zieht jedes Blatt einzeln zuerst durch’s Wasser und

wischt die entstehenden Luftblasen mit einem Schwamm weg, erst dann

überläßt man die Papiere sich selbst. Je dicker das Papier, desto

länger muß es sich im Wasser befinden; sehr starke und feste Papiere

badet man in warmem Wasser. Auf eine Glas- oder Steinplatte legt man

mehrere Blätter weißen Filtrierpapieres, darauf ein nasses Druckpapier,

dann zwei Filtrierblätter, dann ein nasses Druckpapier, wieder zwei

Filtrierblätter u. s. w. Oben schließen _mehrere_ Filtrierblätter ab.

Mit einer Holzwalze (Teigwalze) wird jetzt die ganze Lage kräftig

gewalzt, damit sich die Nässe durch das ganze Paket gleichmäßig

verteile. Schließlich legt man eine Glasplatte oben drauf und

beschwert wenn nötig mit mäßigem Gewicht. Japanpapier ist sehr zart

und darf nicht so behandelt werden. Es wird in ein Format geschnitten,

welches ein wenig _kleiner_ als die Kupferplatte sein muß. Dann

werden nasse und trockene Filtrierblätter gemischt und gewalkt. Das

Japanpapier kommt sodann in _trockenem_ Zustand zwischen die feuchten

Filtrierblätter. Diese müssen stets größer sein als das Druckpapier;

sie sollen das Trocknen der Ränder des letzteren verhindern.

[3] Für Handabzüge muß das Papier besonders weich sein.

Bretter aus Holz dürfen zum Pressen _nicht_ verwendet werden, weil

sie sich infolge der Feuchtigkeit werfen würden. Wohl aber kann man

zwei Bretter auf je einer Seite mit dünnem Zink- oder Aluminiumblech

überziehen; das Arbeiten mit ihnen ist angenehmer als das mit den

zerbrechlichen Glas- oder schweren Steinplatten.

Am andern Tage ist das Papier meist schon zum Drucken geeignet. Es muß

seine matte, _glanzlose_ Oberfläche haben, sonst ist es zu naß und

zur Verwendung noch nicht tauglich. In einem solchen Falle lege man

trockene Filtrierblätter ein.

Das Papier verliert nur sehr langsam von seiner Feuchtigkeit unter der

Presse; eventuell können beim Nachsehen einige Blätter Filtrierpapier

mit dem Schwamm nachgefeuchtet werden.

~c~) Die Druckfarbe.

Zum Drucken bedienen wir uns einer eigenen Firnisfarbe, der sogenannten

»Kupferdruckfarbe«. Die Selbstbereitung dieser Farbe ist nicht

allzuschwierig und stellt sich recht billig. Es führt sie nicht jede

Farbenhandlung -- in kleineren Städten wird sie überhaupt nicht zu

haben sein; deshalb halte ich es für wichtig, auf die Selbstbereitung

hier einzugehen:

Auf einer ebenen Steinplatte wird, (um gleich eine spezielle Farbe zu

nennen) Kasslerbraun, ein Pulver, aufgeschüttet und mit Leinöl und

Kupferdruckfirnis mittelst eines Spachtels zu einem Teig verarbeitet.

Das Verreiben geschieht mittelst eines Stein- oder Glasläufers, bis der

Brei recht glatt ist. Ist dies erreicht, dann wird dieser Masse etwa

die Hälfte ihres Volumens braune Schmierseife zugesetzt und neuerdings

innig verrieben. Die Farbe darf zuletzt nicht »rinnen«, sondern muß

die Konsistenz einer festen Salbe besitzen. Gegebenenfalls verreibt

man noch etwas trockenes Farbenpulver bis zur gewünschten Festigkeit.

Bei dieser Gelegenheit kann man statt Kasslerbraun Rebenschwarz

(Pulverfarbe) zusetzen, wenn man warmtoniges Schwarz dem vielleicht

allzurötlichen Braun vorzieht.

Wie leicht einzusehen, hat die Schmierseife den Zweck, das Haften der

Ölfarbe am feuchten Papier zu ermöglichen; auch zieht sich dieselbe

beim Einschwärzen nicht zäh über die Kupferplatte, sondern läßt sich

von den blanken Stellen glatt wegwischen, während sie die Striche

füllt. Die Druckfarbe ist, wie der Fachausdruck lautet: »streng«

oder »kurz«. Nach vollendeter Arbeit wird die Druckfarbe in eine

Farbendose aus Blech mit hermetisch schließendem Deckel eingefüllt.

Kupferdruckfarbe ist in Tuben oder Dosen gebrauchsfertig im Handel und

wird in Geschäften für Malerrequisiten geführt.

~d~) Das Einschwärzen der Platte.

[Illustration: Abb. 8. Der Druckballen (der untere Teil im

Längsschnitt.)]

Die sorgfältig gereinigte Platte wird nun etwas angewärmt und auf

ein Brett gelegt. Mit einem schmalen Spachtel nimmt man etwas

Kupferdruckfarbe auf eine Glas- oder Steinplatte. Hier wird sie mit

dem Druckballen zunächst auseinandergewalzt. Auf der Bildfläche der

Kupferplatte verreibt man ein entsprechendes Quantum Druckfarbe mit

dem Druckballen, indem man ihn in wiegender Bewegung weiterschiebt und

dabei auch tüchtig niederdrückt, bis die ganze Platte schwarz ist.

Einen solchen Ballen stellt man sich auf folgende Weise her:

Auf einer kreisförmigen, dicken Holzscheibe (Durchmesser etwa 8 ~cm~)

wird im Mittelpunkte ein zylindrisches Holzstück, (eine lange Spule

oder dergl.) befestigt; dann wird ein Säckchen mit Wolle gefüllt und

so auf die Scheibe gelegt, daß die verbundene Öffnung auf das Holz

zu liegen kommt, während die andere Seite des Säckchens eine pralle

Halbkugelfläche bildet. Über das Säckchen und die Scheibe spannt man

nun sehr straff ein Stück geschmeidiges, schwarzes Chevreauxleder

(Glanzseite außen) und bindet es mit Draht oder dünner Rebschnur in

vielen Windungen äußerst fest um die Handhabe. Den Durchschnitt dieses

Druckballens zeigt Abb. 8, die Anwendung Abb. 9.

[Illustration: Abb. 9. Das Handhaben des Druckballens (Einschwärzen.)]

Das Verreiben muß sorgfältig und gründlich vorgenommen werden, damit

die Farbe alle Furchen auf der Platte ausfüllt. Ist dies erreicht,

dann wird die Platte unter leichtem Druck mit einem trockenen Lappen

blankgewischt. Gewaschene Organsinestücke eignen sich am besten dazu;

sehr brauchbar sind die Reste von alten Spitzenvorhängen. Besonders

reine Drucke erzielt man, wenn man nach erfolgtem Blankwischen den

Handballen in Schlemmkreide taucht und die Platte damit noch sehr

sanft überfährt. Sind jedoch Handabzüge beabsichtigt, so wird dieses

Abwischen meist zu viel Farbe von der Platte wegnehmen. Es müßte dann

umso kräftiger mit dem Beinstab gerieben werden, um den Erfolg zu

erzielen, den der gewaltige Druck der Stahlwalzen bringt. Da ist es

besser, die Farbe von der eingeschwärzten Platte mit einem breiten

Spachtel aus Ebonit oder Celluloid abzuziehen in ähnlicher Weise wie

man Paletten reinigt (Abb. 10). Die Schneide muß ganz gerade und an

den Ecken abgerundet sein. Der Spachtel darf auch nicht steil gehalten

werden! Jeder Zug geschieht mit erneut gereinigtem Werkzeug. Man setzt

diese Arbeit bei größter Vorsicht so lange fort, bis das schwarze Bild

vollends klar sichtbar ist.

[Illustration: Abb. 10. Spachtel zum Abziehen der Druckfarbe.]

(Nicht für Anfänger!)

~e~) Der Abdruck.

Die so eingeschwärzte Platte wird mit einem sauberen Lappen an

den Kanten bis scharf an die Bildränder geputzt, um die letzte

Spur von Farbe davon zu entfernen. Auf ein Reißbrett wird starker

Pappendeckel gelegt, auf diesen dann die Druckplatte (Bildseite nach

oben!) Das gefeuchtete Druckpapier wird vorerst mit einer milden

Borstenbürste auf der Bildseite gebürstet. Durch diese Aufrauhung

wird die Papierfläche für die Druckfarbe empfänglicher. Das Papier

wird dann mit der gebürsteten Seite nach unten vorsichtig und mit

Berücksichtigung der zentrischen Lage auf die Platte gelegt, indem

man es an zwei diagonalliegenden Ecken anfaßt und langsam niedersenkt.

Man faßt das Papier bei allen nun folgenden Hantierungen mit zwei aus

dünnem Kupferblech bestehenden gefalteten Blättchen an, damit es von

den Fingern nicht durch die an ihnen haftende Kupferdruckschwärze

beschmutzt werde. Vorher schon wurde ein Rahmen aus starker

Pappe geschnitten, in den die Platte _locker_ hineinpaßt, dessen

ausgeschnittene Rechteckseiten also um 2 ~mm~ größer sind als die

Plattenkanten. Der Rand des Rahmens muß sehr breit sein; er soll das

Druckpapier ganz verdecken. (Abb. 11).

[Illustration:

~ABCD~ ~Rahmenausschnitt u. Plattengrösse~

//////// ~Spannrahmen~

-- -- -- ~Druckpapier~

Abb. 11. Die Druckplatte im Spannrahmen.]

Dieser Rahmen wird derart auf das Druckpapier gelegt, daß letzteres

von der untenliegenden Platte in den Ausschnitt des ersteren gepreßt

wird. (Abb. 12). Platte, Papier und Rahmen liegen nun unverrückbar

aufeinander. Über den Rahmen wird nun ein Blatt sehr zähen, glatten

Packpapiers gelegt, welches viel größer sein muß als die Kupferplatte.

Zur folgenden Manipulation bedienen wir uns eines Beinstabes, welcher

die Form und Größe einer rechteckig gegossenen Siegellackstange hat.

[Illustration:

~A~ - ~B~ = ~Arbeitsbrett~

########### ~Druckplatte~

-- -- -- -- ~Druckpapier~

~R~________ ~Reibpapier~

/////////// ~Spannrahmen~

Abb. 12. Die Druckplatte im Spannrahmen (Querschnitt.)]

Die Radierung: Ein Leitfaden und Ratgeber · 第 2 / 5 段