man für einen Caper hielt. Als es auf uns zukam, sah man, daß es die
Balandra del Frayle (Goelette des Mönchs) war. Was eine so seltsame
Benennung sagen wollte, war mir unklar. Es war aber nur das Fahrzeug
eines Missionärs vom Franciscanerorden (Frayle Observante), eines sehr
reichen Pfarrers eines indianischen Dorfs in den Llanos von Barcelona,
der seit mehreren Jahren einen kleinen, ziemlich einträglichen
Schmuggelhandel mit den dänischen Inseln trieb. In der Nacht sahen
Bonpland und mehrere andere Passagiere auf eine Viertels-Seemeile unter
dem Wind eine kleine Flamme an der Meeresfläche, die gegen Südwest
fortlief und die Luft erhellte. Man spürte keinen Erdstoß, keine
Aenderung in der Richtung der Wellen. War es ein phosphorischer Schein,
den eine große Masse faulender Mollusken verbreitete, oder kam die
Flamme vom Meeresboden herauf, wie solches zuweilen in von Vulkanen
erschütterten Seestrichen beobachtet worden seyn soll? Letztere Annahme
scheint mir durchaus unwahrscheinlich. Vulkanische Flammen können nur
dann aus den Wellen hervorbrechen, wenn der feste Boden des Meeres
bereits emporgehoben ist, so daß Flammen und glühende Schlacken aus dem
obern gewölbten und zerklüfteten Theil hervorkommen und nicht durch das
Wasser selbst hindurchgehen.
Am 4. December. Um zehn ein halb Uhr Morgens befanden wir uns unter dem
Meridian des Vorgebirgs Bacco (Punta Abaccu), dessen Länge ich gleich
76°7′50″ oder 90°3′2″ von Nueva Barcelona fand. Im Frieden laufen, nach
dem alten Brauch der spanischen Schiffer, die Fahrzeuge, die zwischen
Cumana oder Barcelona und der Havana mit Salzfleisch Handel treiben,
durch den Canal von Portorico und über »den alten« Canal nördlich von
Cuba; zuweilen gehen sie auch zwischen Cap Tiburon und Cap Morant durch
und fahren an der Nordküste von Jamaica hin. In Kriegszeiten gelten
diese Wege für gleich gefährlich, weil man zu lange im Angesicht des
Landes bleibt. Aus Furcht vor den Capern fuhren wir daher, sobald wir
den Parallel von 17 Grad erreicht hatten, gerade über die Bank Vibora,
bekannter unter dem Namen Pedro Shoals. Diese Bank ist über 280
Quadratseemeilen groß und ihr Umriß fällt dem Geologen stark ins Auge,
weil derselbe mit dem des benachbarten Jamaica so große Aehnlichkeit
hat. Es ist als hätte eine Erhebung des Meerbodens die Wasserfläche
nicht erreichen können, um sofort eine Insel zu bilden, fast so groß wie
Portorico. Seit dem fünften December glaubten die Steuerleute in großer
Entfernung nach einander die Ranaseilande (Morant Kays), Cap Portland
und Pedro Kays zu peilen. Wahrscheinlich irrte man sich bei mehreren
dieser Peilungen vom Mastkorbe aus; ich habe dieser Bestimmungen
anderswo Erwähnung gethan,[^192] nicht um sie gegen die Beobachtungen
geübter englischer Seefahrer in diesen stark befahrenen Seestrichen
aufzustellen, sondern allein, um die Punkte, die ich in den Wäldern am
Orinoco und im Archipel der Antillen bestimmt, zu Einem System von
Beobachtungen zu verknüpfen. Die milchigte Farbe des Wassers zeigte uns,
daß wir uns am östlichen Rande der Bank befanden; der hunderttheilige
Thermometer, der an der Meeresfläche weit ab von der Bank seit mehreren
Tagen auf 27° und 27°3 gestanden hatte (bei einer Lufttemperatur von
21°2), fiel schnell auf 25°7. Das Wetter war vom vierten bis zum
sechsten December sehr schlecht; es regnete in Strömen, in der Ferne
tobte ein Gewitter und die Windstöße aus Nordnordwest wurden immer
heftiger. In der Nacht befanden wir uns eine Zeitlang in einer ziemlich
bedenklichen Lage. Man hörte vor dem Vordertheil die See an Klippen
branden, auf die das Schiff zulief. Beim phosphorischen Schein des
schäumenden Meeres sah man, in welcher Richtung die Riffe lagen. Das sah
fast aus wie der Raudal von Garcita und andere Stromschnellen, die wir
im Bett des Orinoco gesehen. Der Capitän schob die Schuld weniger auf
die Nachlässigkeit des Steuermanns, als auf die Mangelhaftigkeit der
Seekarten. Es gelang das Schiff zu wenden, und in weniger als einer
Viertelstunde waren wir außer aller Gefahr. Das Senkblei zeigte zuerst
9, dann 12, dann 15 Faden. Wir legten die Nacht vollends bei; der
Nordwind drückte den Thermometer auf 19°7 (15°7 Reaumur) herab. Am
andern Tag fand ich nach chronometrischer Beobachtung in Verbindung mit
der corrigirten Schätzung vom vorigen Tag, daß jene Klippen ungefähr
unter 16°50′ der Breite und 80°43′49″ der Länge liegen. Die Klippe, an
der das spanische Schiff el Monarca im Jahr 1798 beinahe zu Grunde
gegangen wäre, liegt unter 16°44′ der Breite und 80°23′ der Länge, also
viel weiter gegen Ost. Während wir von Südsüdost nach Nordnordwest über
die Bank Vibora fuhren, versuchte ich es oft die Temperatur des
Meerwassers an der Oberfläche zu messen. Mitten auf der Bank war die
Abkühlung nicht so stark als an den Rändern, was wir den Strömungen
zuschrieben, die in diesen Strichen die Wasser verschiedener Breiten
mischen. Südwärts von Pedro Kays zeigte die Meeresfläche bei 25 Faden
Tiefe 26°4, bei 15 Faden Tiefe 26°2. Oestlich von der Bank war die
Temperatur der See 26°8 gewesen. Diese Versuche können in diesen
Strichen nur dann genaue Resultate geben, wenn man sie zu einer Zeit
anstellt, wo der Wind nicht aus Nord bläst und die Strömungen nicht so
stark sind. Die Nordwinde und die Strömungen kühlen nach und nach das
Wasser ab, selbst wo die See sehr tief ist. Südwärts vom Cap Corientes
unter 20°43′ der Breite fand ich die Temperatur des Meeres an der
Oberfläche 24°6, die der Luft 19°8. Manche amerikanische Schiffer
versichern, zwischen den Bahamainseln merken sie oft, wenn sie in der
Cajüte sitzen, ob sie sich über Untiefen befinden; sie behaupten, die
Lichter bekommen kleine Höfe in den Regenbogenfarben und die
ausgeathmete Luft verdichte sich zu sichtbarem Dunst. Letzteres Factum
ist denn doch wohl zu bezweifeln; unterhalb dem 30. Grad der Breite ist
die Erkältung durch das Wasser der Untiefen nicht bedeutend genug, um
diese Erscheinung hervorzubringen. Während wir über die Bank Vibora
liefen, war der Zustand der Luft ganz anders, als gleich nachdem wir sie
verlassen hatten. Der Regen hielt sich innerhalb der Grenzen der Bank,
und wir konnten von ferne ihren Umriß an den Dunstmassen erkennen, die
darauf lagerten.
Am 9. December. Je näher wir den Caymanseilanden[^193] kamen, desto
stärker wurde wieder der Nordostwind. Trotz des stürmischen Wetters
konnte ich einige Sonnenhöhen aufnehmen, als wir uns auf 12 Seemeilen
Entfernung im Meridian des Gran-Cayman, der mit Cocosbäumen bewachsen
ist, zu befinden glaubten. Ich habe anderswo die Lage des Gran-Cayman
und der beiden Eilande ostwärts von demselben erörtert. Seit lange find
diese Punkte auf unsern hydrographischen Karten sehr unsicher, und ich
fürchte nicht glücklicher gewesen zu seyn als andere Beobachter, die
ihre wahre Lage ausgemacht zu haben glaubten. Die schönen Karten des
Deposito zu Madrid gaben dem Ostcap von Gran-Cayman zu verschiedenen
Zeiten 82°58′ (von 1799—1804), 83°43′ (1809), wieder 82°59′ (1821).
Letztere Angabe, die auf der Karte von Barcaiztegui aufgenommen ist,
stimmt mit der überein, bei der ich stehen geblieben war; aber nach der
Versicherung eines ausgezeichneten Seefahrers, des Contreadmirals
Roussin, dem man eine ausgezeichnete Arbeit über die Küsten von
Brasilien verdankt, scheint es jetzt ausgemacht, daß das westliche
Vorgebirge von Gran-Cayman unter 83°45′ der Länge liegt.
Das Wetter war fortwährend schlecht und die See ging ungemein hoch; der
Thermometer stand zwischen 19°2 und 20°3 (15°4—16°2 Reaumur). Bei dieser
niedrigen Temperatur wurde der Geruch des Salzfleisches, mit dem das
Schiff beladen war, noch unerträglicher. Der Himmel zeigte zwei
Wolkenschichten; die untere war sehr dick und wurde ausnehmend rasch
gegen Südost gejagt, die obere stand still und war in gleichen Abständen
in gekräuselte Streifen getheilt. In der Nähe des Cap San Antonio legte
sich der Wind endlich. Ich fand die Nordspitze des Caps unter 87°17′22″,
oder 2°34′14″ ostwärts vom Morro von Havana gelegen. Diese Länge geben
demselben die besten Karten noch jetzt. Wir waren noch drei Seemeilen
vom Lande, und doch verrieth sich die Nähe von Cuba durch einen
köstlichen aromatischen Geruch. Die Seeleute versichern, wenn man sich
dem Vorgebirge Catoche an der dürren Küste von Mexico nähere, sey kein
solcher Geruch zu spüren. Sobald das Wetter heiterer wurde, stieg der
Thermometer im Schatten nach und nach auf 27 Grad; wir rückten rasch
nach Norden vor mittelst einer Strömung aus Süd-Süd-Ost, deren
Temperatur an der Wasserfläche 26°7 betrug, während ich außerhalb
derselben Strömung nur 24°6 gefunden hatte. In der Besorgniß, ostwärts
von der Havana zu kommen, wollte man anfangs die Schildkröteninseln (Dry
Tortugas) am Südwestende der Halbinsel Florida aufsuchen; aber seit Cap
San Antonio in Sicht gewesen, hatten wir zu Louis Berthouds Chronometer
so großes Zutrauen gefaßt, daß solches überflüssig erschien. Wir
ankerten im Hafen der Havana am 19. December nach einer fünf und
zwanzigtägigen Fahrt bei beständig schlechtem Wetter.
Anmerkungen zur Transkription
=============================
Zwei Google-Digitalisate dienten als Vorlage, tesseract besorgte die OCR
und pandoc die Konversion nach HTML, EPUB und TXT.
Die Markdown-Source steht unter
http://github.com/rwst/book-humboldt-reise zur Verfügung. Für
Fehlermeldungen benutzen Sie bitte den dortigen Tracker.
[^1]: Die drei letztgenannten Arten sind neu.
[^2]: Zwei spanische Worte, die, entsprechend einer lateinischen Form,
Palmwälder (palmetum) und Fichtenwälder (pinetum) bedeuten.
[^3]: Ich nenne hier die zwei von Ost nach West streichenden Bergketten,
welche zwischen dem 3°30′ nördlicher und dem 14° südlicher Breite
die Thäler oder Becken des Cassiquiare, Rio Negro und Amazonenstroms
begrenzen.
[^4]: S. Bd. III. Seite 198.
[^5]: S. Bd. III. Seite 390.
[^6]: Es ist auffallend, daß der blaue Nil (Bahar el azrek) bei manchen
arabischen Geographen der grüne Nil heißt, und daß die persischen
Dichter zuweilen den Himmel grün (akhza), sowie den Beryll blau
(zark) nennen. Man kann doch nicht annehmen, daß die Völker vom
semitischen Stamm in ihren Sinneseindrücken grün und blau
verwechseln, wie nicht selten ihr Ohr die Vokale o und u, e und i
verwechselt. Das Wort azrek wird von jedem sehr klaren, nicht
milchigten Wasser gebraucht, und abirank (wasserfarbig) bedeutet
blau. Abd-Allatif, wo er vom klaren grünen Arm des Nils spricht, der
aus einem See im Gebirge südöstlich von Sennaar entspringt, schreibt
bereits die grüne Farbe dieses Alpsees »vegetabilischen Substanzen
zu, die sich in den stehenden Wassern in Menge finden.« Weiter oben
(Bd. III. Seite 266) habe ich die gefärbten, unrichtig aguas negras
genannten Wasser ebenso erklärt. Ueberall sind die klarsten,
durchsichtigsten Wasser gerade solche, die nicht weiß sind.
[^7]: Eine Hütte aus einem angebauten Grundstück, eine Art Landhaus, wo
sich die Eingeborenen lieber aufhalten als in den Missionen.
[^8]: En el monte. Man unterscheidet zwischen Indianern, die in den
Missionen, und solchen die in den Wäldern geboren sind. Das Wort
Monte wird in den Colonien häufiger für Wald (bosque) gebraucht als
für Berg, und dieser Umstand hat auf unsern Karten große Irrthümer
veranlaßt, indem man Bergletten (sierras) einzeichnete, wo nichts
als dicker Wald, monte espesoso, ist.
[^9]: Einige Fälle, wo von Negern auf Tuba Kinder geraubt wurden, gaben
in den spanischen Colonien Anlaß zum Glauben, als gebe es unter den
afrikanischen Völkerschaften Anthropophagen. Einige Reisende
behaupten solches, es wird aber durch Barrow’s Beobachtungen im
innern Afrika widerlegt. Abergläubische Gebräuche mögen Anlaß zu
Beschuldigungen gegeben haben, die wohl so ungerecht sind als die,
unter denen in den Zeiten der Intoleranz und der Verfolgungssucht
die Juden zu leiden hatten.
[^10]: Cardinal Bembo sagt: »Insularum partem homines incolebant feri
trucesque, qui puerorum et virorum carnibus, quos allüs in insulis
bello aut latrocinüs coepissent, vescebantur; a feminis abstinebant,
Canibales appellati.« Ist das Wort Cannibale, das hier von den
Caraiben auf den Antillen gebraucht wird, aus einer der Sprachen
dieses Archipels (der haitischen) oder hat man es in einer Mundart
zu suchen, die in Florida zu Hause ist, das nach einigen Sagen die
ursprüngliche Heimath der Caraiben seyn soll? Hat das Wort überhaupt
einen Sinn, so scheint es vielmehr »starke, tapfere Fremde« als
Menschenfresser zu bedeuten. Garcia in seinen etymologischen
Phantasieen erklärt es geradezu für phönikisch. Annibal und Cannibal
können nach ihm nur von derselben semitischen Wurzel herkommen.
[^11]: Abd-Allatif, Médecin de Bagdad, Relation de l’Égypte, trad. par
Silvestre de Sacy. —- »Als die Armen anfingen Menschenfleisch zu
essen, war der Abscheu und das Entsetzen über so gräßliche Gerichte
so groß, daß von nichts als von diesen Greueln gesprochen wurde; man
gewöhnte sich aber in der Folge dergestalt daran und man fand so
großen Geschmack an der entsetzlichen Speise, daß man reiche und
ganz ehrbare Leute sie für gewöhnlich genießen, zum Festessen
machen, ja Vorräthe davon anlegen sah. Es kamen verschiedene
Zubereitungsarten des Fleisches auf, und da der Brauch einmal
bestand, verbreitete er sich auch über die Provinzen, so daß aller
Orten in Egypten Fälle vorkamen. Und da verwunderte man sich gar
nicht mehr darüber; das Entsetzen, das man zu Anfang darob
empfunden, schwand ganz und gar, und man sprach davon und hörte
davon sprechen als von etwas Gleichgültigem und Alltäglichem. Die
Suche, einander aufzuessen, griff unter den Armen dergestalt um
sich, daß die meisten auf diese Weise umkamen. Die Gierenden
brauchten alle möglichen Listen, um Menschen zu überfallen oder sie
unter falschem Vorgeben zu sich ins Haus zu locken. Von den Aerzten,
die zu mir kamen, verfielen drei diesem Loos, und ein Buchhändler,
der Bücher an mich verkaufte, ein alter, sehr fetter Mann, fiel in
ihre Netze und kam nur mit knapper Noth davon. Alle Vorfälle, von
denen wir als Augenzeugen berichten, sind uns zufällig vor Augen
gekommen, denn meist gingen wir einem Anblick aus dem Wege, der uns
mit solchem Entsetzen erfüllte.«
[^12]: »Es gibt Regen, weil man die Gießbäche näher rauschen hört,«
heißt es in den Alpen wie in den Anden. Deluc hat die Erscheinung
dadurch zu erklären versucht, daß in Folge eines Wechsels im
barometrischen Druck mehr Luftblasen an der Wasserfläche platzen.
Diese Erklärung ist so gezwungen als unbefriedigend. Ich will ihr
keine andere Hypothese entgegenstellen, ich mache nur darauf
aufmerksam, daß die Erscheinung auf einer Modifikation der Luft
beruht, welche auf die Schallwellen und auf die Lichtwellen zumal
Einfluß äußert. Wenn die Verstärkung des Schalls als Wetterzeichen
gilt, so hängt dieß ganz genau damit zusammen, daß man der
geringeren Schwächung des Lichts dieselbe Bedeutung beilegt. Die
Aelpler behaupten mit Zuversicht, das Wetter ändere sich, wenn bei
ruhiger Luft die mit ewigem Schnee bedecken Alpen dem Beobachter auf
einmal nahe gerückt scheinen und sich ihre Umrisse ungewöhnlich
scharf vom Himmelsblau abheben. Was ist die Ursache, daß in den
vertikalen Luftschichten der Mangel an Homogeneität so rasch
aufgehoben wird?
[^13]: Simia chiropotes, eine neue Art.
[^14]: Zu 950 Toisen.
[^15]: Orellana hat auf dem Amazonenstrom dieselbe Beobachtung gemacht.
[^16]: Es ist dieß eine 80 Meilen breite Oeffnung, die einzige, durch
welche die vereinigten Becken des obern Orinoco und des
Amazonenstroms mit dem Becken des untern Orinoco oder den Llanos von
Venezuela in Verbindung stehen. Wir betrachten diese Oeffnung
geologisch als ein détroit terrestre, als eine Land-Meerenge, weil
sie macht, daß aus einem dieser Becken in das andere Gewässer
strömen, und weil ohne sie die Bergkette der Parime, die, gleich den
Ketten des Küstenlandes von Caracas und denen von Mato-Grosso oder
Chiquitos, von Ost nach West streicht, unmittelbar mit den Anden von
Neu-Grenada zusammenhinge. (S. Bd. II. Seite 379.)
[^17]: Hänge, die in entgegengesetzter Richtung gegen den Horizont
geneigt sind.
[^18]: Eine Oberfläche zehnmal größer als Frankreich.
[^19]: Es gibt 1) oceanische Deltas, wie an den Mündungen des Orinoco,
des Rio Magdalena, des Ganges; 2) Deltas an den Ufern von
Binnenmeeren, wie die des Oxus und Sihon; 3) Deltas von
Nebenflüssen, wie an den Mündungen des Apure, des Arauca und des Rio
Branco. Fließen mehrere untergeordnete Gewässer in der Nähe der
Deltas von Nebenflüssen, so wiederholt sich im Binnenland ganz, was
im Küstenland an den oceanischen Deltas vorgeht. Die einander
zunächst gelegenen Zweige theilen sich ihre Gewässer mit und bilden
ein Flußnetz, das zur Zeit der großen Ueberschwemmungen fast
unkenntlich wird.
[^20]: Südöstlich von Bornou und dem See Nou, in dem Theile von Soudan,
wo, nach den letzten Ermittelungen meines unglücklichen Freundes
Ritchie, der Niger den Shary aufnimmt und sich in den weißen Nil
ergießt.
[^21]: Der Sutledge, der Gogra, der Gunduk, der Arun, der Teesla und der
Buramputer laufen durch Querthäler, d. h. senkrecht auf die große
Achse der Himalayakette. Alle diese Flüsse durchbrechen also die
Kette, wie der Amazonenstrom, der Paute und der Pastaza die
Cordillere der Anden.
[^22]: S. Bd. III. Seite 359.
[^23]: Pater Caulin, der im Jahr 1759 schrieb, obgleich sein
wahrheitgetreues, sehr werthvolles Buch (Historia corografica de la
Nueva Andalusia y vertientes del Rio Orinoco) erst 1779 erschien,
bestreitet mit vielem Scharfsinn die Vorstellung, daß eine Bergkette
jede Verbindung zwischen den Betten des Orinoco und des
Amazonenstroms ausschließe. »Pater Gumillas Irrthum,« sagt er,
»besteht darin, daß er sich vorstellt, Von den Grenzen von
Neu-Grenada bis Cayenne müsse sich eine Cordillere ununterbrochen,
wie eine ungeheure Mauer fortziehen. Er beachtet nicht, daß
Bergketten häufig von tiefen (Quer-) Thälern durchschnitten sind,
während sie, aus der Ferne gesehen, sich als contiguas ò indivisas
darstellen.«
[^24]: S. Bd. III. Seite 86.
[^25]: Von rescatar, loskaufen.
[^26]: Lepidamente, al suo solito, sagt der Missionär Gili.
[^27]: General Ituriaga, der zuerst in Muitaco oder Real Corona, später
in Cabruta krank lag, wurde schon im Jahr 1760 vom portugiesischen
Obristen Don Gabriel de Sousa y Figueira besucht, der von Gran-Para
aus gegen 900 Meilen im Canoe zurückgelegt hatte. Der schwedische
Botaniker Löfling, der dazu ausersehen war, die Grenzexpedition auf
Kosten der spanischen Regierung zu begleiten, häufte in seiner
lebhaften Phantasie die Verzweigungen der großen Ströme Südamerikas
dergestalt, daß er überzeugt war, er konnte aus dem Rio Negro und
dem Amazonenstrom in den Rio de la Plata fahren.
[^28]: Die Karte von la Cruz liegt allen neuen Karten von Amerika zu
Grunde. (Mapa geografica de America meridional por D. Juan de la
Cruz Cano y Olmedilla. 1775.) Die Originalausgabe, die ich besitze,
ist desto seltener, als, wie man allgemein glaubt, die Kupferplatten
auf Befehl eines Colonialministers zerbrochen worden sind, weil
derselbe besorgte, die Karte möchte allzu genau seyn. Ich kann
versichern, daß sie diesen Vorwurf nur hinsichtlich weniger Punkte
verdient.
[^29]: In großen Dingen (bei außerordentlichen Naturerscheinungen) gehen
Neuheit und Unglauben Hand in Hand.
[^30]: Dorf in der Provinz Jaen de Bracamoros.
[^31]: Schon Oviedo rühmt das Seewasser als Gegengift gegen
vegetabilische Gifte. In den Missionen verfehlt man nicht, den
europäischen Reisenden alles Ernstes zu versichern, mit Salz im Mund
habe man in Curare getauchte Pfeile so wenig zu fürchten, als die
Schläge des Gymnotus, wenn man Tabak kaue. Ralegh empfiehlt
Knoblauchsaft als Gegengift gegen das Ourari (Curare).
[^32]: Kurz nach unserer Rückkehr nach Europa kam in Deutschland nach
einer geistvollen Zeichnung Schicks in Rom ein Kupferstich heraus,
eines unserer Nachtlager am Orinoco vorstellend. Im Vordergrund sind
Indianer beschäftigt einen Affen zu braten.
[^33]: Schon die glatte Oberfläche der Blaserohre beweist, daß sie von
keinem Gewächs aus der Familie der Schirmpflanzen kommen können.
[^34]: Der Caricillo del Manati, der an den Ufern des Orinoco in Menge
wächst, wird 8 bis 12 Fuß lang.
[^35]: Diese Völker, die noch roher waren, ais die Eingeborenen am
Orinoco, dörrten geradezu die frischen Fische an der Sonne. Bei
ihnen hatte der Fischteig die Form von Backsteinen, und man setzte
zuweilen den aromatischen Samen des Paliurus (Rhamnus) zu, gerade
wie man in Deutschland und andern nördlichen Ländern Kümmel und
Fenchel in das Brod thut.
[^36]: S. Bd. I. Seite 330
[^37]: S. Bd. III. Seite 389.
[^38]: Die dunkelfarbigsten (man könnte fast sagen die schwärzesten)
Spielarten der amerikanischen Race sind die Otomaken und die Guamos,
und sie haben vielleicht zu den verworrenen Vorstellungen von
amerikanischen Negern, die in der ersten Zeit der Eroberung in
Europa verbreitet waren, Anlaß gegeben. Was waren die Negros de
Quareca, die Gomara auf denselben Isthmus von Panama versetzt, woher
uns zuerst die albernen Geschichten von einem Volk von Albinos in
Amerika zugekommen? Liest man die Geschichtschreiber aus dem Anfang
des sechzehnten Jahrhunderts mit Aufmerksamkeit, so sieht man, daß
durch die Entdeckung von Amerika, wodurch auch eine neue
Menschenrace entdeckt worden war, die Reisenden großes Interesse für
die Abarten unseres Geschlechts gewonnen hatten. Hätte nun unter den
kupferfarbigen Menschen eine schwarze Race gelebt, wie auf den
Inseln der Südsee, so hätten die Conquistadoren sich sicher bestimmt
darüber ausgesprochen. Zudem kommen in den religiösen
Ueberlieferungen der Amerikaner in ihren heroischen Zeiten wohl
weiße bärtige Männer als Priester und Gesetzgeber vor, aber in
keiner dieser Sagen ist von einem schwarzen Volksstamm die Rede.
[^39]: Don Manuel Centurion, Governador y Comendante general de la
Guayana von 1766—1777.
[^40]: Dieß ist der indianische Name des obern Orinoco. S. Bd. III.
Seite 286.
[^41]: S. Bd. III. Seite 320.
[^42]: Diese drei Punkte liegen auf den Grenzen der Missionen am Rio
Carony, am Rio Caura und am obern Orinoco.
[^43]: Daß die großen Jaguars in einem Lande, wo es kein Vieh gibt, so
häufig sind, ist ziemlich auffallend. Die Tiger am obern Orinoco
führen ein elendes Leben gegenüber denen in den Pampas von Buenos
Ayres, in den Llanos von Caracas und auf andern mit Heerden von
Hornvieh bedeckten Ebenen. In den spanischen Colonien werden
jährlich über 4000 Jaguars erlegt, von denen manche die mittlere
Größe des asiatischen Königstigers erreichen. Buenos Ayres führte
früher 2000 Jaguarhäute jährlich aus, die bei den Pelzhändlern in
Europa »große Pantherfelle« heißen.
[^44]: Gmelin zählt dieses Thier unter dem Namen Felis discolor auf. Es
ist nicht zu verwechseln mit dem großen amerikanischen Löwen, Felis
concolor, der vom kleinen Löwen (Puma) der Anden von Quito sehr
verschieden ist.
[^45]: S. Bd. III.
[^46]: Am 18. April 1749. Nicolaus Hortsmann schrieb Tag für Tag an Ort
und Stelle auf, was ihm Bemerkenswerthes vorgekommen. Er verdient um
so mehr Zutrauen, da er, höchst mißvergnügt, daß er nicht gefunden,
was er gesucht (den See Dorado und Gold- und Diamantengruben), auf
Alles, was ihm unterwegs vorkommt, mit Geringschätzung zu blicken
scheint.
[^47]: Es ist dieß das Atonatiuh der Mexicaner, das vierte Zeitalter,
die vierte Erneuerung der Welt.
[^48]: S. Bd. III. Seite 61.
[^49]: S. Bd. III. Seite 61.
[^50]: Creuzer, Symbolik, III. 89.
[^51]: S. Bd. III. Seite 254.
[^52]: S. Bd. III. Seite 281, 300.
[^53]: Es ist dieß nicht Cuviers Ourax (Crax Pauxi, Lin.), sondern der
Crax alector.
[^54]: S. Bd. III. Seite 267.
[^55]: S. Bd. III. Seite 104.
[^56]: S. Bd. III. Seite 232.
[^57]: S. Bd. III. Seite 219.
[^58]: S. Bd. III. Seite 221.
[^59]: S. Bd. II. Seite 81.
[^60]: S. Bd. II. Seite 61.
[^61]: S. Bd. III. Seite 41.
[^62]: Diese Berechnung gründet sich auf den Quint, der in den Jahren
1576 und 1592 an das Schatzamt (caxas reales) von Truxillo bezahlt
wurde. Die Register sind noch vorhanden. In Persien, in Hochasien,
in Egypten, wo man auch Gräber aus sehr verschiedenen Zeitaltern
öffnet, hat man, so viel ich weiß, niemals Schätze von Belang
entdeckt.
[^63]: S. Bd. III. Seite 380.
[^64]: Eine Art Mumien und Skeletie in Körben wurden vor Kurzem in den
Vereinigten Staaten in einer Höhle entdeckt. Sie sollen einer
Menschenart angehören, die mit der auf den Sandwichsinseln
Aehnlichkeit hat. Die Beschreibung dieser Gräber erinnert
einigermaßen an das, was ich in den Gräbern von Ataruipe beobachtet.
— Die Missionäre in den Vereinigten Staaten beklagen sich über den
Gestank, den die Nanticokes verbreiten, wenn sie mit den Gebeinen
ihrer Ahnen umherziehen.
[^65]: S. Bd. III. Seite 172.
[^66]: S. Bd. III. Seite 20.
[^67]: S. Bd. III. Seite 132.
[^68]: S. Bd. III. Seite 44.
[^69]: S. Bd. IV. Seite 47.