Lju an Konstantin

Kremskoje, 10. Juli.

Lieber Konstantin! Ich habe die Schreibmaschine abgeschickt. Es bleibt

also dabei, daß die Explosion durch Druck auf den Buchstaben _J_ zur

Entladung kommt. Da wir uns auf einen Buchstaben einigen müssen, soll es

der sein, mit dem der Vorname des Gouverneurs beginnt; es ist

ausgeschlossen, daß er einen Brief schreibt, ohne ihn zu benutzen.

Zunächst liegt nun die Verantwortung auf Dir. Ich bin froh, auf kurze

Zeit davon frei zu sein, denn ich fühle mich krank. Es liegt mir ein

Fieber in den Knochen, am liebsten würde ich mich zu Bett legen, ich

glaube aber, daß ich das Entstehen einer Krankheit am ersten durch

Widerstand verhindern kann. Es ist mir schon einmal gelungen. Der

Kutscher Iwan hat den Unterleibstyphus in hohem Grade, er ist noch in

Lebensgefahr; und weil hier Schrecken und Ratlosigkeit herrschte, denn

die Dienstleute meinten, er hätte die Cholera, und ich einigermaßen

Bescheid mit solchen Sachen weiß, habe ich mich seiner angenommen. Der

Mann mag mich nicht leiden, er empfindet eine unklare Furcht oder

Abneigung gegen mich, ich denke mir, er spürt in der Art, wie Tiere das

können, die Gefahr, die seinem Herrn von mir droht. Ich habe eine

besondere Vorliebe für diese noch halb tierischen, im Unbewußten

lebenden Volksnaturen, es war mir eine ordentliche Freude, ihn zu

behandeln und zu beobachten. Vielleicht habe ich mich bei der Pflege

überanstrengt, da ich ohnehin angegriffen war.

Sollte die Krankheit stärker als ich sein und sollte ich nach Petersburg

ins Spital geschafft werden, das wäre sehr schlimm. Denn ich muß

durchaus die Maschine selbst in Empfang nehmen und aufstellen. Ich kann

aber mit Sicherheit darauf rechnen, daß Herr und Frau von Rasimkara mich

im Hause behalten und bei sich verpflegen würden, selbst wenn ich mich

sträubte. Vor allen Dingen rechne ich auf meine gesunde Natur und auf

die Kraft meines Willens. Mauern einreißen wie Simson kann man wohl

nicht mehr, aber seinen Körper aufrechthalten, wenn er einstürzen

möchte, wenigstens für eine Weile. Auf alle Fälle erwarte noch ein

Zeichen von mir, ehe Du handelst.

Lju.

Der letzte Sommer: Eine Erzählung in Briefen · 第 59 / 69 题