Kremskoje, 10. Juli.
Katja, Du sollst auf gar keinen Fall kommen, hörst Du! Wenn Du nur noch
nicht fort bist! Denke Dir, gestern ist das Väterchen plötzlich
furchtbar krank geworden. Er hatte Krämpfe und wand sich und wurde blau
im Gesicht, es war einfach schrecklich. Zuerst sagte Welja, er wäre
betrunken, aber das merkte man bald, daß es etwas andres war, und die
Mädchen sagten, er hätte die Cholera, und stellten sich unbeschreiblich
an, keine wollte bei ihm bleiben. Lju nahm alles in die Hand, er sagte,
Cholera könnte es nicht sein, das hätte andre Symptome, es wäre
wahrscheinlich ein typhöses Fieber mit irgendwelchen Komplikationen. Er
verordnete allerlei und blieb bei Iwan, obgleich Papa und Mama es nicht
leiden wollten, weil sie meinten, es könnte ansteckend sein; aber er
sagte, erstens glaubte er das nicht und außerdem fürchtete er sich gar
nicht davor und wäre deshalb auch nicht empfänglich. Iwan starrte ihn
immer ganz erschrocken an, wenn er zu sich kam, ich glaube, er hatte ihn
ungern bei sich, aber er wagte es nicht zu sagen. Als der Arzt kam,
sagte er, alles, was Lju angeordnet hätte, wäre angemessen, er würde
auch nichts andres gemacht haben und er glaubte auch, daß es
Unterleibstyphus wäre. Papa und Mama wollen durchaus nicht, daß Du
kommst, wegen der Ansteckung. Wir wären nun einmal da, das wäre nicht zu
ändern, Du solltest Dich aber nicht mutwillig der Gefahr aussetzen. Ich
finde, sie haben ganz recht, helfen kannst Du doch nicht, und Mama würde
sich ängstigen, selbst wenn es mit der Ansteckung gar nicht so schlimm
ist. Zunächst kann Iwan noch nicht in die Stadt transportiert werden,
weil er zu krank ist. Das arme Väterchen! Welja sagt immer, es wäre zu
schade um ihn, der Wein schmeckte ihm so gut, ja, mit Branntwein war er
schon glücklich.
Ich sehe Dich nun gewiß auch nicht mehr vor der Reise, mein
Glühwürmchen! Aber ich komme nicht dazu, Dich zu vermissen, so viel ist
jetzt zu tun!
Deine Jessika.