Kremskoje, 1. Juli.
Nun, mein süßer Spatz, Deine Schopffedern sind wohl noch zornig
gesträubt gegen Deinen Bruder, weil er Dir, wie es seine Pflicht ist,
die Wahrheit gesagt hat? Unterdessen arbeitet er für Dein und sein und
unser aller Wohl. Seit Papa sich überzeugt hat, daß wir die tiefere
Bildung nur erlangen können, wenn wir ein paar Semester im kultivierten
Westen studieren, ist seine Laune wieder sehr gestiegen. Er findet es
jetzt auch besser, daß wir mit dem mehr äußerlichen Paris beginnen, um
später zum gründlichen philosophischen Deutschland fortzuschreiten. Wir
sollen bald fort; denn Papa begreift auf einmal, daß alle unsre
Unzulänglichkeiten nur davon kommen, daß wir den Einfluß der alten
westlichen Kultur noch nicht durchgemacht haben. Du mußt also Dein
Studium sofort aufgeben und für unsre Ausrüstung sorgen, das heißt
dabeistehen, wenn Tante Tatjana es tut.
Lju geht fort, vielleicht schon vor uns. Ich denke mir, er wird auch
nach Paris kommen, wenn wir da sind, obgleich er sich nicht bestimmt
darüber ausspricht. Wir fahren oft Automobil zusammen. Ich habe Mama
mein Wort geben müssen, ihn möglichst selten mit Jessika allein zu
lassen -- ganz überflüssig, denn er hat selbst gar keine Lust dazu. Auf
Papa nehme ich auch viel Rücksicht, ich spiele nie mehr Wagner, weil ihn
das nervös macht. Uebrigens geht es ihm wirklich viel besser, außer
seiner Scharteke hat er jetzt noch unsre Reise, die ihn angenehm
beschäftigt, er gibt mir Anweisungen, welche Züge wir nehmen müssen, in
welchen Hotels wir absteigen sollen, und hat dabei fast das Gefühl, er
könnte selbst mit. Sei Deinem Bruder dankbar, anstatt zu schmollen, was
überhaupt kindisch ist.
Welja.