Jegor von Rasimkara an Frau Demodow

Kremskoje, 23. Juni.

Gnädige Frau! Hätte Ihr Sohn mich persönlich beleidigt oder angegriffen,

so hätte es Ihrer Fürbitte nicht bedurft, damit ich seiner Jugend und

seinem ungestümen Charakter die Kränkung unbedingt vergeben hätte.

Unglücklicherweise ist es nicht die Privatperson, an die Sie sich

wenden, sondern der Vertreter der Regierung; als solcher kann ich nicht

großmütig sein, denn den Staat angehend handelt es sich nicht um

Gefühle, sondern um Nutzen und Notwendigkeit. Ich habe den jungen Mann,

dessen Gesinnung mir bekannt war, zeitig gewarnt, sowohl in seinem wie

im Interesse seiner unglücklichen Eltern; damit, daß er meine Warnung

unbeachtet ließ, erklärte er, die Folgen seiner Handlungsweise auf sich

nehmen zu wollen. Ich traue ihm zu, daß er selbst weder um Gnade bittet,

noch der Regierung aus ihrer Strenge einen Vorwurf machen wird.

Ihnen zu sagen, gnädige Frau, wie sehr ich mit Ihnen empfinde, hätte ich

vielleicht nur das Recht, wenn ich Ihre Bitte gewähren könnte. Erlauben

Sie mir jedoch, Ihnen zu sagen, daß ich Ihnen dankbar wäre, wenn Sie mir

jemals Gelegenheit gäben, Ihnen mein aufrichtiges und schmerzliches

Mitgefühl durch die Tat zu beweisen.

Ihr ergebener

Jegor von Rasimkara.

Der letzte Sommer: Eine Erzählung in Briefen · 第 44 / 69 题