Petersburg, 20. Juni.
Du bist ein Dussel, Welja! Du hast ja doch Peter die ganze Geschichte
mit Lju geschrieben! Ich konnte es mir ja denken, aber warum prahlst Du
denn, Du hättest keiner Menschenseele ein Wort davon mitgeteilt? Erstens
fragte ich Dich nicht danach, und zweitens glaubte ich Dir nicht einmal.
Peter denkt nun, er müßte mich trösten, und ich müßte ihn heiraten;
Logik hat er doch nicht. Uebrigens ist er entzückend, Gott, zu schade,
daß ich nicht in ihn verliebt bin! Nun muß ich diese Albernheit von
Peter ertragen und dazu noch anhören, wie Tante Tatjana für Lju
schwärmt: wie elegant er wäre, und wie anregend, und wie energisch, und
was für einen guten Einfluß er auf uns gehabt hätte! Paß Du nur
wenigstens auf Jessika auf. Es ist auch zu toll, daß sie solche Eltern
hat. Papa merkt nichts, Mama findet alles sympathisch, und Dir ist alles
einerlei. Besinn Dich mal darauf, daß Du ein Mann bist; Lju kann alles
mit Dir anstellen und Dir alles weismachen, gerade als ob Du in ihn
verliebt wärest, das ist unwürdig. Wenn Tante Tatjana nicht gerade von
Lju redet, ist sie reizend und sehr vernünftig. Die Kurse sind noch
nicht eröffnet. Wie steht es mit Paris? Hat Papa ja gesagt? Im Notfall
gehen wir natürlich auch nach Berlin, wenn wir erst fort sind, findet
sich das übrige. Adieu!
Katja.