Kremskoje, 27. Mai.
Lieber Konstantin! Du meinst, daß ich vielleicht mittels des Automobils
zum Ziele kommen könnte. Ja, wenn es sich so einrichten ließe, daß der
Gouverneur das Genick bräche und ich das Handgelenk! Weißt Du, wie man
das macht? Durch den Kopf gegangen ist mir der Gedanke natürlich, sowie
von dem Automobil die Rede war, und ich habe im Hinblick darauf die
Anschaffung befürwortet, habe mich auch anerboten, zuweilen den
Chauffeur zu machen, was mit Beifall aufgenommen wurde. Es hat aber
außer der erwähnten Schwierigkeit das gegen sich, daß ich mit dem
Einüben viel Zeit verlieren müßte, wahrscheinlich ohne Erfolg und sicher
ganz ohne Vergnügen für mich. Ich bin kein Sportsmann. Zeit und
Aufmerksamkeit lasse ich mir solche Dinge nicht gern in hohem Maße
kosten. Für die Luftschiffahrt würde ich mich etwa interessieren; aber
das ist Arbeit und Tat, nicht Sport, und hat allerlei wissenschaftliche
Haupt- und Nebenzwecke. Ein wenig werde ich mich aber doch mit dem
Automobil befassen; es könnte auch der Fall eintreten, daß ich es zu
schleuniger Flucht benutzen müßte.
Ein andrer Einfall ist mir gekommen, von dem ich fühle, daß er ergiebig
sein wird. Ich möchte wo möglich bei dem Akt selbst nicht persönlich
beteiligt sein; es müßte also eine Maschine meine Rolle spielen. Nun
schwebt mir vor, daß dies eine Schreibmaschine sein könnte. Das Nähere
sage ich Dir, wenn der Plan etwas reifer in mir ist. Dann könnte es wohl
sein, daß ich Deiner verständnisvollen Mithilfe bedürfte, damit die
Maschine zweckentsprechend eingerichtet wird, ohne daß der Fabrikant
etwas davon erfährt.
Frau von Rasimkara ist seit jener Nacht verändert, blaß und beinahe
etwas scheu, beständig in der Nähe ihres Mannes. Es ließe sich so
erklären, daß mein Benehmen ihre Aengstlichkeit verdoppelt hat, weil sie
den Schluß daraus ziehen mußte, ich hielte ihren Mann für sehr
gefährdet. Vielleicht schläft sie seitdem nicht mehr gut. Vorher hatte
meine Sicherheit und Sorglosigkeit beruhigend auf sie eingewirkt. Eine
gewisse Zurückhaltung, die sie mir gegenüber weniger zeigt als wider
ihren Willen verrät, könnte darin begründet sein, daß die Erinnerung an
unser nächtliches Begegnen, das so seltsam, so flüchtig und doch so
eindrucksvoll war, und das niemand außer uns weiß, sie verlegen macht
oder wenigstens in irgendeiner Hinsicht bewegt. Verdacht gegen mich hat
sie nicht, dessen bin ich sicher; sie behandelt mich im Gegenteil mit
vermehrter Freundlichkeit und Rücksicht. Da sie jetzt fast immer um
ihren Mann ist, bin ich mehr in die Gesellschaft der Kinder gedrängt,
deren Vertrauter und teuerster Freund ich geworden bin.
Du darfst dich in der nächsten Zeit nicht von Petersburg entfernen, da
ich Deiner wegen der Schreibmaschine bedürfen könnte.
Lju.