Kremskoje, 20. Mai.
Lieber Peter! Heute habe ich das Gefühl, in einem Irrenhaus zu sein.
Mama hat diese Nacht irgend etwas gehört, was nachher gar nichts war,
aber trotzdem sich alles als Einbildung entpuppt hat, sieht sie verweint
aus und fährt bei jedem Geräusch zusammen. Papa hat Furoranfälle, die
wir als Nervosität respektieren sollen. Vorhin klingelt er Mariuschka
her, weil sie in der Garderobe das elektrische Licht habe brennen
lassen. Er machte solchen Krakeel, daß ich es im Garten hörte, und
stellte sich ungefähr so an, als ob dies elektrische Flämmchen das
Verderben auf unsre ganze Familie herunterziehen müßte. Nachher stellte
sich heraus, daß er selbst es angezündet und auszumachen vergessen
hatte. Katja erhob nun ihrerseits ein Geschrei, es wäre empörend von
Papa, das ganze Haus schwämme in Tränen seinetwegen, die Dienstleute
könnten unmöglich Respekt vor ihm haben, wenn er sich so benähme, und
dazwischen rief sie mich an, ob ich es nicht auch fände. Ich sagte:
»Vater, wie du willst.« Da wendete sich plötzlich ihre Entrüstung gegen
mich, worüber wir dann glücklich alle ins Lachen kamen. Papa sagte, nun
müßte er sich wohl bei Mariuschka entschuldigen, weil er ihr unrecht
getan hätte, und begab sich zu diesem Zweck ins Leutezimmer. Wir wollten
gern mitgehen, um der Szene beizuwohnen, aber Mama verbot es als
unschicklich. Ich fand die Geschichte von vornherein nur komisch und
verstehe nicht, wie Katja sich ärgern kann.