IV.

Zwischen Obst- und Gemüsegärten liegt die bischöfliche Residenz Neiße.

Um viele runde und eckige Kirchtürme lebt ein Volk von Krämern.

Dorthin wurde Nikolaus gebracht.

Man hatte sich eigentlich nicht mehr sonderlich um ihn gekümmert. Der Adel

wollte nicht mithineingezogen werden, der Fürstbischof fürchtete ein zu

großes Aufsehen, vielleicht auch eine Einmischung fremder Fürsten, es wäre

ihm sogar lieb gewesen, man hätte den Herzog überhaupt nicht festgehalten.

Er wußte, daß jetzt etwas getan werden müsse. Die Scherereien würden kein

Ende nehmen. Schließlich stand auch sein Ansehen auf dem Spiel. Das Volk

wollte sich in Forderungen und Rachegelüsten nicht genugtun.

Er übergab seinem Kabinett die Angelegenheit zu weiterer Verfolgung und

reiste irgendwohin.

Den Kämmerern war die Sache sehr unbequem. Sie schoben den Herzog nach

Neiße ab. Die hätten den Vorfall dort ordnungsmäßig zu regeln.

Der Rat der Stadt war in arger Bedrängnis. Der Bürgermeister las das

Schreiben, das die Ankunft des Gefangenen ankündigte und schüttelte den

Kopf. Es kam ihm dunkel zu Bewußtsein, daß man etwas Besonderes von ihm

verlange.

Bald war es den Schustern und Schneidern und sonstigen Leuten bekannt. Eine

furchtbare Aufregung kam in die Stadt. Alles lief hin und her. Die

Fleischer schlugen Wurstbuden auf, die Bäcker boten frische Semmeln und

Brezeln aus, die Komödianten bauten die bereits abgerissenen Zelte wieder

auf. Ratsherren liefen mit hochroten Köpfen umher und erzählten einander im

Flüstertone, daß etwas ganz Außerordentliches bevorstehe. Der Bürgermeister

fieberte. Seine Frau, die lange Jahre bei Pfaffen gedient hatte, besaß

mancherlei Erfahrung in Sitten und Rechten. Sie verstand sich darauf, daß

der Herzog noch am gleichen Tage hingerichtet werden müßte. Der

Bürgermeister schwitzte.

Die Schöffen drängten, sogleich das Gericht abzuhalten. Der und jener hatte

keine Zeit, die Weiber kneiften am Portal des Rathauses, fahrende

Musikanten spielten zum Tanz auf. Es war ein Volksfest, das dem Herzog bei

seinem Einzug in die Stadt entgegenflutete.

Der Weg bis Neiße hatte ihn weidlich belustigt. Die Komödie war köstlich

und dieser Empfang . . .

Er lachte, daß es von einem Tor bis zum anderen schallte.

Das Volk johlte und jubelte auf den Straßen.

Es lag so gar kein Unwillen und Haß darin, so daß Nikolaus nachdenklich

wurde.

Was hat dieses Volk, dachte er, sie sind Kinder, die ein Spielzeug

zerbrechen, warum lachen sie . . .

Er wurde vor den Rat geführt.

Jemand las einen langen Schriftsatz vor.

Er hörte nichts.

Schuster und Schneider sprachen auf ihn ein. Der Bürgermeister schlug auf

den Tisch und brüllte.

Der Herzog gähnte.

Er sah, wie sie mit wichtigen Mienen Schriftstücke aufsetzten, berieten,

abstimmten, die Köpfe schüttelten. Draußen schrie alles durcheinander.

Der Bürgermeister verbeugte sich gegen den Herzog und begann wieder etwas

vorzulesen.

Nikolaus versetzte ihm einen Fußtritt.

Ein Schöffe nach dem anderen schlich sich hinaus.

Nikolaus schrie auf. Er hatte den Bürgermeister gefaßt und schleuderte ihn

gegen die Wand.

Sie waren für eine Sekunde allein im Saal.

Dann kamen Schergen und schleppten den Herzog in das Turmverlies. Sie

griffen roh zu.

Nikolaus blieb stumm. Seine Miene wurde eisenhart.

Vor der Bürgermeisterei lief alles Volk zusammen. Man hörte das Weib

keifen. Teller flogen auf die Diele. Es war ein Gehaste, als ob drinnen ein

Toter wäre. Der Bürgermeister hatte sich in die Hosen geschissen.

Das Trottelbuch · 第 43 / 46 题