Die Keller und Schenken in Breslau wurden zu klein. Die Bürger stritten
sich mit den Pfaffen, und die Pfaffen mit den Felljuden, die gerade
Markttag hatten.
Unter all diesem Volk saßen Nikolaus und seine Gesellen und soffen.
Manch fürstlicher Vetter ritt über den Markt und stieg am Stadthaus ab.
Schuster und Schneider liefen zum Empfang geschäftig in Ratsfräcken hin und
her.
Nikolaus sparte nicht mit Witz und Schimpf. Das Gejohle seiner Gesellen
schwoll gegen die Maskerade, daß die Bürger still wurden. Als der Abend
hereinbrach, lagen die Meisterlein unter dem Tisch. Die Weiber keiften.
Dann läuteten alle Glocken, und Fanfaren ertönten.
Nikolaus erhob sich und seufzte schwer.
Die Fanfaren schrieen ihn an und rüttelten.
Aus dem Rülpsen seiner Gesellen sprach jetzt eine leise milde Stimme zu
ihm. Er krampfte die Faust zusammen, Sturm war in ihm. Er wollte schreien,
brüllen und sah irr um sich. Es schrie jemand in ihm -- wie ein Fährmann,
dann klang es wie geborstenes Metall.
Nikolaus schritt langsam über den Markt und die Treppe zum Bankettsaal
hinauf. Den Kopf hielt er gesenkt. Wie zum Stoß. Die breiten Schultern
zitterten.
Man beachtete ihn drinnen nicht sonderlich.
Er fühlte sich bedrückt, gefesselt und tat mit in feinen Manieren. Stunden
verflossen. Der Wein und die mancherlei Reden taten das ihrige.
Nikolaus blieb schweigsam. Kaum daß überhaupt jemand ihm Anrede gab.
Es wurde wie bei jedem Bankett. Welche fingen mit rauhen Späßen an, wieder
welche sprachen von Weibern. Es gab wohl auch Püffe und Maulschellen, und
man vertrug sich dann wieder.
Nikolaus blieb schweigsam. Man hatte ihn zwar geladen, aber man beachtete
ihn nicht.
Er hätte wohl gern mitreden mögen, und er wunderte sich, daß sie dasselbe
taten, was sie bei ihm so verachteten. Er hatte auch jene Weiber besessen,
die sie lästerten, die heiligen und die Weiber der Bürgermeister und
Schöffen. Er liebte sie noch alle und bewahrte es wie etwas Kostbares, so
daß er nie davon sprach.
Er sehnte sich fort. Er dachte, wie er sich doch besser von mancherlei
trennen sollte, er dachte an sein Haus, still liegen und in die Sonne
schauen. Seine Gedanken verwirrten sich. Er fühlte, daß er die Heilkraft
der Ruhe nicht finden würde. Der Ruf von Haus war so trübe und vergiftet
und viel zu schwach.
Sie wurden lärmender.
Es war ihm, als ob sie alle von ihm sprachen. Als ob sie ihn um seine
Streiche beneideten.
Der Fürstbischof meckerte etwas und alle lachten.
Nikolaus schien es, als starrten sie ihn an, daß jeder etwas Besonderes von
ihm wüßte und er jedem mit dem Becher Bescheid trinken müßte.
Er sah sich wie an den Schandpfahl geschlossen.
Plötzlich sprang er auf, daß seine Tischnachbarn vom Sessel fielen.
Er bahnte sich unter dem Gelächter der übrigen zu dem Fürstbischof einen
Weg und schlug ihm in das vor Lachen verkrampfte Gesicht.
Es wurde ganz still im Saal.
Nikolaus duckte sich, als ob er unter einer Last zusammenbrechen müßte.
Er faßte blitzschnell die Eminenz und schritt durch den Saal zur Tür.
Und er warf den zitternden Pfaffen die Treppe hinunter, daß das Volk unten
aufschrie.
Dann stieg er langsam die Stufen hinab, schritt durch die Volksmenge und
hinüber in seine Herberge.
Seine Stimme bebte, als er seine Leute zu sich rief.
Die Humpen wurden wieder gefüllt. Man hörte aus dem Geschrei der draußen
stehenden Menge, wie die Stadtwache aufzog.
Nikolaus saß schweigend und trank.
So will ich mich selbst vertrinken, dachte er und fühlte dumpf, wie eine
Woge seine Erinnerungen und Träume hinwegspülte.
Später kamen Frau Berthas Brüder.
»Wir wollen dich vor der Wut des Pfaffengesindels schützen,« sagten sie.
»Füge dich in unsere Anordnungen.«
Dann legten sie ihn in Fesseln.